Sonntag, 18. Juli 2010

[Musik] "Le tout premier jour" von Cindy Daniel

Die Auswahl für meinen - Pardon, verspäteten - Französischen Freitag (die Alliteration mit Sonntag funktioniert ja leider nicht) fiel mir nicht leicht.
Zur Auswahl standen: Cindy Daniel, Cindy Daniel oder Cindy Daniel oder vielleicht doch Celine Dion oder Celine Dion oder Celine Dion ...

Wie unschwer zu erkennen ist, fiel die Auswahl auf Cindy Daniel und ihr aktuelles Album "Le tout premier jour".


Cindy Daniel wurde 1986 in Montreal geboren und hat mit bislang 4 Alben seit 2002 schon Einiges vorzuweisen.
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich sie zum ersten Mal gehört habe, weiß aber noch, dass mich ihre kraftvolle Stimme mit dem leicht dunklen Timbre ungemein beeindruckt hat.
 
"Le tout premier jour" zählt zu meinen Lieblingsalben, und ich muss an dieser Stelle einmal gestehen, dass meine CD-Sammlung einen unglaublichen Überhang an Alben von Celine Dion hat, der es zuletzt lediglich mit "D'elles" gelungen war, mich restlos zu überzeugen.
Cindy Daniel zählt außerdem zu den Künstlern, die ich beim Schreiben hören kann, ohne mich gestört und abgelenkt zu fühlen. Ihr "Sous une pluie d'étoiles" hat eine Szene in meinem Buch zwar nicht inspiriert, aber untermalt.
 
Obwohl der Name Cindy Daniel erst einmal nicht frankophon klingt, singt die junge Künstlerin fast ausschließlich auf Französisch. Auf ihrem Debütalbum "La petite Indienne" hat sie sich zwar an einem englischen Song versucht, ein Versuch, der in meinen Augen gründlich misslungen ist. Nach wie vor finde ich es wunderbar, wenn Frankokanadier in ihrer Muttersprache singen, und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie gerne ich Musik mag, die nicht von der Stange kommt.
 
Auf ihrem aktuellen, 2008 erschienenen Album zeigt sich Cindy Daniel facetten- und abwechslungs- und mit ganzen 14 Songs sogar umfangreich. 
Sie startet sofort rockig-flott mit dem titelgebenden "Le tout premier jour", der gern eine Beziehung zu ihren Anfängen zurückführen würde.
Wer aber nun denkt, es ginge so weiter, der täuscht sich, denn es folgt die Ballade "Tout ce qu'il me reste", die melodisch von dem Rückzug in die Gefühlswelt erzählt, denn die Gefühle bleiben uns, wenn die Welt zu ertrinken scheint.
Um den Hörer nicht zu sehr einzulullen, kommt auf dem Fuße die erste Auskopplung des Albums, ein Duett mit Marc Dupré (dem Schwiegersohn von Celine Dions Ehemann René Angélil): "Et j'espère ..." und lässt uns auf lockere Weise, die zum Tanzen einlädt, teilhaben an der Sehnsucht nach dem geliebten Menschen und der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird.
Eher besorgt, in Balladenform, zeigt sich der nächste Song "Quand tu ne m'aimeras pas", der ausspricht, was manch einer sicher häufig denkt: Man weiß genau, dass die Welt nicht untergeht, wenn eine Liebe verlischt, schließlich ist man dem Märchenalter entwachsen, aber dennoch weiß man, dass man sich selbst wieder verliert, nicht mehr schläft ...
"Dans le vent" ist, so meine ich (leider komme ich nicht dazu, den Musikmarkt in Quebec topaktuell zu beobachten), die aktuelle Auskopplung des Albums, ein poppiger Titel, der das kleine Glück zum Thema hat.
Getreu dem Wechsel zwischen schnell und langsam, der bei Cindy Daniel deutlich erkennbar und vermutlich beabsichtigt ist, schließt sich die Ballade "Le pont" an, die sehr auf Daniels Stimme setzt und mit zurückgenommener Instrumentenbegleitung aufwartet. Erzählt wird hier von der Brücke der Liebe, die unter der Last der jeweiligen Träume zusammengebrochen ist.
"Jusqu'au bout" heitert die Stimmung wieder auf, und es wird geliebt bis zum (bitteren?) Ende, ein Thema, das im Grunde auch im Folgetitel "Nos promesses" aufgegriffen  wird, das sich mit dem Einhalten von Versprechen, der gemeinsamen Stärke, auseinandersetzt.
Irgendwie habe ich ja auf jedem Album einen "Putzsong", und bei Cindy Daniel ist das "A force d'être aimé", der natürlich nichts mit Hausarbeit, aber umso mehr mit der Liebe zu tun hat.
Da ich eine Schwäche für Balladen nicht mehr leugnen kann, darf ich hier ruhig sagen, dass "Ta faille" mein Lieblingslied ist, das einfühlsam die Angst vor dem Verlassenwerden reflektiert.
Überraschenderweise geht es nicht nach dem bekannten Schema mit einem rockigen Titel weiter, sondern es folgt eine weitere Ballade, die auf Streicher und Gitarre reduziert ist und Cindy Daniel von Verlust singen lässt, nämlich davon, das in uns Menschen etwas verloren gegangen zu sein scheint.
Ohne dass die Balladen eintönig oder gar langweilig sind, ist man doch froh, wenn sich wieder flottere Klänge anschließen, aber man wird überrascht, dass auch "Rose des sable" den Kampf auf verlorenem Posten thematisiert, wohl aber mit kräftigem Beat und deutlich entschlossenem Gesang. Als kleines i-Tüpfelchen gibt es hin und wieder orientalische Anklänge in diesem Lied.
Mein Ich-weiß-nicht-was-ich-davon-halten-soll-Titel ist "Oser la nuit". Die Ballade beginnt instrumentalisch sehr zurückgenommen, wird dann zwar nicht überzogen, sondern bleibt ruhig und gesetzt, aber trotzdem wage ich die Nacht nicht. (Obwohl das ja bei mir Programm sein sollte.)
Cindy Daniels Album klingt ruhig aus mit "A la hauteur des hommes" und lässt den Hörer nach einer Reise durch die Höhen und Tiefen der Liebe wieder ankommen.
 
Hörproben gibt es wie üblich bei Amazon und iTunes.
 
Nun begebe ich mich also wieder ans CD-Regal und grübele weiter, wer wohl nächste Woche dran sein wird.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...