Donnerstag, 1. April 2010

... über die Entstehung von "Blutsuche" (1)

Der winzigkleine Ursprung meines Romans „Blutsuche“ liegt schon recht lange zurück.
Nein, einen Traum hatte ich damals nicht, weder einen Nacht- noch einen Tagtraum.
Es begann mit einem Namen: „Melody“.
Heimlich schlich sich dieser Name in einer Kunststunde in meinem Kopf, interessanterweise, als ich dabei war, aufgabengemäß ein Porträt zu zeichnen, das mir einen Tick zu verträumt geriet.
Nach der Schule schrieb ich dann auf mein übliches kariertes Papier eine Kurzgeschichte, in der eine Vampirin namens Melody ihr Unwesen trieb und einen namenlosen jungen Mann bezirzte.
Danach verschwand sie allerdings in einem blauen Hefter und daraufhin in der Schublade. Melody wurde vergessen, und zwar aus dem Grund, weil sie eine vollkommen langweilige, gelangweilte Person ist, die einfach die liebe lange Nacht nichts Besseres zu tun hat, als mit wiegenden Hüften durch die Gegend zu wandeln und nicht am Mensch zu bedienen.

Sie kehrte erst 2004, allerdings ohne besonderen Plot zurück, als eine liebe Freundin das Abenteuer wagte, mit mir eine Reise über den großen Teich zu unternehmen.
Da ich mich als ziemlich dusselige Autofahrerin erwies, aber vermeintlich besser im Kartenlesen war, ließ ich mich also mehr oder weniger durch Kalifornien chauffieren.
So geschah es, dass wir auf der Rückreise von San Francisco nach L.A. schließlich nach langer Schleichfahrt doch den Pacific Coast Highway verließen, um ein wenig Zeit zu sparen.
Wir fuhren also eine Weile flott vor uns hin, bis uns der Sinn wieder nach dem Ozean stand. Der Reiseführer behauptete, eine kleinere Landstraße führe uns auf direktem Wege zum Santa Monica Pier. Er verschwieg jedoch, dass es dafür zunächst stetig bergauf ging, wie wir kurze Zeit später feststellen durften.
Automatikgetriebe-unerfahren wie wir waren, standen wir bald auf dem zugehörigen Hügel, und unser Mietwagen dampfte leicht.
Während wir also darauf warteten, dass die Maschine abkühlte, schaute ich mich um und entdeckte einen unscheinbaren, unbefestigten Weg.
Auch wirkte die Umgebung nicht so spärlich bewachsen, wie ich sie aus einer Fernsehreportage über den Mulholland Drive in Erinnerung hatte. Ich sah zwar keinen dichten Wald, wie man ihn kennt, aber dennoch war das Gelände mit zwar relativ flachem, aber dichtem Strauchbewuchs und vereinzelten Nadelbäumen bedeckt, und es war absolut nicht zu erkennen, wohin eben dieser Weg, der für ein Auto breit genug war, führte.
Dann ging die Fantasie mit mir durch, und ich überlegte, was wohl wäre, wohnte dort jemand ganz besonders Geheimnisvolles, vielleicht sogar ein Vampir. Im ersten Moment verwarf ich den Gedanken, denn die Vorstellung eines Vampirs in der prallen Küstensonne schien mir absurd, und aus irgendeinem Grund meinte ich, dass die Nacht für ein solches Wesen dort viel zu kurz sei. Dann aber sagte ich mir, Vampire könne es überall geben, und begann, im Kopf eine Geschichte zu spinnen, die zunächst ganz grob so aussah, dass eine junge Frau einen Teil meiner Reise erlebt und dabei einem Vampir begegnet.
War das wohl Wunschdenken? Denn uns blieb eine solche Begegnung verwehrt/erspart …

… wie es dann weiterging, erzähle ich beim nächsten Mal.


Fotos: (c) Sinje Blumenstein

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