Dienstag, 18. Mai 2010

... "Küss den Frosch" (Zeichentrickfilm)

Da ich leider aus den verschiedensten Gründen schon seit Jahren nicht mehr im Kino war, musste ich auf die DVD warten.
Nachdem ich wider Erwarten festgestellt habe, dass ich tatsächlich eine Büchersammlerin bin, bekenne ich mich ganz offen zu meiner Sammelsucht in Sachen DVDs.
Auch ich gehöre zu den Nostalgikern, die händeringend auf die Öffnung der Disney-Tresore warten, um die Sammlung zu vervollständigen.

Nun kommt mit "Küss den Frosch" ein neuer Disney (nicht mehr ganz so) frisch aus dem Kino dazu.

Beschreibung:

So auch die hübsche Kellnerin Tiana, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein eigenes Restaurant. Doch als sie eines Tages einem vorlauten Frosch begegnet und ihn küsst, verwandelt sie sich urplötzlich selbst in einen Frosch. Auf ihrer abenteuerlichen Suche nach einer gutmütigen Voodoo-Queen, die den Zauber rückgängig machen soll, streift das Froschpaar durch die Sümpfe der Bayous und begegnet dabei urkomischen Gestalten, wie dem Musik-verrückten Alligator Louis und dem romantischen Glühwürmchen Ray. Das bezaubernde Märchen Küss den Frosch entführt in die musikalische Welt New Orleans. Hier in er Hauptstadt des Jazz ist Voodoo mehr als dunkle Zauberei und die Einwohner der Stadt haben noch wahre Träume.

Angaben laut Hersteller

Regisseur(e): John Musker, Ron Clements
Komponist: Randy Newman
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Türkisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Walt Disney
Erscheinungstermin: 15. April 2010
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 93 Minuten

Meine Meinung

Ich habe mich ganz bewusst zurückgehalten und keine Rezensionen usw. gelesen, um mir mein eigenes Bild zu machen. An diversen Trailern auf anderen DVDs kam ich dann zwar nicht vorbei, aber die machten mich, ganz ihrer Aufgabe gerecht, neugierig. 
Trotz aller Scheuklappen war mir bekannt, dass "Der Froschkönig" da wohl nur noch aus weiter Ferne mit einer Kussidee Pate stand, was ich ganz und gar nicht schlimm finde.
Sehr gefreut habe ich mich, dass Disney trotz anders lautender Ankündigungen tatsächlich zur traditionellen 2D-Animation zurückgekehrt ist und mit "Küss den Frosch" in dieser Hinsicht einen zeichnerischen und technischen Klassiker präsentiert.
Leider bin ich von der Umsetzung etwas enttäuscht.
Obwohl die Idee, dass der Froschkuss zur Froschverwandlung führt, originell anmutet, ist sie es nicht wirklich, da in Disney-Zeichentrickfilmen dem tierischen Element immer viel Raum gestattet wird (so beispielsweise in Cinderella die Mäuse eine Nebenhandlung haben und mit ihr kommunizieren können), was vermutlich der Zielgruppe Kind geschuldet ist.
Durch ihre Verwandlung in einen Frosch wirkt Quoten-Afroamerikanerin Tiana nur noch halb so quotenhaft.
Interessant fand ich es dann aber, dass es so gar keine Rolle spielen sollte, ob die Prinzessinneneigenschaft wahrhaftig adlig bedingt ist, schließlich gibt es heutzutage nicht mehr allzu viele echte Prinzessinnen. 
Ansonsten hatte ich angesichts des 2D-Revivals das Gefühl, dass sich die Macher kräftig in der Kiste der Vorgängerfilme bedienten.
Louis, das trompetende Krokodil, kommt wie ein grüner Balu daher und schwimmt dann auch noch rücklings umher mit Fröschen anstatt Kind auf dem Bauch. Während der gute Louis die Hüften schwingt, wartet man buchstäblich darauf, dass er "Probier's mal mit Gemütlichkeit" anstimmt. 
Das Seerosenballett schwor die "Küss sie doch"-Szene aus Arielle vor meinem geistigen Auge hervor, und die explosionsartigen Varieté-Tanznummern sind auch nichts Neues. Auch die geschmeidigen, fließenden Bewegungen erinnern an alte Disney-Zeiten; die haben wir in der Vergangenheit schon deutlich realistischer gesehen.
Insgesamt hat mir der Film schon ganz gut gefallen, vor allem das 30er-Jahre-Ambiente von New Orleans und der geheimnisvolle Voodoo-Kult geben dieser Variante einen ganz besonderen Touch, woraus sich allerdings mein Hauptkritikpunkt ergibt.
Der Hinweis, der auf der DVD dem Film vorangeht und besagt, dass die FSK-Angabe keine pädagogische Vorgabe sei, entlockt mir ein Kopfschütteln.
Ich will hier keine Diskussion vom Zaun brechen, denn ich bin niemand, der absolutes Medienverbot erteilt, aber ich bin froh, dass ich diesen Film sozusagen allein vorgetestet habe, weil ich meinem Sohn nichts ungesehen vorsetze, es sei denn, es ist das Sandmännchen. Diesen Film wird er so schnell nicht zu sehen bekommen.
"Küss den Frosch" ist gewohnt farbenfroh, rasant und einfach bombastisch, was an sich nicht negativ ist und zum Teil auch den atemberaubenden Charme der Disney-Zeichentrickfilme ausmacht. Aber ich möchte meinem Sohn keine Alpträume bescheren, weil in rasendem Tempo Schatten von der Wand kriechen und Voodoo-Masken zu Mandalas explodieren (eine Unart, die mich auch bei "Dumbo" sehr stört).
Ich meine, die Bilderflut ist einfach für jüngere Kinder zu überwältigend, und mich beschleicht das Gefühl, dass diese Filme sowieso für die Großen gemacht sind, die gern für anderthalb Stunden wieder Kind wären.
Die musikalische Untermalung hat mir gut gefallen, sie passt einfach super, und Randy Newman hat meines Erachtens schlichtweg ein gutes Händchen, allerdings hatte ich bei den Gesangseinlagen oft Mühe, den Text zu verstehen. (Ich habe die deutsche Synchronisation geschaut, werde aber das Original noch nachlegen, da sicherlich die verschiedenen Akzente Dialoge und Gesang noch reizvoller machen.)
Am Ende musste ich dann sogar ein Tränchen verdrücken, als Ray doch zu seiner Evangeline fand. In diesen Szenen lag für mich sogar ein Überraschungsmoment, da ich nicht damit gerechnet hätte, dass einer der Charaktere stirbt.  Der Big Moment der Rückverwandlung, auf die man fast schon nicht mehr zu hoffen gewagt hätte, die aber trotzdem obligatorisch war, war dann auch wirklich bombastisch.

Zu den Extras der DVD kann ich leider nichts sagen, weil ich mir die bislang nicht zu Gemüte führen konnte (obwohl ich sozusagen ein Special-Features-Junkie bin).

Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr traditionell animierten Zeichentrick zu sehen bekommen. Vor den Talenten ziehe ich wirklich den Hut, und ich hoffe, dass sich trotz der Kosten öfter mal auf gutes altes Handwerk besonnen wird.

Alles in allem bekommt Disneys 2D-Rückkehr von mir:

3 von 5 Weißdornzweigen




1 Kommentar:

Pero hat gesagt…

Ich war bei dem Film im Kino und fand ihn großartig. Aber ich muss dir auch zustimmen, dass ihn etwas zu gruselig finde für kleiner Kinder. Das hatte mich auch sehr gewundert...

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