Montag, 31. Mai 2010

... über "Salon der Lüste" (Die Schattenritter 3) von Kathryn Smith

Kathryn Smith
Salon der Lüste


Broschiert: 345 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426505282
ISBN-13: 978-3426505281
Originaltitel: Taken by the Night
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2 cm

Kurzbeschreibung

London, 1899: Nicht nur Gentlemen sind gerne im Maison Rouge zu Gast, dem nobelsten Bordell der Stadt -- das Haus steht unter dem Schutz mächtiger Vampire. Doch auch sie können nicht verhindern, dass zwei Freudenmädchen ermordet werden. Der unsterbliche Saint muss den Mörder so schnell wie möglich finden, denn sein nächstes Opfer könnte die schöne Ivy sein, die Saint begehrt ...

Meine Meinung

Ich komme nicht umhin, mich zu einem Fan von Kathryn Smith zu mausern, immerhin ist es ihr gelungen, mich nach langer Abstinenz wieder Romane mit historischem Umfeld lesen zu lassen.
Seit dem ersten Band der Schattenritter-Reihe Die Schattenritter: Unsterbliches Verlangen fiebere ich nun schon mit. Ich genieße es, wie die Autorin mich in das Geschehen hineinzieht.
Ihre Geschichten sehe ich wie einen Film vor mir, höre das Rauschen der Kleider, rieche die Pferde und bekomme Schweißhände in Kampfszenen.
So wird auch in Band 3, der sich Saint widmet, von dem wir in Band 2, Die Schattenritter: Kuss der Dunkelheit, schon gehört haben, die Spannung deutlich spürbar.

Mit Ivy und Saint erschafft Kathryn Smith ein Paar, dem man gern zusieht.
Vom ersten Wiedersehen an knistert das Papier zwischen den Fingern vor erotischer Spannung und aufkeimenden Gefühlen.

Kathryn Smith versteht es meiner Meinung nach sehr gut, starke Frauengestalten zu entwickeln.
Die junge Ivy ist so eine starke Persönlichkeit, die sich dem Klischee der unterwürfigen, kaum beachteten (ehetauglichen) Frau um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. deutlich widersetzt.
Die Tatsache, dass sie in einem Bordell groß geworden ist, dürfte wesentlich dazu beigetragen haben.
Während mir Prue, die Protagonistin in Band 1, noch vergleichsweise blass erschien, konnten mich Marika in Band 2 und nun Ivy vollkommen überzeugen.
Sie ist ein durch und durch leidenschaftlicher Charakter, der sich der Fotografie ebenso enthusiastisch widmet, wie er sich für die Mädchen im Bordell der Mutter einsetzt.
Dass sie schon als junges Mädchen eine Schwäche für Saint hatte, kann man ihr nicht verübeln.
Bishop hatte in "Kuss der Dunkelheit" bereits klar gestellt, dass Saint nicht das Monstrum ist, für das Marika ihn hielt, und in der Tat entpuppt sich der Dritte im Bunde der ehemals 6 Templer als charismatische und loyale Gestalt. Er weiß seine alte Freundin Madeline, Ivys Mutter, zu schätzen und eilt ihr zu Hilfe.

Die Hilfe des Vampirs wird notwendig, als Freudenmädchen aus eben diesem Etablissement, dem Reign, ebenfalls ein Schattenritter, seinen Schutz angedeihen lässt, ermordet werden.
Der Geist von Jack the Ripper, der vor 10 Jahren sein Unwesen trieb, wird heraufbeschworen, und Saint wird detektivisch tätig, da Scotland Yard anderweitig beschäftigt zu sein scheint.
Der Schattenritter-Leser weiß natürlich, dass die dramatischen Nebengeschichten immer vom Silberhandorden inszeniert wurden, um die Geschichten zu einem Showdown in Rom zusammenzuführen.
Dennoch tänzeln wir eine ganze Weile um den wahren Mörder herum, und es macht einfach Spaß, mitzurätseln, während sich Saint und Ivy gleichzeitig immer näher kommen.
Der echte Krimifanatiker wird den Mörder sicherlich bei dessen erstem Auftritt enttarnen, aber da ich kein Kriminalist bin, bin ich eine Weile im Dunkeln getappt.
Schade, dass es dann aber doch der Gärtner war ...

Ich empfinde es als angenehm, dass Kathryn Smiths Charakter nicht beim ersten Anlass übereinander herfallen und sie ihnen damit Gelegenheit gibt, einander zu erforschen, sich heranzutasten und Gefühle zu entwickeln, die sie natürlich erst einmal nicht wahrhaben wollen, denn sonst wäre die Geschichte viel zu schnell vorbei.

Saint respektiert Ivy und bewundert ihre Kreativität und ihr Talent als Fotografin. Ich bekam nicht den Eindruck, dass er sie sich unterwerfen will, wie es bei anderen Autorinnen des paranormalen Romanzengenres häufig deutlich wird.
Darüber hinaus zerfließen weder Saint noch Ivy in Selbstmitleid.
In den beiden Vorgängerbänden wurden die männlichen Charaktere als gequälter Held eingeführt, Saint hingegen kommt mir relativ gesetzt vor. Keine Frage, auch er hadert mit seiner Vergangenheit und seinem Dasein. Seine Beziehung zu Marta, Marikas Mutter, kommt dabei kurz zur Sprache, und es ist durchaus nachvollziehbar, dass er - und auch die anderen Schattenritter, die wir bisher kennengelernt haben - sich im Grunde seiner Seele weigert, eine Bindung einzugehen.
Wer will schon den geliebten Partner vergehen und sterben sehen, während man selbst das bleibt, was man ist, für alle Ewigkeit?
Ivys Bindungsängste und Negierung der Liebe sind ebenso nachvollziehbar, sodass es am Ende auch folgerichtig ist, dass sie und Saint nicht umgehend heiraten. 

Nachdem ich anfänglich die Einfallslosigkeit und inhaltliche wie sprachliche Eintönigkeit der erotischen Szenen bemängelt habe, so wird "Salon der Lüste" seinem (deutschen) Titel vergleichsweise gut gerecht.

Leider sorgte ausgerechnet eine erotische Szene, die zunächst von höchst romantischem Begehren geprägt war und die Charaktere einen deutlichen Schritt zueinander führte, dafür, dass ich einen Punkt in der Gesamtwertung abziehen muss, weil ihr Abschluss sämtliche Romantik derart rüde und deplatziert zunichte machte, dass ich einfach nicht anders konnte, als mich noch Seiten danach aufzuregen. Vielleicht sollte diese Handlung der weiteren Charakterisierung von Saint dienen, das werden wir wohl nie erfahren.

Nun warte ich auf das Zusammentreffen der Schattenritter, insbesondere bin ich neugierig auf die Begegnung von Saint und Marika, aber in der Zwischenzeit gilt die Lesezeit Reign in Die Schattenritter: Leidenschaft der Nacht. 

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5
Aufmachung: 3 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 2 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 4 von 5
Gefühl/Subtilität: 4 von 5
Humor: 1 von 5
Spannung/Handlungsdichte: 3 von 5

Gesamteindruck: 4 von 5 Weißdornzweigen

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