Sonntag, 11. Juli 2010

... über "Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr" von Eileen Wilks

Vielen Dank an Egmont Lyx für das Rezensionsexemplar!

Eileen Wilks
"Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr"

Etwas langatmige Krimi-Fantasy mit unspektakulärer "Liebesgeschichte"

Produktinformation
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Lyx (15. April 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Antje Görnig
ISBN-10: 3802582152
ISBN-13: 978-3802582158
Originaltitel: Tempting Danger
Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12,6 x 3,2 cm
Preis: 9,95 €

Kurzbeschreibung

Als Polizistin in San Diego ist Lili Yu mit der Aufklärung von Mordfällen beschäftigt. Dabei kommen ihr besonders ihre übersinnlichen Fähigkeiten zugute, mit deren Hilfe sie feststellen kann, ob bei einem Verbrechen Magie im Spiel war. Da ereignet sich ein ungewöhnlicher Mord: Einem Mann wird in der Nähe eines Nachtclubs, der als geheimer Treffpunkt für Werwölfe bekannt ist, die Kehle herausgerissen. Als Spezialistin für Übersinnliches wird Lili Yu mit dem Fall betraut. Doch der Hauptverdächtige ist ausgerechnet der Werwolf Rule Turner, der prominente Prinz des Nokolai-Klans. Und Lili muss feststellen, dass sie sich von seiner erotischen Ausstrahlung wie magisch angezogen fühlt ...

Meine Meinung

Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr zählt definitiv zu den Romanen, die mich mit gespaltenen Gefühlen zurücklassen.
Ich bekenne mich als Nichtkrimileser, und die Tatsache, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe, ist allein meiner Neugier auf Werwölfe und meiner Schwäche für das Genre der Urban Fantasy geschuldet.
Zusätzlich verlockt hat  mich, wie bereits erwähnt, das sehr ansprechende Cover. Das Buch ist insgesamt sehr schön gestaltet, der Umschlag sogar leicht geprägt, sodass der Lektüre noch ein haptischer Genuss zuteil wird.
Leider täuscht die schöne Aufmachung nicht über meinen eher mittelmäßigen Leseeindruck hinweg.

Die Geschichte gestaltet sich zu Beginn doch recht spannend, denn der Leser stolpert mitten auf den Tatort, sodass man direkt weiß, womit man es zu tun bekommen wird, nämlich mit Ermittlungen. Nur sind die eben nicht gewöhnlich, denn in der Fantasy-Welt der Autorin gibt es Werwölfe, Gnome und allerlei andere Gestalten, die sich mehr oder weniger legal durch den Alltag bewegen.
So ist selbstverständlich auch die Protagonistin Lili Yu ein besonderer Mensch, eine so genannte "Sensitive", die in der Lage ist, Magie zu erspüren. Als Polizistin wird verhältnismäßig resolut und gefestigt dargestellt - man muss bedenken, dass sie noch keine 30, aber schon Detective ist - sodass man rasch ein wenig misstrauisch wird, ob hinter der harten Fassade nicht doch noch etwas lauert.
Im Zuge ihrer ersten Ermittlungen begegnet sie noch am selben Abend Rule Turner, einem als Playboy bekannten Prinz eines Werwolf-Clans. Ganz unpassenderweise verspürt sie eine merkwürdige Anziehung, und der romantasy-kundige Leser weiß natürlich, dass sich daraus mehr entwickeln wird.
Ja, so ging es los, und dann wurde das Buch für mich zu Kaugummi, und ich gestehe, dass ich irgendwann kaum noch den Durchblick in Eileen Wilkes Welt, in der Werwölfe und Menschen legal und reglementiert koexistieren, behielt und mich zu langweilen begann. Es wurden so viele Verdächtige und vermeintlich wichtige Personen auf den Plan gerufen, dass ich anfing, mir eine "stinknormale" Liebesgeschichte ohne Irrungen und Wirrungen zu wünschen.

Die Liebesgeschichte kam, nur nicht ganz so, wie man es sich vielleicht erwartete.
Die magische Anziehung der beiden Protagonistin erwies sich als die romantasy-übliche vorherbestimmte Gefährtengeschichte, womit die Autorin Gelegenheit erhielt, ihre Protagonisten zu jeder Gelegenheit durch die Betten turnen zu lassen, weil sie in der anfänglichen Bindungszeit viel Nähe benötigen (irgendwie hörte ich da Christine Feehan im Hintergrund trapsen). Erfreulicherweise verwendete sie aber nicht viel Raum für explizite erotische Beschreibungen, sondern brachte die Intimitäten verhältnismäßig flott über die Bühne.
Mit dem Gefühl, das man landläufig als Liebe bezeichnet, hat die Beziehung der beiden zunächst herzlich wenig zu tun, denn es handelt sich in der Tat anfänglich eher um ein magisches Band (Rule sagte auch, er kenne die Liebe nicht, während Lili ganz offensichtlich verliebt war).
Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte der Leser schließlich doch in Lilis Gefühlsleben eindringen und erfahren, warum sie mit Leib und Seele Polizistin ist.
Endlich war die Protagonistin menschlich und nicht mehr dienstlich unnahbar, und Werwolf Rule durfte ebenfalls seinen weichen Kern zeigen. Trotzdem blieben meines Erachtens alle Charaktere recht blass und die Geschichte ohne sonderlichen Tiefgang.

Aber spätestens da dürfte dem routinierten Leser klar geworden sein, dass es Eileen Wilks nicht um romantische Liebesgeschichten, sondern offenbar eher um das Drumherum geht, denn sie verwendet viel Zeit für die Erklärung ihrer Welt, was das Buch recht zäh macht.
Trotz allem hätte ich gerne noch mehr über Lilis Familie gelesen.

Ich mag Beschreibungen von Orten und Kleidung, weil ich gerne die Gestalten in ihrer Umgebung sehe. Auch gibt es sehr genaue Personenbeschreibungen, sodass man das Gefühl hat, man bekäme einen Polizistenblick aufgezwungen. Das führt allerdings dazu, dass das Buch einige Längen entwickelt, was ich an sich nicht als schlimm empfand.

Leider konnte mich die Werwolf-Geschichte nicht überzeugen, auch empfand ich die Clan-Hierarchien nicht als erfrischend. Ebenso wenig konnten die Nebenfiguren mein Interesse wecken, sondern verwirrten mich eher.

Die Übersetzung hingegen gefiel mir sehr gut und hat mich über die Geschichte hinweggetröstet.

Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr ist eine in sich geschlossene Geschichte, und ich verspüre kaum das Bedürfnis, mich den weiteren Bänden der Reihe zu widmen:

Zusammenfassend glaube ich, dass dieses Buch nicht für Leser geeignet ist, die auf der Feehan- oder Adrian-Welle schwimmen. Ebenso ungeeignet dürfte es für Leser sein, die sich nicht gerne mit ermittlerischen und kriminalistischen Elementen auseinandersetzen.
Als Werwolf-Einstieg hingegen ist es nicht zu verachten, weil es den Werwolf nicht als willenloses, mondgesteuertes Wesen präsentiert, sondern ihn menschlich, sinnlich, attraktiv und damit nicht gänzlich uninteressant macht.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 2 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 3 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 1 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

Gesamteindruck:

3 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich habe mir das Buch gestern ertauscht, weil ich doch etwas neugierig geworden bin. Außerdem habe ich geschmack an Krimihandlungen gefunden, wenn eine phantastische oder übernatürliche Handlung dabei ist.
Bin gespannt, wie ich es finden werde!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Oh, wenn du Krimihandlungen magst, machst du sicher nichts verkehrt.
Ich bin gespannt, wie es dir gefällt.
Ich bin noch nie ein echter Fan von kriminalistischen Storys gewesen, wenn sie sehr im Vordergrund stehen. Die zwischenmenschlichen Abgründe finde ich immer viel spannender. Dummerweise habe ich das Gefühl, dass alles Werwölfische entweder im Privatdetektiv- oder Polizeibereich angesiedelt ist. Ich bin zwar müde, was die reinen Liebesgeschichten angeht, aber hier war mir das Drumherum zu langatmig. Hach, vielleicht bin ich momentan nur etwas maulig ;-) Dafür gefällt mir aber Dayhunter bis jetzt ganz gut. Danach mache ich mich über Christina Dodd her.

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