Samstag, 26. Juni 2010

... über "Kurz vor der Hochzeit" von Tesni Morgan

HINWEIS: Erotikroman. Nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren!
 
Tesni Morgan
"Kurz vor der Hochzeit"

Wie man eine ländliche Jungfrau vor einem großstädtischen, verruchten Emporkömmling errettet ...

Taschenbuch: 270 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1., Aufl. (19. Juli 2005)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: k. A.
ISBN-10: 3404153669
ISBN-13: 978-3404153664
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,6 x 2,6 cm

Kurzbeschreibung:

Ein spannender erotischer Roman voller Intrigen, Skandale und Seitensprünge.
Jody Hamilton kehrt aus den Staaten zurück, um an der Hochzeit ihrer besten Freundin Nicole teilzunehmen. Aber sie findet bald heraus, was für einen sexverrückten Mann ihre Freundin heiraten will. Greg ist voller Geheimnisse und lässt nichts anbrennen. Selbst Jody ist nicht vor ihm sicher, und ihre Freundinnen auch nicht. Wird Nicole im letzten Moment noch vernünftig?

Aus dem Inhalt:

Jody Hamilton ist Bildhauerin und gestaltet vornehmlich Gartenskulpturen, die sie, so entsteht der Eindruck, in erster Linie nicht in ihrer englischen Heimat, sondern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an den betuchten Mann bringt.
Nach Abschluss des letzten Auftrages kehrt sie nach England zurück und damit zu ihrer Mitbewohnerin Katrina und ihrem Studio. Sie ist frisch getrennt von Alec und hat eigentlich keine Lust auf einen neuen Mann.
Daheim erwartet sie neben der Neuigkeit, dass sich Katrina einen neuen Typen an Land gezogen hat (schließlich hat sie einen hohen Männerbedarf), auch die Neuigkeit, dass ihre Freundin Nicole heiraten will.
Wie es sich gehört, soll Jody als alte Freundin neben Miriam, die ebenfalls eine alte Freundin ist, nun die Brautjungfer mimen.
Also geht es in die alte Heimat, die englische Provinz, wo sich nun alle wiedersehen bzw. kennenlernen.
Nicole ist eine Landpomeranze, die - oh, Klischee erschlag mich bitte nicht - noch Jungfrau ist, brav Tagebuch führt, des Nachts hingegen masturbiert und sehnsüchtig darauf wartet, dass ihr bald Angetrauter ihr endlich die "Jungfernschaft" (ja, Zitat) nimmt. Der gute Greg hat politische Ambitionen und erhofft sich durch Nicoles Vater Zugang zur Londoner Freimaurerloge. 
Es dauert nicht lange, bis allen, außer Nicole und deren ach so rosa bebrillten Eltern, klar ist, dass Greg Nicole nicht liebt, sondern in London seine Spielchen treibt. 
Und da ist noch der kantige, attraktive Landwirt Ben, der schon immer ein Auge auf Nicole geworfen hatte, aber - in Deckung, wieder ein Klischee im Anmarsch - extrem schüchtern ist und sich nicht traut.
Nach und nach schneien die Hochzeitsgäste ein, unter anderem auch die Tante der Braut, Clarissa, eine berühmte Hollywood-Größe, die mit den attraktiven Stuntman Ed im Schlepptau aufschlägt, der rasch Interesse an Jody zeigt.
Während sich in der Provinz verwirrend viele Personen, die unnötig sind wie ein Fersensporn, einfinden, knüpfen sich langsam die Fäden zusammen, und Jody und Miriam entlarven Greg mithilfe der peitscheschwingenden Scarlet, die sich Nicole zugetan zeigt und sie vor Schlechtem bewahren will, im Londoner Sex-Sündenpfuhl. 
In einem Showdown in der Kirche gelingt es schließlich, das blauäugige Nicolchen von Gregs Machenschaften zu überzeugen, während Ben bereit steht, um die fliehende Braut in die Arme zu schließen ... und zu entjungfern. 
Friede, Freude, Eierkuchen für alle: Nicole hat Ben, Jody ihren Ed, Katrina ist schwanger und gibt den Männerbedarf für ihren Bobby auf, Jodys Mama legt den Zahnarzt flach und Greg haut mit einem echten blauen Auge nach London ab ...

Meine Meinung: 

"Kurz vor der Hochzeit" heißt im Original "Always the Brightgroom", was doch etwas treffender ist, denn Ben sollte eigentlich (so hätte es Nicole gerne gesehen) Trauzeuge sein, während Piers, der eigentliche Trauzeuge, beinahe die ganze Karte verrät und kräftig im Sündenpfuhl mitmischt.

Dieser erotische Roman machte es mir nicht leicht, denn er lässt so viele Charakter antanzen, dass einem fast schwindlig beim Lesen und Verfolgen der Story wird. 

Während Jody als Hauptfigur eingeführt hat, läuft ihr Nicole rasch den Rang ab. 

Jody ist ziemlich undurchsichtig und kann kaum Sympathie wecken. Einerseits will sie keinen Mann, aber andererseits wehrt sie sich nicht gegen die Sonderbehandlung, die sie in einem Massagesalon, in den sie Freundin Miriam zur Entspannung mitnimmt, bekommt und verliebt sich dann auch noch stante pede in den Stuntman Ed.
Mehrfach fällt die Bemerkung, Ed liebe die Frauen. Er ist erfahren (und wohl auch etwas älter als Jody) und weiß, wie man eine Frau befriedigt. In keiner Weise wird er als sesshafter Beziehungstyp dargestellt, aber - ups - das Mäntelchen dreht sich im Winde, als er Jody kennenlernt. Nach einer auslaugenden Nacht sind beide dermaßen ineinander verliebt, dass er plötzlich monogam wird. Der Leser erfährt über beide Protagonisten aber im Grunde so gut wie nichts, außer deren Berufen.

Bereits zu Beginn zieht die Autorin die intimen Register und lässt verschiedene Charakter auf verschiedene Arten die Erotik ausleben. Leider ist das absolut unnötig und irrelevant.
Dass Jodys Mutter den Mann vom Pool vernascht, interessiert in der Story eigentlich niemanden.

Als sich Miriam als bisexuell herausstellte, war ich kurzzeitig versucht, das Buch wegzulegen, weil es mir an dieser Stelle mit den Klischees schon genügte.
Man bedenke, dass Nicole und Landwirt Ben zuvor der obligatorischen Kalbsgeburt beigewohnt hatten, nach der es der guten Nicole wie Schuppen von den Augen fiel, als sie Ben beim Duschen an der Pumpe beobachtete und feststellte, wie gut gebaut er doch war.
Tatsächlich aber erwies sich Miriams sexuelle Orientierung als plotrelevant, denn sie führte uns zu Scarlet, Nicoles Retterin. 

Ganz nebenbei wird in dem Provinzkaff an einem Theaterstück gearbeitet, sodass vollkommen unwichtige Personen auch noch was zu tun bekommen. 
Aufgrund der vielen Charaktere, die zu einem langweiligen Verwandschafts-Tamtam geraten, bleiben alle, so auch die wichtigen Personen deutlich zu blass.

In "Kurz vor der Hochzeit" greift Tesni Morgan wieder kräftig in die Erotikkiste und lässt den Leser an zahlreichen Spielarten teilhaben.
Die Szenen sind gewohnt explizit, und es wird währenddessen erstaunlich viel geredet.
Sprachlich darf man nichts Verblümtes, aber auch nichts extrem Derbes erwarten. Von geschwollener Sprache konnte ich nichts feststellen.
Langweilig wird es jedenfalls nicht, auch wenn man Nicole ein etwas ausführlicheres erstes Mal wünscht, wo aber wieder deutlich wird, dass sie doch nicht Hauptcharakter des Romans ist. 

Ansonsten hat der Roman einige Rechtschreibfehler zu bieten, die durchaus auffallen, aber angesichts der Tatsache, dass man dieses Buch derzeit zu Spotpreisen aus zweiter Hand erwerben kann, kann man darüber hinwegsehen. 

Wenn der geneigte Leser bereit ist, Figuren ohne Tiefe zu akzeptieren, und nichts Innovatives erwartet, wird er "Kurz vor der Hochzeit" nicht sofort dem Kaminfeuer zuführen. Der anspruchsvolle Erotikromanleser wird mit diesem Roman nichts anfangen können. 

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 3 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 0 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 4 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 0 von 5 (sollte der Leser lachen müssen, so war das vermutlich von der Autorin nicht beabsichtigt)
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

2 von 5 Weißdornzweigen




Kommentare:

evi hat gesagt…

Den habe ich auch mal günstig erstanden. So eine ausführliche Rezension wie deine war mir das wenig erfreuliche Geschreibsel aber nicht wert *gg*
Eine verworrene Geschichte mit viel zu viel Personal und unnötigen Sexszenen. Entbehrlich!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Wusst ich's doch !
Viel zu viel Personal ... das ist gut. Sie kriegt von mir 2 Trostpunkte, weil sie die beiden Hauptstränge zu Ende bekommen hat und mir die Sprache kein Schleudertrauma vom vielen Kopfschütteln bereitet hat. Buch wird umgehend wieder in den Verkehr gebracht, das muss meine Regalstatik nicht auf die Probe stellen :-)

evi hat gesagt…

"in den Verkehr gebracht" *lol*
Ja, meins auch!
(hab´s schon länger bei booklooker eingestellt - wollte aber bis jetzt noch keiner - warum bloß?)

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Owei, na dann werd ich es wohl bei booklooker für einen Cent anbieten müssen. Oho, ganz schlechtes Omen.
Alles andere geht immer weg wie warme Semmeln.

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