Samstag, 17. April 2010

... über "Kuss der Dunkelheit" von Kathryn Smith

Kathryn Smith
Die Schattenritter – Band 2
Kuss der Dunkelheit
(engl. Original: Night of the Huntress)
Verlag: Droemer/Knaur (Oktober 2009)
ISBN: 978-3426502327
394 Seiten


Aus dem Inhalt:
 
Wir befinden uns, wie schon in Band 1, im Jahr 1899, allerdings nicht dieses Mal nicht in England, wo Band 1 begann, oder Frankreich, wo Band 1 endete, sondern in Rumänien.
Protagonistin Marika betritt einen Raum, in dem sie von einem potenziellen Auftraggeber
erwartet wird. Schnell wird klar, dass Marika kein schwaches, kleines Mädchen ist, sondern eine Jägerin, und zwar eine ganz besondere Jägerin, die einen Vampir ausfindig machen und fangen soll.
Als Gegenleistung erwarten sie angeblich Informationen, die sie zu dem Monster führen sollen, dem sie ihre Existenz zu verdanken hat.
Nein, Marika ist in der Tat keine normale junge Frau, sie ist ein Dhampir, und sie hat sich in den Kopf gesetzt, die Vampire gnadenlos zu jagen und auszulöschen.
 
Für sie gibt es in der Welt der Vampire keine Grauzonen, für sie sind alle Vampire böse, denn schließlich hat ein bestimmter Vampir namens Saint ihre Mutter auf dem Gewissen. So hat man es ihr erzählt.
 
Als nun dieser mysteriöse Auftraggeber daherkommt und sie auffordert, einen Mann namens Bishop zu fangen, kommt sie ihrem Ziel, Saint, scheinbar ganz nah, und genau dieser Bishop ist derjenige, der Marika umkrempelt.
 
Bishop ist auf der Suche nach einem Freund und reist deshalb nach Rumänien. Vor vielen hundert Jahren hatte er dort ein Heim und eine Frau, deren Grab er nun besucht.
 
Es gelingt Marika, ihn gefangen zu nehmen, doch er weiß – im Gegensatz zu ihren Mitstreitern, die ihr sozusagen unwissend und blind in ihrer Mission folgen - sofort, was sie ist.
 
Als sich die wahren Beweggründe ihres Auftraggebers herausstellen, zweifelt Marika bereits an ihrer bisherigen Einstellung und erkennt nach und nach, dass Bishop nicht das ist, wofür sie ihn hält und sie auch ihr eigenes Dasein als Halbwesen nicht verleugnen kann.
 
Schließlich kommt es zu einer folgenschweren Begegnung mit einem Nosferatu.
 
Meine Meinung:
 
Das Cover und auch der deutsche Titel sind meiner Ansicht nach deutlich zu romantisch, denn dieser 2. Band ist wesentlich rasanter als der erste.
 
Die Hintergrundgeschichte der Vampirwerdung wird hier für meine Begriffe ein wenig heruntergespielt und wirkt vermutlich, wenn man Band 1 nicht kennt, etwas konstruiert.
 
Der Klappentext konzentriert sich wie schon bei Band 1 in erster Linie auf den Schattenritter, hier Bishop, dennoch scheint mir immer deutlicher zu werden, dass die wahren Helden in Smiths Geschichten die Frauen sind.
 
Durch das Verschwinden von Schattenrittern wird der Faden des ersten Buches weitergesponnen und Stoff für Fortsetzungen geschaffen.
 
„Kuss der Dunkelheit“ hat Einiges, das man momentan zuhauf zu lesen bekommt.
Z. B. wurde Marika von der Großmutter aufgezogen, und natürlich entspinnt sich zwischen ihr und Bishop eine Romanze. Es gibt Entscheidungs- und Rettungsmomente, Enttäuschungen, ordentlichen Sex.
 
Trotzdem gibt es auch Unterschiede.
Durch den Blutgral haben die Vampire zwar enorme Kräfte bekommen, so sind Smiths Vampire selbstverständlich unsterblich, und sie können auch mal wieder fliegen, was Grundlage für ein paar nette Szenen gibt, aber sie können wiederum keine Gedanken lesen, wodurch sie einmal nicht in der Lage sind, immer alles zu wissen und vorauszuahnen.
Die Sonnenlicht- und Silberklassiker sind auch vertreten.
 
Während „Unsterbliches Verlangen“ eher ruhig war und sich auf das „Leid“ konzentrierte, womit eine gewisse Schmalzigkeit nicht ausblieb, hat „Kuss der Dunkelheit“ einige ordentliche Kampfszenen zu bieten.
Die Protagonistin Marika ist kein Mauerblümchen und trotz ihrer guten, gehobenen Erziehung und Bildung keine feine Dame. Sie ist ein starker, sympathischer Charakter, der aber sehr mit seiner Herkunft hadert.
 
Gut gefallen hat mir die Darstellung der gefühlsmäßigen Zerrissenheit Marikas. Sie will kein halber Vampir sein, weil sie dem glaubt, was man ihr erzählt hat, gleichzeitig würde sie aber für ihre Männer den Kopf hinhalten, umso schmerzlicher ist dann die Situation, als diese erfahren, dass sie eigentlich zu denen gehört, die sie seit Jahren jagen.
Sie akzeptiert sich im Grunde nicht als Mensch und nicht als Frau, sie ist ganz Jägerin und geht in ihrer Mission auf.
 
Bishop ist das ganze Gegenteil. Er hat sich mit seinem Dasein abgefunden, er ist zwar, wie offenbar auch die übrigen Schattenritter, auf der Suche nach Erlösung im religiösen Sinne, aber wirkt im Vergleich zu Chapel nicht wie ein Jammerlappen. Scheinbar lebt er aber gut mit seinem Schicksal. Er arrangiert sich mit seiner Existenz und hat einst den Wunsch seiner Frau akzeptieren müssen, die nicht wollte, dass er sie wandelte. Entgegen der Kurzbeschreibung wirkt Bishop auf mich nicht melancholisch.
 
Durch diese unterschiedlichen Einstellungen zum „Leben“ erscheint die Entwicklung der Liebesgeschichte durchaus realistisch und nicht einfach so dahingeklatscht.
 
Die Entwicklung von Marikas Vater ging mir ein bisschen zu schnell und war für mich nicht 100 % nachvollziehbar, aber vielleicht tut sich noch was in der Richtung, denn schließlich war er Mitglied des berüchtigten Silberhandordens. Von der Bunica hätte ich ebenfalls gern mehr gelesen.
 
Die kleinen Seitenhiebe auf die Vampirliteratur der Jahrhundertwende, wie Bram Stokers Klassiker, die schon in "Unsterbliches Verlangen" vorkamen, bringen mich immer etwas zum Schmunzeln.
 
Angenehm war das Wiedersehen mit Pater Molyneux und auch Marcus Grey, über dessen Verbindung mit den Schattenrittern wir ein wenig mehr erfahren durften. Gut gelöst war für meine Begriffe die Verknüpfung zu Band 1, denn Chapels Rettung von Pru legte den Grundstein für Marikas Rettung.
 
Neu erfuhren wir hier, dass Vampir und Nosferatu nicht dasselbe ist, sondern Nosferatus sozusagen die schlechte, böse Ausgabe des Vampirs sind. Allerdings frage ich mich, warum Chapel keinen Schaden nahm, als er von Pru trank, schließlich war sie ja auch krank.
 
Ich habe bereits erwähnt, dass ich kein ausgemachter Fan des historischen Romans bin, und das Setting im Jahre 1899 macht den Roman unleugbar „historisch“.
Man merkt jedoch in „Kuss der Dunkelheit“ selten das Historische, denn die Sprache ist vergleichsweise modern. Die Dialoge sind nicht angestaubt und die Figuren eigentlich zeitlos. Würden nicht hin und wieder ältere Wortwahl deutlich und ein Hinweis in Sachen gut situierter Eheschließung kommen oder sich einer der Charaktere auf ein Pferd schwingen, könnte man meinen, man befände sich in der Gegenwart.
 
Manchmal war mir die Sprache etwas eintönig bzw. einfallslos, und auch bzw. insbesondere bei den Sexszenen hatte ich ein leichtes Wiederholungsgefühl, nicht nur sprachlich, sondern auch handlungstechnisch, aber da mir ansonsten das Buch gut gefallen hat, kann ich darüber hinwegsehen.
 
Gut gefallen hat mir auch, dass diese Fortsetzung sich von Band 1 abhebt. Die Frauengestalt ist ebenso stark wie Pru, aber auf andere Weise. Sie ist nicht normal menschlich, sondern besonders und damit auf ihre Weise dem männlichen Protagonisten durchaus ebenbürtig. Bishop ist ein Charakter, den man durchaus auf die Liste der Vampirlieblinge setzen kann.
Bislang ist kein echtes "Schema F" zu erkennen, wenngleich selbstverständlich ein roter Faden verfolgt wird.
 
Es gab einige Szenen, die ich als sehr liebevoll und romantisch empfand, beispielsweise, als Bishop Marika badet und ihr Trost spendet, ohne dass diese Szene zu Erotik verkommt.
 
Auch hat Band 2 mehr Erotik zu bieten als Band 1. Ich denke, weniger hätte dem Buch nicht geschadet, um Wiederholungen zu vermeiden.

„Kuss der Dunkelheit“ ist wieder eine solide Zwischendurch-Lektüre mit Pluspunkten, wie rasanten Kampfszenen und einer starken Protagonistin, aber auch Schwächen, wie eintöniger Erotik und zu schwach ausgearbeiteten Charakteren, wie Marikas Vater.
Dennoch bleibt die Neugier auf die Fortsetzung.

Bewertung: 4 von 5 Weißdornzweigen.

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