Donnerstag, 8. April 2010

... über "Vampire haben's auch nicht leicht" von Lynsay Sands

Aus dem Inhalt:

Vincent Argeneau ist ein weiterer Vampir der großen Argeneau-Familie, genauer gesagt, der Cousin der vier Vampire, die bislang unter die Haube kamen. Wie wir wissen, ist er schon so alt, dass er doch tatsächlich Shakespeare persönlich kennengelernt und sich hernach zur Schauspielerei berufen gefühlt hat. Als amüsanten Schauspieler und Produzenten kennen wir ihn bereits aus den anderen Büchern. Wie alle Argeneau-Vampire ist Vincent im Grunde ein netter Kerl, der, auch wenn er die anderen gerne einmal auf die Schippe nimmt, stets zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Nun aber hat er selbst ein Problem: Seine Produktionen werden sabotiert. Da in der Argeneau-Familie keiner hängengelassen wird, beeilt sich Bastien, die Privatdetektivin Jackie zu empfehlen, mit deren Detektei er schon länger zusammenarbeitet. Jackie ist deshalb alles andere als unbedarft in Sachen "außergewöhnliche" Klienten. Sie weiß somit nicht nur, womit sie es zu tun hat, sondern hegt trotz aller Professionalität und Abgeklärtheit arges Misstrauen gegenüber allem Unsterblichen. Vincent allerdings wirft sie dann doch aus der Bahn ...  


Meine Meinung:

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch und dazu auch noch schrecklich neugierig. Das prädestiniert mich wohl für Serien. Sei es im Fernsehen oder bei Büchern, ich kann die Finger einfach nicht von Reihen lassen. Immer wieder schimpfe ich, dass es nun mal gut mit den Fortsetzungsgeschichten sei und ich keine Lust mehr habe, eine neue zu beginnen, schließlich geht das ins Geld und außerdem komme ich langsam nicht mehr mit Lesen nach. Aber nein, ich bin schrecklich schwach und mache meine vage Drohung nicht wahr.

Nun aber muss ich zugeben, dass ich mit Lynsay Sands zum ersten Mal bereit war, eine Reihe aufzugeben.
Seit "Eine Vampirin auf Abwegen" (ISBN: 978-3-8025-8183-0) habe ich mich von Band zu Band gehangelt, in der Hoffnung, dass es "Bumm" macht, bislang ist der aber ausgeblieben.

Die Argeneau-Reihe gehört zu den wenigen Büchern, die ich nicht im Original lese, und eignete sich für mich ganz gut für zwischendurch, wenn ich mich eben nicht mit der Fremdsprache quälen wollte. Für meine Begriffe lesen sich die Bücher gut weg, und es gelingt mir sogar, über meine Berufskrankheit, nach Übersetzungsmängeln zu suchen, hinwegzusehen.

Wie bereits erwähnt, bin ich flexibler geworden und bereit, einer humorvolleren Herangehensweise an das Vampirthema eine Chance zu geben.
Angesprochen hat mich zudem die Vampirmythologie, die Lynsay Sands erdacht hat. Die Vorstellung der reparierenden Nanos erscheint mir schlüssig, und für mich als LeserIN ist der Gedanke, dass sich Vampire auf dem üblichen Wege, wenn auch mit vampirisch-legislativen Einschränkungen, fortpflanzen können, schon beinahe versöhnlich. Die Idee, dass Blut durch die Eckzähne aufgenommen wird, wirkt zwar zunächst befremdlich, nimmt aber deutlich den Ekelfaktor des "Bluttrinkens".

Ich habe die Reihe als nette Abwechslung akzeptiert, merkte aber, wie mein Interesse von Band zu Band nachließ und ich mich von "Schema F" genervt fühlte.

Hatte der Lissiana-Band "Eine Vampirin auf Abwegen" noch die Besonderheit, dass mal Vampirfrau auf sterblichen Mann trifft bzw. er ihr vorgesetzt wird, so verfielen die Bände um ihre Brüder wieder in das altbekannte Schema: Vampir verliebt sich in (die ihm zumeist unter diese Nase geschobene) sterbliche Frau.

Besonders viel Geduld abverlangt hat mir "Verliebt in einen Vampir" (ISBN 978-3-8025-8171-7), ein Buch, das für mich nichts anderes als eine Aneinanderreihung erotischer Szenen war, in dem der eigentliche "Kriminalfall" lieblos hineingequetscht wirkte.

Der nächste Band "Ein Vampir zum Vernaschen" (ISBN 978-3-8025-8172-4) hat mich dann schon wieder versöhnlich gestimmt und mich häufig zum Lachen gebracht, weil Lucern so herrlich grummelig und Kate wunderbar, geradezu liebreizend aufdringlich waren und Lynsay Sands den Vampirhype mit einem sympathischen Augenzwinkern auf die Schippe nahm.

Nach "Immer Ärger mit Vampiren" (ISBN 978-3-8025-8200-4) habe ich mir dann gesagt, ich sei nun endgültig durch mit der Reihe. Bastiens Charakter hatte mich interessiert, aber dass dann ausgerechnet die Cousine seiner zukünftigen Schwägerin seine Gefährtin sein sollte, hat mich umgehend genervt. Hätte er nicht anderweitig der Frau seines Lebens begegnen können? Musste ihm also Terri vor die Nase gesetzt werden? Dass sie ein schweres Päckchen Vergangenheit zu tragen hatte, sollte wohl für den Schuss Dramatik sorgen, der ging dann aber für mich nach hinten los. Wie in der schönen Soap Opera war dann am Ende alles ratzfatz geklärt und somit das vierte Kind von Marguerite Argeneau unter der Haube.

Dass nun Vincent an der Reihe war, stand fest. Gezögert habe ich aber, weil mir sein Charakter zu stark nach Lissiana roch, selbst wenn sein klassischer Charakterzug des al-fresco-Speisens natürlich eher etwas für meinen Geschmack ist als blutbeutelschlürfende Nachtgestalten. Darüber hinaus war die Liebesgeschichte vorprogrammiert, wie die Vorgänger-Romane erahnen ließen.
Ich bin letztendlich aber froh, dass meine Geduld gesiegt hat und ich dem Buch eine Chance gegeben habe.
Neben dem üblichen Schauplatzwechsel kam auch endlich wieder frischer Wind in die Charaktere und die Geschichte.
Schema F wurde ansatzweise durchbrochen.

Privatdetektivin Jackie ist eine harte Nuss und a priori überhaupt nicht anfällig gegenüber dem vampirischen Charme. Wunderbar. Endlich mal eine Frau, die nicht gleich auf der Türschwelle in die Arme des Vampirs sinkt, und sie ist in ihrer Selbständigkeit keineswegs so penetrant wie Kate in Häschenhausschuhen, sondern durchweg glaubhaft.

Wie wir aus den vergangenen Bänden wissen, ist es einem Vampir erlaubt, in seinem gesamten Dasein nur einen einzigen Menschen zu wandeln. In der Regel ist das natürlich die Lebensgefährtin, aber in "Vampire haben’s auch nicht leicht" klappt das nicht, denn Vincent hat bereits diese zulässige Wandlung vorgenommen, sodass er seine Gefährtin, so es denn Jackie ist und sein will, nicht wandeln kann. Ein glücklicher Zufall nahm ihm die Entscheidung, gegen Vorschriften zu verstoßen, ab, ohne an den Haaren herbeigezogen zu wirken.

Die Geschichte um Jackies Vergangenheit und Tinys Witz haben mich so vereinnahmt, dass ich bis zum letzten Moment keine Ahnung hatte, wer denn der Saboteur von Vincents Produktionen war.

Die erotischen Begegnungen, mit denen natürlich zu rechnen war, ereigneten sich wesentlich später als von Lynsay Sands gewöhnt. Für mich war das eine gelungene Abwechslung.

Die Hintergrundgeschichte und der damit verbundene Kriminalfall wirken einmal nicht konstruiert und legten den Grundstein für Fortsetzungen. Fast hatte ich das Gefühl, die Autorin habe sich hier etwas mehr Zeit genommen, um die Story fundierter zu gestalten.

Mit diesem Band hat Lynsay Sands für mich die Kurve gekriegt und mich bei der Stange gehalten, denn nun will ich wissen, was vor Jahrhunderten geschah. Mich interessiert nicht unbedingt, wen Marguerite auf ihre liebenswerte, nervige Art als Nächstes verkuppelt, werde es aber zwangsläufig erfahren, dennoch hoffe ich, dass wir in dieser humorvoll-romantischen Verpackung mehr Hintergründe erfahren werden.

Und wieder eine Reihe, von der ich mich zunächst nicht trennen möchte.

Bewertung: 4 von 5 Weißdornzweigen

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