Donnerstag, 17. Juni 2010

... über "Suche bissigen Vampir fürs Leben" von Kimberly Raye

Kimberly Raye
"Suche bissigen Vampir fürs Leben"

Ich weiß, ich weiß, Bösewichte jagen auf High Heels ist unpraktisch, aber witzig ...

Broschiert: 342 Seiten
Verlag: Lyx; Auflage: 1 (15. Januar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802581687
ISBN-13: 978-3802581687
Originaltitel: Dead End Dating
Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12,6 x 3 cm
Preis: 9,95 €

Kurzbeschreibung

(c) Egmont Lyx/ HildenDesign
New York, Manhattan: Gräfin Lilliana Arabella Guinevere du Marchette, von ihren Freunden kurz Lil genannt, entstammt einer alten und respektablen Vampir-Familie. Um dem Drängen ihres Vaters zu entgehen, der sie am liebsten als Mitarbeiterin in seiner erfolgreichen Copyshop-Kette sehen möchte, beschließt Lil eine Dating-Agentur zu gründen. Doch ihre Klienten sind keine gewöhnlichen Sterblichen, sondern einsame Vampire, liebestolle Werwölfe und andere übernatürliche Wesen. Da kommt eines Tages der charmante Kopfgeldjäger Ty Bonner in Lils Agentur, um sie vor einem Kidnapper zu warnen, der Frauen über Kontaktanzeigen sucht. Ist womöglich einer von Lils Klienten der Täter?

Aus dem Inhalt

Protagonistin Lil hat schlichtweg keinen Bock auf das väterliche Kopierer-Imperium und beschließt, etwas aus sich zu machen.
Stilsicher, wie sie ist, ist sie natürlich nicht dafür geschaffen, in einem Copyshop zu versauern.
Als gebürtige Vampirin steht sie zudem selbst unter dem Druck, ihren Gefährten für die Ewigkeit zu finden, um viele kleine Beißernachkommen in die Welt zu setzen.

Über die gesamte Geschichte hinweg gegegnen wir Lils menschlicher Assistentin (die, sagen wir, in homöopathischer Dosis eingeweiht ist), ihren höchst potenten Brüder und zahlreichen Charakteren aus dem familiären Umfeld der Protagonistin und natürlich auch potenziellen Lebensgefährten, die mit Notizbuch durch den Tag, ähm, die Dunkelheit schreiten, um die Orgasmus-Quotienten der Vampirinnen festzuhalten, denn schließlich wird Frau daran gemessen. Je höher nämlich der OQ, umso besser für den Erhalt der Vampirgesellschaft. Die Frage: "Wie hoch ist dein OQ?" ist als Begrüßung in Vampirkreisen keineswegs unüblich.

Das alles behagt Lil, die ihr eigenes Köpfchen hat und ihren OQ nicht gleich dem Erstbesten mitteilt, nicht wirklich, auch wenn sie als Alleinstehende gerne mal wieder einen duftenden Artgenossen in ihrem Bett begrüßen würde.

Sie beschließt, zu tun, was sie am besten kann und ihre Leidenschaften für Stil und gute Umgangsformen zu kombinieren: Ganz auf das Wohlsein der vampirischen Bevölkerung bedacht, gründet sie kurzerhand (natürlich sehr zur Enttäuschung der Familie, die ihr ohnehin kaum eine Chance im Business einräumt) eine Partneragentur, ein Unterfangen, das zunächst einmal ziemlich schleppend in Gang kommt, denn in New York wimmelt es vor gleichgearteten Unternehmungen.

Dann aber begegnet sie Francis, Frank, Francois oder wie auch immer, einem gebürtigen Vampir, der schon über tausend Jahre auf dem Buckel und ein Herz für Tiere hat, aber vollkommen unbedarft in Sachen Liebe und dabei richtig knuddelig-trottelig ist.
Lils Projekt ist geboren, sie nimmt sich des hoffnungslosen Vermittlungsfalls an, und während sie den etwas tapsigen, tierliebenden Reißzahn in Designerklamotten steckt, taucht Kopfgeldjäger Ty in ihren Geschäftsräumen auf, ein Vampir zum Anbeißen, aber dummerweise ist er kein gebürtiger, sondern ein gewandelter Artgenosse, der auf ermittlerischer und nicht romantischer Mission ist ...

Meine Meinung

Der komödiantischen Chick-Lit-Verarbeitung des Vampirthemas stand ich bislang recht skeptisch gegenüber, aber seit Weiblich, ledig, untot: Betsy Taylor Roman 1 von Mary Janice Davidson taste ich mich vorsichtig auch an andere Autoren heran.

Mit Kimberly Raye habe ich den richtigen Griff getan.
Die 500 Jahre alte Protagonistin ist alles andere als langweilig oder oberflächlich, auch wenn es auf den ersten Blick so erscheinen könnte.
Sie mag zwar künstlich gebräunt und mit Strähnchen daherkommen, aber sie hat doch ein großes Herz und ist weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen.
Lil entwickelt somit nicht sofort im Reihenauftakt einen Nervcharakter, dem man ungern über mehrere Bände folgen möchte.

Die Autorin greift einmal mehr die Theorie der Existenz gebürtiger und gewandelter Vampire auf.
Während die echten Vampire mit süßen Düften zu verführen wissen und sich sogar fortpflanzen können, sind die gewandelten nicht sonderlich viel wert, denn ihnen kommen diese Eigenschaften nicht zu.
Und hier entsteht auch schon der Konflikt in der sich anbahnenden Beziehung zwischen Lil und dem Kopfgeldjäger Ty, denn ein gewandelter Vampir eignet sich nun mal nicht als Vampir fürs Leben.
Kimberly Raye räumt ihrer Vampirmythologie kaum Raum ein, sondern konzentriert sich auf die wesentlichen Eigenschaften ihrer Vampire.
Leider gehört das sexuelle Wesen zu den Haupteigenschaften, sodass das ständige Philosophieren über den Orgasmus-Quotient von Frau Beißerchen und die Fertilitätsrate von Herrn Beißerchen nach einer Weile reichlich nervig wurde und den Vampir zum Kopulationobjekt degradierte, während der Roman an sich zwar mit einem großen Herzklopf-Bauchkribbel-Moment, zahlreichen Andeutungen und verbalem Gesabber, nicht aber mit heißer Erotik aufwartet.
Trotz allem werde ich das Gefühl nicht los, dass an Ty noch etwas Besonderes sein muss, denn er riecht appetitlicher, als er sollte, und ganz umsonst wird Lil ihn nicht so anziehend finden.
Dafür aber gibt es umso mehr zu lachen, und diese Passagen nachzuerzählen, wäre schlichtweg nur halb so witzig.

Der Kriminalfall, der den Charakter des Ty auf den Plan rief, war durchaus realistisch, wenngleich seine Lösung auf Stöckelschuhen vorhersehbar war, denn neben den unterhaltsamen, erfolgreichen Verkupplungsnebengeschichten musste ja noch ein Fall gelöst werden, wenn schon der Fall Lil / Ty noch mehr Raum einnehmen wird und wohl auf die gesamte Reihe ausgelegt ist. 

"Suche bissigen Vampir fürs Leben" macht Spaß, weil Lil kein perfekter Vampir ist und schon mal Probleme beim Verwandeln und Fliegen hat, aber frisch ans Werk geht und kein Angsthäschen ist. Trotz versehentlichen Herumflatterns als pinkes Fledermäuschen ist sie immer noch stark und vampirisch und muss keine Angst vor dem Kidnapper haben.
Gleichzeitig aber kommt sie absolut urban-menschlich daher, dass man schnell vergisst, dass ihre Nahrung aus einer roten Flüssigkeit besteht, die man heutzutage adaptiert aus dem Glas schlürft und zarte Hälschen somit unversehrt belässt. 

Das Auftreten der Werwölfe erschien mir etwas deplatziert, weil ich sehr häufig in Vampirromanen den Eindruck habe, dass Werwesen dort nur als aufwieglerische Nebencharakter mit wenig Eigenbedeutung zum Einsatz kommen.
Allerdings hege ich die Hoffnung, dass sich das unter Umständen im Reihenverlauf noch endet.

Wer Betsy mochte, kann Lil kaum hassen.
Kimberly Raye bietet von allem etwas: nerviges Product Placement, ungezwungene Sprache mit witzigen Gedankeneinwürfen in Klammern, neu betrachtete, zivilisierte Vampire, Werwölfe als Paukenschlagelement, Voyeurismus in Maßen, klischeehafte Oberflächlichkeit, die aber lustig ist, Knuddel- und Würgcharaktere, hintergründige Spannung und sanft einschleichende Romantik - eine kurzweilige Lektüre für alle jene, die sich nicht vor femininen Klischees fürchten und nichts Weltbewegendes erwarten. Sie unterhält - nicht mehr und nicht weniger.
Klassikerfans werden aber sicherlich die Finger von Lil und Co. lassen.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 3 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 1 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 1 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 4 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

Im Gesamteindruck bin ich noch vorsichtig, und da ich keine halben Punkte vergebe, bekommt "Suche bissigen Vampir fürs Leben", weil ich mich rundum unterhalten gefühlt und amüsiert habe, aufgerundete

4 von 5 Weißdornzweigen



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