Freitag, 11. Juni 2010

... über "Im Harem des Prinzen" von Mona Vara

 HINWEIS: Erotikroman. Nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren!

Mona Vara
"Im Harem des Prinzen"

Märchenhafte Sinnlichkeit


Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Ungekürzte Ausg., 1. Aufl. (1. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453545222
ISBN-13: 978-3453545229
Originaltitel: Fedora - Im Harem des Prinzen
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,2 cm

Kurzbeschreibung

Ein erotischer Liebesroman aus Tausendundeiner Nacht

Fedora, eine rothaarige, junge Byzantinerin, wird auf dem Sklavenmarkt vom Sohn des Wesirs gekauft. Als sie ihn heftig zurückweist, soll sie unter dem Beil des Scharfrichters landen. Prinz Ahmed, der Lieblingssohn des Kalifen, rettet ihr das Leben und nimmt sie in seinen Harem auf. Fedora jedoch erweist sich als tugendhafter, als er erwartet hatte, und so sucht er mit reizvollen Spielen ihre Liebe zu gewinnen ...

Aus dem Inhalt

Die rothaarige Byzantinerin Fedora strahlt wie eine heiße Flamme auf dem Sklavenmarkt in Bagdad und fällt damit sofort dem Sohn des Wesirs, Ibrahim al-Fadal, ins Auge. Er überbietet alle und kauft sich die Schöne, die sich allerdings als äußert widerspenstig erweist. Ibrahim ist abstoßend und macht der hübschen Frau mit den Smaragdaugen umgehend klar, dass sie ihm zu dienen habe. Somit nähert er ihr sich plump und ohne Umschweife, wogegen sie sich schlag- und kratzfertig zur Wehr setzt und sich damit selbst in den Kerker bringt, wo zunächst einmal 200 Stockschläge auf sie warten, bevor sie dem Henker vorgeführt werden soll.

Das Glück ist ihr jedoch hold, denn Prinz Ahmed befreit sie aus ihrer misslichen Lage, kauft sie dem unansehnlichen, dicken Ibrahim ab und lässt sie in eigene Gemächer bringen und von Hayana, einer Landsmännin Fedoras und Lieblingsdienerin seiner Mutter, gesundpflegen.

Als der Prinz sich Fedora vorführen lässt, wird er mit ihrem Eigensinn, ihrer Eigenständigkeit konfrontiert, denn die Byzantinerin ist keine Frau, die man sich ohne weiteres unterwirft, sondern sie ist klug, belesen und schlagfertig und keinesfalls bereit, sich den Gegebenheiten des für sie fremden Kulturraums hinzugeben.
Für sie ist der Gedanke, Teil eines Harems zu werden, abstoßend, und sie würde lieber sterben, als irgendeinen "Stab der Freude" in sich aufzunehmen, der kein Anrecht darauf hat. 
Doch auch der Prinz ist weder ungebildet noch dumm und erkennt, dass er Fedora umwerben muss, indem er sie intellektuell fordert und ihr mehr als nur schöne Gewänder und Kostbarkeiten bietet.
So weist er sie in seine Sprache, Schrift und Poesie ein, sodass Fedora ihn nach und nach schätzen lernt, bevor er beginnt, ihr Lektionen der Liebe zu erteilen ...

Meine Meinung

"Im Harem des Prinzen" ist wirklich ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.
Der Roman beginnt wie "Der kleine Muck", indem ein alter Mann eine Geschichte erzählt, und diese Geschichte berichtet von Fedora, der schönen Byzantinerin, die floh, weil sie keinen Mann heiraten wollte, den sie nicht liebte, aber einem Sklavenhändler in die Hände fiel und verschleppt wurde, um schließlich in die Hände des nächsten missratenen Kerls zu fallen. 
Dann aber passiert, was man sich für ein Märchen wünscht: Es kommt der rettende Prinz.
Natürlich ist es vorhersehbar, dass Fedora und Ahmed zusammengehören, aber der Weg, auf dem sie zueinanderfinden ist so sinnlich und zauberhaft, dass die Lektüre ein wahrer Genuss ist.

"Im Harem des Prinzen" ist ein historischer Erotikroman, der viel Poesie und schöne Bilder zu bieten hat, aber darüber das kulturell-historische Ambiente (Bagdad im 9. Jh.) nicht vergisst und eine Intrige erspinnt, die in keiner Weise konstruiert wirkt.

In intimen Szenen wird nicht abgeblendet, aber die Sprache ist sinnlich und dem übrigen Schreibstil entsprechend vergleichweise blumig, aber nicht undeutlich. 
Es ist sogar eine Wohltat, einmal nicht ausgelutschtes Vokabular vorgesetzt zu bekommen, denn das wäre hier vollkommen deplatziert und bedeutete einen Stilbruch.

Sprachlich gibt es nur ein Detail, das ich als störend empfinde, weil es (mir) den Eindruck vermittelt, der Text sei übersetzt worden, was hier aber nicht der Fall ist.
Beispiel: "Dann überwand sie sich und stand auf, das schützende Kissen zornig zur Seite werfend."
Solche Partizipialkonstruktionen durchziehen den gesamten Text und lassen ihn, zumindest in meinen Augen, etwas unbeholfen wirken, was aber unter Umständen auch dem historischen Duktus geschuldet sein kann, denn die gesamte Sprache des Romans ist angemessen altertümlich und gehoben. 

Mona Varas Geschichte bietet alles, was das Romantiker-Herz begehrt, und ist ein, wie ich es immer nenne, "Kerzenscheinroman". 
Wer auf handfeste, derbe Erotik aus ist, ist bei "Im Harem des Prinzen" an der falschen Stelle, denn hier setzt die große Liebe auf subtile, neckische Verführungskunst, die absolut gänsehauttauglich ist.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 4 von 5
Aufmachung: 3 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 1 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 5 von 5
Gefühl/Subtilität: 5 von 5
Humor: 1 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 4 von 5

Im Gesamteindruck gibt es von mir für "Im Harem des Prinzen" volle Punktzahl, also

5 von 5 Weißdornzweigen


Kommentare:

evi hat gesagt…

Oh, so schnell kann´s bei dir gehen!
Ja, dann würd ich sagen, wart ich noch mal deine Rezi zum anderen Buch von Mona Vara ab, ob du das auch so gut bewertest.
Aber ich setz die Dame schon mal vorsichtshalber auf die Wunschliste.
Übrigens hab ich den schweren Verdacht, dass sich hinter diesem Pseudonym eine Österreicherin verbirgt...

Philia Libri hat gesagt…

Klingt auch für mich (die ich keine Erotik-Romane lese) sehr interessant. Vor allem wohl wegen des historischen Aspekts :)

Ein Wort zu den "unbeholfenen" Sätzen. Das sind Partizipalkonstruktionen, dich ich persönlich sehr schön finde, vielleicht aber inzwischen in der deutschen Sprache etwas eingerostet sind.

Sinje Blumenstein hat gesagt…

@evi: Ja, laut Impressum lebt und arbeitet die Autorin in Wien.

@Philia: Ich muss sagen, dass ich nach viereinhalb Jahren Übersetzerstudium allergisch auf solche Partizipalkonstruktionen reagiere, denn dort wurde uns bis zum Erbrechen eingetrichtert, dass Gerundien und Co. zu ordentlichen Nebensätzen aufzulösen sind. Es gibt ja auch hübsche Modalsätze ;-)
Ich verwende durchaus hin und wieder Partizipalkonstruktionen dieser Art, um nicht dauernd extreme Nebensatzreihen zu produzieren, aber in diesem Buch kommen sie für meine Begriffe zu oft vor, denn sie sind mir direkt ins Auge gestochen.
Ich weiß nun nicht, ob das ein spezieller Stil von Mona Vara ist oder ob sie sich sprachlich an ihre Thematik anpasst, denn auch Dialoge und Beschreibungen wirken dem historischen Ambiente angemessen leicht antiquiert.

Philia Libri hat gesagt…

Dann kann ich dich durchaus verstehen :) Ich nehm mal an, dass das der Autorin gut gefallen hat - wer weiß das schon?

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Hihi, im zweiten Buch, das ich jetzt gelesen habe, kamen solche Partizipialkonstruktionen nicht mehr vor. Vielleicht hatte es wirklich mit dem Buch an sich zu tun.

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Wenn ich das Wort Partizipialkonstruktion wenigstens noch immer richtig schreiben würde, wäre ich auch schon etwas weiter *breit grins*.

Philia Libri hat gesagt…

Ich vergess da auch immer ein i +lach+

Interessant...naja, die Welt ist seltsam.

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