Dienstag, 13. April 2010

... über Pflanzenmagie: Weißdorn

Nein, ich habe keine Langeweile und es fiele mir bestimmt auch Besseres ein, als über einen Dornenstrauch zu schreiben, trotzdem will ich es tun, weil es mir der Weißdorn besonders angetan hat, in der Tat sogar eine Inspiration war. Und ich liebe es, über meine Inspirationen zu plaudern.

Meine kindlichen Erinnerungen an diese Pflanze sind eher mit seltsamem, nicht besonders ansprechendem Geruch, zerrissenen Spielhosen sowie diversen Kratzern verbunden als mit Magie. Außerdem kann ich mich bewusst an lediglich zwei Standorte meiner Kindheitsumgebung erinnern, an denen alte Dornensträucher so dicht waren, dass Weg und Blick versperrt wurden. 
Viel präsenter hingegen sind mir Schlehen- und Holunderbüsche.

Als ich begann, an "Blutsuche" zu arbeiten, war das Konzept der Naturmagie, das in den letzten beiden Büchern des Romans zur Sprache kommt, noch in weiter Ferne.
Auch die Vampirmythologie war noch unklar, aber ich war mir sicher, dass ich etwas "Altes" wollte, keine vampirische Evolutionstheorie, wenn man so will, sondern etwas Dunkles, Magisches, Unerklärliches, das jahrhundertealten Legenden entspringt.

Man kann in diesem Zusammenhang schon fast von glücklicher Fügung sprechen, dass es mich vor einigen Jahren aus der Großstadt in den ländlichen Harz verschlug. Auch in der "City" haben wir uns oft in Parks aufgehalten, aber trotzdem hatte ich ein wenig den Blick für die Natur verloren. 

Auch wenn das ein Klischee ist und sich nach langweiliger Dorfromantik anhört, aber als ich nun auf dem Lande lebte, begann ich wieder, mich genauer umzuschauen. Ich erinnerte mich an Spaziergänge mit meinen Eltern und versuchte, Namen von Pflanzen und Tieren aus meinem Gedächtnis zu holen, die ich sozusagen wegen mangelnden Bedarfs in einer Schublade abgelegt hatte.

Mit meinem Sohn unternahm ich nun ausgedehnte Spaziergänge, und plötzlich sah ich mich umgeben von Weiß- und Schlehdornhecken.
Natürlich liegt deren Existenz anderweitig begründet und hat mit Windschutz und nicht mit Zauberei zu tun, aber der Gedanke, dass die Natur etwas Magisches besaß, ließ mich nicht mehr los.

Auch hatte ich davon gehört, dass Weißdorn als Heilpflanze bei Herzkrankheiten verwendet wird.

Warum also nicht etwas Pflanzliches, das sich wieder mit solcher Vielfältigkeit präsentierte, mit der Ländlichkeit verbinden?

Anne war für mich von Anfang an nicht „urban“, sondern gehörte in ein Dorf, das altmodisch und verschlafen sein sollte, und da kam mit dem Weißdornduft eine Art Dornröschenidee herbeigeweht.

Im Märchen schützte die Dornenhecke die schlafende Prinzessin vor Eindringlingen, bis es an der Zeit war, zu erwachen.

Wie das Rosengewächs im Märchen soll laut Legenden auch Weißdorn vor Geistern schützen und wurde so nicht nur in Heckenform als Einfriedung angepflanzt, sondern auch an Türen und Fenstern aufgehängt, um die Herumirrenden fernzuhalten. Man sagt ihm nach, er bewahre vor Blitzschlägen und Unwetter.

Darüber hinaus wird der Weißdorn als eine der Pflanzen in Betracht gezogen, aus der die Dornenkrone bestand, die Jesus aufgesetzt wurde.

Eine religiöse Betrachtung des Vampirismus kam für die Figur Anne nicht in Frage, in meiner Vorstellung war sie märchenhaft verklärt, von einem Naturglauben beseelt (ohne es zu wissen), aber nicht religiös im christlichen Sinne.

Die Vorstellung, dass Dornengewächse das Böse einfangen, gefiel mir, also erschuf ich schließlich einen Heckengürtel um mein fiktives Dorf.

Selbstverständlich hätte ich jede andere Pflanze, die sticht, fängt und festhält, wie beispielsweise die Hagebutte oder Schlehdorn, wählen können, aber all diese waren mir nicht "verführerisch" genug.

Weißdorn aber faszinierte mich. Manche Sträucher sind im Frühjahr mit so vielen Blüten übersäht, dass es aussieht, als läge Schnee auf ihnen, und die kleinen, saftigen Blätter ebenso kaum zu sehen sind wie die heimtückischen Dornen.
Bei jedem stärkeren Windhauch tanzen Blütenblätter wie Schneeflocken durch die Luft. Dazu strömt die Pflanze in der Trachtzeit einen Geruch aus, den die Bienen offenbar lieben. Die dichten Sträucher scheinen dann von selbst zu summen.

Weißdorn wurde damit für mich zum perfekten Verführer. Unschuldig weiß, verführerisch duftend umhüllt er Annes Dorf, lockt das Böse an und hält es gleichzeitig fern, während für Anne und John andere Gesetzmäßigkeiten zu Tage treten, aber mehr will ich nicht verraten.

Deshalb verwende ich zur Bewertung der von mir besprochenen Bücher keine Rosen, Bücher, Stifte, Scheren oder sonstige Elemente, die in irgendeiner Form etwas mit Schreiben oder Lesen zu tun haben könnten, sondern Weißdornzweige.

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