Mittwoch, 31. März 2010

... über Vampire

Nach der Frage, warum ich überhaupt schreibe, kommt – in der Zwischenzeit mit einem leichten Augenrollen, was ich durchaus verstehen kann – fast immer die Frage, warum ich mich ausgerechnet mit dem Vampir befasse.


Das ist so nicht ganz richtig, denn ich beschäftige mich durchaus mit vielen Themen, aber meine Leidenschaft gilt seit langem dem Vampirischen.
Nachdem ich nämlich besagtes Regalfach der örtlichen Bücherei ausgelesen hatte, suchte ich Lesenachschub und fand Bram StokersDracula“, und damit packte mich die vampirische Lesesucht.


Stephen King und Anne Rice folgten. KingsBrennen muss Salem“ ist vermutlich mein ewiger, unumstößlicher Favorit, denn ich habe mich bei keinem anderen Buch je so gefürchtet. In der Tat ist dieser Roman das einzige Buch, bei dem ich den Faszinationsfaktor „Angst“ in den Vordergrund stellen würde. Meine damalige Zimmergenossin wird sich erinnern, dass ich mich wochenlang weigerte, nachts das Fenster zu öffnen. Ich entschuldige mich an dieser Stelle nochmals bei Mona für die zahlreichen muffigen Nächte.

Ich kann kaum sagen, was mich ursprünglich am meisten am Vampirthema fasziniert hat, und ich denke, dass ich sicher in dem einen oder anderen Beitrag noch einmal darauf zurückkommen werde.
Ich will mich keiner eindringlichen Analyse hingeben, aber ich glaube, dass der Reiz für mich primär darin lag, dass der Vampir eine Dimension des Daseins verkörpert, in der etwas leben darf, obwohl es nicht mehr lebendig ist, und dabei war es für mich ganz unerheblich, ob der Vampir traditionell von Grund auf böse ist und auf Kosten des Lebens anderer existiert.
In meiner Kindheit wurde ich sehr früh mit dem Tod konfrontiert und hatte insbesondere gerade als Teenager, also in der Zeit, als ich „Dracula“ über den Weg lief, noch immer mit der Verarbeitung zu kämpfen.
Die dunkle Welt der Vampire, die so irreal ist, bedeutete eine Flucht vom Tod zum Leben, wenn auch zu einem anderen, unmöglichen Leben.
Anstatt selbst zur Nachtgestalt zu werden und in Schwarz durch den Tag zu schleichen, begann ich also das Thema niederzuschreiben, vornehmlich in Form von Kurzgeschichten. Inzwischen habe ich begonnen, die Relikte meiner Teenager-Schreibzeit zu überarbeiten, und arbeite an einer kleinen Sammlung.
Während ich anfangs vom subtilen Gruselfaktor angezogen wurde, faszinierten mich dann nach und nach die oft geschilderten Eigenschaften der Vampire, in erster Linie die Macht der mentalen Beeinflussung (ich weiß, dass eine meiner „Verfolgerinnen“ bei dem Wort mental sofort die Augen verdrehen wird, aber ich konnte an dieser Stelle einfach nicht widerstehen). Die Vorstellung des hypnotischen Blicks und der besänftigenden Stimme hat unleugbar etwas Geheimnisvolles und gleichzeitig Anziehendes. Das mögen zwar die üblichen Klischees sein, aber sie haben auch mich voll im Griff.
Inzwischen haben sich in der Literatur so viele vampirische Eigenschaften/Fähigkeiten und Erklärungsversuche herausgebildet, dass es immer mehr eigene Welten gibt.

Ich bevorzuge nach wie vor das Klassische, auch wenn ich inzwischen flexibler geworden bin.
Claude Lecouteux schreibt in seinem Buch „Die Geschichte der Vampire: Metamorphose eines Mythos“ sinngemäß, dass etwas Unerklärliches, wie Geister oder eben auch der Vampir, keine guten Absichten mit sich trägt, wenn es im Dunkel der Nacht auftritt.
Genau aus diesem Grund sehe ich den Vampir im Dunkeln, verstoßen von dem, der das Licht erschuf, schattenlos, weil sich im Dunklen schlecht Schatten abzeichnen, aber längst nicht seelenlos, also als ein Geschöpf, dessen Existenz mit dem Leben des Tages nicht vereinbar ist, das aber vielleicht gern Teil des Tages wäre. Ich empfinde das klassisch Vampirische keineswegs als verstaubt oder gar antiquiert, Konfliktpotenzial besteht nach wie vor.
Bei diesem Konfliktpotenzial setzen dann die Faktoren „Sehnsucht“ nach dem Unerklärlichen, Geheimnisvollen und „Begehren“ an, und letztendlich trieb mich das als Schreiberling und Leserin zur Romanze, wo der Vampir seine Hässlichkeit und reine Monsterhaftigkeit verliert, stattlich und ein Augenschmaus wird und eine andere Form der Realitätsflucht bietet.

Warum „Blutsuche“ auch zur Romanze wurde, berichte ich demnächst.


Foto: (c) Sinje Blumenstein

Kommentare:

JW hat gesagt…

Vampire sind doch eben wegen jener Vielseitigkeit so beliebt. Ich meine, wir alle kennen den typischen Vampir als Dracula. Doch in den Mythen und Sagen ist ein Vampir etwas ganz anderes. Dann gibt es quasi "Energiefresser" statt Bluttrinker. Und ich muss sagen, dass sich die Vampire der heutigen Zeit einfach anpassen. Heute gehen die Vampire eben zur Schule und glitzern in der Sonne :D Aber mal ehrlich... In der Evolution entwickeln sich nunmal die Menschen. Wir haben heute einen aufrechten Gang und sind weniger behaart (Die meisten von uns zumindest), wieso sollten sich denn auch nicht Vampire weiterentwickeln können. Der Fantasy der Menschen sollten keine Grenzen gesetzt werden. Dafür ist jene viel zu kostbar ;) Vampire und andere Wesen sind eben genau das, wie wir sie uns vorstellen und nicht wie sie uns vorgeschrieben werden ;)

Soleil hat gesagt…

@JW:
Das müssten dann aber die neu(er) geschaffenen Vampire sein, die ja aus den Menschen "enstehen". So ein Urvampir, warum soll der nicht wie ein Höhlenmensch aussehen? Es sei denn natürlich, es fing doch alles in Transilvanien an oder das Gehirn des Höhlenmschen-Vampirs hat mit der Moderne nicht mithalten können ...

Bin gespannt, wie Du vom Angst-Vampir zum Romance-Vampir gekommen bist (logo!).

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Danke für eure Kommentare. Meine Grübelei zum Thema Vampir ist noch nicht abgeschlossen, und ich komme bestimmt wieder darauf zurück.

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