Freitag, 4. Juni 2010

... Tag 27 – Ein Buch, dessen Hauptperson dein „Ideal“ ist

Bin ich mit meinen zarten 34 nicht aus dem Alter heraus, in dem man irgendwelche literarischen oder kinematographischen Gestalten idealisiert?

Hinter solchen Fragen vermute ich immer - misstrauisch, wie ich bin - neben dem Analysieren fremder Charakter die leise Suche nach der Kenntnis der klassischen Gestalten der Hochliteratur.

Dank der Schullektüre ist man, so möchte man meinen, für's Leben gefüllt mit vorbild- und beispielhaften Figuren, die sich durch immense Leidensfähigkeit, Mut und Entschlossenheit auszeichnen.

Trotzdem möchte ich keinen dieser Charaktere zum Ideal erheben. Ich möchte keine Karenina-Entscheidung idealisieren und ich bin froh, dass ich nicht in der Zeit einer Mutter Courage leben muss, ach, und ein Gretchen möcht ich auch nicht sein, auch wenn ich es auf der Bühne einmal war.
Ebenso würde ich nie auf so eine irrige Idee kommen wie meine eigene Protagonistin Anne; sie ist nämlich ganz und gar nicht mein Ideal.

Ich denke aber auch, dass uns ein kleines Fünkchen Idealdenken nicht schadet. Es gibt durchaus Figuren, mit denen man sich gern identifiziert, manche vermitteln dieses Gefühl nur ansatzweise, während andere wiederum wie die berühmte Faust auf's Auge passen.
Und dann findet man wieder Charaktere, die diese Identifikation nicht bieten, sei es aufgrund ihres Wesens oder aufgrund ihrer Epoche, die aber ein Stückchen Ideal mitbringen und im Leser den Wunsch nach dem einen oder anderen Charakterzug entstehen lassen.

Deshalb gibt es nicht nur ein Buch mit diesem Wunschpotenzial, ein klitzekleines bisschen Sehnsucht birgt eine bunte Mischung aus Genres und Charakteren, ohne dass dort nun allzu viel hineininterpretiert werden müsste.

In der Tat hätte ich gern ein Quäntchen der Lebens-Leidenschaft der Ivy Dearing in Kathryn Smiths Die Schattenritter: Salon der Lüste, und gern hätte ich ihr fotografisches Talent (wenn man die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit bedenkt, muss sie sehr begabt gewesen sein).
Überraschenderweise gesellen sich hier noch Charaktere von Nicholas Sparks hinzu.
Sehr bewundert habe ich Jamie in Zeit im Wind: Roman für die Stärke, die ich mir als junger Mensch nicht zugetraut hätte, und beneidet habe ich sie um die Liebe, die sie in so jungen Jahren hatte erleben dürfen. Auch wenn das Schicksal der Protagonistin Allie in Wie ein einziger Tag nicht wünschenswert ist, so wird ihr doch eben diese Liebe zuteil, nach der sich mancher sehnt. Darüber hinaus sind diese Sparks-Charaktere ohnehin Sympathieträger.
Vielleicht aber wäre es in mancher Situation nicht zu verachten, wenn man einfach die Gestalt wechseln könnte, wie Delilah in Yasemine Galenorns Schwestern des Mondes: Katzenkrallen, wenn wir die damit verbundenen Nachteile mal außer Acht lassen, oder körperliche (und mentale) Kräfte zu haben, mit denen man den Bösewichten dieser Welt mal gewaltig in den Allerwertesten treten kann, wie Renata in Lara Adrians Gefährtin der Schatten.

Ach, ich könnte hier noch viele Figuren zusammensuchen, aber das würde ausufern.

1 Kommentar:

Soleil hat gesagt…

Das stimmt. Ich idealisiere die wenigsten Figuren, ich möchte auch oft nicht sein wie sie. Aber ich bewundere viele für das was sie tun (müssen) und wie sie sich den Gegebenheiten stellen.
Und natürlich beneide ich auch einige. Ich will nicht unbedingt fliegen können oder Bärenstark. Aber manchmal ein bisschen Gedankenlesen oder in die Zukunft sehen? Oder ...
Aber dann wäre mein Leben wahrschein viel zu aufregend und ich selbst eine Romanfigur. Und die werden immer ziemlich gestresst *g*

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