Sonntag, 16. Mai 2010

... über "Ein Vampir für gewisse Stunden" von Lynsay Sands

So, es ist vollbracht, und ich habe den Lucian hinter mich gebracht.

Broschiert: 383 Seiten
Verlag: Lyx (15. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Ralph Sander
ISBN-10: 3802582543
ISBN-13: 978-3802582547
Originaltitel: Bite me if you can
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,4 x 3,2 cm

Kurzbeschreibung:

Lucian Argeneau  ist einer der ältesten Vampire Amerikas. Seit Jahrhunderten arbeitet er für den Rat und sorgt mit eiserner Hand dafür, dass die strengen Gesetze der Vampire eingehalten werden. Der Tod seiner Familie hat ihn jedoch in tiefe Einsamkeit gestürzt. Essen hat für ihn jeden Geschmack verloren, Sex reizt ihn nicht mehr. Da begegnet er eines Tages der temperamentvollen Leigh. Die junge Frau wurde gegen ihren Willen von einem abtrünnigen Vampir, den Lucian verfolgte, gewandelt und muss nun in das Leben der Unsterblichen eingeführt werden. Lucian fliegt mit ihr nach Toronto, um sie bei seiner Schwägerin abzuliefern, die sich um sie kümmern soll. Doch da Marguerite auf dem Sprung nach Europa ist, bleibt Lucian nichts anderes übrig, als sich selbst um Leigh zu kümmern und ihr alles beizubringen, was sie für ihr neues Dasein wissen muss. Leigh, die von ihrem brutalen Ehemann davongelaufen war und ihr Leben endlich wieder im Griff hatte, hasst es, auf Lucian angewiesen zu sein - zumal er ihr gegenüber mürrisch und kurz angebunden ist. Doch nach und nach taut der unnahbare Einzelgänger auf. Plötzlich sehnt er sich wieder nach einem guten Kaffee, leckeren Pfannkuchen - und noch mehr nach der hübschen Brünetten. Auch Leigh merkt, dass ihr Lucian unter die Haut geht. Doch da ist ja auch noch der abtrünnige Vampir, der weiter Jagd auf Leigh macht ...

Meine Meinung:

Wer denkt sich eigentlich die Titel aus?
Ein Vampir für gewisse Stunden ist Lucian gewiss nicht, sondern, wie sich zeigt, der Vampir für's Leben, den sich Frau nur wünschen kann. 

Wie es scheint, sind Lynsay Sands Vampire, deren Vornamen mit L beginnen, doch die besten (mit Ausnahme von Lissianna, die sich bislang durch gehörigen Nervfaktor auszeichnete).
Nachdem der Roman trotz Leighs Entführung und Vampirwandlung zu Anfang vergleichsweise langweilig daherkam, muss man sich dann doch unweigerlich in den uralten, vertrockneten, versteinerten, verstaubten und unbeholfenen Lucian verlieben.
Wer wünscht sich denn nicht einen Mann, der freiwillig mit Frau einkaufen geht und beim Klamottenkauf nicht nervt, sondern Geschmack beweist?
Lucian muss Leigh nun nicht nur notgedrungen in die Welt der Unsterblichen einweisen, sondern auch Leigh erhält sozusagen ein eigenes Projekt und führt Lucian wieder in die menschliche Nahrung ein.
Lucian, der sich jahrtausendelang um nichts anderes als seine Familie und den Rat gekümmert hat, erweist sich verständlicherweise als unbeholfen in Sachen Frauen, ohne dass dies übertrieben dargestellt oder zu sehr ausgewalzt wird. Wie üblich entstehen dadurch witzige Szenen, an denen die überpräsente Argeneau-Familie nicht ganz unbeteiligt ist.
Trotz der gemeinhin bekannten Verkupplungsversuche der Verwandtschaft dauert es eine Weile, bis Lucian und Leigh nach einer imaginären erotischen Begegnung tatsächlich zueinander finden, und das geschieht dann wieder in der von Lynsay Sands gewohnten Manier.

Leider bleibt der spannende "Fall" der Geschichte, nämlich der Handlungsstrang um den Abtrünnigen Morgan, wie üblich stark im Hintergrund, und das happy Happy End wird flugs herbeigeführt. Das habe ich bislang an allen Romanen der Argeneau-Reihe als störend empfunden.
Mir hätte es besser gefallen, wenn Lucian und Leigh am Ende noch keine Heiratspläne gehabt hätten, denn trotz des Showdowns mit dem Bösewicht kam mir Leighs Entscheidungswechsel dann doch zu plötzlich. Anders wären sie wohl aus dem Schema gefallen.
Die Tatsache, dass sie am Ende sogar noch ein Kind erwarten, wirkt, selbst wenn Lynsay Sands eine halbwegs vernünftige Erklärung gibt, etwas aufgesetzt und momentan überflüssig. Aber wer weiß, wofür das noch gut ist.

Weil mich Lucian ebenso zum Schmunzeln brachte wie Lucern und Leigh ein starker Charakter und absoluter Sympathieträger ist, das Ende sich aber wieder zu happy präsentiert, die Nebenhandlung zu kurz kommt und die Hintergrundgeschichte, die sich im Vorgängerband andeutete, in Vergessenheit geriet, während wie üblich den Erklärungen zu Nanos, Vampirwerdung und Atlantis zu viel Raum eingeräumt wurde, bin ich wieder mit Punkten knauserig.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 3 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gore): 1 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 3 von 5
Gefühl/Subtilität: 3 von 5
Humor: 3 von 5
Spannung/Handlungsdichte: 2 von 5

Gesamteindruck: 4 von 5 Weißdornzweigen

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...