Sonntag, 23. Mai 2010

... über "Traummann an der Angel" von Mary Janice Davidson


Da ich mit meiner aktuellen Lektüre (siehe http://sinje-blumenstein.blogspot.com/2010/05/woruber-ich-lese-jenseits-gmbh-01.html) gerade eine mächtige Unlustphase erlebe, habe ich mich kurzzeitig umorientiert und ein anderes Buch zur Hand genommen.

Mein Zwischendurch war nun:


Broschiert: 303 Seiten
Verlag: Lyx (15. September 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Stefanie Zeller
ISBN-10: 3802582500
ISBN-13: 978-3802582509
Originaltitel: Sleeping with the Fishes
Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12,6 x 2,8 cm

Kurzbeschreibung



Dr. Frederika Bimm, kurz Fred genannt, ist eine Meerjungfrau. Doch weder ist sie blond, noch wohlproportioniert und schon gar nicht keck. Im Wasser ist sie allerdings ganz in ihrem Element. Umso schlimmer, dass offenbar jemand den Hafen ihrer Heimatstadt mit Abwässern vergiftet. Fred muss den Schuldigen finden! Unterstützung erhält sie dabei von dem attraktiven Meeresbiologen Thomas und dem ungezähmten Prinz des Unterwasservolkes, der Fred zu seiner Frau machen will. Schnell schlagen die Wogen der Gefühle hoch ...

Meine Meinung

Mir hat Mary Janice Davidsons Betsy-Reihe viele vergnügliche Lesestunden bereitet, und Meerjungfrauen haben mich schon als Kind fasziniert.
Das sind doch die besten Voraussetzungen, um beides in Kombination zu lesen. Oder nicht?
Die erste - visuelle - Fehlleitung ist das Cover, denn die Protagonistin ist mitnichten rot-, sondern grünhaarig (vielleicht kommen ja daher die grünen Strähnchen?). Das mag zwar von sekundärer Wichtigkeit sein, aber mich störte es schon, dass hier optisch eine Trickfilmfigur heraufbeschworen wird, um vielleicht ein oder zwei Leser mehr anzulocken. Der blaue Hintergrund gefällt mir wiederum gut.
Die zweite Fehlleitung stellen Romantitel und Klappentext bzw. Kurzbeschreibung gemeinsam dar, denn dieser Roman entpuppte sich als alles andere als eine mitreißende Dreiecks-Liebesgeschichte, weil es nicht in erster Linie um das Angeln eines Mannes geht bzw. die Heldin des Romans weder auf der Suche nach einem Traummann ist noch am Ende einen solchen an ihrer Seite hat.

Zunächst aber freute mich besonders, dass "Traummann an der Angel" nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Das war, wenn ich so sagen darf, meine größte Sorge, denn ich befürchtete, eine Betsy mit Fischschwanz vorgesetzt zu bekommen.
Zum Glück ist die gute Dr. Bimm aber ganz und gar nicht Betsy.

Sie ist weder nervtötend zickig noch von klischeehaftem Schuhtick befallen. Ebensowenig plappert sie am laufenden Band und präsentiert sich auch nicht dümmlicher als sie ist.
Leider ist Fred in diesem Reihenauftakt aber auch weder Fisch noch Fleisch.
Bereits der Romananfang wirkt für mich etwas unglaubwürdig, weil ihre Reaktion absolut kindisch und überzogen ist, wenn man bedenkt, dass sie auf die 30 zugeht und promovierte Meeresbiologin ist. Wenigstens erfährt der Leser so gleich zu Beginn Einiges über die Protagonistin, die für eine normale Zweibeinerin ein bisschen zu groß und zu kräftig und sowieso zu grünhaarig ist.

Wie sich recht schnell zeigt, scheint sie weder ins Meer noch an Land so richtig heimisch zu sein, denn Fred kann in normaler menschlicher Gestalt nicht schwimmen, hat eine Schalentierallergie und schwimmt lieber in sauberen Pools anstatt im Meer.

Ebenso schnell tauchen zwei neue Männer in Freds Leben auf: Meeresbiologe Dr. Thomas Pearson, der sich mit Kitschromanen, die er unter Pseudonym schreibt, eine goldene Nase verdient und ein Meerjungfrauen-Groupie ist, und Artur, der Prinz des Unterwasservolkes.
Letzterer kommt auf Geheiß seines Vaters des Großkönigs aus dem Schwarzen Meer herbeigeschwommen, weil der Mensch das Meer vergiftet.

Was nach globalem Umweltskandal stinkt, ist dann in Wirklichkeit nur ein lokaler, der auch noch den ganz niederen Beweggründen der Eifersucht geschuldet ist.
Verantwortlich ist nämlich der untreue, unzuverlässige Ex-Ehemann von Freds Chefin Dr. Barb, dessen Versuche, nach der Scheidung wieder alles zu kitten, ins Leere liefen und seinen Ärger so zum Überschäumen, dass er mit Mafia-Mitteln und -Hilfe ein Hotel errichten und dessen Abwässer in den Hafen leiten ließ.
Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, betätigen sich Fred, Artur und Thomas als Detektive, wobei aber die Love Story, auf die der Leser angesichts des Klappentextes immer ungeduldiger wartet, ausbleibt.

Die einzige wirkliche Liebesgeschichte entspinnt sich um die Nebencharakter Dr. Barb und Jonas, Freds besten Freund und Geheimniskenner. Der ist seit 6 Jahren in die wesentlich ältere Chefin des Aquariums verliebt, sie hält ihn jedoch für den homosexuellen Kumpel von Fred, woraus sich ein paar nette Szenen ergeben.
Die wahre Liebesgeschichte mit allem Drum und Dran gehört schließlich den beiden, während Fred wiederum auch in Sachen Liebe weder Fisch noch Fleisch bleibt.

Arturs Beweggründe, warum er nun ausgerechnet Fred zu seiner Prinzessin des Schwarzen Meeres machen will oder muss, bleiben im Hintergrund, und Thomas ist in seiner Liebeserklärung von vornherein unglaubwürdig, denn mich beschleicht das Gefühl, dass aus ihm und Fred sowieso nichts werden kann, weil er in erster Linie an ihr als Meerjungfrau, dem Objekt seiner jahrelangen Leidenschaft, interessiert ist.

So endet der Roman als Reihenauftakt ungeklärt und macht (zumindest mich trotz aller Unzulänglichkeiten) neugierig auf eine Fortsetzung, denn ich denke, der Charakter Fred hat noch mehr zu bieten.

Für "Traummann an der Angel" ist die Erzählperspektive meines Erachtens sogar sprachlich von Vorteil, weil sich das Betsy-Gefühl so kaum aufdrängt. Obwohl ich das Stammübersetzer-Prinzip für Reihen bevorzuge, denke ich, dass es der Mermaid-Reihe vielleicht nicht schlecht getan hätte, sie einem neuen Übersetzer anzuvertrauen.
Muss denn jeder Protagonist bei Mary Janice Davidson zwanghaft "Jesses" sagen?

Ansonsten aber meine ich, dass sich der Roman gut zwischendurch lesen lässt und nach oder neben der "blonden" Betsy und ihren Vampiren eine gelungene Abwechslung darstellt.
"Traummann an der Angel" ist weder hinreißend witzig noch erotisch, hat zwar kleine Spannungsmomente, ist insgesamt aber eher seichte Zwischendurchlektüre.

Weil der Roman an sich nicht besonders umfangreich ist, wurde er mit einer Bonus-Story ausgeschmückt. Diese habe ich aber bewusst (noch) nicht gelesen, da sie mit der Mermaid-Serie nichts tun hat. Ich denke, ich werde mir die Bonus-Stories der drei Bände der Fred-Reihe bei anderer Gelegenheit zu Gemüte führen, wenn die Meerjungfrauen nicht mehr so präsent in meinem Gedächtnis sind.

Weil mir Fred noch etwas unausgegoren erscheint und ich mir mehr Unterwasserabenteuer erhofft hätte, will ich mir mal etwas Bewertungsspielraum nach oben frei lassen:

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore): 1 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 2 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 2 von 5
Spannung/Handlungsdichte: 2 von 5

Gesamteindruck: 3 von 5 Weißdornzweigen


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