Mittwoch, 4. August 2010

Träumereien aka Antwort Nr. 2

Tanja hat mir folgende Frage gestellt:

Ich habe gelesen, dass ein Traum dich zum Schreiben verleitet hat.
Handelt es sich in diesem an einen sogenannten Klartraum?
Einen Traum, den du bewusst geträumt hast?

Jetzt wird es schwierig.
Am liebsten würden ich mit einer Gegenfrage anfangen, nämlich "Wann oder wo habe ich gesagt oder geschrieben, dass mich ein Traum zum Schreiben verleitet hat?"
Da habe ich so viel über Träume erzählt, dass ich schon selbst nicht mehr weiß, welcher Baum, wo in meinem Traumwald steht.

In der Tat beginnt mein Buch mit einer Widmung, in der das Wort "Traum" - ich hoffe, ich habe mich nicht verzählt - fünf Mal vorkommt. Die Häufung ist an dieser Stelle als stilistisches Mittel beabsichtigt.

Der erste Traum, der dort angesprochen wird, zählt in die Kategorie "psychische Aktivität im Schlaf", also das allen bekannte Wahrnehmen von Bildern, Szenerien und dergleichen, vielleicht verbunden mit einer Dosis Wunschdenken.

Der zweite Traum ist der vom Geschichtenerzählen und -schreiben.
Hierbei steht die Konnotation des Wünschens an forderster Stelle.

Liebe Tanja, ich gestehe, ich musstet nachschauen, was ein Klartraum ist.
Nun schlägt die Psychologie mit aller Macht zu, und ich würde mutmaßen, dass der Traum vom Schreiben kein Klartraum ist.

Schon als Kind habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht, und ich erinnere mich, dass meine Freundin und ich ein Puppentheatern aus Stühlen bastelten und dann meine Mama als Publikum herbeizerrten, um ihr stundenlang Fantasiestücke vorzuspielen, häufig auch in einer erfundenen Sprache. Mama beteuert bis heute, sie habe das genossen.

Den sogenannten "Traum vom Schreiben" haben sicherlich viele, und bei manchen ist er vermutlich mit dem Traum vom Bestseller verbunden.
Ich habe mir irgendwann gesagt: "Hör auf zu träumen, darüber nachzudenken ..., fang einfach an", und dann habe ich mich hingesetzt, den Bleistift oder Füller in die Hand genommen und geschrieben, was ich zu erzählen hatte.
Geschichten erzählen, das ist es, was ich möchte, und das macht einen großen Teil meines Lebens aus, auch wenn es nicht vom Schreiben dominiert wird.
Dieser Teil zum Thema Schreiben wird dann Gegenstand der Antwort auf Soleils Fragen.

In meinem Buch spielen Träume übrigens keine unbedeutende Rolle, auch wenn ich Empathie und Prekognition ein bisschen nach meinen Bedürfnissen geformt habe. 

Liebe Tanja, du hast angedroht, mir Löcher in den Bauch zu fragen, also bitte: nur zu!

Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Huhu,
na mir war so..
also hätte ich unter *BLUTSUCHE* gelesen, dass deine Geschichten aus einen Traum heraus entstanden sind.
Danke für deine ausführliche Antwort. Parallelen fand ich sogar zu deiner und meiner Kindheit, zwar hatten wir keine Sprachen erfunden, aber wir hatten Zirkusaufführungen gemacht, Kasperle... und manchmal hatten meine beste Freundin und ich uns die Klamotten ihrer oder meiner Mutter angezogen, uns dazu geschminkt... und stöckelten schauspielerisch durch das große Wohnzimmer ihrer Eltern. Natürlich hat man auch immer Eintritt verlangt. Das war der Plan um im Anschluss mit den Fahrrädern zum kleinen Kiosk zu gurken, um Bonbons zu kaufen. Was hatten wir manchmal Bauchweh =) Geprobt wurde manchmal sogar bis in die Nacht hinein, wenn sie bei mir oder ich bei ihr übernachtete. Das geschah nur heimlich...wie Kinder halt so sind. Eine Zeit die man nicht missen mag. Selbst für unsere und auch für deine Eltern muss es dazumal ein echtes Erlebnis gewesen sein. Hm, ich hab mir wenn, ganz unbewusst mit der Phantasie eines Kindes Geschichten oder Spiele ausgedacht. Meistens tat man das gemeinsam. Ich konnte seit eh und je viel reden, und habe jeden zugelabert....aber welches Mädchen hat das nicht getan? Meine Cousine konnte bessere Geschichten erzählen, es waren solche, vor denen man sich gegruselt hatte. Solche die mir damals den Schlaf raubten. Im nachhinein denkt man darüber nach, wie es sein konnte, das ein Kind, so angsteinflößend erzählen konnte. Tja, ich wollte nicht mehr in ihrem Zimmer schlafen. =) (Das war eine kleine Anekdote aus meiner Kindheit) Ich denke, das jedes Kind Geschichten entwickelt, ganz unterschiedliche, die sich aus Träumen heraus kristalisieren, gespikt mit ein bisschen Phantasie, Wunschdenken.

Du schreibst, dass das Geschichten erzählen...sozusagen der Weg ist, der dich immer schon begleitet hat. Und, das der Traum ein Buch zu schreiben, in fast jeden schlummert. Und wenn ich darüber nachdenke, fallen mir gleich auch wieder weitere Fragen ein....

..die ich noch stellen werde. Meine Zeit ist momentan sehr knapp bemessen, aber ich werde diese Fragen noch stellen. ö.ö

Zu deiner Gegenfrage:
Menschen die mich kennen, sagen ich sei eine Träumerin, dem ich auch nicht widersprechen kann.

Klarträume: Es kommt vor das ich z.b. nach einem erlebnisreichen Tag mich auf das Sofa fleetze und vor mich hin träume, ganz bunt und in Farbe. Ich könnte noch mehr dazu schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Danke für deine ausführliche Antwort.
Meine Fragen werden folgen, wenn ich die Zeit dazu finde. =D

Ganz liebe Grüße
Tanja

Tanja hat gesagt…

...ach her je! Bevor ich was absende muss ich den Text demnächst zuvor kopieren. So viel Text und schon wieder ist alles futsch.

Nur so viel, danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe sogar Parallelen zu uns beiden, ( was die Kindheit betrifft) entdecken können. Meine Zeit ist knapp, ich muss mich schnell duschen, frühstücken und zur Arbeit marschieren. Ganz liebe Grüsse

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Hallo Tanja,

keine Panik. Nichts ist futsch. Ich bin nur noch nicht um halb 5 auf den Beinen, um Kommentare zu prüfen :-)
Alles ist gut.

Ich habe geschrieben: Nein, einen Traum hatte ich damals nicht, weder einen Nacht- noch einen Tagtraum.

Einen Traum von einer Wiese und einem glitzernden Vampir hatte schon jemand anderes :-)

Du hast sicher recht, dass Kinder ihre eigenen Geschichten entwickeln. Das ist sogar sehr wichtig, wie ich meine. Schade, wenn das verloren gänge.
Ich habe für mich beschlossen, dass ich die Geschichten nicht mehr aus meinem Alltag verscheuchen möchte, wie ich es über einen langen Zeitraum getan habe, weil ich meinte, alles andere habe Priorität.
Vielleicht habe ich auch Klarträume, denn wenn ich ein wenig zur Ruhe komme, spinne ich im Kopf Angefangenes weiter oder entwickle Neues, und das sehe ich meist wie einen Film.

Ich glaube, Träumen ist gut, denn ich sehe es als eine Form der Verarbeitung.

LG
S.

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