Samstag, 1. Mai 2010

... über Elfen und Feen (Teil 2)

Die Elfen und Feen ließen mich in den letzten Tagen nicht los, und so habe ich mich kühn mit der Frage nach Fantasiewesen an eine Freundin gewandt.
Vorausschicken muss ich, dass ich in keiner Weise religiös erzogen wurde und daher vollkommen unbeleckt bin, sodass ich mir mit meinem Anliegen reichlich deplaziert vorkam, da ich mich auch nicht mit einer Glaubensfrage im theologischen Sinne auseinandersetzen wollte, sondern, und das wohnt mir wohl unleugbar inne, schlichtweg neugierig war.

Von meiner mütterlichen Freundin Schwester Damienne wollte ich also wissen, ob es in ihrem religiösen Leben Raum für Fantasiewesen generell gebe und ob sie sogar eine bestimmte Vorstellung von Elfen und Feen habe.

Über ihre interessante Antwort habe ich mich sehr gefreut.

Als Philosophin und Metaphysikerin, die sich mit der Wesensart der Dinge befasst, sagte sie mir, Fantasiewesen haben sehr wohl einen Platz bei ihnen, insofern sie eben im Vorstellungsvermögen und somit in der Entwicklung der Fantasie und der Affektivität und der Verarbeitung psychologischer Empfindungen eine Rolle spielten (d.h. beitrügen, die Psyche gesund zu halten). Doch seien es, wie das Wort besage, Fantasien, d. h., es gebe da keinen existierenden Gegenstand, auf den sie sich bezögen.

Jeder könne sich diese Wesen somit vorstellen, wie er mag! Auf diesem Gebiet gebe es kein Richtig oder Falsch, keine Wahrheit und keinen Irrtum!

Und gerade diese Freiheit mache den Reiz, das Tolle, aus.

Daneben sei es, und auch das sei toll, müßig, über Fantasiewesen generell zu streiten, denn im Grunde repräsentiere jedes einzelne ein Kunstwerk desjenigen, dessen Vorstellungskraft es entsprungen sei.
Und der Künstler sei frei!

Interessant für mich war auch, dass in ihrer Vorstellung, und hier kommen wir wieder auf das eigentliche Thema zurück, Feen weiblich, Elfen hingegen männlich seien.
Gleichzeitig ordne sie Elfen oder Feen keine besonderen Eigenschaften zu, da es ihrer Auffassung keinen objektiven Referenzgegenstand gebe.
Mit Gott oder den Engel verhalte es sich anders - die gebe es - und wenn Gott Gott ist - so habe er auch notwendigerweise gewisse Eigenschaften, und diese Notwendigkeit existiere.

Dennoch räume sie ein, dass unsere Fantasiewelt auf Referenzbildern aus Bilderbüchern, Erzählungen usw. aufbaue und auf dieser Grundlage weitergesponnen werde.

Jenny, die mich dazu gebracht hat, über dieses Thema nachzudenken, geht in einem weiteren Beitrag zu ihrem Projekt dem Glauben an Elfen nach (http://www.opheliasunfugfabrik.de.vu/). Mit Interesse lese ich vom Elfenglauben in Island und bin neugierig auf weitere Beiträge.

Vor diesem Hintergrund stelle ich wieder einmal fest, dass mir meine neue Heimat noch nicht hinreichend bekannt ist. Der Harz ist berühmt für seine Sagen und Mythen, und ich bin entsetzt, dass ich keinen Bruchteil davon kenne. Zu meiner mauen Entschuldigung muss ich einräumen, dass eben beruflich vergleichsweise hausgebunden bin und meine Entdeckungsreise erst begonnen hat.

Wir sind hier umgeben von seltsamen Felsformationen, Höhlen, Ruinen … und einer fantasieanregenden Landschaft, und vor allem der Berg bringt zahlreiche schaurige und romantische Geschichten hervor, mit denen ich mich in Zukunft gern näher befassen möchte. Ich bin sicher, Elfen werden darin auch zu finden sein, und ich bin sogar überzeugt, dass in jeder Sage ein Fünkchen Wahrheit steckt.
Ich werde also ein wenig vor meiner Haustür schnuppern, soweit es meine Zeit zulässt.

Feen lasse ich hier einmal außen vor (vergesse sie aber nicht), denn sie sind für mich, wie erwähnt, Märchengestalten, und ich möchte Märchen und Sagen nicht unbedingt gleichsetzen.

Glaube ich an Elfen?

Wenn ich hinaus in die Natur gehe, mich mit meinem Sohn ins Gras setze, werde ich wieder zum Kind. Während mein Sohn dann seine Fantasie schweifen lässt und auf die Suche nach einem Hexenbaum und Kobolden geht, lasse ich mich von der Landschaft romantisieren und verdränge biologische oder klimatische Vorgänge.

Vielleicht glaube ich wirklich an Elfen, vielleicht bin ich auch nur in den romantischen Gedanken verliebt, dass sie existieren, aber in solchen Momenten verwandelt sich die Welt für mich in ein Reich der Naturwesen, und ich spähe und lausche wie ein kleines Kind und hoffe auf eine Begegnung. In Wassertropfen sehne ich mich nach dem Spiegelbild eines Zauberwesens, und wenn ein Windhauch meine Wange streift, wünschte ich mir, es sei ein geheimnisvolles Flügelchen.

Vielleicht sind wir deshalb so versessen auf Libellen, Schmetterlinge und andere Insekten, die uns mit Farben, Filigranität, Flinkheit ... und nicht immer mit ungetrübter Schönheit locken. Vielleicht erhoffen wir uns, in ihnen mehr als nur ein Insekt zu erkennen, nämlich etwas Zauberhaftes, das sich in ihnen verbirgt und uns mit anderen Augen sehen lässt.

Warum auch nicht?
Ich schlage eine Brücke zu Schwester Damiennes Aussagen und stimme zu: Ein bisschen Fantasieflucht tut unserer Seele gut und schärft den Blick für Dinge, die wir vergessen zu haben glauben.

1 Kommentar:

Jenny hat gesagt…

Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag =)

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