Dienstag, 20. April 2010

... über Elfen und Feen

(c) Kadri Umbleja - No use without permission!!!
Die Welt ist ein Dorf, das muss ich immer wieder feststellen. Zur gleichen Zeit, an vollkommen verschiedenen Orten, befassen sich verschiedene Menschen mit dem gleichen Thema.
Nachdem ich bereits von einer Anthologie-Ausschreibung inspiriert wurde und sich eine Elfe sozusagen von selbst bei mir zu Tee oder Ambrosia eingeladen hat, um mit mir eine Kurzgeschichte zu erarbeiten, interessiert sich nun auch Jenny für Elfen und Feen und widmet diesen fantastischen Wesen ein Projekt: http://www.opheliasunfugfabrik.de.vu/.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich nie ernsthaft mythologisch mit Elfen auseinandergesetzt. Auch habe ich kein literarisches Bild von Elfen oder Elben à la Tolkien, und im Zuge meiner Auseinandersetzung mit diesen Gestalten habe ich keine Recherchen betrieben, sondern möchte lediglich darlegen, welche Vorstellungen ich von ihnen habe und wie diese entstanden sind.

Ich bin mit vielen Sagen- und Märchenbüchern und entsprechenden Geschichten aufgewachsen, die meine Vorstellung von Elfen und Feen geprägt haben dürften.

So sehr ich auch Regal und Kisten durchsucht habe, ich konnte leider das allererste Sagenbuch, in dem unter anderem Elfen vorkommen, nicht finden.
Ich erinnere ich mich jedoch, dass diese Elfen nicht auf ein Geschlecht festgelegt waren, denn es gab sowohl männliche als auch weibliche Elfen. Ihre Rolle war ausschließlich auf Naturgebundenheit festgelegt. Sie spannen in der Natur die Fäden, sorgten für den Morgentau auf dem Rasen und tanzten Frühlingsreigen, bis die Knospen aufbrachen.
Das klingt ein wenig nach der Barbie-Welt "Fairytopia", das ist mir durchaus bewusst, aber meine „sagenhaften“ Wurzeln liegen deutlich weiter zurück als die Begeisterung meines Kindes für Barbie-Elfen.
In meiner Erinnerung sind Elfen winzig klein, sie entsprechen einer Däumling- bzw. Däumeline-Vorstellung, zumeist hatten sie auch Flügel, um sich wie ein Schmetterling davonstehlen zu können. In einem Teil der alten Bilderbücher, die ich besitze, sind Elfen sogar eine Art Mischwesen aus Insekt und winzigem Mensch, und man gewinnt dabei leicht den Eindruck, der Mensch habe sich das Tier „vermenschlicht“, um sich die Tierwelt auf neue Weise vorstellen zu können bzw. eine menschliche Welt im Kleinen, z. B. eine typisch menschliche Hochzeit von Schmetterlingsprinz und Schmetterlingsprinzessin, zu kreieren.

Die Elfen, die ich zuallererst in Erinnerung habe, konnten nicht für den Menschen zaubern, sondern sorgten wie die Heinzelmännchen dafür, das für ihn alles schön war, aber sie schufen auch Regen und Unwetter, wenn der Mensch seine Umgebung missachtete. Sie repräsentierten sozusagen eher eine Art Naturmagie, und wenn ich selbst über Elfen schreibe, verfolge ich zumeist diesen Gedanken.

Anders als diese Vorstellung zeigen sich hingegen die Elfen in einem recht alten Buch, das ich als Kind aber nicht minder geliebt habe und mir unter anderem auch meine erste Berührung mit Drachen brachte. 
In einer Geschichte, "Die Gaben der Elfen", aus „Gaben der Völker“ (erschienen 1952) sind die Elfen feine, kleine Wesen, die auf den Wiesen Reigen tanzen und singen, aber sie sind keine Naturwesen, sondern verfluchte Seelen, die so lange auf Erden wandeln sollen, bis es einem Menschen gelinge, ihr Lied zu Ende zu singen.
Obwohl es sich um verwunschene Seelen handelt, die in normaler Menschengestalt, mit gewohntem menschlichem Anlitz daherkommen, sind sie nicht, wie man erwarten könnte, von bösen Absichten beseelt, sondern sie helfen der Protagonistin, die als eine Art Aschenputtel oder Goldmarie beschrieben wird, fleißig und gutmütig ist, aber von der Muhme gequält wird und aufgrund ihrer Armut den Auserwählten nicht heiraten kann.
Diese junge Frau, Jaffik, wird nun eingeladen, mit den Elfen zu tanzen und zu singen und am Ende wird sie mit dem Liebsten belohnt, während die verwunschenen Seelen erlöst werden, als sie die letzte Zeile des Liedes singt, und die Wiese mit wunderschönen Blumen bedecken.

Eine neue Betrachtungsweise des Naturwesens Elfe bringt mir nun Jocelynn Drake in ihrem Roman „Jägerin der Nacht 01 – Nightwalker“, denn dort sind die Elfen, genannt "Naturi", die Bösen und wollen die Welt sowohl von Menschen als auch von den Nachtwandlern befreien. Ich bin gespannt auf die weitere Handlung des Buches.

Feen hingegen sind für mich Märchengestalten.
Vielleicht verbinde ich unbewusst Feen mit Märchen, da „Märchen“ im Französischen unter anderem auch „féerie“ heißt. (Manchmal denke ich sozusagen „zwischen“ den Sprachen.) "Féerie" hat in meiner Vorstellung mit Zauberei und dem Wirken von Wundern zu tun. Vgl. Englisch "fairytale".
Ich halte es durchaus für möglich, dass die Fee aus der Elfe entstand und sich eigenständig entwickelt hat. Ich besitze eine französische Märchensammlung, in der die Fee immer wieder thematisiert wird, und dabei handelt es sich nicht einmal um Märchen von Charles Perrault, der Disney Pate stand. Interessant ist, dass die Fee offenbar sowohl gut als auch böse sein kann, Attribute, die ich einer Elfe aus meiner Leseerfahrung heraus bislang nicht zuordnen würde. Wenn man so will, kann natürlich eine Elfe durchaus böse sein, wenn sie eine negative Handlung des Menschen rächt. Die Fee hingegen kann dem Menschen aus reiner unbegründeter Bosheit schaden, ohne dass eine Schlechtigkeit vorausgegangen sein muss. Hier ließe sich die gute Fee mit der guten Hexe und die böse mit der bösen Hexe gleichsetzen, und schon entsteht im Kopf ein Bild der Hexen bzw. Fee aus dem "Zauberer von Oz".

Während ich mit der Fantasie, Elfen seien mit der Natur verbunden, aufgewachsen bin, repräsentieren Feen für mich zutiefst menschliche Eigenschaften, Tugenden. 
Vermutlich habe ich zu oft Dornröschen gelesen, wo jede Fee dem Kind eine Gabe oder Tugend verleiht, diese Vorstellung kann aber auch aus Sagen über die Schicksalsgöttinnen entstanden sein.

Feen habe ich als Zauberinnen kennengelernt, die wie Elfen eine menschliche Gestalt haben, aber zudem auch Menschengröße annehmen können, aber nicht müssen.
Auf eine gewisse Weise sind sie durchaus Lichtwesen, aber präsenter als Elfen, eine Art Engel, der sich materialisieren kann und in der Lage ist, menschliche Wünsche zu erfüllen, z. B. bei Pinocchio.
Aber wie auch die Elfe ist die Fee für den Menschen nicht wirklich "greifbar", sie zeigt sich nur demjenigen, der es wirklich verdient hat, von reiner Seele oder reinen Gewissens ist oder sich durch besondere Tugend auszeichnet.

Während ich die Elfe als geflügeltes Wesen vor Augen habe, sehe ich Feen meist als durchsichtige Gestalt mit funkelndem Zauberstab, und dieses Bild war in meinem Kopf schon entstanden, bevor ich je Cinderella oder Dornröschen in Disney-Animation sah. Beide aber haben "menschliche" Züge und zeigen sich mir nicht als kindliche Gestalten. Spitze Ohren sind kein Muss. Insbesondere die Elfe scheint häufig als Kind dargestellt zu werden, nach meinem Dafürhalten ist das aber ebenfalls nicht obligatorisch. In meiner Vorstellung ist klein nicht gleichzeitig mit Kind zu assoziieren. Haut und Haare beider Gestalten können alle erdenklichen Farben annehmen, ohne auf Menschliches beschränkt zu sein. 

(c) Kadri Umbleja - No use without permission!
Dass ich zur Fee nicht so viel ausgeführt habe wie zur Elfe, bedeutet nicht, dass sie mich weniger fasziniert oder uninteressant wäre. Tatsächlich muss ich jedoch einräumen, dass ich mich schreiberisch vornehmlich mit Elfen befasse, und dort ausschließlich in naturmagischem Sinne.
Darüber hinaus stelle ich bei meinem Sohn fest, dass auch er bereits eine vorgefertigte Vorstellung von Elfen und Feen hat und mit seinen fünf Jahren bereits vehement alle korrigiert, die beispielsweise eine Porzellanfigur, die ein geflügeltes Wesen darstellt, als Fee bezeichnen.

Ich erlaube mir, Jennys Aufruf an meine Leser weiterzugeben, denn auch ich bin neugierig, was Elfen und Feen für euch sind und woher eure Vorstellungen kommen.

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Der Verwendung des Bildmaterials in diesem Artikel wurde von der Künstlerin ausdrücklich zugestimmt. 
Eine Weiterverwendung ohne Genehmigung ist untersagt!


No use without permission!

Kommentare:

Astrid hat gesagt…

Wenn Du mal über eine ganz andere Welt der Elfen lesen möchtest, kann ich Dir nur "Der Blumenkrieg" von Tad Williams empfehlen. Eines meiner Lieblingsbücher.
Gruß, Astrid

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Hallo Astrid!
Vielen Dank für den Lesetipp!

Lela hat gesagt…

Ich konnte mich gerade kaum "sattlesen", macht unheimlich viel Spaß bei Dir, schreibst interessant! Ich freue mich schon darauf, weiter auf Deinem Blog zu wühlen.
Gruß von Lela

Sinje Blumenstein hat gesagt…

@Lela: Vielen Dank für die Blumen ;-) Ich bemühe mich, den Blog zu füllen.

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