Dienstag, 14. September 2010

[Filmklassiker] "The Ghost and Mrs. Muir"

Dass ich filmtechnisch hoffnungslos nostalgisch bin, kann und will ich gar nicht leugnen (ja, ich weiß, meine Prota Anne lässt hier grüßen).
Da ich hin und wieder mal eine Schauspielerautobiografie vorstelle, werde ich künftig auch Filme mit aufnehmen, die nicht zwangsläufig meine Lieblingsklassiker sein müssen, aber mich doch auf ihre Weise faszinieren.

Ein Lieblingsfilm allerdings ist "The Ghost and Mrs. Muir" (interessanterweise habe ich tatsächlich jede Menge Lieblingsfilme, während ich mich nicht dazu durchringen kann, ein Lieblingsbuch zu erwählen, seltsam ....) 


Nicht zu verwechseln mit der späteren Fernsehserie gleichen Namens!
 
Auf Deutsch wurde dieser US-amerikanische Spielfilm aus dem Jahr 1947 etwas stiefmütterlich behandelt, denn er lief hier, wie wikipedia zu entnehmen ist, erst 1989 im Fernsehen.
Unter dem scheußlichen Titel "Ein Gespenst auf Freiersfüßen".
Ich denke, dass ich ihn damals zum ersten Mal gesehen habe, aber ich habe mich sofort in den Film verliebt.
 
Die Romanvorlage The Ghost and Mrs. Muir von R. A. Dick (Pseudonym der Autorin Josephine A. C. Leslie) war 1945 in Großbritannien erschienen, und die 20th Century Fox (späteres Heimstudio von Marilyn Monroe) erwarb die Filmrechte. 
 
Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England.
Lucy Muir (dargestellt von der  damals 27-jährigen Gene Tierney) ist eine junge Witwe und lebt mit ihrer Tochter Anna bei ihrer Schwiegermutter und Schwägerin in London. Sie wird von deren Umgang und Atmosphäre erstickt und beschließt, ein eigenes Leben zu beginnen. Das Meer habe sie schon immer angezogen, sagt sie und begibt sich in das Küstenstädtchen Whitecliff-by-the-Sea, wo sie direkt an der Steilküste ein Cottage mieten will.
Bereits bei der Besichtigung des Hauses, das sich als erstaunlich billig herausstellte, wird deutlich, dass es dort offenbar spukt. Die selbständige junge Frau lässt sich davon aber nicht abbringen und zieht mit Tochter (gespielt von einer jungen Natalie Wood) und Haushälterin ein.
Und tatsächlich spukt der ehemalige Hausbesitzer, Kapitän Daniel Gregg (Rex Harrison), dort herum und versucht, die neue Mitbewohnerin zu vertreiben, wie er es mit allen anderen zuvor ebenfalls getan hat. Warum nun ausgerechnet ein Gespenst eigene Pläne mit seinem ehemaligen Haus hat, ist zwar nicht ganz so präsent, aber eigentlich auch nicht so wichtig.
Natürlich ist Lucy mit etwas Gespuke nicht zu beeindrucken und rennt nicht hysterisch kreischend davon, sondern fordert ihn schließlich auf, sich zu zeigen.
Das tut er dann auch, doch Lucy ist die Einzige, die ihn sehen kann.
Nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, obwohl der Kapitän nichts für Landratten übrig hat und deren Wesen und Gefühle nicht nachvollziehen kann. Es wird deutlich, dass Daniel wohl mehr fur Lucy empfindet, denn er wirft nicht nur deren Schwiegerverwandtschaft aus dem Haus, sondern vereitelt auch eine Herrenbegegnung. Als Lucy, die Daniel "Lucia" nennt, der finanzielle Ruin droht, da die Goldminen ihres verstorbenen Mannes keinen Gewinn mehr abwerfen, was bedeutet, dass sie sich die Miete des Hauses nicht mehr leisten kann und wohl oder übel zur bigotten Schwiegerverwandtschaft zurückkehren müsste, hat Daniel die rettende Idee.
Er will seine neue Mitbewohnerin nicht verlieren, also diktiert er ihr seine spannende, rasante Lebensgeschichte, die sie als Buch veröffentlichen soll.
Diese Szenen sind wunderbar amüsant, denn nicht nur die Grammatikvorstellungen der beiden prallen hier aufeinander, während die Beziehung immer tiefer wird.
Es gelingt Lucy, das Buch an einen Londoner Verleger zu verkaufen, doch bei dieser Gelegenheit lernt sie den Kinderbuchautor Miles Fairley kennen, der sofort beginnt, ihr den Hof zu machen.
Daniel, der Lucy inzwischen liebt, weiß, dass es keine Chance für sie geben kann und Lucy ihr Glück mit einem lebenden Mann machen muss. Er weiß, dass ihre Entscheidung das Leben ist, deshalb verlässt er sie und kehrt nie mehr zurück, nicht wissend (oder vielleicht doch?), dass Lucy eine große Enttäuschung bevorsteht.
 
Dieser Film hat bis heute nichts von seiner Romantik verloren.
Obwohl er im fantastischen Genre angelegt ist, kommt er ohne große Effekte aus, die damals zweifellos bereits möglich (wahrscheinlich aber auch unsäglich teuer) gewesen wären.
Unter anderem werden alle Szenen zwischen Gene Tierney und Rex Harrison vollkommen real dargestellt. Der Geist Daniel erscheint nur ein Mal durchsichtig, ansonsten ist er ein "normaler" Mensch, und man hat den Eindruck, das muss so sein, weil Lucy ihn kaum als Geist empfindet. Etwas verwirrend ist das allerdings, wenn er Schwiegermutter und Schwägerin aus dem Haus wirft, die ihn ja nicht sehen können.
Als Spukelemente dienen lediglich Harrisons schnarrende Stimme aus dem Off sowie wehende Gardinen und flackernde Kerzen, und nicht zuletzt das Schattenspiel, das nur das Medium schwarz-weiß so imposant zu erzeugen vermag, gibt dem Film seine besondere Atmosphäre.
Interessant ist, dass der Geist Daniel nicht an das Cottage gebunden zu sein scheint, denn er begleitet Lucy (zunächst für sie unsichtbar, später dann sichtbar) nach London. Auch Tageszeiten sind ihm egal. 

Sowohl Tierney als auch Harrison sind einfach perfekt in ihren Parts.
Harrison ist der raue Seemann, der sich für nichts als die See begeistern kann, während Tierney eine ganze Bandbreite von schnippisch bis traurig zu spielen bekommt.
Hin und wieder wird zwar bemängelt, dass Tierney ihr altes Alter Ego nicht authentisch genug darstellt, allerdings bin ich der Auffassung, dass dieser Part des Films viel zu kurz ist, als dass man über die Mimik und Körperhaltung einer 27-Jährigen, die nun eine alte Frau darstellt, philosophieren muss.
Überhaupt ist es in Anbetracht des privaten Hintergrundes der Aktrice bewundernswert, dass es ihr gelungen ist, den Charakter der Lucy mit all seinen Facetten durch den Film zu tragen.

Sowohl Harrison als auch Tierney machen die Geschichte, die weder neu noch besonders überraschend ist (und es vielleicht auch nicht sein will), zu einem Erlebnis, dem man gerne beiwohnt.
Taschentuchromantik bietet dieser Film allemal. Neben beeindruckenden Aufnahmen des Pazifischen Ozeans trägt auch die unvergessliche Filmmusik von Bernard Herrmann (The Ghost & Mrs. Muir) wesentlich dazu bei. Wie in solchen alten Filmen häufig festzustellen, ist der Score hin und wieder nicht mehr als Untermalung zu bezeichnen, denn stellenweise ist die Musik ein wenig überdramatisierend und etwas zu laut für die Szene. Das soll aber dem Filmgenuss keinen Abbruch tun. 

Wer Filme der goldenen Ära Hollywoods mag, amüsante Schlagabtausche zwischen Mann und Frau ebenso zu schätzen weiß wie ein Tränchen im Knopfloch, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Hier eine kleine Hommage an "The Ghost and Mrs. Muir" (Filmszenen nur mit musikalischer Untermalung):


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