Montag, 29. März 2010

.. über's Lesen und Schreiben


Es ist soweit:
Ich starte mit meinem ersten Blogeintrag, den ich direkt meinen Schreibhintergründen widmen möchte, oder anders gesagt:

Wie ich vom Lesen zum Schreiben kam.

Oft werde ich gefragt, warum ich überhaupt schreibe, denn das sei derzeit quasi eine Modeerscheinung und es schreibe einfach jeder. Zwischen den gesprochenen Zeilen ist ein „Hast du nichts Besseres zu tun?“ oft kaum zu überhören.
Die Frage, ob ich nichts Besseres zu tun habe, lässt sich mit einem „Doch, durchaus“ beantworten, denn ich schreibe, wann immer ich ein Quäntchen Freizeit erübrigen kann, aber da gibt es ein Paar fröhlicher, blauer Kinderaugen und einen Job, die immer vorgehen (müssen).

Trotzdem möchte ich dem Beispiel vieler Autorenkollegen folgen und ein wenig aus meinem Schreibstübchen plaudern.
Mein allererster Blogeintrag soll also darüber berichten, wie es dazu kam, dass auch ich zunächst zum Bleistift griff und dann später in die Tasten haute, um Ideen festzuhalten.

Obwohl ich zweifelsohne in die Kategorie der leidenschaftlichen, stets gut benoteten Schulaufsatzschreiberinnen fiel, liegt mein eigentlicher Schreibstart gerade einmal 20 Jahre zurück.
An dieser Stelle muss ich ein altersbedingtes Hüsteln einwerfen und mich entschuldigen, denn ich habe die 30 bereits überschritten.

Ich hoffe, ich darf ein wenig ausholen, und will zunächst zugeben, dass ich eine Internatsschülerin war, nicht etwa aus elitären Gründen, sondern weil ich auf genau diese Schule wollte, da sie eben Anfang der 1990er noch erweiterten neusprachlichen Unterricht bot und ich mich somit wunschgemäß mit drei neuen und einer toten Sprache beschäftigen durfte.
Damit war natürlich wöchentlich vermehrter Fahrtaufwand verbunden, und da ich aus meinem Landkreis die einzige Schülerin war, die sich freitags und sonntags im öffentlichen Verkehr auf dem Schulweg befand, galt es, allein Zeit totzuschlagen.
Eine Leseratte war ich schon damals, und meinen Bibliotheksausweis in der neuen, fremden Stadt hatte ich bereits in der ersten Woche in der Tasche.
Weil ich mich in Bus und Bahn nicht mit Schulstoff quälen wollte, begleitete mich also immer ein Buch. Ich erinnere mich, dass es mir das letzte Regal hinten rechts im Belletristikbereich der Bibliothek besonders angetan hatte, denn dort standen die Wälzer von Anne Golons Romanreihe „Angélique“, die mich dann eine Weile gefangen hielt, zumal ich mich als Französischfrischling verpflichtet fühlte, diesen Klassiker kennenzulernen, und es nicht einen Augenblick bereute.
Nun ja, so ganz stimmt das nicht. Ich bereute es durchaus, nämlich als ich am Ende dieser ersten Woche am Busbahnhof stand und meine Schulter höllisch wehtat, weil ich neben Schulmaterial auch noch Lesestoff mit nach Hause schleppte und natürlich am Sonntag wieder zurück ins Internat schleppen musste, nebst einer Wochenration an Obst und Getränken.
Tja, eReader gab es damals noch nicht, also beschloss ich, der Krankenkasse nicht mit orthopädischen Leiden zur Last zu fallen und meiner Schulter zuliebe am Wochenende auf Angélique zu verzichten. Nur fand sich nichts Äquivalentes, dem es gelang, mir zwei Stunden Fahrzeit zu vertreiben, also schlief ich bald freitags und langweilte mich sonntags … bis ich eines Tages meinen Hausaufgaben-Spiralblock aufschlug und mir dachte, ich könne doch einfach mal aufschreiben, was mir so durch den Kopf ging.
Und das Unheil nahm seinen Lauf: Ich versuchte mich an Gedichten.
Ich gebe zu, das Lyrische verschloss sich mir, und ich suche es noch heute, trotzdem war ich überaus emsig und füllte Seite um Seite mit sehr emotionalen Niederschriften, die ich hier ganz bestimmt nicht breittreten werde, es sei denn, ich werde mit ausgesuchter Höflichkeit angefleht.
Später befasste ich mich mit ab-, aber kaum tiefgründigen Kurzgeschichten und begann, die Fahrtzeit als echte Schreibzeit zu schätzen. Bald genügten mir diese vier Stunden in der Woche nicht mehr, und ich schrieb, wann immer sich Gelegenheit bot.
Frei nach Flaubert schrieb ich für mich selbst und dachte nur daran, eine Idee umzusetzen, nicht mehr und nicht weniger.
Ja, so kam ich also zum (Auf)Schreiben (meiner Gedanken).

Das Schreiben ist inzwischen mein Beruf, nur verfasse ich keine Geschichten, sondern übersetze ganz Nüchternes und Alltägliches aus meinen Arbeitssprachen ins Deutsche und schlage damit Kommunikationsbrücken.

Auf dem Weg dahin hatten mich zwar Lese- und Schreiblust einmal verlassen, aber nun sind beide Leidenschaften wieder da, und ich bin emsig mit Schreiben beschäftigt. Dass ich jemals einen kompletten Roman fertigbekomme, habe ich allerdings nie gedacht.

Warum ich schreibe?

Weil ich lese.
Weil mein Kopf voller Ideen ist, die ich nicht für mich behalten möchte.
Weil es Spaß macht, mit diesen Ideen und Worten zu jonglieren.

Die Frage, warum ich ausgerechnet über Vampire schreibe, beantworte ich im nächsten Posting.

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Dann Willkommen im Bloggerleben!
Aus welchen Sprachen übersetzt Du denn? Französisch, wenn ich das richtig gelesen habe und?
Das mit dem selber schreiben finde ich toll!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

@Soleil: Danke! Ja, Französisch stimmt. Russisch kommt dann noch dazu.

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