Samstag, 3. April 2010

... über die Entstehung von "Blutsuche" (weiter geht's)

Im wahrsten Sinne des Wortes liegengeblieben waren wir also auf jener Straße in den Hügeln vor Santa Monica.
Als der Motor wieder abgekühlt war, sind wir weitergefahren, aber ich habe einen Vampir mitgenommen, irgendwo in meinen Gedanken, aber genau wie meine Protagonistin bin ich heute nicht mehr in der Lage, mit geografischen Koordinaten zu sagen, wo ich den imaginären Wohnsitz eines Vampirs aus dem Hut gezaubert habe.

Begleitet hat der Vampir mich auf dem Flug nach Hause und auch die nächsten Jahre.
Im Zuge eines Schreibseminars habe ich ihn dann herausgelassen, nein, stimmt nicht, er musste noch etwas warten, denn zunächst einmal habe ich Anne auf Reisen geschickt.

Von Anfang an war sie in meinem Kopf vorgefertigt.
Irgendwie ist Anne ein „spätes“ Mädchen, und sie ist mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen, obwohl ich sie hin und wieder gerne mal bei den Schultern gepackt und sie ordentlich durchgeschüttelt hätte, um ihr ihre unzähligen Macken auszutreiben.
So klug sie auch in einem Teil ihres Lebens ist, so blind und unbedarft schreitet sie durch den anderen.
Obwohl sie mit wachen Augen durch die Natur geht, ist sie trotzdem ein Stubenhocker, der in einer nostalgischen Filmwelt festsitzt und in Arbeit versinkt. Ihr Universum besteht nur aus ihrer Großmutter und ihrer Arbeit.
Und nur dort steckt ein Stück von mir in Anne.
Der Beruf des Übersetzers, der sich so wunderbar von zu Hause ausüben lässt, wobei die Telekommunikation meist als einziger Kontakt zur Außenwelt dient, passt zu Anne. Sie muss das Haus nicht verlassen, kann alles am Computer erledigen und muss keine Menschen um sich haben.
Sie hat nicht wirklich ein Bedürfnis nach der großen, weiten Welt, lässt sich aber auf das Abenteuer ein, weil sie unbewusst weiß, dass sie bei Eunice gut aufgehoben sein wird.
Wie Anne war auch Eunice von Anfang an da, selbst der Name kam wie aus dem Nichts und setzte sich fest.
Neben der „merkwürdigen“ Anne wirkt sie schon beinahe zu fürsorglich und sorglos. Trotzdem ist sie, neben Großmutter Helma, für Anne der einzige Mensch, beim dem sie das Gefühl hat, sie selbst zu bleiben, auch wenn Eunice – ganz Hollywood – sie äußerlich zu einem neuen Menschen macht.
Ich erinnere mich nicht genau, wie lange ich an diesem ersten Teil des Romans gearbeitet hatte, aber dieser Teil fiel mir am leichtesten und schrieb sich wie von selbst, bis dann der Vampir auf den Plan trat … und meine ursprüngliche Idee umstieß. Die werde ich natürlich nicht verraten, da ich beabsichtige, sie durchaus noch zu verwerten.

Nun aber komme ich dazu, warum aus „Blutsuche“ eine Romanze wurde.

Etwas mehr als zwei Jahre nach meiner Reise schob ich im Sommer einen Buggy über unsere staubigen Feldwege, hielt irgendwo an einer großen Wiese an, setzte mich Notizblock hin und beobachtete mit einem Auge, wie mein Sohn durchs Gras rollte, während ich Stichpunkte für meine Strandszene notierte.
Dann haben mich wohl die mütterlichen Hormone übermannt, denn, während ich dem Gluckern meines Sohnes lauschte. Vielleicht aber haben auch die alten Bäume und Hecken etwas von ihrem Zauber verströmt, denn plötzlich sagte ich mir, dass Anne nicht nur einen vermeintlich romantischen Moment oder Urlaubsflirt verdient hat, sondern die kitschige, klischeehafte große Liebe.
Auf dem Rückweg fragte ich mich dann, ob ich bisher blind durch den Tag gegangen bin, denn plötzlich stellte ich fest, dass die Gegend, in der ich wohne, von Weißdornhecken übersät ist.


Voilà, jenen Abend habe ich dann mit viel Recherche verbracht, und die Geschichte des Hains wurde geboren.
Dann widmete ich mich wieder meiner Strandszene und sah John ganz tief in die grünen Augen. Stellvertretend für Anne verliebte ich mich.
Jemand hat mir mal gesagt, man solle sich nicht so sehr von seinen Figuren vereinnahmen lassen und Abstand wahren. Dieser Rat war dann wohl für die Katz, denn in dem Moment, wo ich mich imaginär an meinen männlichen Protagonisten schmiegen und das Meeresrauschen genießen wollte, war es endgültig um meinen ursprünglichen Plot geschehen.
Was soll ich sagen, ich kam um die Romanze einfach nicht mehr umhin …

Der dritte Teil des Entstehungsberichtes befasst sich mit der Frage, warum „Blutsuche“ bei BoD erschienen ist.

Fotos: (c) Sinje Blumenstein

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