Montag, 30. August 2010

... über "Krieger des Lichts 01: Ungezähmtes Verlangen" von Pamela Palmer

Pamela Palmer
"Krieger des Lichts 01: Ungezähmtes Verlangen"

Animalische, aber unspektakuläre neue Gestaltwandlerreihe für Erotikfans



Produktinformation
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Lyx (10. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Wolfgang Thon
ISBN-10: 3802583108
ISBN-13: 978-3802583100
Originaltitel: Desire Untamed
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,4 x 3 cm

Kurzbeschreibung
Kara MacAllisters beschauliches Kleinstadtleben ist mit einem Schlag vorbei, als ein mysteriöser Fremder sie aus ihrem Haus entführt. Der atemberaubend gut aussehende Lyon ist jedoch kein gewöhnlicher Mensch, sondern gehört einem Volk unsterblicher Gestaltwandler an. Lyon glaubt, dass Kara dazu ausersehen ist, ihn und sein Volk vor einer uralten Bedrohung zu retten. Auch wenn es Kara schwer fällt, seinen Worten Glauben zu schenken, fühlt sie sich zu dem wilden Krieger unwiderstehlich hingezogen. Da bricht das lange prophezeite Unheil über die Welt herein, und nur gemeinsam können Kara und Lyon der Gefahr begegnen.

Inhalt
Es war einmal eine Gruppe von Gestaltwandlern, genannt Therianer, deren Aufgabe darin bestand, die menschliche Welt und damit auch sich selbst vor Dämonen, den sogenannten Dradern, einem ziemlich bissigen, angriffslustigen, fliegenden Völkchen, das sich von Energie ernährt, vornehmlich von menschlichen Kindern, zu schützen.
Doch um diese Aufgabe erfolgreich erfüllen zu können, benötigen die Gestaltwandler eine, nennen wir sie einmal, Königin, die in ihrem Geschlecht als "Strahlende" bezeichnet wird, weil sie, und das ist wörtlich zu nehmen, sich so mit der Energie der Elemente aufladen kann, dass sie erstrahlt. Mit diesem Strahlen stärkt sie die Therianer und versetzt sie in die Lage, sich in ihre Tiergestalt zu verwandeln, in der sie mächtig und in der Lage sind, die Drader zu vernichten.
Pferdefuß an dieser ganzen Sache ist, dass es nur eine "Strahlende" geben kann, und wenn diese einmal stirbt, was durchaus passieren kann, zumal die Therianer nicht unsterblich sind, wenn auch ein recht langes Leben haben, muss eine neue Strahlende her.
Diese wird nun aber nicht von irgendjemandem ausgesucht, sondern von der "Göttin" auserwählt und mit einem besonderen Mal gezeichnet.
Ist sie einmal gefunden und inthronisiert, dürfte der Weiterverfolgung der Schutzaufgabe der Therianer nichts im Wege stehen.
Genau da setzt nun Palmers Roman ein:
Die "Strahlende" ist tot.
Es steht außer Zweifel, dass eine neue gezeichnet wurde, nur muss diese erst aufgefunden werden.
Lyon, der Löwe und wie zu erwarten Anführer der Gruppe, ist der "Sucher" und in der Lage, sie mental zu erspüren. Also macht er sich auf den Weg, um die "Strahlende" heimzuholen.
Dass diese aber gar nicht weiß, dass sie eine Therianerin ist, geschweige denn von einer solchen Welt je etwas geahnt hätte, und somit auch nicht wie andere Therianerinnen darauf gewartet hatte, von der Göttin gezeichnet zu werden, hat er sich nun wiederum nicht erträumt.
Kara MacAllister ist siebenundzwanzig Jahre alt, Grundschullehrerin und hat überaus menschliche Sorgen.
Ihre Mutter ist schwerkrank und liegt im Sterben.
Genau in diesem unpassenden Moment platzt Lyon ohne jegliches Feingefühl herein, fordert sie auf, ihre Brust zu entblößen, auf der sich vor einiger Zeit ein Zeichen gebildet hat. Dann entführt er sie kurzerhand und speist sie mit sehr schwammigen Informationen ab.
Als es ihr noch während der Fahrt die Flucht gelingt und sie nach Hause zurückkehrt, kann sie nur noch miterleben, wie ihre Mutter stirbt, nachdem sie ihr mit einem knappen "Nein" bestätigt, dass sie nicht ihre leibliche Mutter war.
In einem verständlichen Gemütszustand der Verwirrung und sehr schlecht vorbereitet wird Kara nun in das Quartier der Gestaltwandler gebracht.
Dort trifft sie auf die übrigen Männer, die bis auf wenige Ausnahmen ein unangenehmes Berührungsverhalten an den Tag legen, sowie eine Frau, die ihr von Anfang an feindselig gegenübertritt und sich offenbar dort durch verschiedene Betten schläft, und nicht zuletzt auf die Köchin, die ein Flamingo ist.
Sehr häppchenweise offenbart Lyon ihr, was sie nun erwartet.
Auf seltsame Weise ist er in der Lage, in ihr ungekannte erotische Gefühle auszulösen, sodass sie bereits von einem Kuss, der sie auf die Paarungszeremonie vorbereiten soll, einen welterschütternden Orgasmus erleidet.
Bei dieser Paarungszeremonie muss sie sich von allen Gestaltwandlern küssen lassen und derjenige, an dessen Fingerspitzen blaue Flammen züngeln werden, soll auf ewig der Gefährte der inthronisierten "Strahlenden" sein. Nur er ist ihr bestimmt und kann ihr ein Kind schenken.
Lyon ist der Einzige, dem Kara traut, und insgeheim hofft sie natürlich, dass er der Auserwählte ist, während er sich immer wieder einzureden versucht, er habe ohnehin keine Zeit für eine Frau.
Doch nicht nur bei dieser Paarungszeremonie muss Kara eine Überraschung erleben ...

Meine Meinung
Sollte mein Text einen Hauch von Sarkasmus versprühen, so ist das durchaus beabsichtigt.

Das Positive zuerst:
Auch wenn der attraktive Herr auf dem Cover Lyon nicht gerecht wird, bin ich beinahe verliebt in dieses Cover. Noch dazu kommt, dass man keinen deutschen Fantasietitel erfunden, sondern den englischen Titel übersetzt hat. Das führt zwar zu einer nahtlosen Einreihung in alle ungezähmten, vor Verlangen schmachtenden Gefährtinnenromane, aber er passt nun einmal wie die Faust aufs Auge.
Nicht erklären kann ich mir die schwarze Ornamentik am unteren Rand, aber ansonsten bin ich doch mehr als zufrieden, weil die Umschlaggestaltung sehr wohl etwas vom Inhalt vermittelt, und wenn es nur der Löwe Lyon ist. Ich mag den violett-blauen Ton, weil er mich an die Flammen der Paarungszeremonie erinnert.
Ein kleiner Wermuthstropfen ist allerdings, dass das Cover des Folgebandes sehr ähnlich gestaltet ist, was schon im Vornherein ein wenig Langeweile aufkommen lässt.

Pamela Palmers neue Romantic-Fantasy-Reihe - ja, es ist schon wieder eine Reihe, und es ist mittlerweile gemeinhin bekannt, dass ich reihenmüde bin - bietet wenig Neues oder Überraschendes.
Bereits anhand der Namen der männlichen Haupt- und Nebencharaktere ist deutlich erkennbar, um welches Tier es sich handelt, die Veränderung der Schreibweisen, wie Lyon, Wulfe, Hawke, Foxx, Tighe, Vhyper etc., kennen wir bereits von J. R. Ward.
Daher ist es schon verwunderlich, wie lange es bei Kara dauerte, bis der Groschen fiel und sie sich sagte, dass sie nun in einem Haus voller Tiere angekommen war.
Das Gefährtinnenkennzeichnungsschema (längstes Wort des Jahres?) kennen wir ebenfalls zur Genüge, ebenso wie das "Ich fühle mich zu dir hingezogen, weiß aber nicht, warum"-Gefühl. Auch erinnern mich die therianischen Enklaven an Adrians Dark Havens.
Global betrachtet befinden sich Kara und Lyon von der ersten bis zur letzten Zeile unter einer erotischen Dauerspannung, die für mich als Leser eher anstrengend denn anregend war.
So redet sich Lyon alle gefühlten fünf oder zehn Seiten ein, dass er als Boss der Truppe gar keine Zeit für eine Frau hat, muss aber jedes Mal sich und sein Tier im Zaume halten, sobald die blonde Kara mit ihren goldenen Wimpern und ihrem betörenden Duft um die Ecke kommt.
Bei so viel Selbstzerfleischung und Lechzen bleibt die Handlung etwas auf der Strecke, sodass man den Eindruck hat, außer dem Angeschmachte passiert lange Zeit nichts.
Für mich war dies beinahe zu viel des Guten, und ich habe das arme Buch teilweise wirklich angeschnauzt, dass ich es ja nun endlich begriffen habe, dass er sie will, aber nicht haben kann, weil die Göttin sie unter Umständen ohnehin für einen anderen aus der Gruppe vorgesehen hat.
Außerdem bekommt Kara buchstäblich bei jeder Berühung durch Lyon einen so heftigen Orgasmus, dass ich mich durchaus fremdschämte.
Überhaupt ist die Erotik in Palmers Roman sehr animalisch, was im Grunde schon wieder positiv ist, denn so wird die tierische Seite der Gestaltwandler wenigstens nicht unter den Teppich gekehrt und auf den attraktiven, großen Menschen beschränkt.
Die Tatsache, dass die Inthronisation unbestritten ein sexuelles Ritual ist, bei dem glücklicherweise nur der Auserwählte zum Zug kommt, während die übrigen Gestaltwandler zwar nicht zuschauen, aber Körperkontakt mit der "Strahlenden" haben, geht deutlich weiter als bei anderen Autorinnen.
Sicherlich hebt sich soviel Animalität vom grauen Einheitsbrei ab, dürfte aber auch nicht jeder Leserin zusagen.
Leider erfährt man nur recht wenig über die Therianer, und Karas Herkunft ist ebenfalls nicht klar, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob wir je mehr über sie erfahren werden, außer, dass sie die Strahlende ist. 
Viel zu schnell ist der Tod der Mutter und ihr Leben bei den Menschen in den Hintergrund getreten. Ich meine, dafür, dass sie 27 Jahre lang von einem Menschen liebend umsorgt wurde, ihn nun verloren hat und, pardon, wie einen Hund verscharren musste, ist dieser Teil des Plots recht flott in Vergessenheit geraten.

Auch die gefühlsbetonte, romantische Seite der Beziehung oder Nicht-Beziehung blitzt nur verhalten auf.

Gut gefallen haben mir hingegen die Szenen, in den Kara lernt, mit der Natur Kontakt aufzunehmen und ihre Energie in sich aufzunehmen. Da war ich sozusagen in meinem Element. Der Konflikt mit den Magiern, die eine weitere Bedrohung neben den Dragern darstellen, ist in meinen Augen ebenfalls ausbaufähig.

Nicht überzeugen konnte mich die Sprache des Romans, und in diesem Falle wünschte ich mir sogar den Vergleich mit dem Original.
Die Beschreibung der Intimitäten ist vergleichsweise deutlich, aber ansprechend und weder verblümt noch schwülstig, aber auch nicht nachlässig und grob, und ich bin immer wieder erfreut, wenn ich nicht in jedem dritten Satz das Wort "Schwanz" lesen muss.
Allerdings gab es eben Sätze, wie auf Seite 189: "Einen schrecklichen Augenblick lang dachte Lyon, er würde jetzt gleich wild werden müssen." (Kursivdruck aus Originaltext übernommen). Ja, was denn nun? Jetzt? Oder doch gleich? Das mag ja Werbeneudeutsch sein, aber ich finde es furchtbar, und wenn ich das in einer Übersetzung geschrieben hätte, wäre ich im schlimmsten Falle durchgerauscht.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier sehr flott lektoriert wurde, denn darüber hinaus findet sich häufig z. B. zweimal im Satz das Wort "beinahe" oder "fast" (das passiert mir auch hin und wieder), sodass das schon auffällig ist.

Warum bleibe ich nun aber doch an dieser Reihe hängen?
Weil wir keinem Standard-Schema F entgegenblicken, zumindest hoffe ich das.
Es gibt schließlich nur eine "Strahlende".
Die anderen Gestaltwandler mit Gefährtinnen zu versorgen, scheint mythologisch, magisch oder wie auch immer nicht zwingend notwendig, ist aber doch wünschenswert, und wie es aussieht, kann diese Gefährtin eigentlich irgendwer sein.
Außerdem möchte ich nach dem in gewisser Hinsicht offenen Ende wissen, wie es weitergeht.

Fazit
Pamela Palmers "Krieger des Lichts 01: Ungezähmtes Verlangen" ist kein atemberaubend spannendes, aber auch kein langweiliges Buch und war ein netter Zeitvertreib bei grauem Regenwetter.
Es bietet quasi von allem ein Quäntchen: Magie und Legenden, Gut und Böse, Kampf und Tote, Erotik und Liebe.
Auf jeden Fall ist diese neue Reihe etwas für Leser, die (fantastische) Erotik mögen, die nicht durch die Blume dargestellt wird, und sich von starken, maskulinen und animalischen Protagonisten angezogen fühlen. 
Freunde zarter Romanzen werden vermutlich enttäuscht, dabei sollte man jedoch weder sprachlich anspruchsvoll sein noch ausgeklügelte fantastische Welten und Szenarien erwarten.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5 (hier liegt der Inhalt vor der Sprache)
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 3 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 4 von 5
Gefuehl/Subtilität: 1 von 5
Humor: 0 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen



Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Nach dem Lesen der Rezi habe ich doch die Augenbrauen hochziehen müssen, als ich sah, dass Du 0/5 Punkte für Humor vergibst ...
Ich bin mittlerweile mehrmals gewarnt worden und werde auf keinen Fall zu diesem Buch greifen. Klingt fast so schaurig wie die Satyr-Bücher von E. Amber. Die kauft und liest man wahrscheinlich auch nur wegen dem Sex ...
Gelungene Rezi, danke Dir!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Danke!

*Augen roll*
Hat jemand was von Humor gesagt?
Hab ich das falsche Buch gelesen? :-)
Das Lachen wäre in diesem Falle wohl unbeabsichtigt gewesen. *Tütülü*
Von den Satyren lasse ich die Finger, da haben mich meine Mädels schon gewarnt.
Ein bissel neugierig bin ich schon auf die Fortsetzung, aber Priorität hat sie nicht.
Ich kugel mich lieber mit Laura Bennett, bevor ich Raven Hart in Angriff nehme.

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