Montag, 23. August 2010

... über einen kleinen Ausflug

Besuch sei Dank durfte ich am Freitag mal wieder mit Kind und Kegel einen kleinen Ausflug machen bzw. mich ausfliegen lassen.
Da ich noch nicht so lange hier im Harz wohne und selten Gelegenheit zur Regionalerkundung habe, habe ich begeistert die Fototasche vollgestopft und los ging es bergaufwärts zum Großen Auerberg.
Der Große Auerberg liegt unweit der nicht unbekannten Fachwerkstadt Stolberg und erwartet auf seinem Gipfel in 580 m Höhe mit einem Bauwerk, das man hier gerne mal den Eiffelturm des Harzes nennt.
Nachdem wir diese Anhöhe in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal mit Kinderwagen erklommen haben (ein Unterfangen, das ich nur mit großen Einschränkungen weiterempfehlen möchte), haben wir uns dieses Mal allesamt zu Fuß hinaufgewagt.

Nach all den Regentagen duftete es angenehm, während der Waldboden betretbar war, ohne dass man Angst haben musste, dass wir schneller den Berg wieder verlassen würden als beabsichtigt, nämlich auf den Hosenboden.
Hosen und Kinderpopos blieben weitestgehend unversehrt.
Weitestgehend, denn mein Sohn kämpfte mit einer störrischen Wurzel, und die Hose verlor.
Daneben durften wir feststellen, dass der Wald nicht mit Magie geizt. Hier sehen die Baumpilze aus wie Nasen, Zwerge, Schlangen oder Treppen für Elfen, und umgestürzte Bäume werden zu Krokodilen und Wurzeln zu Hirschkröten.

Die veranschlagten 15 Aufstiegsminuten legten wir zu unseren Gunsten auf 30 aus und erreichten schließlich den Turm der Begierde, das sogenannte Josephskreuz.

Manch einem mag dieser Bau ja etwas popelig erscheinen mit seinen 38 m Höhe, die man (so wurde mir unisono berichtet) nach dem Treppenaufstieg durchaus in Beinen und Gleichgewichtsorgan spürt, und seinen 125 t, für die man dankbar ist, wenn man oben steht.
Ich gestehe, ich habe mich nicht hinaufgewagt, denn wie ich immer sage, überstehe ich Höhen problemlos, sofern ich allseits von Wänden umgeben bin und mir kein Wind um die Nase wehen kann, sprich: Fliegen macht mir wenig aus, während ich auf einem solchen Turm das Zippern kriege.

Dass der besagte Auerberg eine gute Aussicht auf das Umland bietet, hat man offenbar bereits im 17. Jh. festgestellt, denn es heißt, bereits damals habe es einen Aussichtsturm gegeben.
Die Legende erzählt nun von fremden schwarzen Männern, die kamen, um Gänge in den Berg zu treiben, weil sie dort nach roter Farbe suchten. Das taten sie genau unter der Turmsohle, wodurch sie die damalige Konstruktion zum Einsturz brachten.
Hm. Rote Farbe? Was mag das wohl gewesen sein?
Bei nächster kinderfreier Gelegenheit werde ich dem wohl noch einmal auf den Grund gehen.
Bekannt ist zumindest, dass der damalige Turm 1768 so baufällig war, dass er aus Sicherheitsgründen abgerissen werden musste.
Das war doch sehr umsichtig, und aus unerfindlichem Grunde muss ich bei Türmen immer an das Konstrukt aus der Buffy-Folge "The Gift" (5x22 "Der Preis der Freiheit") denken, das aus plottechnischen Gründen im Staffelauftakt zu Season 6 immer noch stand. Noch baufälliger kann selbst der Aussichtsturm auf dem Auerberg nicht gewesen sein.
Aber ich schweife ab ...
1832 beauftragte Graf Joseph zu Stolberg-Stolberg den Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel mit dem Entwurf eines neuen Turms. Ein lokaler Zimmermann erschuf nach dessen Entwürfen einen Holzturm nach Vorbild des gotischen Doppelkreuzes, der nach seinem Auftraggeber "Josephskreuz" benannt wurde.
Auch diesem Holzbau war kein ewiges Leben gegeben, denn er fiel 1880 dem Blitzschlag zum Opfer.
Im Frühjahr 1896 begann man schließlich mit dem Bau eines stabileren Turms, der die Doppelkreuzform aufgriff, sich aber ansonsten an der Stahlfachwerkkonstruktion des Pariser Eiffelturms orientierte.
Gefeit for Baufälligkeit war er zwar auch nicht, aber nach Sanierung ist er seit inzwischen 10 Jahren wieder für den Besucherverkehr geöffnet und allemal einen Ausflug wert.


Natürlich sind wir im Anschluss noch nach Stolberg gefahren.
Hier also noch ein paar Ansichten der Fachwerkstadt, über die im Internet jede Menge zu finden ist, sodass ich nicht noch mehr Worte verlieren will: 

Das Stolberger Schloss
Stolberger Stadtansichten
Stolberger Stadtansichten
Fachwerk durch die Blume
Fachwerk, wohin das Auge blickt

Bunt durch die Blume
Stolberg von oben
Ein Flare um kurz vor fünf

Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Ich schicke mal meinen Vater vorbei - der ist vom Werk und liebt Fachwerkhäuser! =) Aber auch ich muss mal dort hin gurken. Die Bilder sehen toll aus und machen Lust auf einen Urlaub in Deutschland. Ich freu mich richtig für dich, zumal du dort noch nicht allzu lang zugegen bist. Das ist wie bei mir. Es gibt in Hamburg noch so viel zu erkunden, wobei ich am Rand von Hamburg lebe ( noch in Schleswig-Holstein). So ein Besuch animiert einen mal wieder etwas neues zu erleben. Trotz des Stresses hattest du ne Menge Spass, wie ich sehe und das ist auch gut so. Mein Freund würde jetzt sagen: "Wunderbar - sagt die Frau mit Pferdehaar!" Ich glaub ich muss mal meine Cousine besuchen, die wohnt nämlich auch in der Nähe (na ja, nicht ganz - aber immerhin näher dran). Liebste Grüsse Tanja

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Es gibt hier wirklich viel zu entdecken. Wäre der öffentliche Verkehr nicht so eine Schande, käme man auch mehr herum (meist aber eben nur hin und nie mehr zurück :-))
Jedenfalls bin ich wieder etwas inspiriert und kann in die Tasten hauen. Es gibt wie immer ein Problem, das da heißt "Arbeit" ...

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