Sonntag, 6. Juni 2010

... über "Die Galerie" von Robyn Russell

HINWEIS: Erotikroman. Nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren!
 
Ich erinnere mich düster, dass ich einer meiner Leserinnen eine Rezension versprochen habe. Stimmt's, Evi?

Das betreffende Werk ist schon etwas älter und inzwischen antiquarisch zu erwerben.  


Taschenbuch: 315 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1 (2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404146670
ISBN-13: 978-3404146673
Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,6 x 2,3 cm

Kurzbeschreibung

Die Hitze des Sommers überträgt sich auf die Sinne der Menschen. Eden Sinclair, Leiterin einer angesehenen Galerie in Atlanta, wird ihren Prinzipien untreu, nie mit einem ihrer Künstler eine Affäre zu beginnen. Aber dann erfährt sie, dass der Galeriebesitzer mit ihrer besten Freundin schläft, und Eden selbst begegnet Michael MacKenzie, einem unwiderstehlichen, vielversprechenden Talent ...

Meine Meinung

Der Baumarkt-Verächter pflegt zu sagen: "Wer billig kauft, kauft zwei Mal."
In gewisser Weise lässt sich das bei mir auf den Erotikroman übertragen, denn ich kaufe sehr häufig erotische Romane gebraucht und greife mit schöner Regelmäßigkeit daneben.

"Die Galerie" zählt zu meinen persönlichen Missgriffen, und die Übertragung aus der Feder der (wie ich inzwischen feststellen durfte) berühmt-berüchtigten Sandra Green ist daran ziemlich unschuldig.

Ich habe den Roman nach seiner Kurzbeschreibung erworben, und man darf ihm zugute halten, dass er dieser durchaus gerecht wird und tatsächlich eine Handlung hat, während die Protagonistin nach anfänglichem Herumgejammere ordentlich Rückgrat zeigt, weshalb sie am Ende mit dem Mann, den sie will, und eigener Galerie auf ganzer Linie den Sieg davonträgt.

Besagte Galerieleiterin, unsere Heldin, Eden, war mir sofort auf Seite 1 unsympathisch, bzw. war ich umgehend von ihr genervt, weil sich die Autorin detaillierten Beschreibungen ihres Aussehens hingibt, die auch das recht reizvolle Cover in null Komma nichts ad absurdum führen. (Die Protagonistin hat kurzes kastanienbraunes Haar.)
Wenigstens tut sie bei allem Schick in Kostümchen und Sandälchen ihren Job und betrachtet geschäftsmäßig Fotografien, die ansprechend beschrieben werden, denn es handelt sich um Abbildungen erotischer Skulpturen. 
Diese Fotografien sind dann wohl auch die Ursache dafür, dass das Leseunglück seinen Lauf nimmt, denn nur 3 Seiten später wird Eden zum Voyeur.
Bei jeder Gelegenheit sieht der Leser nun mit Edens Augen andere Akteure bei intimen Begegnungen oder die Protagonistin betrachtet die übrigen Verdächtigen so intensiv, dass dem Leser zwanghaft deren Kurven präsent werden.
Nachdem alle Mitarbeiter nach Feierabend die Galerie verlassen haben, bleibt die Leiterin natürlich allein zurück und hat nichts Besseres zu tun, als sich erotische Fantasien herbeizurufen, um zu masturbieren. Welch ein Glück, dass auf Seite 20 das Telefon klingelt und das Ganze unterbunden wird.

Wie es der Klappentext verheißt, verguckt sich Eden nicht nur in die höchst erotischen Skulpturen, sondern auch in deren Schöpfer.
Schon bald beginnt eine Geschichte voller Missverständnisse, in der es beinahe jeder mit jedem treibt und sich von einer sexuellen Spielart zur nächsten gehangelt wird.

"Die Galerie" ist insgesamt betrachtet ziemlich oberflächlich, klischeehaft und langweilig.
Die Autorin siedelt ihre Handlung in einem vergleichsweise illustren Oberschichtmilieu an und bedient damit ohne weiteres das Klischee, dass es in der Kunstszene, wo sich die Reichen und Schönen bewegen, ausnahmslos heiß hergeht, während im Hintergrund und im Vordergrund intrigiert wird, was das Zeug hält.
Damit kann sie bei mir nicht punkten, da ich mir auch in erotischen Romanen einen Hauch von Identifikationspotenzial wünsche, und die Erotikszenen rufen keinerlei Prickeln und schon gar Vorfreude auf die nächste Szene hervor, sondern lassen den Leser im Geiste eher Strichlisten führen, auf der dann Spielart A bis Z abgehakt werden.

Die Sprache schwankt zwischen schwülstig und platt und macht keinen Spaß.

Einzig und allein die Tatsache, dass Robyn Russell ihre Geschichte rund zu erzählen weiß und nicht im Sande verlaufen lässt, erlaubt mir die Vergabe von

1 von 5 Weißdornzweigen

 









Kommentare:

evi hat gesagt…

Hab mich grad köstlich amüsiert bei deiner Rezi!
Die Autorin sagt mir gar nichts, aber ich werde ohnehin davon absehen, das Werk antiquarisch zu erwerben. Merken sollte ich mir den Namen aber wohl, so dass ich das nicht mal aus Versehen kaufe...

Ich kann übrigens deine Erfahrung mit dem "billig-kaufen" durchaus teilen, denn ich bin auf diese Weise auch schon an ein paar grottige Erotik-Romane gekommen. Buchabverkauf: 4 Bücher für fast nix. Aber leider auch gar nix wert :-(

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ich weiß gar nicht, ob ich nicht noch ein Buch von ihr liegen habe. Ich bin gewillt, ihr noch eine Chance zu geben. Mit einem Buch muss man ja nicht gleich für immer und ewig in das berüchtigte Klo gefasst haben. Wie sag ich immer so schön: Ich hab kein Buch geschrieben, das jedem gefallen muss.

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