Montag, 7. Juni 2010

... über "Jenseits GmbH 01: Lieber Tod als Teufel" von Amber Benson


Amber Benson
Jenseits GmbH 01: Lieber Tod als Teufel

Vielen Dank an Egmont Lyx für das Rezensionsexemplar!
 
Broschiert: 383 Seiten
Verlag: Lyx (Oktober 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Jakob Schmidt
ISBN-10: 3802581660
ISBN-13: 978-3802581663
Originaltitel: Death's Daughter
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,4 x 3 cm
Preis: 9,95 €

Kurzbeschreibung

Calliope Reaper-Jones wünscht sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben führen zu können, ihrer Vorliebe für Designerschuhe zu frönen und Dates zu haben. Doch als Tochter des Todes ist sie alles andere als normal. Und als ihr Vater entführt wird und der Protegé des Teufels das Familienunternehmen, die Jenseits GmbH, übernehmen will, sieht sich Callie gezwungen, nach Hause zurückzukehren und vorübergehend die Firma zu leiten. Dazu muss sie jedoch zunächst drei äußerst schwierige Aufgaben lösen. Und dass der Gesandte des Teufels auch noch teuflisch gut aussieht, macht die Sache nicht leichter ...

Inhalt (Umschlag)

Für Calliope Reaper-Jones ist die Welt in Ordnung - bis der Vergessenszauber, den sie sich vor einigen Jahren selbst auferlegt hat, weil sie mit ihrer Familie und dem Familienunternehmen, der Jenseits GmbH, nichts zu tun haben will, plötzlich von Jarvis, dem Assistenten ihres Vaters, aufgehoben wird und ihr wieder einfällt, wer sie ist: die Tochter des Todes persönlich! Jarvis hat sie aufgesucht, weil ihr Vater entführt wurde und ihre ganze Familie droht die Unsterblichkeit zu verlieren. Um dies zu verhindern und ihren Vater zu finden, soll Callie die Leitung der Jenseits GmbH und den Job des Todes übernehmen. Um ihre Familie zu retten, bleibt ihr nichts anderes übrig, als das Erbe des Sensemanns erst einmal anzutreten. Doch zuvor muss sie drei äußerst schwierige Aufgaben lösen. Allerdings beansprucht Daniel, der unverschämt attraktive Protegé des Teufels, ebenfalls den Posten des Todes für sich und kommt Callie so manches Mal in die Quere. Zum Glück kann Callie auf Jarvis und ihre geniale Schwester Clio zählen, die ihr bei den Aufgaben helfen. Ebenso wie ihr Zerberus-Welpe und die indische Todesgöttin Kali, die ihr mehr als einmal aus der Patsche helfen. Doch irgendjemand hetzt Callies Familie gegen sie auf, und sie gerät in den Verdacht, die Entführung selbst angezettlet zu haben ...

Meine Meinung

Bevor ich zum Kern komme, muss ich doch ein wenig ausholen, denn diese Rezension unterscheidet sich zwangsläufig von meinen übrigen, da in diesem Falle meine Grundvoraussetzungen in Sachen Sympathie, Voreingenommenheit, Fan-Dasein usw. deutlich abweichen.

Amber Benson gehört zu jenen Autoren, mit denen der TV-Serienfreund sofort ein Gesicht verbinden kann. So ist sie auch mir aus der Fernsehserie: "Buffy - Im Bann der Dämonen", in der sie Tara Maclay portraitierte, wohlbekannt und in guter Erinnerung. 
Wer das Buffyverse verfolgt, weiß, dass Amber Benson zu den Multitalenten des Ensembles gehört und sich nicht nur als Co-Autorin von Ghosts of Albion: Accursed und Witchery: A Ghosts of Albion Novel einen Namen gemacht hat, sondern auch eigene Independant-Filme entwickelt, produziert und die Crew unter ihrer Regie anleitet.

Darüber hinaus ist Amber Benson eine öffentliche Person, die über ihre Arbeit sehr aufschlussreich Auskunft gibt.

Die Ghost of Albion-Stories kenne ich nicht, habe aber sowohl Bensons ersten eigenproduzierten Film "Chance" (http://www.chancemovie.com/) und auch die zweite, deutlich besser ausgestattete Produktion "Lovers, Liars and Lunetics" (http://www.loversliarsandlunatics.com/film.htm)  gesehen.
Vor allem im letztgenannten Film zeigt sich nicht nur Amber Bensons Vorliebe für Alliterationen, sondern auch ihr Faible für Slapstick und schwarzen Humor. 

Mit diesen Voraussetzungen habe ich nun die Lektüre von Jenseits GmbH 01: Lieber Tod als Teufel in Angriff genommen.

Zunächst einmal gewinne ich den positiven Eindruck, dass die Autorin vor Fantasy übersprüht und wirklich Spaß am Entwickeln von Geschichten und am Schreiben hat, denn sie schickt ihre Protagonisten aus dem realen, urbanen Umfeld in eine Götter- und Mythenwelt, in der Bekanntes und Neues bunt durcheinander gewirbelt wird. Aus der Hölle geht es direkt nach Bollywood und hinein in die Hindu-Mythologie.

Nachdem ich bereits zahlreiche Interviews (Behind the scenes usw.) mit Amber Benson gesehen habe, meine ich, sie in fast jedem Satz des Buches zu hören, ohne dass ich das Gefühl habe, sie habe sich in der Protagonistin verewigt.
Auch das ist ein angenehmer Pluspunkt.

Die Protagonistin Calliope Reaper-Jones ist mitnichten eine normale Sekretärin, die auf ihrem Wege zur großen Modekarriere ihr Dasein in der langweiligen Haus & Hof GmbH fristet, sondern sie ist die Tochter des Todes.
Das ist schon einmal recht mutig, denn wer personifiziert schon gerne den Tod.
Doch es kommt noch schlimmer, denn Callie ist nicht nur die Tochter des Todes, sondern soll auch noch selbst seine Stelle einnehmen, als er entführt wird.
Auf die Idee, dass man den Tod entführen kann, muss man erst einmal kommen.
Wer Amber Benson - sagen wir einmal - virtuell kennengelernt hat, geht a priori davon aus, dass sie ein solches Thema nicht bierernst und hochdramatisch verarbeiten würde.

Und Amber Benson wird dem gerecht.
Bierernst geht es nicht zu, und die Protagonistin schliddert von einem Fettnäpfchen ins nächste, womit ein kurzweiliges Lesevergnügen gesichert sein sollte.
Sollte ...

Leider ist mir Calliope Reaper-Jones, Madame Tod ad interim, absolut unsympathisch, wodurch die Lektüre für mich zur Qual wurde.
Sie ist mir schlichtweg zu oberflächlich, als dass ich ihr diese verantwortungsvolle Aufgabe zutrauen würde. Im Grunde ist sie eine Antiheldin, die in Ich-Form den lieben langen Tag über Mode plaudern kann, über ihr nicht existentes Liebesleben jammert und die Aufgaben, die sie wie im Märchen erfüllen muss, bevor ihr das wichtige Amt ihres Vaters anvertraut werden kann, eher zufällig als wirklich mit Sinn und Verstand löst. Sie wirkt damit für ihr Alter arg unreif und kaum witzig.
Die zahlreichen Erwähnungen von Kleidung und Markennamen sind für mich in höchstem Maße enervierend, und die Hin- und Hergerissenheit der Protagonistin zwischen Realwelt und ihrer mythischen Herkunft, in der ein Faun zu ihrem Bediensteten wird und der Protégé des Teufels sie zu bezirzen versucht, um an den Posten als Tod zu kommen, wird in meinen Augen durch all diese Pop-Culture-Übertriebenheit nur unglaubwürdig dargestellt.

Darüber hinaus führt die Autorin in diesem Auftakt der bislang auf drei Bände ausgelegten Reihe zahlreiche Charaktere ein, die neben der vergleichweise schnellen Handlungsabfolge zu einer gewissen Verwirrung beitragen.
Einen erfrischenden Gegenpart stellt jedoch Callies Schwester Clio dar, von der wir hoffentlich auch in den Fortsetzungen noch mehr lesen werden.

Während ich auf den ersten wenigen Seiten den lockeren Schreibstil noch genoss, musste ich bald feststellen, dass ich mit Callies Sprache letztendlich kaum etwas anfangen kann, sie mir für ihr Alter schon fast zu jugendlich ist.

Das Ende war für meine Begriffe etwas mager und verstärkte den Eindruck, dass man es hier nur mit einem Reihenauftakt und nicht mit einer echten Stand-alone-Geschichte zu tun hat.

Alles in allem rangiert "Jenseits GmbH" auf meiner Beliebtheitsskala eher im Mittelfeld.
Die Story ist durchaus anspruchsvoll, denn es werden mythologisch belegte Charaktere in den Fokus gerückt, sodass der Autorenfantasie nicht 100 % Spielraum zustehen, die Umsetzung allerdings erscheint mir jedoch zu jugendlich, als dass das Buch all-age-tauglich wäre.
Seit langem gefällt mir das Cover der deutschen Ausgabe wesentlich besser als das englische Original (Death's Daughter (A Calliope Reaper-Jones Novel)), und obwohl ich anfänglich Probleme mit dem recht langen deutschen Titel hatte, ist er doch gelungen. Allerdings hat man sich mit der deutschen Titelwahl nun so festgefahren, dass die beabsichtigten Alliterationen der englischen Titel nicht ins Deutsche hinübergerettet werden können. Das ist zwar schade, aber nebensächlich.

Die Fortsetzung Jenseits GmbH 02. Einmal Tod ist nicht genug ist für das nächste Frühjahr geplant und hört sich im Grunde ganz interessant an.

Wer gerne Jugendbücher liest - und ich möchte "Jenseits GmbH" dazuzählen - in denen eine bunte Fantasywelt mit bekannten Gottheiten erschaffen wird, dafür aber keine romantische Liebesgeschichte im Vordergrund steht, sondern eine freche Antiheldin, die sowieso nicht von jedem gemocht werden will, macht mit Amber Bensons Erstling als Alleinautorin gewiss nichts falsch.
Träumer, Romantiker und Sprachfetischisten sollten besser die Finger davon lassen.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 2 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 1 von 5
Gefühl/Subtilität: 1 von 5
Humor: 3 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

Gesamteindruck:

3 von 5 Weißdornzweigen




 
 

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