Sonntag, 23. Mai 2010

... über "Me(e)hr Mann fürs Herz" von Mary Janice Davidson

Weil mich die Meerjungfrauen jetzt an der Angel haben, geht es gleich weiter mit Band 2 von Mary Janice Davidsons Mermaid-Serie, solange die Eindrücke noch frisch sind.


Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Lyx (15. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Stefanie Zeller
ISBN-10: 3802582527
ISBN-13: 978-3802582523
Originaltitel: Swimming without a net
Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 12,4 x 3,2 cm

Kurzbeschreibung

Dass eine Meerjungfrau lieber in einem Aquarium schwimmt als im offenen Meer, ist alles andere als normal. Aber Fred hat auch nie behauptet, normal zu sein. Sie wird jedoch ihre Vorbehalte überwinden müssen, wenn sie Prinz Arturs Einladung, sein Unterwasserreich zu besuchen, annehmen will. Glücklicherweise ist auch der gut aussehende Meeresbiologe Thomas mit von der Partie in seinem nagelneuen Unterwasserwohnmobil! Schon bald muss Fred feststellen, dass sowohl Artur als auch Thomas sie mit ihrem Charme fest an der Angel haben. Sie muss sich entscheiden, wem von beiden sie den Vorzug geben will. Und die Wahl fällt ihr nicht leicht ...

Meine Meinung

Titel, Cover (auch wenn es noch so ansprechend ist) und Klappentext locken wie schon bei Band 1 mit lockerer, spritziger Lektüre, was nun auch die Fortsetzung leider nicht halten kann.

Seit Fred am Ende von "Traummann an der Angel: Mermaid-Serie 1" allein zurückblieb, ist inzwischen ein Jahr vergangen, und sie hangelt sich von einem Blind Date zum nächsten, denn sowohl Artur als auch Thomas sind trotz Liebesbekundungen aus ihrem Leben verschwunden. Diese Dates werden so kurz und bündig abgehandelt, wie sie wohl aus sind.
Von Jonas und Dr. Barbs ewiger (und sehr offenherziger, freizügiger) Turtelei (verständlicherweise) genervt, kommt ihr Arturs plötzliche Einladung zu einem Treffen des Unterwasservolkes, einem sogenannten Pelagial, gerade recht.
Mit Jonas, der schließlich seit zwanzig Jahren ihr Geheimnis kennt und gewahrt hat, im Schlepptau reist sie auf die Kaimaninseln, wo natürlich Dr. Thomas Pearson nicht nur mit von der Partie ist, sondern auch noch für den gesamten Urlaub aufkommt, sprich, die gesamte Hotelanlage anmietet, damit das große Treffen der Meermenschen auch wirklich geheim bleibt. (Offenbar lohnt sich das Schreiben von kitschigen, sexgeladenen Liebesromanen enorm!)
Seiner herausragenden finanziellen Situation sei Dank konnte sich der Meeresbiologe ein spezielles Unterwassermobil (UWM) bauen lassen, mit er nun um die Kaimaninseln schippert und einen auf Kumpel mit dem Großkönig macht. 

Für meine Begriffe kommen die witzigen Momente, in denen die Angehörigen des Unterwasservolkes mit den Zweibeinern in Berührung kommen, viel zu kurz.
Diese Szenen sind natürlich arg überspitzt und auch nicht sonderlich innovativ, denn schon öfter haben wir gesehen oder gelesen, wie Wesen, die nicht der menschlichen Zivilisation angehören, mit Filmen usw. an diese Welt herangeführt werden.
Dennoch ist es recht amüsant, wie der Unterwasserkönig stolz seine Sprachkenntnisse, die er durch intensives Schauen von "Deadwood" erworben hat, präsentiert und sich damit vollkommen im Ton vergreift, weil es sich seiner Tradition nach geziemt, mit dem Gegenüber in dessen "Dialekt" zu sprechen.
Auch wird hin und wieder eingeworfen, dass die Meerjungfrauen und Wassermänner nach ihrer Verwandlung in zweibeinige Wesen stets nackt herumstehen, was nicht in jeder Situation von Vorteil sein dürfte. 
Es sind gerade diese Momente, die eine kurzweilige Lektüre gewährleisten.

Was ich hingegen bereits im ersten Teil vermisst habe, sind die Gefühle, die Fred mit dem Wasser verbindet. Bis auf wenige Szenen, wie der, wo Artur ihr eine Seegraswiese zeigt und sie dort "grast wie eine Seekuh", gibt es kaum Unterwassereindrücke, was ich wirklich schade finde.

Während Fred zu Beginn von "Mehr Mann fürs Herz" noch indifferent mit Artur und Thomas flirtet (sie scheint da gar nicht so wählerisch zu sein und kommt ein wenig gleichgültig herüber), kippt ihre Zuneigung mehr und mehr in Richtung Artur, auch wenn sie Thomas nachzuhängen scheint. 
Der Großprinz des Unterwasservolkes wird auch deutlich sympathischer dargestellt als der Mensch, zumindest scheint sein Interesse an Rika echter, denn Thomas ist viel zu fasziniert von dieser dem Menschen normalerweise unzugänglichen Welt, als dass ihm wahrhaft nur an Fred etwas gelegen sein soll.
Meine anfängliche Befürchtung bewahrheitet sich wohl doch.

Mit diesem zweiten Band nutzt Mary Janice Davidson die Gelegenheit, mehr über Freds Herkunft zu erzählen, und der Leser erfährt, dass das Unterwasservolk gar nicht gut auf ihren leiblichen Vater zu sprechen ist.
Es ist nun nur noch eine Frage der Zeit, bis wir (und Fred) diesen Wassermann kennenlernen.
Ich bin mir sicher, in Band 3 kommt er.
Ich denke allerdings, dass in Sachen Freds Verbleib an Land oder im Wasser noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Des Weiteren lernen wir neue, glücklicherweise nicht zu viele neue Charaktere kennen, die wir sicherlich noch einmal wiedersehen werden.

Die Rahmenhandlung von "Mehr Mann fürs Herz" bedient sich eines typischen Problems des fantastischen Genres.
Wann immer Fantasiewesen und Mensch nebeneinander existieren, das Fantasiewesen aber eben vermeintlich ein Geschöpf der Fantasie ist und sich dementsprechend verborgen hält, tritt immer die Frage auf, ob man sich dem Menschen zeigen darf oder nicht. 
(Mit der Frage der Geheimhaltung der Vampire haben sich ja auch die Betsy-Romane schon befasst.)
Dass sich am Ende Meermenschen in die zivilisierte Öffentlichkeit begeben, ebnet den Weg für die Fortsetzung.
Auch Fred muss nun nicht mehr verleugnen, wer bzw. was sie ist, und offenbart sich auch ihrer Chefin, was sicherlich für Jonas eine Erleichterung sein dürfte.

In Sachen Liebe passiert bei Fred allerdings wieder nicht viel, außer, dass sie sich entscheidet, Artur im Schwarzen Meer zu besuchen und ihn vielleicht zu heiraten (weil Thomas kein wirkliches Interesse mehr bekundet), überzeugend wirkt sie dabei aber nicht, und sie scheint nicht zu wissen, was sie will. Wie alt war sie nochmal? 16? Oh, nein. 30.

Der romantische Handlungsstrang gilt wieder den Nebenfiguren Jonas und Dr. Barb, die wieder einen erotischen Moment bekommen und am Ende sogar verlobt sind.
Wenigstens dort geht es voran, und ich muss sagen, dass ich bis jetzt Fred mit überhaupt keinem Mann sehe, egal ob Mensch oder Wassermann.

Band 2 hat ich überhaupt nicht mehr an die Betsy-Reihe denken lassen und mich recht gut unterhalten. Es gibt schlicht und ergreifend Lesemomente, in denen ich nicht anspruchsvoll bin und mich einfach treiben lasse. Da interessiert es mich nicht, ob ein Logikfehler den anderen jagt oder ob die Sprache besonders ausgefeilt ist.

Es gibt Passagen, die extrem dialoglastig sind, vor allem aber gibt es viele Gedankendialoge, die kursiv und ohne graphische Kennzeichnung geschrieben sind. Dort lief ich häufiger Gefahr, den Faden zu verlieren bzw. nicht nachzukommen, wer gerade was denkt. 
Auch kann ich den Humor, den ich an Mary Janice Davidson so mag, in der Mermaid-Reihe nur begrenzt wiederfinde und möchte als Leser hin und wieder gerne mal mit den Augen der Protagonisten "sehen".
Das fehlt mir bei den Fred-Romanen einfach, während ich wiederum die Erotik überhaupt nicht vermisse.
Die Piraten, die für den Thrill sorgen sollten, waren zwar wirksames Mittel zum Zweck, wirkten aber mächtig konstruiert, und wie in Band 1 fand die Geschichte ein rasches Ende.

Alles in allem sind diese Bücher eine passable Zwischendurch-Lektüre, und ich meine aber auch, dass man sie nicht immer an den Betsy-Büchern messen muss, zumal sie eine vollkommen eigene Thematik behandeln.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Mermaid-Serie aus einem Zwang, etwas anderes schreiben zu wollen oder zu müssen, entstanden ist, auch wenn die Autorin in ihren Danksagungen anderes sagt.

Insgesamt gefiel mir "Mehr Mann fürs Herz" ein Quäntchen besser als "Traummann an der Angel" - sowohl inhaltlich als auch sprachlich (vielleicht habe ich ja ein "Jesses" überlesen) - und hat mich überzeugt, den abschließenden Band Unter Wasser liebt sich's besser: Mermaid-Serie 3 ebenfalls zu besorgen.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore): 0 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 1 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 3 von 5
Spannung/Handlungsdichte: 2 von 5

Gesamteindruck: 3 von 5 Weißdornzweigen

 
 
 
 
 

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