Samstag, 28. August 2010

... über "Jägerin der Nacht 02: Dayhunter" von Jocelynn Drake

Jocelynn Drake
"Jägerin der Nacht 02: Dayhunter"

Actionreiche, aber unromantische Europareise mit einer ordentlichen Portion Intrigen und Vergangenheitsbewältigung


Produktinformation

Broschiert: 443 Seiten
Verlag: Lyx (15. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Jasper Nicolaisen
ISBN-10: 3802582632
ISBN-13: 978-3802582639
Originaltitel: Dayhunter
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,6 x 3,6 cm
Preis: 9,95 €

Kurzbeschreibung (lt. Umschlag)
Nach der ersten blutigen Schlacht gegen die Naturi muss die Vampirin Mira neue Kräfte sammeln. Die Bedrohung durch die grausamen Elfenwesen ist größer denn je. Sollte die Königin der Naturi aus der Verbannung zurückkehren, wäre die Welt der Menschen und Nachtwandler der Vernichtung preisgegeben. Mit ihrem Verbündeten, dem Vampirjäger Danaus, reist Mira nach Venedig zum Sitz der Nachtwandlerfürsten. Aber die uralte Lagunenstadt ist ein gefährliches Pflaster. Krieg liegt in der Luft. Unheilige Bündnisse und ein erschütternder Verrat nehmen in den Schatten bedrohliche Gestalt an. Die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Bald weiß Mira nicht mehr, wem sie trauen kann, und die Zeichen häufen sich, dass sie von Anfang an nur als Marionette der Mächtigen benutzt wurde. Die große Schlacht, die schon immer Miras Schicksal war, steht kurz bevor. Da trifft sie eine weitere schockierende Enthüllung: Danaus, der Einzige, dem sie noch vertrauen konnte, ist in Wahrheit nicht der, der er zu sein scheint.

Inhalt und Meinung
"Dayhunter" ist die Fortsetzung von Jägerin der Nacht 01. Nightwalker und setzt direkt an den Ereignissen des Vorgängers an, sodass sich eine Art Fernsehseriengefühl einstellt.
Während andere Reihen des Vampirgenres durchaus in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können, ist das bei Jocelynn Drakes Romanserie nicht zu empfehlen, da die Handlungsstränge dieses zweiten Bandes ohne Vorkenntnis kaum zu verstehen sind. Im Gegensatz zu anderen einschlägigen Reihen verliert die Autorin kaum Zeit für umfangreiche Rückblicke und Erklärungen in Bezug auf den Auftaktband, sondern beschränkt sie auf ein notwendiges Minimum und verfolgt den dort begonnenen Handlungsbogen umgehend weiter.

Von "Nightwalker" ist der Leser noch daran gewöhnt, dass es bei Jocelynn Drake nicht zimperlich zugeht. 
So startet sie ihren Fortsetzungsband auch gleich mit einem weiteren Kampf, als sie ihre erschöpften vampirischen Protagonisten auf Nahrungssuche schickt. 
Mich persönlich hat es allerdings etwas genervt, dass sie jede gefühlte Seite darauf herumhackte, wie anstrengend doch der Endkampf des Reihenauftaktes war und wie fertig nun alle Beteiligten waren. 
In diesem Zustand der Erschöpfung und des Bluthunger treffen sie nun auf Mitglieder der Daylight Coalition, die sich als weitere Gefahr für die Naturi entpuppt.
Diese Koalition des Tageslichtes ist für mich der einzige Hinweis, warum der Roman ausgerechnet Dayhunter heißt. Über den gesamten Text hinweg habe ich mich nämlich gefragt, woher in aller Welt der Titel kommt, der "Tag" impliziert, denn die Nachtwandler, also Vampire, denen die Protagonistin Mira angehört, sind in Drakes Mythologie nicht nur terminologisch Wesen der Nacht. 

In Kapitel 3 brechen Mira, Tristan, der Vampir, den sie in Band 1 bei ihrer gemeinsamen Schöpferin Sadira aufgegabelt hatte, und der undurchsichtige Danaus nach Venedig auf, wo der Konvent, die Oberhäupter der Nachtwandler, ihren Sitz haben.

Da Mira mit ihren sechshundert Vampirjahren schon Einiges auf dem attraktiven Buckel hat, ist diese Reise selbstverständlich nicht ihre erste. In der Tat unternimmt sie dadurch zu ihrem eigenen Missfallen eine Zeitreise durch ihre Jahrhunderte, und wir erfahren noch mehr über sie und ihre Vergangenheit.
Schon früher hatten sie Reisen mit Jabari, ihrem Mentor, dorthin geführt, und auf ihre Weise liebt sie die Lagunenstadt, in der es vor Nachtwandlern nur so wimmelt.

Wie zu erwarten war, wird Mira dort mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und trifft nicht nur (am Rande) auf einen alten Liebhaber, sondern auch auf Sadira und Jabari, der für sie unausweichlich zu sein scheint.
Beim Lesen brach recht schnell Verwirrung über mich herein, denn Jabari ist ein solch zwiespältiger Charakter, dass es für mich nicht nachvollziehbar ist, warum er Mira gleichzeitig benutzen, ihr aber im selben nicht vorhandenen Atemzug ans Leder will.
So setzt er den Lykanthropen Nicolai auf sie an, um sie vor der historischen Kulisse von Campo Santa Margherita ins Vampirjenseits zu befördern, und zwar nur Augenblicke, nachdem sie erfahren hat, wer bzw. was Danaus wirklich ist.

Die Identität des menschlichen Jägers will ich an dieser Stelle nicht preisgeben, allerdings muss ich sagen, dass diese Entdeckung für mich deutlich unspektakulärer war, als ich sie angesichts des reißerischen Klappentextes vermutet hätte.
Ich weiß zwar nicht, was ich mir vorgestellt hätte, aber eine gewisse Enttäuschung kann ich nicht leugnen.
Bislang ist mir seine Aufgabe unklar, und obwohl Mira und Danaus einander regelmäßig beteuern, dass sie sich, wenn der Generalplan, die Naturi zu vernichten, erfüllt wurde, gegenseitig umbringen, erahne ich das als Verzögerungstaktik, bevor beide Charaktere, die gegensätzlicher nicht sein könnten, wenigstens im gemeinsamen Bett oder unrealistischerweise in einer Beziehung landen.

In der Zwischenzeit bietet sich Mira hinreichend Gelegenheit, ihre brennend heißen Fähigkeiten zu zeigen, denn sie wird mit einigen Überraschungen konfrontiert, z. B. paktiert der Konvent mit dem Erzfeind und es werden Fäden gesponnen, die sich kaum entwirren lassen.
Erfahrungsgemäß geht es da heftig und blutig zu, und allzu zarte Gemüter sollten sich warm anziehen, auch wenn man bei Jocelynn Drake natürlich nicht von Horror per se sprechen kann.

Besonders gut hat mir gefallen, dass es nicht auffällt, dass "Dayhunter" von einem anderen Übersetzer bearbeitet wurde, nachdem "Nightwalker" noch in den Händen von Antje Görnig gelegen hatte. Auch Jasper Nicolaisen gelingt es sehr gut, die bildreiche Sprache der Autorin zu übertragen.
Die Sprache des Romans zählt für mich seinen deutlichen Pluspunkten.
Jocelynn Drake versetzte mich mühelos nach Venedig und verlieh mir den Eindruck, dass sie entweder ausgezeichnet recherchiert hat oder selbst vor Ort war, um ihre Szenerien zu erschaffen. Im Übrigen führt die Handlung die Protagonisten und den Leser nicht nur nach Venedig, wo der Plot zwar größtenteils installiert ist, sondern für den Showdownn auch nach Kreta, wo Mira einen weiteren Teil ihrer menschlichen Vergangenheit zu bewältigen hat und zum großen Kampf auf die Naturi trifft.
Daneben sind Jocelynn Drakes Beschreibungen von Gefühlsregungen und physischen Schmerzen nicht von den üblichen Klischees geprägt, was die Lektüre für mich sehr angenehm macht.

Trotz allem stelle ich fest, dass ich mich mit der Jägerin-der-Nacht-Reihe schwertue.
Einerseits hebt sie sich deutlich ab vom romanzenlastigen Markt, andererseits gelingt es mir aber nicht, mich mit den Charaktern zu identifizieren oder besondere Sympathien für sie zu entwickeln.
Mira ist nach all den Jahrhunderten ihrer vampirischen Existenz zwar eigenständig, lässt sich aber trotzdem bei jeder Gelegenheit von den Nachtwandlerbossen herumschubsen. Außerdem weigert sich vehement, den freien Platz im Konvent einzunehmen, was mir auf seltsame Weise arg halbherzig vorkommt, während es gleichzeitig verständlich ist, dass sie nach allem, was ihr als Mensch und Vampir in der Vergangenheit passiert ist, eigentlich ihre Ruhe will.
Danaus ist und bleibt für mich undurchsichtig. Er ist sozusagen Tag und Nacht an Miras Seite und müsste längst begriffen haben, dass ein Vampir nicht töten muss, um sich zu nähren. Aber nein, was macht er? Er tötet vor Miras Augen eine Vampirin, als diese Nahrung für einen verwundeten Artgenossen beschaffen will.
Insgesamt zeichnet sich für mich trotz der engen Verknüpfung der Romane noch kein "Big picture" ab, und ich hege keinen mich zum Nägelkauen veranlassenden Drang, die Fortsetzung zu lesen.

Jägerin der Nacht 03. Dawnbreaker, der dritte Band der Reihe, erscheint im Dezember.
Nachdem ich ursprünglich der Auffassung war, es handele sich lediglich um eine Trilogie, stellte ich nun mit einigem Entsetzen fest, dass im Original bereits 2 weitere Bände erschienen sind und Band 6 wohl im nächsten Jahr folgt.
Wenn ich ehrlich bin, hatte ich auf ein rascheres Ende gehofft und bin auch nicht sicher, was Jocelynn Drake denn noch aus der Story heraussaugen möchte.


Fazit
"Jägerin der Nacht 02: Dayhunter" ist ein Vampirroman, der sich von den Romanzen distanziert und comic-hafte Action gepaart mit fantastischen und mythologischen Elementen, wie Werwölfen, bösen Elfen (hier Naturi), Harpyien und auch noch menschlichen Zauberern in den Mittelpunkt rückt.
Zwischen den beiden Hauptcharakteren gibt es (noch?) keine Romanze, geschweige denn erotische Begegnungen.
Wer Jeaniene Frosts Night-Huntress-Reihe um Cat und Bones mag, kann unter Umständen am Kick-Ass-Charakter der Mira und der Geschwindigkeit der Handlung Gefallen finden, muss aber deutlich bereit sein, auf explizite Sexszenen (obwohl Mira in diesem Band doch einmal zum Zuge kommt) und flotte Sprüche zu verzichten.
Alles in allem betrachte ich diese Romanreihe noch immer noch nicht als Muss für alle Vampirfans.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5
Aufmachung: 1 von 5 (ich finde die Cover einfach unpassend und langweilig)
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 3,5 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 2 von 5
Gefuehl/Subtilität: 1 von 5
Humor: 0 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5 (Band 1 war für mich spannender)

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen






"Jägerin der Nacht  02: Dayhunter" ist übrigens meine zweite Reiseetappe im Rahmen von Natiras Challenge "5 Bücher - 5 Länder".
Somit sind bereits Russland und Italien abgearbeitet.

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