Dienstag, 8. Juni 2010

... Nähkästchengeplauder: mein Cover (Teil 1)

Vor kurzem hat mir Alexandra im Rahmen ihres Projektes (http://der-buecherwahnsinn.blogspot.com/search/label/Ich%20frage%20-%20Autoren%20antworten) folgende Frage gestellt: Bist du mit der Zusammenfassung (Klappentext) deiner Bücher immer zufrieden oder würdest du sie anders schreiben? Wenn ja, mit welcher Zusammenfassung warst du am unglücklichsten?

In diesem Zusammenhang musste ich ein wenig ausholen, denn letzten Endes ist "Blutsuche" ja ein Do-it-yourself-Projekt.

Ein Teil meiner Antwort lautete wie folgt, und ich erlaube mir, den Text einfach zu kopieren, weil er auch zu meinem heutigen Thema, dem Cover, passt:

Meine Vampirromanze „Blutsuche: Annes Reise“ ist nach einigem Hin und Her nicht bei einem traditionellen Publikationsverlag erschienen, sondern ich habe letztendlich die Veröffentlichung selbst in die Wege geleitet und mir dafür Books on Demand ausgesucht.

Dieses Unternehmen ist ein Verlagsdienstleister und bietet (nicht nur Autoren, sondern auch Verlagen) über verschiedene Veröffentlichungspakete die Möglichkeit, dem Geldbeutel entsprechend Bücher entweder für den Eigenbedarf drucken zu lassen oder aber in den Handel zu bringen, also zu veröffentlichen.

Im Rahmen der preiswerteren Veröffentlichungspakete ist nun der veröffentlichungswillige Kunde für alles selbst zuständig: Das beginnt beim Schreiben, Korrigieren und Buchsatz und endet bei der Vermarktung.

Das bedeutet also, dass Books on Demand im Regelfall (außer bei den hochpreisigen Paketen bzw. zusätzlicher Buchung optionaler Leistungen) das zu veröffentlichende Werk inhaltlich nicht kennt, und für ich bin der Auffassung, dass man etwas, das man inhaltlich nicht kennt, schlecht angemessen gestalten kann, sei es in Bezug auf Klappentexte, Inhaltsangaben bzw. Kataloginformationen, Kurzbeschreibungen, Werbetexte etc.

Demzufolge ist der Autor oder Verlag, der die Herstellung seines Buches bei Books on Demand in Auftrag gibt, selbst für solche Texte und eben auch für das Cover zuständig und muss diese im Laufe des Online-Auftragsverfahrens selbst in die entsprechenden Rubriken einpflegen.

Kommen wir also zum Cover:
Books on Demand bietet ein einfach zu bedienendes Baukastensystem, mit dem der designunkundige oder nach Einfachheit suchende Kunde ganz einfach seinen Buchumschlag selbst gestalten kann.
Zur Auswahl steht eine Reihe von Vorlagen, in die man teilweise eine eigene Abbildung einfügen kann. Auch kann man bei einigen dieser Vorlagen den Titel und die übrigen Umschlagangaben automatisch einfügen lassen oder diese auslassen, wenn man diese Texte bereits in eine eigene Grafik integriert hat.
Auf diese Weise kam auch mein schreckliches erstes Cover zustande, mit dem mein Buch dann eher wie ein Gartenratgeber aussah. Nun ja, gedacht hatte ich mir schon etwas dabei, nur muss ja nicht jeder meine Hintergedanken nachvollziehen können.
Ich verschwinde also kurz in der Ecke und schäme mich eine Runde.

Das Internet ist groß und umfangreich, und trotzdem hat es eines enormen Zufalls bedurft, dass ich auf die deviantArt-Community stieß. Von Stund an ließen mich die Fotomontagen etc. dort nicht mehr los. Trotzdem hat es noch ein paar Wochen gedauert, bis ich mich wirklich getraut habe, drei Künstler anzusprechen, machte mir aber nicht die leiseste Hoffnung, überhaupt eine Antwort auf mein bescheidenes, finanziell uninteressantes Projekt zu bekommen. 
Aber frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" fand ich tatsächlich meine Wunschkandidatin Nathália Suellen, aka Lady Symphonia, und gute 8 Wochen nach Erscheinen der 1. Auflage meines Gartenratgebers machten wir uns an die Arbeit. 

Darüber möchte ich also nun ein bisschen erzählen, denn mir hat die Zusammenarbeit mit Nathália so viel Spaß gemacht, dass ich am liebsten nur noch Cover entwerfen und dann erst das Buch schreiben möchte. 
Mein Bericht erfolgt natürlich aus meiner Autorensicht, denn von der technischen Seite habe ich keine Ahnung, aber für einen späteren Zeitpunkt haben Nathália und ich ein Interview geplant, in dem sie sicherlich einiges über ihren Part der Arbeit erzählen wird.

Es ging also los.

Punkt Nr. 1 bestand darin, dass ich ein Exposé auf Englisch verfassen musste, um Nathália näherzubringen, worum es in Blutsuche geht.
Ich muss sagen, das war schon eine kleine Hürde, denn obwohl ich diverse Exposés verfasst hatte, war doch keins davon auf Englisch (und ich bin nunmal Übersetzerin für Russisch und Französisch).

Nachdem Nathália nun informiert war, war die Frage, was ich will: eine reine Fotomontage oder Digitalkunst mit digitaler Malerei etc. Es musste also der technische Ansatzpunkt geklärt werden. Darüber hinaus waren die Bildgröße und die geforderte Auflösung wichtig.
Nun gut, da ich mich damit nicht auskenne, habe ich in diesem Stadium meine Vorstellungen vorgebracht, auf welchen Teil des Roman sich das Cover beziehen sollte.
Jawohl, wir waren uns einig, dass das Cover unbedingt einen Bezug zum Inhalt haben sollte, und rasch waren wir uns auch einig, dass Buch 4 das wichtigste ist und wir deshalb ganz viel Schnee brauchen.
Außerdem haben wir uns über die Grundidee beraten, und wie es oft im Leben ist, ist die erste Idee doch die beste. Die Grundkomposition "Dame schaut gen Horizont" siegte über "Dame kniet im Schnee und betrachtet einen Raben".

Ich habe mich also ganz entspannt zurückgelehnt, während Nathália die Ressourcen gecheckt hat, schließlich musste geklärt werden, ob sie auf ihr eigenes Stockmaterial zurückgreifen kann und, wenn nicht, ob fremdes Stockmaterial auch für kommerzielle Zwecke genutzt werden darf (was auch bei Kauf von Bildmaterial nicht automatisch der Fall ist).

Dann ging die Suche nach Anne los.
Obwohl ich anfänglich die Absicht hatte, keine Person auf dem Cover abzubilden, sondern mich auf ihr Umfeld beziehen wollte (was auch der Grund für das Gartenratgeber-Cover war), kamen wir doch zu dem Schluss, dass wir meine Anne brauchen, sie aber entweder von hinten oder maximal von der Seite zeigen sollten, um dem Leser kein Gesicht aufzudrängen.

Und diese Suche war recht lustig.
Eines morgens sah ich in meine E-Mail und musste mich durch bergeweise Links wühlen, die mich zu ansehnlichen Stock-Modellen mit den unterschiedlichsten Haltungen und Gewändern führten.
Dass mich Nathália angesichts meiner ausführlichen, kritischen Kommentare nicht im Schnee bzw. Regen hat sitzen lassen, ist erstaunlich.
Ich wiederhole mich, aber an dieser Stelle muss ich einfach noch einmal sagen, dass ich nicht weiß, was technisch möglich ist, also mockierte ich mich über Kleider (kein Problem, die kann man länger machen und einfärben), zu helle und zu kurze Haare (kein Problem, kann man auch färben und verlängern), nackte Rücken (im Winter? geht gar nicht, aber Pelze kann man zur Not digital malen) und komische Armhaltungen (nun, das ist schon eher ein Problem, aber Nathálias Angebot, sie könne unter Umständen den Arm entfernen und einen anderen anoperieren, war durchaus verlockend).
Anne fanden wir schließlich hier: http://piratequeen-stock.deviantart.com/

Unterdessen begann Nathália mit der Arbeit am Hintergrund, und ich muss sie nochmals für ihre Geduld loben, denn ich bombardierte sie buchstäblich mit Schneefotografien, weil ich der irrigen Auffassung war, dass sie als waschechte Brasilianerin sowieso keinen Schnee-Stock haben kann.
Ich Kulturbanause wurde eines Besseren belehrt und mit Entwurf Nr. 1 beglückt (siehe rechts).
Ja, ich habe mich eigentlich sofort verliebt, aber es gab ein paar Punkte, die uns beide störten: Der Berg im Hintergrund passt nicht zu Annes Heimat, denn sie lebt in einem hübsch bescheidenen deutschen Mittelgebirge und nicht in den Anden, und der Horizont erschien uns dann doch etwas zu weit. Außerdem wirkte der Schnee zu statisch, sodass Nathália zu der Äußerung verleitet wurde, es sehe nun aus, als fahre mein Anne-Modell im Boden.
Aber, und das ist das Wichtigste, ein Anfang war gemacht. Die Komposition war klar, und nach weiteren Farbtests entschieden wir, dass die Hautfarbe zum Schnee passend blass bleiben sollte.

An dieser Stelle unterbreche ich, um den Beitrag nicht noch länger zu machen.
Morgen plaudere ich dann weiter aus dem Gestaltungsnähkästchen, zeige noch ein paar andere Zwischenschritte, die wieder verworfen wurden, und berichte vor allem über den Template-Spaß mit BoD.

Kommentare:

evi hat gesagt…

Wow, hochinteressant! Und ein Abenteuer für sich *gg*
Bin schon gespannt wie´s weiter geht.
Und ehrlich - das erste Cover war echt nicht so toll, erinnert mich außerdem ganz stark an eines von Frau B. und damit möchte ich ganz sicher kein Buch assoziieren...

Soleil hat gesagt…

Ich habs schon eine Weile gesehen, aber konnte mir bisher noch keine Zeit nehmen, den Beitrag zu lesen.
Das habe ich jetzt nachgeholt.
Ein bisschen kann ich es Dir nachfühlen, denn mein Headerbild ist ja auch von jemand anderem erstellt worden. Der im übrigen auch viel Geduld mit mir haben musste *g*
Sehr interessant bisher, ich lese aber erst noch Teil 2.
Frage: Da steht etwas von Buch 4? Ist das eine Serie, die Du geschrieben hast?

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Nö, keine Serie. Es wird maximal ein Duo, allerdings ist der Roman in 4 Bücher aufgeteilt, die sich auf den jeweiligen Gemütszustand der Protagonistin beziehen ;-)

Tanja hat gesagt…

Wer nicht fragt der nicht gewinnt. Du hast völlig Recht. Interessant, wie tief das geht, bevor dein Buch schlussendlich gedruckt wurde. Ich kann mir vorstellen, das die Arbeit mit Nátalie bestimmt viel Spass gemacht hat. Und es ist wahr, die Künstler die sich bei DeviantArt rumtummeln sind schlichtweg der absolute Hammer. Nicht alle, aber ein paar. Ich finde deine Offenheit bemerkenswert. Wenn sich eine Lawine lostreten sollte, würde ich es mir für dich wünschen. Auf das alle Leseratten deine Bücher kaufen. Sei herzlichst gedrückt. PS: Ich werde, wenn ich mit dem Lesen fertig bin, mir auf jeden Fall die "Blutsuche" bestellen. Psst: Hab allein im letzten Monat über hundert Penunzen allein für Bücher ausgegeben. =( Also bis dann.

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Liebe Tanja,
ich finde, ich habe ja nichts zu verbergen, und ich erzähle über das, was ich selbst immer gerne über die Entstehung von Büchern wissen möchte.
Außerdem hängt uns BoD-Autoren immer ein recht schlechter Ruf an, sodass ich natürlich auch zeigen möchte, dass nicht alle ihre Arbeit einfach dahinschleudern (auch wenn immer noch Rechtschreibfehler drin sind und sich die Zeilenlänge als ungünstig beim Lesen herausstellt ... arrg, irgendwann muss ich da noch mal ran). Deshalb freue ich mich auch über Fragen und Kommentare.
Schön, dass du immer mal vorbeischaust.
Wünsche dir noch eine schöne Restwoche :-)
LG
S.

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