Samstag, 10. April 2010

... über "Unsterbliche Küsse" von Rosemary Laurey

Ich bin bemüht, viele Bücher zu lesen, die zu den "Musts" der aktuellen Vampirliteratur zählen. Das schaffe ich natürlich nicht immer, und es gibt einige, mit denen ich mich schwertue, auch wenn sie in Rezensionen oder von Bekannten hoch gelobt werden.

Wenn ich nun also an dieser Stelle ein Buch oder eine Reihe bespreche, kann leicht der Eindruck entstehen, dass ich entweder an den "Musts" vorbei lese oder nicht hinterherkomme.

Allerdings möchte ich auch nicht zwanghaft über Romane schreiben, die anderenorts schon tausendfach erörtert wurden, und mich auch zu Werken äußern, die bei mir nicht punkten konnten.

Zu Reihen, die weder zu den Lesepflichten noch zu den Neuheiten des Genres gehören noch mich vom Hocker hauen, zählt Rosemary Laureys sogenannte „Forever“-Serie, die mir einmal als Sonderangebot ins Haus geflattert ist.

Band 1:
Unsterbliche Küsse (engl. Original: Kiss Me Forever)
Übersetzung: Christian Kennerknecht

ISBN: 978-3898977289

Aus dem Inhalt:

Die amerikanische Bibliothekarin Dixie LePage erbt ein Anwesen, Orchard House, im englischen Bringham. Sie reist kurz entschlossen dorthin, um zum einen ihre gescheiterte Beziehung und den Tod ihrer Großmutter zu verarbeiten und zum anderen die Herkunft ihrer Familie näher kennenzulernen. Sie beschließt, in das alte Haus einzuziehen, und trifft beim zuständigen Familienanwalt Sebastian Caughleigh nicht nur auf Verwunderung, sondern größtes Missfallen. Er und sein lästiger Neffe James legen ihr Steine in den Weg, und als wäre das nicht genug, läuft ihr auch noch der geheimnisvolle Christopher Marlowe über den Weg, der besonderes Interesse an der Bibliothek ihrer verstorbenen Tanten hat. Bald stellt sich heraus, dass Kit Marlowe nicht etwa nur so heißt wie der Zeitgenosse Shakespeares, sondern es wahrhaftig ist, als Vampir ist er allerdings nicht die einzige seltsame Gestalt in Bringham, sondern Dixie hat sich im wahrsten Sinne des Wortes in einem Hexenkessel niedergelassen …

Meine Meinung:

Dieser erste Band der Reihe hat mich durchaus überzeugt, weil er grundsätzlich alles hat, was man sich wünschen kann: englische Landschaften, Vampire, Hexen, dank Mord und Anschlägen auch noch einen spannenden Kriminalfall, die große Liebe, unverblümten Sex, was die Reihe natürlich zu Lesestoff für Erwachsene macht, und ein Happy End.

Rosemary Laureys Idee, eine literaturhistorische Gestalt als Vampir weiterleben zu lassen, ist zwar nicht neu, aber macht die Geschichte durchaus interessant. Im weiteren Storyverlauf gesellt sich neben Christophe Marlowe auch noch Thomas Kyd zu den vampirischen Figuren. Das war es dann aber auch schon mit der Historie, denn der Roman spielt im Gegensatz zu dem, was uns das Cover vorgaukelt, in der Gegenwart.

In der Regel tue ich mich schwer mit dem ersten Band von Mehrteilern, insbesondere, wenn absehbar ist, dass noch weitere Teile nachkommen bzw. die Geschichte aufgrund dessen nicht abgeschlossen ist.
Das ist bei „Unsterbliche Küsse“ nicht der Fall. Dixies und Christophers Geschichte ist in sich geschlossen, und man stirbt nicht vor Ungeduld, weil man wissen will, wie es weitergeht.

Trotz der Kürze des Romans ist Rosemary Laurey die Zuneigung zu ihrer britischen Heimat anzumerken. Ihre Beschreibungen sprachen mich sehr an, und ich habe mich in die englische Landschaft hineingesogen gefühlt. Das Haus erschien einschließlich Interieur und Garten sehr lebendig vor meinem geistigen Auge.

Darüber hinaus empfand ich es als sehr angenehm, dass die Autorin ihre Protagonisten nicht schon nach 20 Seiten durch die Betten hetzen ließ, und ich muss an dieser Stelle vorgreifen und sagen, dass sie das über die Reihe hinweg nicht durchhält.

Rosemary Laurey erfindet den Vampir nicht neu. Ihre Vampire können fliegen, sich in Vögel verwandeln, dem Sterblichen die Erinnerung nehmen, und sie reagieren gar nicht gut auf Sonnenlicht. Aufgrund letztgenannter Eigenschaft gibt die Autorin ihrer Heldin umgehend Gelegenheit für eine heroische Tat.
Ein interessanter, für mich neuer Ansatz ist, dass ihre Vampire Heimaterde unter den Füßen benötigen, um nicht zu vergehen. Der Gedanke, dass sie allesamt mit erdegefüllten Schuhen herumlaufen, ist allerdings etwas lustig.
Auch können sie in den Spiegel schauen, aber was sie dort sehen, ist ihre lange Vergangenheit, und es wird dringend davon abgeraten, sich dem auszusetzen, um schwere Depressionen und Umnachtung zu verhindern. Darüber hinaus trägt Frau ihr Haar kurz, weil sie sich aus besagten Gründen nicht vor dem Spiegel zurechtmachen kann.
Ansonsten sind die Laureyschen Vampire genügsam und vertragen vielleicht gerade mal ein Viertelchen Rotwein.

Enttäuscht hat mich die Übersetzung, und nicht nur das, denn zum ersten Mal hat mich in diesem Fall eine Übersetzung so irritiert, dass ich unbedingt das Original auch noch einmal lesen musste. Nicht, dass ich hinter jedem Satz einen Fehler vermutet hätte, nein, ich hatte beständig das Gefühl, ich verfolgte das Geschehen aus männlicher Sicht, obwohl man als Leser meist Dixie folgt. Zuvor hatte ich nie Wert darauf gelegt, ob es sich um einen Übersetzer oder eine Übersetzerin handelte, und im Normalfall dürfte das auch nicht von Belang sein. Hier allerdings mutet der Text wesentlich maskuliner an, als er ist, ebenso hat er für meine Begriffe einen zu jugendlich-saloppen Touch.

Als Übersetzer muss man sich leider oft Kritik anhören, aber das heißt nicht immer, dass der Kritiker es besser könnte. Ich könnte es nicht, und ich möchte gar keine Belletristik übersetzen, die Aufgabe ist überaus komplex, trotzdem ist es schade, wenn der Lesegenuss wegen der Übersetzung leidet.
Einräumen muss man, dass auch Rosemary Laurey offenbar noch Schwierigkeiten hatte, eine schlüssige Sprache für ihren ersten Teil zu finden, sodass dem Übersetzer der 1.-Band-Bonus zuzuerkennen ist.
Insgesamt ist der Roman kein sprachliches Highlight, will es mit Sicherheit auch nicht sein, und eignet sich bestens als (preiswerte) Lektüre für zwischendurch.

Alles in allem ist "Unsterbliche Küsse" ein solider Reihenauftakt, aber leider hält Rosemary Laurey nicht durch.

Bewertung: 4 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Die drei Bücher habe ich auch noch irgendwo rumliegen, weil sie mir als Sonderangebot ... ;)
Aus irgendeinem Grund konnte ich mich aber nie dazu durchringen, sie anzufangen mit lesen. Nach deinem Post tausche ich sie villeicht doch endgültig weg ...

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ach, das ist sicher Geschmackssache, und für zwischendurch lesen sie sich schon ganz gut. Zeitverschwendung sind sie nicht unbedingt, zumindest die drei ersten.
Eben nichts für den großen Anspruch und nicht mit den großen Namen der Vampirromanzen zu vergleichen.
Mein Buch ist einigen auch zu depressiv und melancholisch, während andere das wiederum mögen ;-)

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