Mittwoch, 31. März 2010

... über einen "Vampir in Untermiete" von Sylvia Seyboth (eine Rezension)

Da ich das Pferd nicht von hinten aufzäumen und eine Rezension schreiben möchte zu einer Fortsetzung, ohne mich zum ersten Band geäußert zu haben, möchte ich an dieser Stelle gern den Vampirroman einer BoD-Kollegin vorstellen, der mir in die Hände gelaufen ist, bevor ich mich selbst für BoD entschieden habe.
Obwohl dieser Erstling inzwischen vielerorts besprochen wurde, will ich nun auch noch meinen Senf dazugeben. Ich erlaube mir, meine Besprechung, die ich im letzten Jahr in meinem Buchclub vorgestellt habe, in weiten Teilen zu übernehmen (also Mädels, bitte nicht wundern).



„Vampir in Untermiete“ von Sylvia Seyboth
ISBN-13: 978-3837072471
Wie der Titel des Buches verrät, geht es um einen Vampir, der offenbar irgendwo wohnt, schließlich müssen ja auch Vampire ein Dach über dem Kopf haben, und genau das tut er, aber, und auch das verrät der Titel, nicht im eigenen Haus, sondern in einem alten Gemäuer, das soeben von der selbstverständlich ahnungslosen Kathleen Ensworthy erworben wurde.
So vergeht auch gefühlt keine Stunde, bis die Übersetzerin (liebe Sylvia, für die zwar knappe, aber unrealistische Darstellung gehörst du trotz des fantastisch-fiktiven Genres, das sich um den Broterwerb der Akteure nicht unbedingt scheren dürfte, gescholten) den Untermieter, der natürlich keine Miete zahlt, ausfindig macht.



Aber, welch Überraschung, die Hausbesitzerin denkt gar nicht daran, das Gebäude wieder zu räumen, sondern lässt sich auf das ungewohnte Arrangement ein. Offenbar beeindruckt sie damit den sonnenempfindlichen Mitbewohner, Aengus O’Donaghue, so, dass er beschließt, sie für seine Zwecke zu nutzen.
Die Handlung geht rasch voran und Aengus stellt sich flott als klassischer Vampir heraus, und Kathleen erkennt nach und nach von selbst seine kleinen Schwächen. Schließlich steht dann auch schon der erste Vampirjäger vor der Tür.

Was macht den Roman nun anders?


Auch wenn man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist Kathleen Ensworthy nicht die Hauptperson des Buches, sondern in der Tat der gute Aengus. Das weiß der Leser natürlich bereits, denn die 2. Auflage des Buches trägt den Untertitel Aengus O’Donaghue Chroniken – Teil 1, und außerdem klaut er allen anderen Charakteren mit Leichtigkeit die Butter vom Brot. Eben dieser „Held“ ist nun zwar keineswegs unmenschlich, lässt sich aber irgendwie nicht in eine Reihe mit den gegenwärtigen bildschönen, muskulösen Vampiren, denen die legendären Schwächen abhanden gekommen sind, in eine Reihe stellen.
So geht er des Nachts eben mal auf die Jagd und bedient sich im Dorf, aber er sucht sich schon mal ein Opfer, das seinen 350 Jahre alten Moralvorstellungen nicht entspricht.
Allerdings will er auch sein eigenes „Leben“ führen, was er in der Tat sogar immer vor das Leben anderer stellt, und weigert sich, sich nach den Vorgaben und Traditionen der Vampirgilde zu richten.
Genau dort entsteht das Konfliktpotenzial, das einem Teil der Protagonisten zum Verhängnis wird. Und auch wenn ich nicht viel spoilern mag, muss doch erwähnt werden, dass die sich zwangsläufig vorsichtig anbahnende Liebesgeschichte in sexueller Hinsicht nicht vollendet. Wer also auf eine heiße Lovestory aus ist, sollte besser die Finger von diesem Roman lassen.


Ich habe die Lektüre sehr genossen und mich nicht einen Augenblick gelangweilt. Es ist dem Roman anzumerken, dass er nicht auf einen in sich geschlossenen Band ausgelegt ist, denn im Verlauf bleiben einige Fragen offen und auch das Ende ist wirklich unbefriedigend für den Happy-End-Fan.
Allerdings kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob nicht eine Kurzgeschichte von Anne Rice bei der Idee Pate gestanden hat, nämlich: „Der Herr von Rampling Gate“, erschienen in der Anthologie: Das Beste von Dracula, Hrsg. Byron Preiss, deutsche Ausgabe 1992, Bastei Verlag, ISBN 3-404-13397-8.


Wer also mal etwas „anderes“, eher klassisch Inspiriertes lesen möchte, das dem ursprünglichen Genre „Vampirroman“ eher einzuordnen ist als die aktuellen paranormalen Romanzen (die ich liebe und nicht missen möchte), ist mit Sylvia Seyboths „Vampir in Untermiete“ gut beraten.


Die Fortsetzung gibt es inzwischen auch, und ich habe sie mittlerweile gelesen, sodass ich meinen Lesebericht demnächst hier präsentieren werde.

Schaut auf die Website der Autorin für weitere Informationen zu ihren vielseitigen Romanen und Leseproben
http://sylviaseyboth.cms4people.de/


Die Abbildung des Covers erfolgt mit Erlaubnis der Autorin.

Bewertung: 5 von 5 Weißdornzweigen 


Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...