Samstag, 17. April 2010

... über "Unsterbliches Verlangen" von Kathryn Smith

Kathryn Smith:
Die Schattenritter – Band 1
Unsterbliches Verlangen
(engl. Original: Be Mine Tonight)
Verlag: Droemer/Knaur (Juni 2009)
ISBN: 978-3-426-50231-0
400 Seiten




Aus dem Inhalt:

Im Jahr 1307 sind sechs Soldaten auf Geheiß Königs Philipp auf der Suche nach den Schätzen des Templerordens. Was sie finden, ist das Geheimversteck eines Grals. Ist das der Heilige Gral? Die Versuchung ist groß und lockt die Männer in die Falle. Sie spürten nicht den Heiligen Gral auf, sondern den Blutgral mit dem Geist Liliths. Daraus zu trinken, rettet den Männern zwar das Leben, macht sie jedoch zu Vampiren, den Schattenrittern.

Jahrhunderte später, 1899, ist die Suche nach dem Heiligen Gral längst nicht abgeschlossen. Kurz vor der Jahrhundertwende überredet Prudence Ryland ihren Vater zum Kauf eines Anwesens, wo die Geburtsstätte König Arturs vermutet wird. Pru ist schwerkrank, sie leidet an Krebs, und die ihr verbleibende Zeit verrinnt unaufhaltsam, während die Ausgrabungsarbeiten in vollem Gange sind. Die Kunde von Prus Bemühungen ruft schließlich die Kirche auf den Plan, die zwei Abgesandte, Pater Molyneux und einen Mann schickt, der schlicht Chapel genannt wird. Der Fremde fasziniert die junge Frau sowohl äußerlich als auch intellektuell. Obwohl Chapel, einer der Schattenritter, seltsame Gewohnheiten zu haben scheint, die Sonne nicht verträgt und bei Tag schläft, gelingt es ihm zunächst, sein Geheimnis vor Pru zu verbergen. Doch dann endet auch Prus Suche in einer Falle, und Chapel muss seine Zähne zeigen.

Meine Meinung:

Als ich das Cover des Buches sah, konnte ich mir zunächst keine historische Vampirromanze dahinter vorstellen. Nur der schnörkelige Schriftzug des Namens der Autorin deutete vage auf das historische Ambiente hin, während der Kuss auf den Hals der rotlippigen Dame wohl als versteckter Bisshinweis zu verstehen ist.

„Unsterbliches Verlangen“ passt eigentlich nicht in mein Leseschema, denn ich muss zugeben, dass es mir historisches Flair nicht besonders angetan hat.
Auch warf mich die Beschreibung nicht unbedingt vom Hocker, denn die krebskranke Prudence rief mir Mary aus „Lover Eternal“ in Erinnerung, und da dieser Roman mein Lieblingsband der Black-Dagger-Reihe ist, hatte ich ein wenig kalte Füße, mich auf eine Geschichte um eine sterbende Frau und einen Unsterblichen einzulassen.

Was mich dann aber überzeugte, war die Hintergrundgeschichte des Blutgrals, denn ich fand eine religiöse Herangehensweise an den Vampirmythos durchaus interessant, obwohl sie natürlich bereits verschiedentlich belegt und keinesfalls außergewöhnlich ist.

Der „gequälte Held“ in Kathryn Smiths Story ist in erster Linie Prudence, deren Tod von Anfang an unausweichlich ist. Ihr Leiden scheint mir im Vergleich zu Chapels Gram um seine Verdammung und Ausgestoßenheit deutlich realer.
Für das zeitliche Setting des Romans hätte ich mir zunächst mehr Schmerz und Beschwerden erwartet, diese traten dann aber zum Ende hin noch stark zutage und es hätte dem Buch sicher nicht gut getan, wäre es Pru die gesamte Zeit über zu schlecht gegangen.
So hat der Leser Gelegenheit, sie als entschlossene Frau kennenzulernen, die weiß, was sie will und nicht herumjammert und darüber hinaus nicht auf den Mund gefallen ist.
Das ist in der Tat erfrischend, denn Chapel kommt im Gegenzug manches Mal ein wenig zu gequält daher in all seinem Zögern, er wolle Pru nicht auf seine Seite ziehen und sie auf ewig verdammen, woran er selbst dann noch festhält, als der Vater der Auserwählten ihn buchstäblich anfleht, sie zu verwandeln.

Action kommt in diesem Band etwas zu kurz, ist aber angesichts der Beziehung, die sich zwischen den Protagonisten anbahnt, nicht notwendig.

Prus endgültige Erkenntnis, dass Chapel ein Vampir ist, ließ mit etwa 250 Seiten vergleichsweise lang auf sich warten, allerdings ohne langweilig zu wirken oder das Gefühl zu erzeugen, dass man die Protagonistin packen und sie mit der Nase darauf stoßen möchte.

Als angenehm empfand ich die Tatsache, dass Intimitäten ebenfalls erst spät ausgetauscht und nicht in den Vordergrund gedrängt werden, wohl aber unvermeidlich sind, um das Romanzengenre zu bedienen. Diese Passagen sind geschmackvoll und arten nicht zu einer Aneinanderreihung sexueller Praktiken aus.

Etwas gestört hat mich, dass Chapel trotz Prus Krankheit von ihr trinkt, was mich persönlich leicht abstößt, weil ich die Vorstellung, dass das Nähren von einer Kranken diese zwangsläufig noch mehr schwächen muss, nicht abschütteln kann.

Darüber hinaus werden nicht alle Vampirklischees ausgewalzt.
Interessant ist, dass Smiths Vampire einmal nicht paranormal befähigt sind und somit weder Gedanken lesen noch manipulieren können. Dem Plot tut das gut, denn sonst hätte Chapel viel schneller von Prus Zustand gewusst und ihre schlagfertigen Reaktionen ihm gegenüber wären im Keim erstickt wurden.
Dafür aber können Smiths Vampire fliegen, was offenbar ein sehr aufregendes Abenteuer ist. 

Selbstverständlich ist der Ausgang der Geschichte vorprogrammiert, was nicht nur der Untertitel „Band 1“ verrät.
Der Plot lässt Fragen offen, auch wenn der Handlungsstrang um Chapel und Pru in sich geschlossen ist.
Der Silberhandorden hat offenbar Größeres vor, und auch Pater Molyneux und Marcus Grey sind tragende Nebencharaktere, die durchaus eine weitere Beleuchtung verdienen.
Nicht zuletzt ist Temples Verbleib ungeklärt, und ich habe den leisen Verdacht, dass es noch eine ganze Weile so bleiben wird.
Etwas unzufrieden war ich damit, dass die übrigen Charaktere der Ryland-Familie allesamt kaum misstrauisch gegenüber Chapel waren und ihn nach seiner Heldentat quasi blind in die Arme schlossen. Vielleicht war einfach kein Raum für mehr Konflike übrig ...

Da ich das Buch auf Deutsch gelesen habe, kann ich die Sprache des Originals nicht beurteilen.
Während die Dialoge sprachlich recht neutral wirken, wird dem Text durch Wörter, wie „mithin“, „fürwahr“ oder „fürderhin“, hin und wieder ein altmodisches Flair verliehen, was mich persönlich nicht stört, da damit der historische Plot recht gut unterstrichen wird, anderen Lesern aber möglicherweise gekünstelt erscheinen kann.

Insgesamt ist „Unsterbliches Verlangen“ – die Titelwahl ist gar nicht mal so abwegig und erotisch irreführend, wie man zunächst meinen möchte - für mich weder ein Lese-Muss noch eine innovative Sensation und macht mich nicht unbedingt süchtig nach Fortsetzungen, wenn auch neugierig.

Der Roman ist jedoch solide und eignet sich gut als Lektüre für zwischendurch.

Deshalb vergebe ich

vier von fünf Weißdornzweigen.








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