Dienstag, 4. Mai 2010

... über "Every Frenchman Has One" von Olivia de Havilland

Das Buch, über das ich heute berichte, erschien 1961 bei Random House, New York, und ich will darüber schreiben, weil ich in dieses Buch verliebt bin.

Ich habe es antiquarisch erworben und inzwischen auch schon zwei Mal verschenkt (der Online-Anbieter wird sich gefreut haben).

Die Autorin dürfte dem Filmfan noch bekannt sein, wenn nicht bereits aus „Robin Hood, König der Vagabunden“, dann spätestens aus „Vom Winde verweht“, wo sie die Melanie gab.
Darüber hinaus krönen zwei Academy Awards ihre Karriere (1946 für "Mutterherz", 1949 für "Die Erbin").

Nach diesem letzten Erfolg wurde es ruhiger um die Aktrice, aber die Romantik schlich sich im Frühjahr 1953 in ihr Leben. Ihre Ehe war gerade geschieden worden und ihr aktueller Film „My Cousin Rachel“ eben in die Kinos gekommen.
Während Olivia de Havilland nun zu Hause saß, mit einem Auge ihren dreijährigen Sohn Benjamin bewachte und mit dem anderen in Skripten las, flatterte eine Einladung der französischen Regierung zu den Filmfestspielen in Cannes ins Haus mit dem großzügigen Angebot, für die Beförderungskosten aufzukommen.
Frau de Havilland beschloss, das Angebot anzunehmen, unter der Voraussetzung, dass sie zwei Tickets erhielte. Eine Bitte, die vermutlich für scharfes Ein- und Ausatmen sowohl bei den Verantwortlichen als auch bei den berühmten Klatschkolumnistinnen sorgte, wurde doch sofort eine Romanze vermutet. Tatsächlich war Ticket Nr. 2 für Sohnemann Benjamin.

So gelangte Olivia de Havilland also nach Frankreich und verliebte sich … in das Land und in den Secrétaire Général des Paris Match.

Auf amüsante Weise berichtet Olivia de Havilland kolumnenartig über den Kulturschock, den sie angesichts ihrer ersten Begegnung mit Frankreich erlebte, und die Erlebnisse, die ihr das Einleben "versüßten", nachdem sie sich in dort dauerhaft niedergelassen hatte. Zum Erscheinens dieses Buches hat sie bereits einige Zeit in Frankreich verbracht, und es war ein wenig still um sie geworden. Ein perfekter Zeitpunkt, um sich nach einer Auszeit auf andere Weise zurückzumelden.

Sie erzählt unter anderem von sprachlichen Schwierigkeiten, z. B. widmet sie ein komplettes Artikel dem Thema „All the French speak French“.

Ich erlaube mir, zu zitieren: "… But one day after I’d started my lessons, a taxicab driver’s opening gambit swam murkily into my consciousness and instead of just swimming out of it right away, it hesitated, stayed, and then miraculously separated itself into intelligible words, which, I gathered, had to do with Paris being pretty in the winter. I was thrilled and inspired, and instead of playing safe with my usual international “hmmm”, suitable for all occasions, I assembled my first complete French sentence in less than 280 seconds and stated that I agreed, except for one thing: “Three days after it falls”, said I, “the snow in Paris becomes very salty.” That was one time a taxicab driver decided not to argue the point. And I still don’t see why >salé< should mean salty when >sale< means dirty.”

Das Kapitel “The great Centigrade-Fahrenheit debate” trieb mir Tränen in die Augen. Ich musste herzlich lachen, obwohl die Frage, ob ein Kind Fieber hat natürlich durchaus ernstzunehmend ist.
Die Quintessenz des Ganzen ist, dass Fieber Fieber ist, egal, ob man es in Fahrenheit oder Celsius ermittelt, allerdings ist der Weg zu dieser Erkenntnis gepflastert von Unverständnis und Missverständnissen, wenn man als in Tokio als Kind britischer Eltern geborene und in Amerika aufgewachsene und lang dort lebende Neufranzösin mit eigenem Fieberthermometer misst, einen Arzt anruft, im den Wert nennt, der Arzt aber nicht weiß, wie viel Grad Celsius das denn sind.

Auf 202 locker beschriebenen Seiten, die schlichtweg viel zu wenig sind, schafft es Olivia de Havilland den Leser mit kurzweiliger Lektüre zu erfreuen.
Obwohl das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat, kann ich mich heute immer noch dafür begeistern. Manches ist für den Europäer vielleicht nicht nachvollziehbar, aber de Havillands semiautobiographischer Bericht ist so amüsant, dass man darüber hinwegsehen kann.

Auf erfrischende Weise geht es nicht um Hollywood-Tratsch und auch nur hin und wieder um private Kleinigkeiten. Das kulturelle Erleben steht in diesem Buch im Mittelpunkt, und es ist ebenso ein kleiner Ratgeber wie auch eine liebevolle Erinnerung an de Havillands Sohn, der leider bereits verstorben ist.

Ich kann kaum erwarten, dass Olivia de Havillands echte Autobiographie auf den Markt kommt.

Wem das Buch einmal in die Hände fällt, vielleicht in einer Bibliothek bei einem USA-Aufenthalt, der sollte es sich nicht entgehen lassen, wenn er kulturinteressiert ist.

Da das keine Rezension im eigentlichen Sinne und das Buch nur umständlich, wenn überhaupt, zu bekommen ist, gebe ich dieses Mal keine Punkte.

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