Sonntag, 9. Mai 2010

... über "Uncommun Knowledge" von Judy Lewis


Die Dritte im Biographien-Bunde anlässlich des heutigen Muttertages ist Judy Lewis mit ihrer Autobiographie: "Uncommon Knowledge":

Paperback: 496 pages 
Publisher: Pocket (May 1, 1995) 
Language: English 
ISBN-10: 0671700200 
ISBN-13: 978-0671700201 
Product Dimensions: 6.6 x 4.1 x 1.3 inches  
Shipping Weight: 7.2 ounces

Produktbeschreibung:

The illegitimate daughter of Clark Gable and Loretta Young describes her shock upon learning about her true parentage after believing for thirty years that she was Young's adopted daughter.

Meine Meinung:

Es ist unschwer zu erkennen, dass es mir Biographien besonders angetan haben. Das hat aber weniger mit Promisucht, sondern eher mit meinem Interesse für (Auto)Biographien aller Art zu tun. Der Name Loretta Young sagte mir gar nichts. Mein Namensgedächtnis in Bezug auf Darsteller(innen) ist vergleichsweise schlecht. Ich habe ein Faible für alte Filme, das hat mir mein Vater vererbt, aber zumeist kann ich mir nicht merken, wer mitgewirkt hat. So ist mir die Schauspielerin, die einmal als eine der schönsten Frauen der Welt galt, namentlich entgangen. 
Judy Lewis ist die Tochter der wunderschönen Loretta Young, die  nicht zuletzt aus dem Oscar-gekrönten "Die Farmerstochter" (1947) bekannt ist, und sie ist die Tochter des Hollywood-Königs Clark Gable, und genau das war ein Geheimnis, das die Spatzen in Hollywood von den Dächern pfiffen, sie aber selbst erst im Erwachsenenalter Gewissheit über ihren berühmten Vater erhielt. 
Auch "Uncommon Knowledge" ist eine Art Selbsttherapie und mag wie eine Abrechnung anmuten sowie die überlebenden, unwissenden Beteiligten arg vor den Kopf gestoßen haben. Wie bei allen Autobiographien ist man hin- und hergerissen zwischen dem Gedanken "Was geht es mich an" und der Neugier, die man, auch wenn man es gerne verleugnet, für das oberflächlich betrachtet so glamouröse Leben der Prominenten empfindet. Das gilt für Lorna Lufts "Me and my shadows" gleichermaßen wie für Christina Crawfords "Mommie Dearest" oder B. D. Hymans "My Mothers Keeper" (zwei Bücher, über die ich mich nicht auslassen will) ... und eben auch für Judy Lewis "Uncommun Knowledge". 
Auch Judy Lewis trat in die Fußstapfen der berühmten Mutter, kehrte der Schauspielerei jedoch den Rücken und wandte sich gänzlich neuen Gefilden, der Psychotherapie, zu. 
Ihr Buch ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die unter einem denkbar ungünstigen Stern begann. Judy Lewis bezeichnet sich selbst als die unbequeme Folge einer Affäre, und das war sie auch, schließlich wurde sie jahrelang als Adoptivtochter der eigenen Mutter ausgegeben, obwohl sie Clark Gable wie aus dem Gesicht geschnitten war und jeder, selbst die Kinder berühmter Eltern, mit denen sie aufwuchs, keinen Hehl aus ihren Vermutungen machten.
So wurde sie von der Mutter um die Gelegenheit gebracht, ihren leiblichen Vater kennenzulernen, der starb, ohne dass Gable oder Lewis die Wahrheit offenbart wurde, wenngleich beide immer einen Verdacht hegten. 
Ob Judy Lewis Clark Gables Tochter ist, wurde später lediglich von ihrer Mutter zugegeben, es gab nie die üblichen Vaterschaftstests. Dennoch spricht Lewis in ihrem Buch durchweg von "ihrem" Vater, und außer Gables Familie dürfte niemand Zweifel an der Vaterschaft haben. 
Auch Judy Lewis stand in jungen Jahren immer im Schatten der Mutter, und das nicht auf beruflicher Ebene, sondern im rein privaten Dasein als Ehefrau und Mutter. Man gewinnt leicht das Gefühl, Loretta Young sei unfähig gewesen, ihrer Tochter mit mütterlicher Liebe zu begegnen, auch wenn Judy Lewis sie keineswegs als tyrannische Mutter darstellt. Vielmehr beschreibt sie sie als vergleichsweise indifferenten, abgehobenen Menschen, sodass man durchaus nachvollziehen kann, dass sich Mutter und Tochter entfremdeten. Zum Erscheinenszeitpunkt des Buches hatten sie noch nicht wieder zueinandergefunden. 
"Uncommon Knowledge" ist eine schwierige Suche nach dem Selbst und zum Teil so herzzerreißend, dass man als Außenstehender wütend die Hände zur Faust ballen, wenn nicht sogar kräftig auf den Tisch schlagen möchte. Man kann sich, ungeachtet der in den 1930er Jahren unweigerlich gültigen Konventionen, eines Kopfschüttelns nicht erwehren, wenn man sich vor Augen führt, wie sehr das Privatleben der Vertragsschauspieler von den Studios diktiert und dirigiert wurde. Im Grunde kann Judy Lewis sogar froh sein, überhaupt auf der Welt zu sein.
Ich glaube,  sie hat mit diesem Buch ihre Vergangenheit ohne Verbitterung hinter sich gelassen und zu sich gefunden. 

Letzten Endes haben sich Mutter und Tochter wieder versöhnt. 

Weil ich "Uncommon Knowledge" nicht aus der Hand legen konnte und es mich wirklich berührt hat, vergebe ich wieder

5 von 5 Weißdornzweigen

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