Dienstag, 6. April 2010

... im Gespräch mit: Sylvia Seyboth

Ich habe mich immer primär als Leserin gesehen, Autorin bin ich eher hintergründig, weil, wie gesagt, viele Dinge noch vor dem Schreiben stehen. 
Auch ich bin wie wir alle Rezipient, und in meiner Eigenschaft als Leserin freue ich mich sehr, dass ich Mitglied eines wirklich netten Buchclubs sein darf, der sich ganz und gar dem Vampirgenre verschrieben hat.
In diesem Zusammenhang hatte ich das Glück, mit Sylvia Seyboth, der Autorin der in unser Lieblingsgenre fallenden Romane "Vampir in Untermiete" und "Rebellion der Vampire", ein sehr ausführliches, aufschlussreiches und vor allem ehrliches, virtuelles Gespräch führen zu dürfen, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Lest also hier, was Sylvia Seyboth zum Schreiben im Allgemeinen, zu ihrem Roman "Vampir in Untermiete", zu Vampiren und Vampirromanen und auch zu Books on Demand zu sagen hat.


Wann hast du angefangen zu schreiben, und was war der Auslöser?

Ein simpler Aufsatz in der 7. Klasse animierte mich zum Schreiben. Zum ersten Mal hatte ich einen Lehrer, der es verstand, die Fantasie der Klasse anzuregen, und nicht nur auf sture Themenabarbeitung bestand. Einzig die Vorgabe, dass es mehr als drei Seiten sein müssten, gab er uns mit auf den Weg. Es durfte eine frei erfundene Geschichte sein, ebenso wie ein Märchen oder einfach etwas aus dem Leben, eben einfach, was uns einfiel. Zuerst glaubte ich, niemals drei ganze Seiten vollschreiben zu können, doch abgegeben habe ich dann 14 Seiten. Resultat: 1* und der Kommentar meines Lehrers, dass ich zum Schreiben geboren wäre. Damit war mein Schicksal besiegelt.

Etwa zur selben Zeit fiel mir auf, dass das Thema „Vampire“ immer auf die gleiche Weise angegangen wurde. Vampir braucht Blut, Vampir saugt Blut, wo er nur kann, Vampir zeigt wenig menschliche Seiten. Das ließ mich nicht mehr los. Ich wollte einen Blutsauger erschaffen, der sowohl seinen Blutdurst stillte, als auch sehr menschliche Charakterzüge aufweist, ja sogar geradezu sämtliche Schwächen eines Menschen voll auslebte. Also Hobbys hatte, mit den Schwächen anderer Menschen nicht immer zurechtkam und eben auch dementsprechend mit ihnen umging. Ja, er sollte gewisse Fähigkeiten besitzen, die ihn über einen durchschnittlichen Menschen erhoben, und er sollte es lieben, diese Macht zu nutzen, trotzdem sollte er in gewisser Hinsicht über gerechtes Denken verfügen. Also begann ich meinen ersten Roman auszuformen. Beendet habe ich ihn Jahre später und dann dauerte es noch einmal viele Jahre, bis ich ihn unzählige Male umgearbeitet hatte und endlich mit ihm zufrieden war. Aber das Schreiben ließ mich nicht mehr los.

Wie viel Zeit verwendest du zum Schreiben? Schaffst du es, jeden Tag konzentriert ein paar Seiten oder eine bestimmte Anzahl von Wörtern zu schreiben, oder schreibst du, wann immer sich neben Familie und Job Zeit findet?

Anfangs versuchte ich es, wie es viele berühmte Schriftsteller tun, mit einer Vorgabe von 1000 Worten am Tag. Dabei kam nicht viel heraus. Geradezu zwanghaft verfasste ich die vorgegebene Anzahl an Worten und stellte fest, dass der Inhalt und der Stil dabei auf der Strecke blieben. Also setzte ich mir schon bald keine festen Ziele mehr und arbeitete immer dann, wenn ich gerade in Stimmung war. Und siehe da, da kamen schon mal weit mehr als tausend Worte an einem Tag heraus. Dafür pausierte ich vielleicht am nächsten Tag und suchte wieder nach Motivation und Inspiration fürs nächste Kapitel.

Gibt es ein Genre, das dir besonders liegt, und was fasziniert dich am meisten an deinem Lieblingsgenre?

Ganz ehrlich, am liebsten würde ich fast alles einmal ausprobieren. Es liegen Manuskripte in meiner imaginären Computerschublade aus den Genres Fantasy, Krimi, Mystik, Horror, Märchen, Thriller, Romantik usw. Einige sind fast fertig, andere stehen ganz am Anfang. Aber eines steht wohl fest, der Krimi steht bei mir ganz weit oben in der Beliebtheitsliste. Er spornt mein Gehirn am meisten an. Dort müssen mehrere Storyebenen verknüpft werden und zu einem durchdachten und überraschenden Ende geführt werden. Ein Krimi ist wie ein Spinnennetz, es hat viele Fäden, doch alle führen irgendwie ins Zentrum. Hinzu kommt, dass ich gerne ein wenig unterschwellige Romantik mit einfließen lasse. Je nach Inhalt des Romans mal mehr, mal weniger. Allerdings habe ich auch schon einen Roman verfasst und veröffentlicht, der das Thema „Romantik“ auf seine ganz eigene Weise angeht. „Seele im Glashaus“ (ISBN-13: 978-3837067736) ist im Prinzip ein Krimi, der mit der Problematik eines psychologischen Problems des Hauptakteurs spielt. Durch einen „Unfall“ entstellt, hat er so seine Schwierigkeiten, mit den Menschen in seinem Umfeld noch normal umzugehen. Ihm habe ich eine Frau gegenübergestellt, die weder seinem Stand entspricht, noch auf den Mund gefallen ist und sich auch nicht von seiner aggressiven Art ins Boxhorn jagen lässt. Wie zu erwarten, führen gerade die konträr angelegten Charaktere zu äußerst erotischen Spannungen. Und genau das liebe ich am meisten, die Gegenüberstellung von extremen Charakteren, das Spiel mit dem Dialog, stimmungsvolle Szenen und ein Schuss Romantik. All das kann man in den aktuellen Krimis nicht immer finden.

Welche Gattung der Prosa bevorzugst du? Schreibst du lieber Romane oder Kurzgeschichten, und wenn ja, warum?

Eigentlich schreibe ich ausschließlich Romane. Es gibt einen ganz einfachen Grund dafür; ich liebe es, auf Stimmungen, Umgebungen, Personen, Aussehen, Dialog und Charakterzüge einzugehen. Selbst eine Kurzgeschichte entwickelt bei mir innerhalb kürzester Zeit ihre 50 Seiten, und ich hätte immer das Gefühl: Da wollte ich aber auch noch etwas beschreiben. Derzeit versuche ich mich an einem Märchenbuch für größere Kinder und Erwachsene. Und ich kämpfe mit der Länge der Kapitel, denn ein Märchen sollte nicht ausufern. Es ist eine neue Erfahrung für mich, aber liegen werden mir auch in Zukunft eher Romane.

Benötigst du eine bestimmte Schreibstimmung? Hörst du zum Beispiel auch Musik beim Schreiben?

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Schreiberei. Aus einem Musikstück heraus ist sogar schon einmal der ganze Anfang eines Romans entstanden. „Maskerade des Todes“ (ISBN-13: 978-3837099324) beginnt mit einem Maskenball. Die Szene entstand in meinem Kopf, als ich ein Stück von Rondo Veneziano hörte: „Casanova“. Sofort sah ich einen Film vor meinem geistigen Auge ablaufen. Die Grundidee zu dem Roman war schon länger vorhanden, doch irgendwie fehlte mir der Anschub zu beginnen. Dann hörte ich dieses Stück, setzte mich an den Computer und schrieb mehrere Stunden. Das gesamte erste Kapitel entstand an diesem Tag.

Ich neige dazu, mir eine CD mit Titel zusammenzustellen, die sämtliche Stimmungen enthalten, die zu meinem Roman passen. Diese höre ich dann andauernd, während ich schreibe. Wenn ich eine bestimmte Emotion benötige, lege ich das passende Stück auf und lasse es immer wieder ablaufen.

Wie lange arbeitest du im Schnitt an einem Roman?

Sehr unterschiedlich. „Vampir in Untermiete“ entstand 1984. Er wurde unzählige Male überarbeitet und endete 2008. 2009 veröffentlichte ich ihn. Die Fortsetzung dazu, „Rebellion der Vampire“, begann ich 2008, beendete sie Mitte 2009 und veröffentlichte im selben Jahr. An einem Krimi arbeite ich seit August 2009, er wird wohl im Mai dieses Jahres auf den Markt kommen. Wenn mich ein Thema gepackt hat, beginne ich mit Recherchen, und sobald ich alles zusammen habe, was ich benötige, um ernsthaft an das Projekt heranzugehen, fange ich an zu schreiben. Im Durchschnitt arbeite ich ein halbes Jahr an einem Buch. Je nachdem, wie perfekt ich es verfasse, benötigt die Überarbeitung mehr oder weniger Zeit.

Wie schreibst du? Gehst du koordiniert, Punkt für Punkt, vor, oder schreibst du die Szenen, wie sie dir einfallen und fügst sie dann am Ende zu einem kohärenten Ganzen zusammen?

Ich habe immer zuerst ein Skelett der Gesamtstory. Ich kenne den Grundtenor der Geschichte, weiß, worauf ich am Ende hinaus will und kenne in etwa den Weg, der dorthin führt. Daraus entwickeln sich ganz automatisch die Charaktere, die der Geschichte Leben einhauchen sollen. Während des Schreibens kann es allerdings passieren, dass sich meine Akteure verselbstständigen und einen völlig anderen Weg einschlagen als den vorhergesehenen. Dann kämpfe ich mit den Veränderungen und passe das Skelett an.

Hast du noch Zeit zum Lesen? Was liest du gerne?

Ich lese sogar sehr viel, meistens Krimis. Es verbessert den eigenen Stil. Ich lerne aus den Büchern anderer Autoren. Manches würde ich anders machen und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich denke: So gut möchte ich auch einmal etwas umschreiben.

Hast du einen Lieblingsautor bzw. Vorbilder, die dich beim Schreiben inspirieren?

Das soll jetzt nicht großspurig klingen, aber nein, ich habe keine Vorbilder. Es gibt viele Autoren, deren Stil ich liebe, aber ich würde nicht versuchen, sie zu kopieren. Martha Grimes wäre ein Beispiel. Ihre herrlichen Krimis um den Ermittler Inspector Jury. Ihre Romane fesseln mich, trotzdem würde ich völlig anders an die Storys herangehen. Charles Todd ist ein ähnliches Beispiel. Ich lese seine Bücher für mein Leben gerne, aber mir gingen schlicht die Kenntnisse ab, um derart ausgefeilte Krimis zu schreiben.

Hast du ein Lieblingsbuch?

Witzigerweise aus einem völlig anderen Genre. „Jagd der Vampire“ von Barbara Hambly. Ich habe den Roman vor ewigen Zeiten gelesen, trotzdem behielt ich ihn bis heute sehr detailliert in Erinnerung.

Kannst du uns schon etwas über neue Projekte verraten?

Wie schon angesprochen, kommt demnächst ein Krimi von mir auf den Markt: „Tod unter der Mönchsweide“. Ich wollte das Krimigenre mal wieder von der ganz traditionellen Seite angehen. Ein kleines Dorf in Devon ist das Zentrum der Geschichte. Skurrile Dorfbewohner und eine Truppe privater Ermittler, die selbst in diesem Dorf leben, stellen den Kern der Story dar. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Sage um einen diebischen Mönch, der vor vielen Jahrzehnten Selbstmord beging und aus dessen Geschichte heraus der kleine Ort Monks Willow gegründet wurde.

Wolltest du schon immer einen Vampirroman schreiben?

Nein, das Thema überkam mich förmlich. Zu der Zeit, als der Roman entstand, gab es fast keine Vampirliteratur. Die wenigen Filme und Bücher zeigten Vampire, deren einziger Lebensinhalt es zu sein schien, Blut zu saugen. Dabei stellte ich mir vor, dass ein Wesen doch auch nach dem Übertritt zum Vampirismus nicht automatisch alle menschlichen Stärken und Schwächen ablegen muss. Es sollte ein Vampir geschaffen werden, der ganz im Gegenteil geradezu sehr menschlich ist. Egoistisch bis ins Mark, zugleich humorvoll und auch nicht vor Gefühlen gefeit.

Dein Roman „Vampir in Untermiete“ (ISBN-13: 978-3837072471) handelt von einem Vampir, der ein altes Haus bewohnt. Kennst du die Kurzgeschichte „Der Herr von Rampling Gate“ von Anne Rice? Die Thematik ist dort ähnlich, und man könnte meinen, sie hätte dich inspiriert. Das soll auf keinen Fall als Vorwurf gemeint sein, denn Parallelen kann es in der Tat in vielen Werken geben.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich kenne die Geschichte nicht. Ich lese bis heute wenig Vampirliteratur. Auch die Biss-Reihe ging an mir spurlos vorbei. Als das Buch „Interview mit einem Vampir“ von Anne Rice herauskam, kaufte ich es. Es wurde derart hoch gelobt, dass ich nicht widerstehen konnte, mir selbst ein Bild zu machen. Und ich wurde sehr enttäuscht. Ich schaffte es nicht, diesen Roman ganz zu lesen. Dann wurde eben dieser Roman verfilmt, und ich dachte, schau ihn dir an, vielleicht warst du damals nur nicht in der richtigen Stimmung für das Thema. Doch auch in diesem Fall muss ich sagen, ich habe den Film nicht bis zum Ende angesehen.

Wann kam dir die Idee zu „Vampir in Untermiete“, und wann hast du mit der Arbeit an dem Roman begonnen?

Wie bereits angesprochen, der Roman nahm seinen Anfang 1984. Mein Stil, ich möchte es fast nicht als Stil bezeichnen, ließ damals noch sehr zu wünschen übrig. Daher gab ich mich auch nicht mit dem fertigen Produkt zufrieden, sondern überarbeitete den Roman immer und immer wieder. Eigentlich würde ich ihn am liebsten heute schon wieder überarbeiten, da mir nach der Veröffentlichung erneut Szenen ins Auge gesprungen sind, die dringend verbessert gehörten.

Woher kommen die Ideen für die Charaktere?

Aengus scheint für mich eine reale Person zu sein. Manchmal denke ich, wenn ich in meinen Keller gehe, werde ich ihn dort in seinem Sessel sitzend und lesend antreffen. Er entstand nicht, er war einfach da. An seinem Charakter gab es auch nie etwas zu rütteln. Er gibt vor, wohin es geht, und ich folge ihm.

Andere Akteure entwerfe ich aus einer Notwendigkeit heraus. Sie müssen einen Gegenpol bilden, oder eine Szene beleben. Wieder andere Darsteller mogeln sich nach und nach in die Story und nehmen dann viel mehr Platz ein, als zuvor geplant. So erging es mir zum Beispiel mit Narziß MacDevlin. Er sollte eine Überleitung zu „Rebellion der Vampire“ darstellen und übernahm dann einen sehr wichtigen Part in diesem Roman. Wahrscheinlich, weil sein Charakter so viel hergab und geradezu prädestiniert war, um gegen den Bipolaren Aengus anzutreten.

Kathleen hingegen war eigentlich als menschliches Opfer geplant, doch irgendwie wollte die Dame einfach nicht geopfert werden. Sie begehrte während des Schreibens auf, leistete sich einige Duelle mit Aengus und mutierte plötzlich zur passenden Partnerin.

Wie findest du die Namen für deine Charaktere?

Der eine oder andere Charakter hat zuerst einen Namen und entwickelt sich aus diesem heraus. Und dann gibt es die Personen, die einfach einen passenden Namen benötigen. So stand von vorneherein fest, der irische Vampir benötigt einen irischen Namen. Ich konnte ihn ja schlecht Ali nennen. Also beginne ich in meinem Buch für Vornamen zu suchen, wenn das nichts ergibt, dann muss das Internet helfen. Es gibt sogar CD-ROMs zu kaufen, die nur das Thema „Namen und ihre Bedeutung“ beinhalten. Darin wird auch auf die Herkunft des Namens eingegangen.

Sind deine Schauplätze Orte, an denen du selbst schon einmal warst, oder suchst du dir einen Schauplatz aus und recherchierst dann dazu? Hattest du ein bestimmtes Haus im Kopf, als du eine Bleibe für Kathleen gesucht hast?

Beides ist der Fall. Gewisse Orte habe ich leibhaftig besucht, andere werden recherchiert. Das Haus ist aus einem Traum heraus entstanden. Ich träume selbst seit vielen Jahren immer wieder von dem gleichen Haus. Als ich begann „Vampir in Untermiete“ zu schreiben, da nahm ich mir dieses Haus zum Vorbild.

Was hat dich am Charakter des Aengus O’Donaghue besonders gereizt?

Seine Zwiespältigkeit. Einerseits ein blutdurstiges Wesen, also gewissermaßen der Menschlichkeit beraubt, andererseits so menschlich, dass er nicht in das Klischee Blutsauger passen will. Intellektuell interessiert und doch fern des modernen Lebens. Er kann dem Reiz menschlicher Gesellschaft nicht widerstehen und weiß doch, dass der Mensch immer sein größter Feind bleiben wird. Er kann im einen Moment egoistisch an eine Angelegenheit herangehen und zeigt doch im nächsten Augenblick, dass er dies nie ohne einen guten Grund tut. Er ist menschlicher als jeder Mensch.

Hattest du bei der Figur des Bela eine reale Person im Kopf?

Einen Untermieter meiner Großmutter, den wir immer als Onkel bezeichneten. Er war ein sehr ruhiger und weiser Mann. Er verstand es hervorragend, mit uns Kindern umzugehen, uns in seine Hobbys mit einzubeziehen. Bela gleicht ihm zwar äußerlich herzlich wenig, sein Charakter kommt jedoch sehr nach diesem wunderbaren Mann, der leider viel zu früh starb.

Woher kam die Idee einer „Gilde der Vampire“?

Die Vorstellung, dass jeder Vampir so ganz für sich allein sein eigenes Süppchen kocht, war für mich seltsam. Irgendwie gehört zu jeder Gesellschaft ein gewisses Machtgefüge. Die meisten Machtgefüge verleiten jedoch dazu, es mit der Einflussnahme zu übertreiben. Da brauchen wir uns nur unsere eigene Politik ansehen. Wie krumm darf derzeit eine Gurke doch gleich sein?

Nachdem der Roman ja eine Weile in der Schublade verbracht hat, hast du ihn vor der Veröffentlichung stark überarbeitet?

Gefühlte 1000000 x. Trotzdem finde ich bis heute Szenen, die dringend einer Überarbeitung bedürfen. Außerdem mangelt es leider noch ein wenig an der Interpunktion und manchmal sogar an der Rechtschreibung. Ganz ohne Lektor ist es ein hartes Stück Arbeit, Fehler gänzlich auszumerzen. Inzwischen hilft ein Korrekturprogramm, und ich schufte wie ein Pferd, um die Interpunktion in den Griff zu bekommen. Ich hoffe man merkt die Fortschritte bei meinen anderen Romanen. Es trifft mich jedes Mal, wenn in einer Rezension auf diese Fehler hingewiesen wird, einfach aus dem Grund, weil ich am liebsten absolut perfekt sein möchte. Da habe ich wohl etwas mit Aengus gemein.

War „Vampir in Untermiete“ von Anfang an als Mehrteiler ausgelegt?

Ja! Es gab nie einen Zweifel daran, dass Aengus sich nicht einfach mit einem Roman abspeisen lassen würde.

War die Fortsetzung „Rebellion der Vampire“ (ISBN-13: 978-3839102152) im Kopf schon fertig, als du am ersten Band gearbeitet hast?

Teilweise. Wichtige Komponenten standen von vorneherein fest. Kathleen musste im ersten Teil sterben, um dem zweiten Teil die richtige Würze zu geben. Gerade weil Kathleen in „Vampir in Untermiete“ stirbt, wurde der Roman von mehreren Verlagen abgelehnt. „Das verkauft sich schlecht!“, wurde mir gesagt. Ein Verlag hätte veröffentlicht, wenn ich Kathleen am Leben lasse. Aber das war unmöglich, das war ein unerlässlicher Part, der „Rebellion der Vampire“ ja erst möglich macht. Leider besteht die Verlagspolitik heute nur noch aus Verkaufszahlen. Alles wird zurechtgebogen, damit es möglichst viel verkauft wird. Dabei macht es doch gerade die Würze eines Mehrteilers aus, wenn man voller Spannung darauf wartet, was sich daraus entwickelt. Und manchmal ist die Überraschung groß!

Wird es noch einen 3. Teil geben und ist die Reihe dann abgeschlossen oder möchtest du dich weiter mit Vampiren befassen?

Das ist der Punkt, an dem ich selbst nicht ganz sicher bin. Ja, einen dritten Teil wird es geben. Er war von vorneherein geplant und stand in seinen Grundzügen immer fest. Die Frage nach einem vierten Teil stellt sich mir persönlich nicht. Das wird Aengus in meinem Kopf entscheiden. Vielleicht kommt er plötzlich mit einer grandiosen Idee daher, die einfach aufs Papier gebracht werden muss. Wenn es nach mir geht, dann enden die Aengus O’Donaghue-Chroniken mit Teil 3.

Warum sind deiner Meinung nach Vampire beim Leser so beliebt?

Ganz einfache Erklärung. Es ist der Reiz des Verbotenen. Außerdem, ist es nicht hocherotisch, durch Berührungen am Hals seines Partners Emotionen auszulösen? Das Spiel mit dem Blut kommt noch hinzu. Gerade der Vampir versteht es, wie kaum ein anderes Wesen, mit der Erotik zu spielen. Er kann töten, aber er muss nicht. Wohingegen ein Werwolf, laut den alten Sagen, die Kontrolle über sich und sein Handeln verliert, bleibt der Vampir jederzeit Herr über seine Taten. Last but not least, der Vampir ist unsterblich! Streben wir nicht alle nach Unsterblichkeit? Oder doch wenigstens nach einem möglichst langen und gesunden Leben. Krankheiten scheint der Vampir nicht zu kennen, wenn man mal von seinen Problemen mit Sonnenlicht absieht.

Was macht deiner Meinung nach einen Vampir aus? Wann ist ein Vampir „so richtig“ faszinierend?

Ich kann mich sehr gut mit Kathleen identifizieren. Da erfüllst du dir endlich den Traum vom eigenen Haus und dann sitzt dir ein Kerl wie Aengus im Nacken. Erste Regung: Den jag ich zum Teufel! Doch dann bemerkt man, dass es sich um einen ganz besonderen Mann handelt. Und Mann ist er ja schließlich noch. Für mich macht einen Vampir die Mischung aus Mythos und Mensch aus. Man stelle sich vor, plötzlich steht man so einem Wesen gegenüber, das gesamte bisherige Weltbild gerät ins Wanken. Es gibt Vampire! Welche Empfindungen löst das aus? Panik, Angst ums nackte Überleben und der Wunsch, bitte niemals auf Blut als Nahrung angewiesen zu sein. Doch da ist die andere Seite. Dieses Wesen verfügt über Fähigkeiten, von denen wir Sterblichen nur träumen können. Und er ist auch nicht unbedingt abstoßend in seiner Erscheinung. Hinzu kommt sein äußerst menschliches Benehmen und Charisma, das er bisweilen in rauen Mengen versprüht. Der Vampir ist das, was wir uns alle wünschen, die pure Erotik, der Macho und zugleich über die Jahrhunderte gereift, also ein Mann, oder auch eine Frau, mit ganz besonderen Eigenschaften. Er hat Dinge erlebt, die Geschichte über eine lange Zeitspanne live verfolgt, ja sogar vielleicht ein wenig mitgemischt. Ich denke, all dies macht einen Vampir für mich aus.

Welche Vampirromane bevorzugst du und warum?

Ich oute mich jetzt mal als Biss-Gegner. Ich will niemanden diese Reihe schlechtreden, hier geht es nur um meine persönliche Meinung, und die gründet sich, ehrlich gesagt, nur auf den Klappentexten. Es ist das Metier, das mir in diesem Fall schon einmal nicht zusagt. High-School. Nicht mein Ding. Die menschliche Hauptdarstellerin scheint sehr schutzbedürftig, ein Frauenbild, das ich nicht nachvollziehen kann. Man darf mich jederzeit verbessern, denn wie gesagt, gelesen habe ich die Bücher nicht.

Ich kann mich auch nicht mit den Erotik-Vampirromanen anfreunden. Der einzige Sinn und Zweck scheint dort die Verpaarung von Mensch und Vampir zu sein. Das Ganze wird mit einer Überdosis Sex gewürzt und fertig ist der Vampirbrei. Diese Romane sind schrecklich vorhersehbar. Am Ende muss eben ein Happy-End her. Trotzdem kann ich nachempfinden, warum diese Romane sehr gut ankommen. Biss bedient die jüngeren Leser, die sich selbst in dieser High-School-Welt sehen können. Und wer nach Liebe und Sex giert und eben auch nach dem ganz besonderen Partner, wird in der anderen Sparte sicher sein Buch finden.

Wenn ich jedoch ein Vampirbuch lese, dann, weil es versteht, den Vampir in die reale Welt einzuflechten, ihm viele Facetten zuspricht, die ich bei einem Normalsterblichen eben nicht finden kann, und es trotzdem spannend ist. Daher ist auch „Jagd der Vampire“ mein Lieblingsbuch. Es ist beinahe ein Agentenvampirroman, voller faszinierender Charaktere, siehe Isidro, dessen Eigenarten ich bis heute nicht vergessen habe und der mich immer noch in einen Zwiespalt drängt. Nun gut, die Romantik kommt in diesem Buch ein wenig kurz, aber das fehlt eben auch nicht.

Brauchen wir noch mehr Vampirromane oder ist das Genre jetzt wirklich ausgereizt?

Wir benötigen gute Vampirromane! Davon kann es nie genug geben. Ebenso, wie ich immer auf weitere gute Krimis hoffe und einen guten Romantikkitschroman nicht von der Bettkante stoßen würde. Wir Menschen gieren nach Storys gleich welcher Art. Für mich ist die Ausführung entscheidend. Wenn ein Buch nur auf den Markt kommt, um den Massengeschmack zu befriedigen, dabei aber die Qualität leidet, finde ich das einfach nur traurig. Jedes Genre kann hervorragende Geschichten hervorbringen und davon nicht nur eine. Aber es muss etwas Besonderes sein, einen ganz eigenen Reiz ausüben oder eben durch faszinierende Charaktere anlocken.

Solange Autoren Fantasie besitzen und gut zu schreiben verstehen, wird kein guter Vampirroman umsonst geschrieben worden sein.

Würdest du auch über andere fantastische Wesen, z. B. Gestaltwandler, schreiben?

Sofort! Oder besser gesagt, andere fantastische Wesen liegen bereits in meiner Computerschublade. Sie warten auf Vollendung. Zum Beispiel das Werwolfthema, man kann es von einer vollkommen anderen Seite angehen. Dazu habe ich mir bereits Gedanken gemacht. Sehen wir uns einmal Engel an. Jeder sieht etwas anderes in ihnen. In meinen Augen geben sie hervorragende Komiker und Killer ab. Es kommt immer darauf an, etwas ganz Eigenes aus einer bereits bekannten Figur zu machen.

Hast du einen ultimativen vampirischen Lesetipp für uns?

Und wieder nenne ich „Jagd der Vampire“ von Barbara Hambly.

Wie kam es dazu, dass du Vampir in Untermiete selbst veröffentlicht hast?

Wenn Verlage als Erstes damit beginnen, Inhalte anzuzweifeln, ganze Passagen völlig umzustellen, nur um den Lesergeschmack möglichst weitreichend zu bedienen, dann gehört für mich der Wunsch nach einem richtigen Verlag sehr schnell der Vergangenheit an. Ist ja schön und gut, wenn der Verlag riesige Einnahmen mit einem Buch erzielen möchte, aber das geht auch anders. Die Werbung macht es! Man bringt alles an den Mann, mit der richtigen Werbung. Trotzdem versuchen das Verlage gerade in der Belletristik nicht. Dort muss der Massengeschmack getroffen werden.

Ich habe mich für BoD entschieden, nachdem ich erkenne musste, dass ich lieber weniger Exemplare verkaufe, dafür aber alles in der Hand behalte. Das fängt schon mit der Covergestaltung an. Manchmal schüttle ich den Kopf, wenn ich auf einem Krimi ein altes Haus in einer Schwarzweißaufnahme sehe und das war es dann. Soll ich mir deshalb den Roman kaufen? Ich möchte schon mit meinem Cover etwas ausdrücken, den Leser anlocken.

Besonders wichtig ist mir jedoch, dass mir keiner dreinreden kann. Auch wenn das manchmal die Kritiker auf den Plan ruft. Manche Rezension trifft mich mitten ins Herz. Ich frage mich dann, hat der Leser nicht verstanden, was ich sagen wollte? Oder habe ich eben einfach nicht den Massengeschmack bedient? Ganz egal, solange ich von meinem Werk überzeugt bin.

Und BoD bietet mir diese einzigartige Möglichkeit.

Warum hast du dich unter den zahlreichen Print-on-Demand-Anbietern für Books on Demand entschieden?

Seriös. Dieses Wort sagt alles. Keine Mindestabnahmemenge, keine großen Summen, die ich investieren muss, um überhaupt erst einmal veröffentlicht zu werden. Ich behalte die Übersicht über die Verkaufszahlen und kann meinen Roman nach meinen Wünschen einstellen.

War dir vorher bewusst, dass Selbstveröffentlichung beim Leser nicht unbedingt auf positive Resonanz stößt?

Überhaupt nicht! Ich war zu Beginn restlos entsetzt über die Reaktionen einiger Leser. Es wurde schlicht die gesamte BoD-Buchpalette verdammt. Ganz gleich, ob jemals ein Blick in eines der Bücher geworfen wurde. Daher bot ich auf meiner Website sofort Leseproben an. Doch sogar das wurde mir vorgeworfen. Mancher BoD-Gegner sah sich geradezu belästigt durch das Angebot, einfach mal reinzusehen. „Ich habe keine Lust, auf tausend Internetseiten eine Leseprobe zu nehmen, ehe ich mir ein Buch kaufe!“, war eine Aussage. Wobei ich mir dachte, musst du doch nicht! Aber warum etwas schlechtreden, was man selbst nicht kennt? Ein bekannter Autor sagte mir dann, ich solle es an mir abperlen lassen. Neid wäre ein Faktor, der zu solchen Aussagen führt. Bis dato habe ich an so etwas noch gar nicht gedacht, denn auf was war man neidisch? Schließlich kann jeder dasselbe tun wie ich.

Allerdings kann ich inzwischen auch nachvollziehen, warum einige Leute derart gereizt auf das Thema BoD reagieren. Man muss sich nur montags die neueste BoD-Bestsellerliste für Belletristik ansehen. Sex, wohin das Auge blickt. Echte Literaturthemen kommen da eher selten vor. Und leider stimmt auch das Urteil, dass eben wirklich jeder veröffentlichen kann. Und da ist dann halt auch viel Mist darunter. Aber gerade BoD-Autoren bieten meist eine Leseprobe auf ihrer eigenen Website an. Und wenn mich ein Thema interessiert, dann mache ich mir die Mühe und lese diese Kostprobe, um mir ein Urteil bilden zu können.

Konzentrierst du dich beim Schreiben jetzt bereits darauf, dass das Buch in ein bezahlbares Format passen muss? Empfindest du das als Hemmschuh oder kannst du ungestört drauflos schreiben?
Worin siehst du die Nachteile von BoD und worin die Vorteile?

Den größten Nachteil hast du eben angesprochen: bezahlbares Format. Da BoD den Verkaufspreis eines Buches rein nach der Seitenzahl und vielleicht noch farbigen Seiten berechnet, kommt jedes Buch über 300 Seiten ganz automatisch auf einen nahezu unerschwinglichen Preis von über 18 Euro für ein Taschenbuch. Daher kann man es sich als BoD-Autor einfach nicht leisten, diese Formatvorgabe aus den Augen zu verlieren. Ich spiele mit Schriftgröße, Seitenrändern und wähle ganz automatisch das Buchformat 17x22 cm, obwohl es völlig aus dem Rahmen fällt. Dafür passt am meisten rein und damit bleibt die Seitenzahl verhältnismäßig reduziert. Meine Bücher haben jeweils um die 300 Seiten, was bei einem richtigen Taschenbuch weit über 500 Seiten ausmachen würde. Doch das weiß der Leser häufig nicht, sieht den Preis und die Seitenzahl und tippt sich an die Stirn. Absolut nachvollziehbar und eigentlich geschäftsschädigend für BoD selbst.

Wirst du weiterhin bei BoD veröffentlichen oder gehst du doch noch auf Agentur- oder Verlagssuche?

Das habe ich hinter mir. Sollte mich ein Verlag oder eine Agentur entdecken, dann sollen sie mir ein Angebot machen. Dann sehe ich weiter. Sonst bleibe ich bei BoD. Ich bin mit dieser Situation eigentlich recht zufrieden. Vor allem bekomme ich keinen Zeitdruck auferlegt. Und damit kann ich mich meinem nächsten Roman so lange widmen, bis ich wirklich durch und durch zufrieden bin. Man muss nur Dan Brown als Beispiel anführen. Zwei hervorragende Romane, dann folgt Teil 3. Der Verlag übt Druck aus, das Buch floppt. Das will ich nicht erleben.

Was würdest du dem Leser mit auf dem Weg geben, wenn er zögert, ob er ein BoD-Buch kaufen soll oder nicht?

Der einfachste Tipp: Sehen Sie sich die Leseproben an. Selbst wenn der Autor keine eigene Website hat, es gibt immer noch Internetanbieter, die Leseproben von wenigen Seiten gewähren. Aber verteufeln Sie niemals alle BoD-Autoren, es gibt wahre Perlen unter ihnen. Ich habe selbst schon einige gefunden.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei Sylvia, dass sie für so viele Fragen zur Verfügung stand und uns viele Einblicke erlaubt hat.

Weiterhin aus Sylvias Feder erschienen ist:

(ISBN-13: 978-3839148297 )

Die Cover-Abbildungen werden mit freundlicher Genehmigung der Autorin verwendet.

Kommentare:

Sylvia Seyboth hat gesagt…

Möchte mich an dieser Stelle für das Interview bedanken, das mit sehr ausgefeilten Fragen glänzte.

LG
Sylvia Seyboth

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Gern geschehen, Sylvia. Wir plaudern gerne mit Autoren und sind sehr froh, dass du mitgemacht hast.

Ursula hat gesagt…

Schön von dir zu lesen. Ich freue mich schon auf dein neues Buch und bin sicher, es ist super, wie alle anderen Bücher. Beim Schreiben Musik hören, habe ich nie geschafft, ich brauch Ruhe und verzieh mich in die hinterste Ecke der Wohnung. Oder ich nehme mein Laptop und gehe in den nahe gelegenen Park. Deine Seite ist super geworden, lieben Gruß
Uschi

Aengus hat gesagt…

Liebe Ursula,
danke für das Kompliment. Ich denke jeder Autor hat seine ganz eigene Art an ein neues Werk heranzugehen. Ich benötige Musik, fast wie die Luft zum Atmen, aber manchmal sitze ich auch einfach nur im Garten, höre den Vögeln zu und werde davon inspiriert.
Bleib kreativ! Egal auf welche Weise.
LG
Sylvia

Sylvia hat gesagt…

Liebe Sinje,
ich habe Deine Bemerkung zu den häufig sehr lästigen Vergleichen mit Twilight gelesen und kann mich dem von Dir Ausgesprochenen nur anschließen. Auch ich muss mit diesen ungewollten Vergleichen kämpfen und konnte doch nicht einmal den ersten Band dieser Saga durchstehen. Und auch den habe ich erst gelesen, nachdem man mich mit diesen Vergleichen bombardierte. Es ist traurig, aber jede Form von Öffentlichkeitsarbeit zieht zwanghaft Neider nach sich. Damit muss wohl jeder Autor leben. Wenn man sich allerdins derart wenig fundierten Kritiken gegenübersieht, schmerzt es. Daher tröste Dich damit: "Auch schlechte Kritik ist Werbung."

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