Samstag, 15. Mai 2010

... Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

Tag 6, hm?
Jetzt wird's schon langsam schwierig.
Die meisten Bücher, die sich in unserem Schrank tummeln, habe ich in der Tat nur ein einziges Mal gelesen, auch nur ein einziges Mal lesen können, und ich hatte mir vorgenommen, hier ein Buch vorzustellen, das nun nicht unbedingt schon hundertfach an anderer Stelle präsentiert wurde.
Ich meine, dass man Krimis sowieso nur einmal lesen kann, weil der Reiz verloren geht, da der Ausgang bereits bekannt ist. Andererseits gibt es Bücher, die man nur einmal lesen kann, weil sie derart aufwühlen, weil sie entweder so gut oder so schlecht sind, sodass man es sich dem nur einmal aussetzen mag.

Tja, es fiel mir wirklich schwer, ein Buch zu finden, und umso schwerer wurde es, da ich dazu neige, den Inhalt von Romanen, die keinen wirklich intensiven Eindruck bei mir hinterlassen haben, mental ins letzte Hinterstübchen zu räumen, damit Platz für neue Eindrücke ist.

Nachdem ich nun nach dem Ene-mene-Muh-Prinzip mein Bücherregal abgeschritten bin, fiel die Wahl auf folgenden Roman:

Appignanesi, Lisa: Die andere Frau

Taschenbuch: 444 Seiten
Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 8. (2001)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Wolfgang Thon 
ISBN-10: 3746616646
ISBN-13: 978-3746616643
Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,6 x 3,2 cm

Kurzbeschreibung:

Die Liebe und die Macht der Frauen


Maria ist eine klassische Femme fatale. Die Männer umschwärmen sie - und den Frauen erscheint sie unweigerlich als Rivalin. Doch dann trifft sie einen rätselhaften Mann, bei dem plötzlich alles anders ist. Zum ersten Mal lernt Maria die wahren Abgründe der Liebe kennen.
 
Meine Meinung:
 
Mit moderner Chick lit kann man bei mir kaum einen Blumentopf gewinnen, ich lese zwar hin und wieder als Zeitvertreib aus diesem Genre, bin aber kein ausgemachter Fan.
Mir haben es eher ruhige Beziehungsdramen angetan, sodass mir "Die andere Frau" gerade recht kam, als ich vor einigen Jahren durch eine Bahnhofsbuchhandlung schlenderte auf der Suche nach etwas Abwechslung.
 
Die Protagonistin Maria d'Este ist geborene Französin und klassische Femme fatale. Mit achtzehn verließ sie Paris und wollte nie mehr zurückkehren, nun tut sie es aber doch. Aus New York kehrt sie zurück und beschließt, eine normale, gute Frau zu werden. Keine Affären mehr, sondern ein geordnetes Leben.
Obwohl Paris ihre Geburtsstadt ist, kennt sie dort niemanden, trifft aber eines Tages auf ihre Schulfreundin Beatrice, die Mutter und Ehefrau ist.
Unabhängig davon begegnet sie Paul und erfährt plötzlich, wie es ist, jemanden wirklich zu lieben. Doch wieder ist sie die andere Frau, denn Paul ist verheiratet ... mit Beatrice.
 
Der Roman startet recht gemächlich, mit Marias Rückkehr nach Paris und ist bereits am Anfang mit einer Vielzahl von Erinnerungen gespickt, die sie, wie sie sagt, weder locken noch verfolgen. Jeder Ort, den sie aufsucht, ist mit etwas Vergangenheit verbunden, sodass im Laufe des Romans eine Vielzahl von Personen heraufbeschworen werden.
Aufgrund dessen habe ich Lisa Appignanesis Buch auch als etwas verwirrend in Erinnerung.
Obwohl der Klappentext von Mordfällen spricht, die die Protagonistin im Rahmen ihrer Tätigkeit in einer Kanzlei recherchiert, darf man nicht auf einen Krimi hoffen. Das Buch ist vergleichsweise ruhig und unspannend. Es gibt keine Schockmomente, auch die Erkenntnis, dass Paul Beatrices Mann ist, kommt nicht wirklich überraschend.
Im Grunde ist "Die andere Frau" nichts anderes als eine Dreiecksgeschichte, die in einem Rollentausch endet und Maria das erreichen lässt, was sie zu Anfang nach Paris geführt hat.
Aus der Ich-Perspektive erzählt die Protagonistin im Präsenz ihre Erlebnisse und Gefühle. Das Präsenz als Erzählzeit ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, ich bevorzuge die Vergangenheit.
Dennoch hat der Übersetzer den Text sehr einfühlsam und mit ausgewählter Sprache übertragen, sodass der Roman angenehm zu lesen ist.
Ich bin sogar neugierig auf andere Bücher der Autorin, denn bislang habe ich nur noch In der Stille des Winters. Roman gelesen.

"Die andere Frau" werde ich nicht noch einmal lesen, weil ich noch genau weiß, wie die Geschichte ausgeht.
Sicherlich gibt es auf dem Weg dorthin immer Passagen, die man im Schnelldurchlauf gelesen und nicht vollständig erfasst hat, aber bevor ich dieses Argument als Vorwand aufgreife, um mich diesem Roman noch einmal zu widmen, muss ich mir wohl selbst ein Neukaufverbot mit Regalabarbeitspflicht auferlegen.
Ob es wohl je so weit kommt?

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