Mittwoch, 25. August 2010

... über "Dunkler Kuss der Leidenschaft" von Mona Vara

HINWEIS: Erotikroman. Nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren!
Mona Vara
"Dunkler Kuss der Leidenschaft"

Klassische Vampirthematik gepaart mit ordentlicher Erotik und überraschender Romantik


Produktinformation
Broschiert: 288 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (4. Dezember 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548269958
ISBN-13: 978-3548269955
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2,8 cm
Neupreis: 7,95 €

Kurzbeschreibung (lt. Rückentext)

Die junge Patricia Smith kommt ins Schloss von Maximilian Churtham, um dessen umfangreiche Bibliothek zu ordnen. Der mysteriöse Schlossherr meidet jedes Zusammentreffen und verlässt nur in der Nacht das Haus. Im Dorf wird gemunkelt, ein Vampir treibe sein Unwesen. Als Patricia eines Tages Churtham gegenübersteht, vergisst sie die Gerüchte – überwältigt von seiner hypnotisch-erotischen Anziehungskraft. Welches dunkle Geheimnis umgibt diesen Mann, der in ihr brennende Leidenschaft entfacht?

Inhalt und Meinung

Nach Im Harem des Prinzen: Erotischer Roman und Liebesnächte in Florenz ist "Dunkler Kuss der Leidenschaft" nun der dritte Roman von Mona Vara, den ein Spontankauf in mein Bücherregal gebracht hat.
Auch dieses Buch ist nicht neu, denn es war zuvor im Plaisir d'Amour-Verlag unter dem Titel "Patricia - Der Kuss des Vampirs" erschienen.

Ich hatte den Roman schon etwas länger im Auge, allerdings haben mich das kitschige Cover und der Titel abgeschreckt, aber die Neugier auf Mona Varas Verarbeitung des Vampirthemas siegte schlussendlich.

In gewohnter Manier ist auch diese Geschichte in historischem Umfeld, nämlich in der Grafschaft Devon in der Mitte des 19. Jh.s., angesiedelt.
Gleich zu Beginn begegnen wir der Protagonistin Patricia Smith, genannt Pat, an ihrem neuen Wohnsitz und Arbeitsplatz.
Dort scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen, denn nachts erwacht sie nicht nur von Gewitter, sondern auch erotischem Frauenlachen und dem Klang von Peitschen und Pferdehufen.
Diese Anfangsszene ist bereits so lebendig und atmosphärisch, wenn auch nicht spukgeladen, dass ich gerne weitergelesen habe.
Die Informationen, die der Leser am nächsten Morgen über Patricia erhält, sind jedoch nicht überraschend und der Charakteristik von Mona Varas anderen Protagonistinnen recht ähnlich.
Auch Patricia ist Erbin eines nicht unbeträchtlichen Vermögens, und ihr Onkel hatte nichts Eiligeres zu tun, als ihre Eheschließung anzuberaumen (das erinnert doch an "Liebesnächte in Florenz"). Wie "Im Harem des Prinzen" hat die Protagonistin kein Bedürfnis nach einer lieblosen Beziehung und zieht es vor, sich aus dem Staub zu machen (wird dabei aber natürlich nicht von einem Sklavenhändler entführt).
Obwohl sie nicht am Hungertuch nagt, sucht sie sich eine Stellung. Somit landete die belesene und gebildete junge Frau also in Lord Churthams Schloss, dessen Bibliothek sie nun sortieren darf. 
Den Arbeitgeber bekommt sie hingegen nicht zu Gesicht, sondern erahnt lediglich des Nachts seine Gegenwart, da schlecht das ältere Haushälterehepaar für die nächtlichen Geräusche verantwortlich sein kann. 
Die Merkwürdigkeiten nehmen kein Ende, denn nicht nur während der Anreise wird sie von der Besorgnis eines Mitreisenden, eines gewissen Pentwell, buchstäblich erdrückt, sondern im Dorf auch noch von einer Wildfremden mit einem Knoblauchkranz behängt. 
Erzählt wird im Grunde die bekannte Vampirmythologie, derzufolge der Vampir Knoblauch fürchtet, Kirchen meidet und in der Sonne vergeht. Für mich ist das aber überhaupt nicht schlimm, denn ich bevorzuge sowieso die nächtliche Betrachtung des Vampirs.

Ebenfalls noch zu Beginn der Geschichte bedient sich die Autorin eines Szenenwechsels und illustriert einen Teil des Handlungsstrang in einem Bordell, wo sie einen mysteriösen Vampir namens Strigon sowie weitere Personen ins Spiel, die alles andere als menschlich und natürlich sind. Ich muss zugeben, dass mich dieser Perspektivenwechsel, bei dem die Protagonistin naturgemäß abwesend war, sehr gestört und sich mir der Eindruck aufgedrängt hat, er geschehe lediglich, um den Leser mit Erotik bei der Stange zu halten. 
Ohne viel verraten zu wollen, darf ich sagen, dass ich eines Besseren belehrt und wieder versöhnt wurde. 
Als Patricia dem Lord schließlich begegnete, war mir klar, dass wir es mit einem Vampir zu tun haben müssen.
Und dieser Mann, dem Patricia imaginär um den Hals fällt, ist dermaßen ruppig und auch noch schnippig, dass es mir keineswegs einleuchtete, warum sich die Protagonistin auf dem Fuße in ihn verguckt. Darüber hinaus scheint er ihr nicht romantisch zugetan, wie wir in Perspektivenwechseln erfahren. Ihre anfängliche Furcht gefällt ihm offenbar, und er macht sich bei passender Gelegenheit stets über ihren Vampirwahn (der ihr von Dorfbewohnern und nicht zuletzt auch noch von der Butlergattin eingesäuselt wurde) lustig.

Es mag sein, dass ich momentan kein detektivisches Gespür zutage fördern kann, denn für mich war dieser Roman in keiner Weise vorhersehbar. 
Der Klappentext wartet nämlich außerdem mit der leicht reißerischen Headline "In Leidenschaft entbrannt - zu einem Vampir? auf und hält die Zweifel über lange Strecken des Romans aufrecht.
Das ist auch gut so, schließlich bot sich mir ein wunderbares Verwirrspiel, bei dem ich mich ständig fragte, wer nun wer ist, denn Gut und Böse waren für mich nicht sofort deutlich zu erkennen. Neben Vampiren werden auch Hexen, Succubi und andere überraschende Wesen eingeführt, sodass man nicht jeder Erscheinung blind glauben darf.

Fazit

"Dunkler Kuss der Leidenschaft" bietet alles, was man von Mona Vara gewöhnt ist: eine Jungfrau, die trotz Unerfahrenheit nicht auf den Kopf gefallen ist und sich rasch mausert, einen männlichen Gegenpart, der etwas zu verbergen hat und gezähmt werden muss, eine schöne bildhafte Sprache, die atmosphärische Szenerien erschafft, und natürlich angenehm beschriebene deutliche, abwechslungsreiche Erotik.
Jetzt kommt das ABER:
Dem geprüften Vampirfan wird die Geschichte vermutlich etwas klischeehaft und altbekannt erscheinen, und die Spannungselemente, die zweifelsohne vorhanden sind, kommen bei ihm unter Umständen etwas zu flach an.
Auch darf man keine zu tiefgründige Charaktergestaltung erwarten.
Während die Protagonistin Patricia überaus rasch bekannt ist, muss man sehr geduldig auf die Auflösung des Charakters Maximilian Churtham warten.
Wer jedoch wie die Autorin selbst Romantik und Happy Ends liebt, kommt voll auf seine Kosten und wird auf jeden Fall überrascht werden.

Weil mir insgesamt das Wow-Gefühl fehlte, das i-Tüpfelchen sozusagen, ich mich dennoch sehr gut unterhalten fühlte, gibt es von mir

4 von 5 Weißdornzweigen




Kommentare:

evi hat gesagt…

Hach, schon wieder so eine tolle Rezi von dir zu einem Mona Vara Buch!
Auch wenn du "nur" 4 WDZ vergibst, könnte es für mich toll sein, weil ich eben ganz und gar kein "geprüfter Vampirfan" bin *lach*

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Stimmt, damit hast du es ja nicht so. Ich glaube, als Nichtvampirleser bist du gut damit bedient, weil nämlich nicht herumgebissen wird :-), wenn ich mal spoilern darf.

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