Montag, 5. April 2010

... über die Entstehung von "Blutsuche" (3)

Irgendwann waren dann schließlich die letzten Zeilen geschrieben und die Tränchen aus den Augen gewischt. Ich hatte all die anderen Romanversuche in meiner Schublade, bei denen ich nicht weiß, ob ich sie je weiterverfolgen werde, überholt und endlich etwas von A bis Z fertig gestellt.

Version 1 war also vollendet, aber was sollte nun passieren?
Würde je ein Leser das Buch lesen wollen?
Mein Seminarleiter meinte, ja. Ich aber war nicht überzeugt, und im Nachhinein sehe ich sein „Ja“ eher gespalten.

An dieser Stelle würden sicherlich viele sagen, man solle das Buch doch einmal in Bekanntschaft und Verwandtschaft herumreichen. Da das Thema gerade in diesem engeren Kreis lediglich auf verhaltenes Interesse stößt, suchte ich mir also Testleser, und zwar keine fünfzig oder hundert, denn dieses Feedback, so es denn überhaupt kommt, wird wohl kaum jemand sinnvoll verarbeiten können.

Was nun folgte, war eine intensive Zeit, in der ich überarbeitet, gelöscht, umgeschmissen, gefeilt und wieder umgeschmissen habe, bis auch nach einer Pause zum „Sackenlassen“ – für mich – der Punkt erreicht war, an dem ich an Struktur und Inhalt nichts mehr ändern konnte und wollte, denn alles war genau so, wie ich es mir „zusammengesponnen“ hatte.

Erst dann kam die Idee, das „Machwerk“ in Form eines Exposés unter professionelle Augen zu legen. Zu jenem Zeitpunkt habe ich noch nicht über die Option der Selbstveröffentlichung nachgedacht, sondern war überzeugt, dass „Blutsuche“ wieder in der Schublade verschwinden würde, wenn es nicht klappen würde.

Und es klappte nicht, und obwohl ich lediglich eine einzige ansatzweise begründete Absage erhalten habe, weiß ich, warum.

Ich habe das Rad nicht neu erfunden, und ich habe eine Vampirromanze geschrieben, die zu einer Zeit fertig gestellt wurde, in der der Markt mit äquivalenten Büchern geradezu überschwemmt ist.
„Blutsuche“ ist eine ruhige Romanze, die eine sterbliche Frau und einen Vampir zusammenführt, die neben Tag-/Nacht-Unterschied und fehlendem Herzschlag zusätzlich mit normalen Beziehungs- (will sagen Kommunikations-)Problemen zu kämpfen haben. Nichts Neues also, nichts Ungewöhnliches.

Der Roman startet langsam, für manchen Leser vielleicht zu langsam. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, damit Anne die Sonne und Freundschaft genießen kann, bevor sie von verstaubten Legenden eingeholt wird und in den Schatten gleitet. Mein Leser muss somit ein wenig Geduld mit mir haben.

Das Buch ist recht umfangreich und wäre als Taschenbuch buchstäblich ein Wälzer.

Ich habe einen Mehrteiler geschrieben.
Gut, ich gebe zu, das war nicht beabsichtigt, aber im Laufe des Schreibprozesses stellte ich fest, dass ich meine Vampir-Mythologie nicht in einem Teil abarbeiten kann. In diesem Zusammenhang erweist sich die Ich-Perspektive als ungünstig, da man nur erfährt, was Anne sieht, hört und in verklärten Momenten wirklich wahrnehmen kann. Eine ausufernde Reihe ist aber nicht geplant.

Am Ende waren es dann doch Freunde, die mich auf die Idee brachten, selbst zu veröffentlichen, und da ging die Odyssee erst richtig los, denn es gibt unzählige Angebote von „erschwinglich“ bis „ruinierend“, von Seriosität ganz zu schweigen.

Ich muss einräumen, die Entscheidung fiel zwangsläufig auf „erschwinglich“, und Books on Demand, Norderstedt, gewann letztendlich eine Kundin mehr, weil dort die Hinweise zu Gestaltung etc. für mich am besten verständlich waren und die Umsetzung unkompliziert ist. Die Hilfestellungen sind sehr transparent, und man weiß, wenn man sich ordentlich informiert hat, worauf man sich einlässt, wenn man sich für eines der Veröffentlichungspakete entscheidet.

In der Zwischenzeit ging die Korrektur in die heiße Phase, und ich bin meinen Helferlein unendlich dankbar für die Unterstützung bei der Beseitigung meiner Betriebsblindheit.

Trotz der ganz offensichtlichen Nachteile von BoD, die in erster Linie im hohen Ladenpreis des Endproduktes und den eher ungewöhnlichen Buchformaten bestehen, habe ich mich auf das Wagnis eingelassen und die 1. Auflage gestartet.
Kaum hatte ich diese in der Hand, fand ich auch schon wieder Fehler. Also setzte ich mich erneut mit Duden und Wahrig hin, ließ das Korrekturprogramm laufen und korrigierte ein weiteres Mal.
Außerdem hasste ich plötzlich das Cover. Da hatte ich mir lange den Kopf zerbrochen und mich für eines entschieden, denn der natur-magische Hintergrund des Buches fand sich dort wieder, aber auf einmal sah es eben auch für mich nach Lehrbuch aus.
Über die Entstehung des neuen Covers werde ich gern später gemeinsam mit der Künstlerin plaudern.

Ich möchte hier keinesfalls den Eindruck vermitteln, „wir“ bei BoD seien ein großer Kuschelverein, aber ich bin wirklich froh, dass ich Sylvia Seyboths Roman und in diesem Zusammenhang auch ihre Webpräsenz fand, bevor ich mich selbst für BoD entschied, denn so hatte ich zumindest eine vage Vorstellung über die Resonanz, die das Thema Selbstveröffentlichung bei der Leserschaft hervorruft.

Trotzdem ist mein Buch im Handel erhältlich, und wenn sich einige wenige Leser daran erfreuen, freue ich mich auch. Als BoD-Autorin nutze auch ich das Internet, um dem Leser Leseproben zur Verfügung zu stellen. Niemand muss die Katze im Sack kaufen.

Als Autorin habe ich heute die Möglichkeit, meine Arbeit auf nicht traditionellem Wege zu veröffentlichen, und das muss nicht heißen, dass es dabei bleibt. Ebenso wenig beabsichtige ich, mein Leben lang nur Vampirgeschichten zu verfassen. Im Augenblick genieße ich es, meine Ideen aufzuschreiben, alles andere wird sich zeigen.

Ich lebe ein normales Leben, das mich einnimmt und ausfüllt, ich muss keinen Bestseller schreiben, um Bestätigung zu finden.
Das Genre der Vampirromanze spaltet die Leserschaft offenbar ebenso wie die Tatsache der Selbstveröffentlichung.
Sei’s drum, ich freue mich trotzdem, dass es mein Buch gibt und es nicht nur als Einzelexemplar in meinem Bücherschrank steht.

Über einen langen Zeitraum bin ich mit offeneren Augen durch die Welt gegangen und habe wieder Freude am Schreiben und am Spiel mit Worten gefunden, denn das war mir irgendwo auf meinem Wege abhanden gekommen.
Ganz bewusst habe ich Buchenblätter befühlt, Weißdorn beschnuppert, dem Klang des Schnees gelauscht.

All das wird immer bleiben, und ich denke nicht, dass sich mein Sohn eines Tages für seine Mutter in Grund und Boden schämen wird, weil sie einmal eine kitschige Vampirromanze mit viel Gefühl und verhaltener Erotik bei Books on Demand veröffentlicht hat.


Und weil ich das Thema Books on Demand nun angeschnitten habe, gibt es im nächsten Posting ein Interview mit Sylvia Seyboth.

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