Mittwoch, 9. Juni 2010

... Nähkästchengeplauder: mein Cover (Teil 2)

Und weiter geht die ausführliche Analyse der Entstehung eines Covers.
Der erste Entwurf wurde nun teilweise verworfen, und Nathália erdachte eine Alternative (siehe rechts). Wie schwach zu sehen ist, hat Anne in der Zwischenzeit einen zarten weißen Handschuh als Gothic-Element bekommen.
Da dort der Untergrund dynamischer war und nicht den Eindruck vermittelte, meine Ersatz-Anne sause in den Boden, wurde er also beibehalten. Die Bäume verwarfen wir, da die Vorstellung des Waldes nicht dicht genug wirkte.
Annes Position war bis dato noch variabel. Sie hätte sowohl links als auch rechts stehen können, obwohl links von Anfang an favorisiert wurde, da wir in unseren Breiten ja von links nach rechts lesen und wir mit der Positionierung der Gestalt nicht den üblichen Lesefluss/Blick stören wollten.

An dieser Stelle muss ich wieder das verflixte BoD-Template einwerfen. Soweit ich mich erinnere, gibt es tatsächlich nur 2 Vorlagen, die eine vollflächige Abbildung zulassen, alle übrigen bieten lediglich einen Ausschnitt, in den eine Abbildung eingefügt werden kann, während die Farbgestaltung sowie auch die Platzierung von Autorenname, Titel, Untertitel, Genrebezeichnung (und auf der Rückseite dann Klappentext und weitere Informationen sowie Strichcode) fest definiert ist.

In diesem Stadium der Arbeit hatten wir noch die Absicht, ein Template zu verwenden, einfach aus dem Grund, weil wir Sorge hatten, dass die Maße am Ende nicht stimmen könnten. 
Aufgrund dieser Templates bestand in unserem Fall die Möglichkeit, Anne entweder links oder rechts zu platzieren, da die Vorlage die Positionierung des Autorennamens entweder oben rechts oder links vorsah, während Titel und Genre bei einer Variante mittig im unteren Bereich und bei der anderen links einzuplanen waren.
Diese (dämlichen) Vorgaben sorgten dafür, dass wir natürlich aufpassen mussten, dass mein Name Anne nicht den Kopf absägt - so viel Horror hat mein Roman nun auch wieder nicht zu bieten.
Wie das Grauen hätte aussehen können, zeigen die Template-Previews links und rechts. Nun war ich entweder zu dumm oder es ist tatsächlich nicht anders vorgesehen, aber Schriftart und Schriftfarbe lassen sich nicht ändern, während man den Text aber komplett löschen kann, was ich erst später herausfand. EasyCover  ist nicht ganz so easy, wie man es sich wünschen mag.
Aufgrund der automatischen Textpositionierung kam Template 1 (links) zunächst in Betracht, bei beiden Vorlagen bissen sich jedoch die Farben von Nathálias Kunstwerk gewaltig mit den voreingestellten, nicht änderbaren BoD-Farben. Darüber hinaus war mein Name auch nach dem 10. Verdunklungsversuch wegen der merkwürdigen eisig blauen Schriftfarbe immer noch nicht lesbar. (Nicht dass ich mich jetzt besonders wichtig nähme, aber ein Buch, auf dem der Autorenname nicht zu erkennen ist, ist doch auch nichts Halbes oder Ganzes.)

Das war der Punkt, an dem Nathália über den großen Teich per E-Mail auf den Tisch haute und sagte, ich solle mir keinen Kopf mehr machen und wir sollen einfach das Template in die Tonne treten.
Das haben wir dann auch getan.
Nathália nahm somit das Cover komplett mit Front, Back und Spine in die Hand.
Mir ist der gesamte Brocken vom Herzen gefallen, denn nun konnten wir uns endlich wieder auf Anne konzentrieren.
Wir kehrten somit zurück zu Idee 1: Anne links mit Wald am Horizont.
Aus dem Alternativbild wurde der Untergrund übernommen, und Nathália fügte einen neuen, dichteren Wald ein.
Anne wurde kurzzeitig zwar wieder etwas rosiger, als sie sein durfte, aber angesichts des dünnen Kleidchens, das wir als Hommage an ihre kalifornische Reisezeit in Buch 1 auffassten, ist es ihr nicht zu verübeln, dass sie vielleicht ein bisschen fror (oh, äh, kann sie überhaupt frieren?). Den Handschuh, den sie verloren hatte, bekam sie später auch wieder zurück.
Die Variante links ist somit die Nullvariante des eigentlichen Covers, denn die Komposition dort habe ich (huch, klingt das nicht wieder viel zu wichtig?) abgesegnet.

Was nun kam, war ein Wunsch von mir.
Zunächst einmal wollte ich nicht nach zwei Tagen schon mit dem Cover fertig sein, denn es macht wirklich Spaß, mit Nathália über Kompositionen und Farben zu philosophieren.
Nein, Scherz beiseite.
Ich hatte von Anfang an den Vollmond im Kopf. Da der - ACHTUNG SPOILER - eine - ACHTUNG KLISCHEE - nicht unwesentliche Rolle spielt, musste der einfach drauf, aber - schluchz - Nathália war sich nicht sicher, ob das aufgrund der hellen Gestaltung der Arbeit überhaupt machbar wäre, ohne dass es zu gekünstelt aussah.
Ach, ist die Zeitverschiebung nicht doch eine schöne Sache?
Abends ging ich zufrieden ins Bett, und als ich am Morgen meinen E-Mail-Ordner öffnete, fand ich meinen Mond (rechts). Es gibt Augenblicke, da könnte ich wie ein kleines Mädchen hüpfen. Ja, ich bekam meinen Vollmond, der Anne ruft. 

Nun fehlten nur noch ein paar Akzente, damit man beim Betrachten des Covers nicht erfror.
Wie kann denn ein Roman "Blutsuche" heißen und nirgends ist ein Tröpfchen zu sehen?
(Sollte ich mich zur Titelentstehung noch nicht ausgelassen habe, tue ich das, wie man von mir gewöhnt sein dürfte, sowieso noch irgendwann.)
Also brachte Nathália ihre Katze um die Ecke (O-Ton!) ... nein, sie widmete sich der digitalen Malerei. Das Ergebnis ist links zu sehen.

Verworfen wurde die Blutfährte, weil es tatsächlich so aussah, als ob Anne auf der Suche nach Nathálias verwundeter Katze ist, und ein Jagdroman ist "Blutsuche" nun auch wieder nicht. Es musste demzufolge subtiler getropft und das Blut mehr mit Anne in Verbindung gebracht werden. 
Mit Blutstropfen an Annes Hand und auf ihrem Kleid war das Cover fast fertig. In der Zwischenzeit wurde noch ihr Haar manipuliert, weil die Haarfarbe des Modells etwas zu dunkel war.

Als Nächstes befassten wir uns mit der Platzierung der Buchinformationen und mit den kommerziell erlaubten Schriftarten. Im Zuge dessen wurde das gesamte Bild auch immer mal wieder heller oder dunkler, je nachdem, wie gut die Schrift zu erkennen war.
Wir wollten, dass der Titel eine individuelle Note bekam, und suchten sehr lange nach einer geeigneten Handschrift.
Wie es der Teufel so wollte, gab es bergeweise wunderschöne Handschriften, die allesamt nur für den privaten Gebrauch, nicht aber für den kommerziellen Druck erlaubt waren, und genau die Schrift unserer Wahl war schlichtweg nirgends zu erwerben.

Die Schrift meines Titels ist somit einmalig auf der Welt, denn es ist Nathálias unveränderliche, unverkennbare Handschrift, und ich bin ihr für ihre Idee wirklich dankbar, denn noch individueller kann das Cover kaum werden.

Die vorletzte Version stand, aber es fehlte immer noch etwas Rot und vielleicht ein romantisches Element, denn "Blutsuche" ist ja kein Wintermärchen, sondern natürlich eine Romanze.
Und was steht für Romanzen?
Richtig, die Rose.
Ich hatte zwar eine andere Vorstellung, denn ich wollte unbedingt den Weißdorn, der eine entscheidende Rolle spielt, auf der Abbildung haben, aber das war einfach nicht machbar. Ich habe Nathália mit Blüten, Beeren, Dornen und Blättern im 100er MB-Bereich bombardiert, aber es war einfach nicht machbar.
Deshalb fiel die Entscheidung auf die Rose, die sogar auch im Roman vorkommt, wenn auch in unwichtiger Rolle und anderer Form.
Somit sind auf dem Cover keine storyfremden Elemente enthalten (eine Vogelspinne wäre arg deplatziert gewesen, nur so als Beispiel ...). 

Juhu, das Frontcover war fertig, nun ging es an das Backcover, und das war ganz einfach, denn es sollte sozusagen ein Spoiler und identisch mit dem Frontcover sein, nur eben Anne sollte nicht zu sehen sein ... 

Klappentext und Strichcode eingefügt, noch einmal hin- und hergerückt.

Buchrücken dazugebastelt - und ich muss leider sagen, dass wir an den noch einmal ranmüssen, da es doch beim Zurechtschneiden noch millimeterkleine Abweichungen geben kann, aber das wird nicht heute und morgen nicht gleich passieren.

So, das Cover war fertig, und 10 Wochen nach Erscheinen meines Gartenratgebers konnte ich eine eigene Coverdatei bei BoD hochladen.

Zwischendurch hatten wir uns vermessen, da die Breite des Buchrückens von der Seitenzahl abhängig ist und außerdem Beschnittränder hinzugerechnet werden müssen, sodass noch ein paar kleine Änderungen, vor allem Textverschiebungen nach innen, notwendig wurden, aber glücklicherweise schimpft das Prüfsystem von BoD sofort, wenn die Cover-Datei nicht den Maßvorgaben entspricht.

Dann aber klappte alles, und die Datei war in null Komma nichts hochgeladen und freigegeben, nun hieß es nur noch auf den Probedruck warten.

Fertig.

Das war mein langer Bericht, wie ein Books on Demand-Cover nach meinen Vorstellungen entstand.
Ich habe die Zeit sehr genossen, weil ich mich einmal auf andere - visuelle - Weise mit meinem Roman auseinandersetzen durfte.
In  diesem Sinne freue ich mich auf Band 2, auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg ist.

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick in das Drumherum von uns Selbstveröffentlichern geben konnte.


Mehr von Nathália gibt es hier: 
http://nathaliasuellen.megabyet.net/


©Nathália Suellen
LadySymphonia.com
NathaliaSuellen.com


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Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Wow, was ein langer, harter Weg! Aber ich finde, es hat sich gelohnt. Allerdings muss ich sagen, dass ich die Rose auf dem Cover nicht gebraucht hätte, weil Landschaft und Mädel romantisch genug sind. Auch die dezenten Blutspritzer und Tropfen finde ich äußerst gelungen!
Die Rose auf dem Backcover ist genau richtig und da gehört sie auch hin!
Und jetzt ist mir auch klar, dass dies ein Teil 1 ist, nicht Teil4, wie ich erst dachte. *g* Hat BoD denn das Cover so abgenommen, wo Ihr doch die Vorlagen abgeschmettert habt?
Kann ich außer als bei Am.azon noch irgendwo eine Leseprobe ansehen? Die dortige ist einfach zu klein und ich habe nicht gefunden, wie man es größer machen könnte.

Vielen lieben Dank für den Beitrag!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Die Rose vorn UND hinten haben wir dann doch so gewählt, weil es uns komisch vorkam, dass plötzlich hinten eine Rose übrig ist und man sich dann fragte, wo sie plötzlich herkommt. Außerdem ist sie auch ein kleiner Verweis auf den zweiten Band.
Man kann mit Vorlagen arbeiten oder eigene einreichen. Das Template ist halt der einfache Weg, deshalb sehen so viele BoD-Publikationen gleich aus. Wenn das Cover ohne Gemecker hochgeladen wird, ist alles OK. Das geht durch eine automatische Prüfung, und wenn da nur ein mm oder ein dpi fehlt, dass wird das Cover abgelehnt. Wichtig ist, dass die Maße und die Auflösung stimmen und der Strichcode mit der ISBN drauf ist.
Ansonsten guck mal bei suchbuch.de oder buechernarr.de.

Danke fürs Lesen ;-)

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