Dienstag, 3. August 2010

Kräuterhexe oder nicht? aka Antwort Nr. 1

Mein Frageaufruf hat mir bereits drei Fragen in die Mailbox gespült, und ich stelle fest, dass diese jeweils einen Extrabeitrag wert sind.



Die erste Frage stellte Norma Banzi, die da lautet:

Nutzt Du auch, wie Deine Romanfigur, im normalen Leben die Heilkraft von Kräutern?

Ich bin nicht sicher, ob ich an anderer Stelle einmal erwähnt habe, dass mein Lebensgefährte, den ich, wie hier gemeinhin üblich, mein Männe nenne, hauptberuflich Imker ist.
Ich stamme aus einer thüringischen Kleinstadt, und in meiner Kindheit sammelte man noch Huflattich und Holunder. Das klingt jetzt zwar, als stünde ich kurz vor der Rente, aber Naturbeobachtung war damals tatsächlich an der Tagesordnung. An Wandertagen ging es in den Wald, wo wir gemeinsam Brombeer-, Himbeer- und Birkenblätter sammelten.
Ich erinnere mich noch gut an die Kuchenbleche, auf denen wir Huflattichblüten und Hagebutten zum Trocknen auslegten, die später zu Tees verarbeitet wurden.
Als Kind kannte ich mehr Pflanzen, Kräuter, Pilze und Bäume als heute.
Mit der Zeit hat sich das einfach verloren.
Man vergisst die Dinge, die man nicht pflegt.
Man wird erwachsen, zieht um, befasst sich mit Neuem.

Und dann irgendwann trat ein junger Mann auf den Plan, dessen Großvater schon geimkert hat.
Nach einigen Lebensverirrungen blieb eben jener junge Mann, der mich nicht mit Honig, sondern Wortwitz und Kuschelfrisur zum Festkleben brachte, gänzlich bei der Imkerei hängen.
Nun kann man als Partner eines Landwirts schlecht im luftleeren Raum vor sich hin wirtschaften, und auch wenn ich bei weitem nicht so aktiv in seine Tätigkeit involviert bin, wie ich es sollte, müsste oder könnte, bringt mich das der Natur wieder näher.

Es wurmt mich schon ungemein, dass ich so viel vergessen habe, und ich bin sehr bestrebt, mit offenen Augen mit meinem Sohn durch die Natur zu gehen.

Ich habe ein - zugegeben arg vernachlässigtes - Kräuterbeet, aber mir fehlt einfach die Zeit, alles zu verarbeiten.

Ich sammle Schlehen und Hagebutten und verarbeite sie nicht zu Tee, sondern zu Likör als kleines Schmankerl für den Marktstand meines holden Bienchens.
Wir trinken eigenen Pfefferminztee, und für echten Holundersaft saue ich auch schon mal meine Küche ein.

Allerdings bin ich bei weitem keine Kräuterhexe wie Helma.
Ich hätte aber gerne dieses Wissen, und manchmal hätte ich nicht übel Lust, mir eine Kräuter- und Naturauszeit zu nehmen.

Ich besitze ein Wildpflanzenkochbuch und stelle mit großem Entsetzen fest, dass ich die Hälfte der Pflanzen darin weder kannte noch wusste, dass man sie in der Küche verarbeiten kann, obwohl man quasi tagtäglich daran vorbeigeht.

Die Kräuter- und Pflanzenmagie, die in meinen Roman eingestreut ist, ist Ergebnis von einigen Recherchen, und für mich waren die so faszinierend, dass ich für eine Weile in der "Rural Fantasy" feststecke.

Das Entensuppenrezept, das Anne wieder auf die Beine brachte, stammt im Übrigen aus einem echten Kochbuch: Chinesische Heilküche. Ganzheitliche Ernährung im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin., und wir haben es schon mehrfach in verschiedenen Variationen, vor allem mit viel Gemüse (weil mein Sohn ein Gemüse- und Nudelsuppenfan ist), ausprobiert.
Ich bin auf die chinesische Küche ausgewichen, weil es ganz und gar unrealistisch gewesen wäre, wenn Anne ihre deutschen Kräuterchen in L.A. eingekauft hätte, noch dazu mitten im trögen Downtown.

Hier ist das Originalrezept:
Empfohlen bei Stress an Seele, Geist und Körper oder wenn man nach Krankheit wieder auf die Beine kommen will.
Wie wir im Eigenversuch feststellen durften, tut die Suppe aber auch bei fiebrigen Erkältungsinfekten gut.
Man möge mich aber bitte nicht auf Wirkung und Heilwert festnageln, denn ich bin weder Arzt noch Apotheker!

Entensuppe  mit Austernpilzen

Für 3 Personen:

1/4 Flugente (ca. 500 g) (möglichst mager)
100 g Austernpilze
6 bis 8 Halme Schnittlauch

Zubereitung:

1. Ente kalt abspülen, in 1 l kochendes Wasser geben und langsam zum Kochen bringen. Die Ente ca. 1 1/2 h sanft kochen, bis das Fleisch fast weich ist.

2. Geflügel herausnehmen. Fleisch von den Knochen lösen, in mundgerechte Stücke schneiden und wieder in die Brühe geben. Brühe nach Wunsch entfetten.

3. Die zähen Stiele der Austernpilze entfernen und die Pilzhüte in kleine Stücke schneiden. Pilzstücke in kleine Stücke schneiden, in die Suppe geben, erneut leicht aufkochen und 10 Min. bei schwacher Hitze garen, bis das Fleisch ganz zart ist.

4. Schnittlauchhalme waschen, trocknen, in feine Röllchen schneiden und über die Suppe streuen.

Guten Appetit!

Bin ich also eine Kräuterhexe?
Nein.
Bin ich ein Öko-Freak?
Nein.
Aber ich meine, es ist wichtig, Naturwissen zu pflegen und zu erhalten.
Manchmal ist es nicht schlecht, zu den Ursprüngen zurückzukehren und der schnelllebigen, technisierten Zeit zu entfliehen.
Deshalb ist die Natur mit ihrer Magie momentan mein Hauptthema.

So, und nun nicht an Herzdrücken gestorben und hübsch weiter gefragt!

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich habe diese Woche einen Post mit ähnlichem Inhalt. Kindheitsdingens und so und warum ich es nicht schlecht fand, als Kind kaum ferngesehen zu haben.
Das durch die Natur streifen und sammlen, das zwischen den Büchern pressen und auch basteln (im Herbst mit Eicheln und Co.) das fehlt mir ein bisschen. Wenn ich das mit den Kids im Zentrum machen will, da müssen dann (auch von den Eltern her) exklusive Sachen her. Blätter von Bäumen??Nee!
Ich finde es interessant, dass Dein Mann Imker ist. Vor allem, weil ich erst kürzlich gelesen habe, dass die Bienen irgendwie krank seien oder sich nicht mehr vermehren oder so ähnlich. Und was man and eren Verhalten alles erkennen kann in Bezug auf die Natur.
Welchen Honig kannst Du empfehlen? ;)

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Schade ist so was, wirklich.
Dabei ist doch die Natur schon fast etwas "Exklusives".
Über die Bienenkrankheiten und Co. kann ich gar nicht so viel Auskunft geben. Da blicke ich, ehrlich gesagt, nicht durch. Es gibt sehr viele Ursachen für Bienenverluste. Einer davon ist die sogenannte Varoamilbe, andererseits ist die vergenisierte Landwirtschaft auch nicht unschuldig, aber das wird sicherlich kaum einer zugeben.
Wenn uns auf dem Markt jemand fragt, welchen Honig wir empfehlen, lautet die Standardantwort: "Probieren Sie bitte!" Auch Honig ist Geschmackssache. Nicht alle Honigsorten schmecken gleich süß oder haben dieselbe Konsistenz und Farbe. Will man ihn für den Tee oder aufs Brötchen? Gegen Husten? Siehst du, alles nicht so einfach :-)
Ich mag sehr gerne Sonnenblumenhonig, vielleicht, weil wir ihn so selten haben, aber auch Waldblütenhonig ist nicht zu verachten. Hauptsache einheimisch.

Norma hat gesagt…

Das Entensuppenrezept gefällt mir. Bin nie auf die Idee gekommen, Ente für eine Suppe zu verwenden. Bis jetzt ...

Sinje Blumenstein hat gesagt…

@Norma: Ich dachte auch immer, Ente sei nix für Suppen. Man muss halt nur schauen, dass es eine junge ist, die noch nicht so viel Fett hat, sonst wird man verrückt mit Abschöpfen.
Ist unsere Hühnersuppen-Alternative :-)

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