Montag, 18. August 2014

... über "Der eiserne Sommer" von Angelika Felenda

Angelika Felenda 

Lebendiges Krimidebüt mit historischem Flair 

(c) Suhrkamp nova - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt: 

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wird am Isarufer die Leiche eines jungen Mannes geborgen. Was auf den ersten Blick nach einem unglücklichen Trunkenheitsunfall aussieht, mündet für Kommissär Sebastian Reitmeyer in komplizierten Ermittlungen. Bald führen ihn die Spuren in die homosexuellen Kreise Münchens und schließlich auch in die höhere Gesellschaft, in der er sich ein selbst bewegte. Bei einem Toten bleibt es nicht, und als es Reitmeyer endlich gelingt, die losen Fäden zu verknüpfen, sind ihm die Türen verschlossen ... 

Meine Meinung:

Der Kriminalroman „Der eiserne Sommer“ ist nicht nur der Auftakt einer Serie um Kommissär Reitmeyer, sondern auch der erste Roman der Autorin Angelika Felenda, die Geschichte und Germanistik studierte und als Literaturübersetzerin arbeitet.
Mit „Der eiserne Sommer“ ist der Autorin ein solides Krimidebüt gelungen, das in erster Linie mit lebendigen Figuren und lesenswertem historischem Flair überzeugen kann.
Ihren Kommissär legt sie weniger als brillanten mechanischen Ermittler denn als Menschen mit Vergangenheit und nachvollziehbarer Gegenwart an. So entsteht eine Figur, der man gerne über die Schulter sieht. Unaufdringlich verflechtet Felenda den Alltag des Ermittlers mit seinen beruflichen Wegen und zeichnet somit ein rundes Bild ihres Protagonisten, der beruflich und privat einigen Wirrungen ausgesetzt wird, die zeitgemäß allerdings leise und beinahe unter Wahrung der Etikette erzählt werden. Obwohl Reitmeyers Vorgeschichte bereits stark beleuchtet wird, bleibt er dennoch hinreichend verschlossen, um Lust auf mehr zu machen. Ermittler ohne Geschichte und Makel sind mir ohnehin ein Dorn im Auge.
Reitmeyers erster literarischer Fall verdeutlicht Moralvorstellungen und Lebensweisen seiner Zeit und nährt seinen Spannungsfaden aus der Grenzen, an die der junge Ermittler immer wieder stößt. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Krieges rückt die Geschichte in besonders prekäres Licht und bietet interessante Erkenntnisse, ohne jedoch besonders wendungsreich zu sein.
Dass es dennoch nicht langweilig wird, ist auch der Figur der Caroline zu verdanken. Als Aushilfsgerichtsmedizinerin eingeführt, stellt sich heraus, dass sie Reitmeyers Jugendschwarm war. Aber anstatt klischeehaft auf eine Welle der Wiederbelebung alter Schwärmerei zu reiten, wird die Medizinerin Caroline zu einer wichtigen, hilfreichen Figur, die nicht frei von Fehl und Tadel ist.
Geschickt führt die Autorin moralische, rechtliche und technische/wissenschaftliche Grenzen zueinander, um ein authentisches Bild der Polizeiarbeit vor hundert Jahren zu zeichnen, ohne sich in drögen Detaildarstellungen zu verlieren.
Ich empfand es sogar als höchst erfrischend, in diese etwas entschleunigte, ältliche Szenerie einzutauchen, in der sich Polizei und Verdächtige keine wilden Verfolgungsjagden liefern konnten und der Ermittler lediglich ein Fahrrad als fahrbaren Untersatz sein Eigen nennt. Unterstützt wird das historische Flair durch Dialoge, die glaubwürdig gestaltet sind, aber keineswegs verstaubt oder aufgesetzt daherkommen.   
Alles in allem erzählt Felenda eine runde Geschichte, die deutliches Interesse an ihrem Protagonisten Reitmeyer weckt und ihm, auch angesichts des historischen Settings, das ihn zwangsläufig nicht in München verharren lassen kann, Entwicklungsmöglichkeiten für weitere Geschichten bietet. Neugierig auf mehr bin ich nun allemal. 

Fazit:
Ruhig erzählter Kriminalroman, der vor interessanter, glaubwürdiger historischer  Kulisse zwar nicht mit klassischer Raffinesse besticht, aber Figuren mit Sympathiepotenzial bietet, die im Handlungsverlauf für Leben sorgen und kleinere Längen spielend überbrücken. Ein menschelnder, stilvoller Ermittlerkrimi, der auch ohne atemberaubende Wendungen und Action spannend und lesenswert ist. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen




Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 435 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (18. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518465422
  • ISBN-13: 978-3518465424
  • Neupreis: 14,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich.  

Freitag, 11. Juli 2014

... über "SEAL-Team 12: Gebrochene Versprechen" von Marliss Melton

Marliss Melton

Toughe Charaktere weichgespült

(c) Egmont Lyx - Bildlink zu Amazon
Wichtiger Hinweis: 
Spoilergefahr! Es handelt sich um den zweiten Band von Marliss Meltons SEAL-Team-12-Reihe, in dem die Handlung aus dem Reihenauftakt wieder aufgegriffen wird. Protagonisten treten erneut auf und der Fall des ersten Bandes wird hier zu einem Abschluss geführt. 
 
Zum Inhalt:
Das SEAL-Team 12 setzt alles daran, den Namen seinen Vorgesetzten Gabriel Renault wiederherzustellen. Noch immer ist der Verräter in den eigenen Reihen nicht gefasst und Renault steht unter falschem Verdacht. Eine wichtige Zeugin ist Hannah Geary von der DIA. Ihr Vorgesetzter war in der Lage, wertvolle Beweise zusammenzutragen. Doch bevor die Verteidigung eine Chance hat, diese in ihre Hände zu bekommen, ereilt ihn ein tödlicher Unfall, und kurze Zeit später ist auch Hannah verschwunden. Offenbar wurde sie entführt. Lt. Luther Lindström und Chief Westy McCaffrey erhalten vom FBI den Auftrag, Hannah zu finden und zu befreien. Genau im rechten Moment entkommt die DIA-Agentin jedoch aus eigener Kraft und fällt mit perfektem Timing in Lindströms kräftige Arme. Der ist beeindruckt von der klugen jungen Frau, und bald befinden sich Luther, Westy und Hannah auf nicht ungefährlicher Spurensuche. Immer mehr fühlen sich Luther und Hannah zueinander hingezogen, doch die Zeichen stehen nicht gut. Es hat sie nicht nur das gesuchte "Individuum" ins Visier genommen, sondern beide haben auch noch konträre Lebensvorstellung, die der wahren Liebe in die Quere kommen könnten. Denn Hannah will unbedingt zurück zur CIA und ihre Traumkarriere als Nachrichtenagentin antreten ... 

Meine Meinung: 
Marliss Meltons Reihenauftakt "Aus dem Dunkel" hatte mir Lust auf mehr vom SEAL-Team 12 gemacht. Immerhin blieb der Ausgang der Hintergrundgeschichte vage, und die harten Kerle mit dem weichen Kern kamen durch die Bank so sympathisch rüber, das ich weiterlesen musste. 
Im Fortsetzungsband kann Marliss Melton die Vorschusslorbeeren leider nicht komplett verdienen. 
Zum einen liegt das daran, dass es nach meinem Empfinden etwas zu früh für Luthers Story ist. Kaum hat er sich im Reihenauftakt von seiner Verlobten getrennt, wird ihm im zweiten Buch umgehend das ultimative Love Interest in die Arme gespült. Auch wenn Luther ein sehr ansprechender Charakter ist - besonnen, stark, mit Gespür für die Gefühle und Sorgen des anderen - habe ich ihm beim Lesen unbewusst den Stempel des Verzweifelten aufgedrückt, den er bis zum Schluss nicht mehr los wurde. Immer wieder hebt die Autorin hervor, er sei "auf der Suche" nach einer Frau und Hannah sei nicht die Frau, die er suche. Dabei wird der Grund einer solchen Suche nur bedingt deutlich, und das Einsamkeitsargument schreit förmlich nach Klischee. Nichtsdestotrotz verkörpert er den typischen Helden, an den man sich nur liebend gern anlehnen möchte. In dieser Geschichte kommt ganz klar der weiche Kern noch vor der harten militärischen Hintergrundstory. 
Erfreulicherweise wird Hannah als starke - mit sechsundzwanzig Jahren noch recht junge - Frau charakterisiert, die klug handelt und das eine oder andere Ass im Ärmel hat, das einem Mann, der von Vorurteilen gegenüber dem weiblichen Geschlecht erfüllt ist, schon mal die Kinnlade herunterklappen kann. Obwohl mit einigem Vitamin B gesegnet, weiß Sie sich zu helfen und erfolgt ein ehrgeiziges Karriereziel, wird aber ein ums andere Mal von ihrer Vergangenheit, dem schmerzlichen Verlust ihrer Eltern, ausgebremst.
Die zum Scheitern verurteilten Versuche der Hauptprotagonisten, sich voneinander fernzuhalten, sind amüsant zu lesen und sorgen für das nötige Knistern. Auch verliert die Autorin nicht aus den Augen, dass es in ihrer Geschichte um mehr als nur eine Romanze geht, denn schließlich muss ein heikler Fall gelöst werden, der nicht von zu viel Anhimmeln und Erotik ausgeknipst werden darf. Die Mischung ist dementsprechend ausgewogen, und die Autorin zeigt ein gutes Gefühl für Timing. 
Leider gestaltet sich der Fall um den Vorgänger-Helden etwas platt. Ich muss gestehen, dass mich allein schon die Bezeichnung "Individuum" für den gesuchten Verräter einigermaßen amüsiert hat. Außerdem ist dieser Handlungsstrang vorhersehbar und selbst ich, die ich doch sonst immer bis zum letzten Satz den Gärtner verdächtigte, hatte den wahren Übeltäter in Handumdrehen entlarvt. 
In einer weiteren Nebenhandlung setzte Marliss Melton außerdem meinen Hoffnungen auf eine eigene Story zwischen Sebastian und Leila ein jähes Ende. Wie bereits im ersten Band erhielt dieses Paar so viel Raum, dass die Haupthandlung mitunter gestört wurde. Allerdings habe ich den Eindruck, diese Romanze könnte nun auserzählt sein, denn Sebastian hatte sich im Reihenauftakt als lesenswerter Charakter in mein Herz geschlichen. 
Für umfassende Spannung und nie langweilige Lektüre sorgen schnelle Schauplatzwechsel, die nicht selten in der Nacht angesiedelt sind und einen Hauch von Gefahr mitbringen, aber auch kleine peinliche Szenen und tiefergehendere Dialoge. 
Im Endspurt hat es die Autorin meiner Meinung nach dann etwas mit Hollywood übertrieben und zudem Hannah so stark in Kompromisse gezwängt, dass sich mir ein zu weichgespültes Gesamtbild ergab. Warum der Roman im Deutschen "Gebrochene Versprechen" heißt, will sich mir im Übrigen nicht so ganz erschließen.
Trotzdem habe ich immer noch Lust auf mehr Geschichten vom SEAL-Team 12. Und das will was heißen, denn eigentlich hatte ich mir ja zum Grundsatz gemacht, Reihen künftig zu meiden!

Fazit: 
Zweiter Band einer Military-Romance-Reihe, der inhaltlich den Vorgängerband aufgreift, mit neuem, leidenschaftlicherem Paar und großen Gefühlen aufwartet, aber insgesamt weicher und vorhersehbarer ist und die im Reihenauftakt begonnene Geschichte zu einem etwas übereilten Abschluss bringt. Trotzdem empfehlenswert.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Egmont LYX; Auflage: 1 (12. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Ralf Schmitz
  • ISBN-10: 3802584635
  • ISBN-13: 978-3802584633
  • Ladenpreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

... über "If you leave - Niemals getrennt" von Courtney Cole

Courtney Cole

Viel Hollywood-Dramatik, viele Emotionen - oft ehrlich, oft zu viel

(c) Knaur - Bildlink zu amazon
Wichtiger Hinweis: 
"If you leave - Niemals getrennt" ist die Fortsetzung von "If you stay - Füreinander bestimmt". Die Geschichte der Protagonisten dieses ersten Bandes wird hier in einem nicht unwesentlichen Handlungsstrang fortgeführt. Die vorliegende Rezension enthält somit zwangsläufig Spoiler und sollte nur gelesen werden, wenn Band 1 bereits bekannt ist. 
 
Zum Inhalt:
Jacey hat schon recht: Madison braucht mal einen Tapetenwechsel. Die Verantwortung für das Familienrestaurant und ihre jüngere Schwester Mila hat sie voll im Griff. Für Spaß und Männer nimmt sich Madison keine Zeit mehr in ihrem Leben. Wenigstens lebt Mila inzwischen ihr eigenes Leben, hat einen Mann an ihrer Seite. Also lässt sich Madison von ihrer Freundin und Mitarbeiterin Jacey breitschlagen, mit ihr in Chicago auszugehen. Und prompt läuft sie einem gutaussehenden Typ über den Weg. Wagemutig wirft sie sich ihm an den Hals, doch die vielsprechende Taxifahrt mit ihm endet mit einem Unfall. Unversehrt davongekommen, aber Stimmung im Eimer. Und zu allem Übel klappt der heiße Typ auch noch zusammen und muss von Madison nach Hause gebracht werden. Als er kurze Zeit später in ihrem Restaurant auftaucht und sich als Jaceys Bruder Gabriel entpuppt, ist das Knistern trotzdem wieder da. Und es wird Madison bewusst, dass sie sich mehr wünscht als eine stürmische Nacht. Doch sie hat Angst, verletzt zu werden, und Gabriel scheint genau der Mann zu sein, der sie mit Sicherheit verletzen wird. Denn dem ehemaligen Ranger gelingt es nicht, die Dämonen seiner Vergangenheit, die ihn Nacht für Nacht heimsuchen, loszuwerden ... 

Meine Meinung: 
"If you stay - Füreinander bestimmt" hatte mich zwar nicht umwerfen, aber auf seine Weise mitreißen und berühren können. Dennoch war ich mir unschlüssig, ob mich Madisons Geschichte wirklich interessierte. Im Reihenauftakt war ihr zwar eine wichtige Nebenrolle zugekommen, doch mehr als einen überfürsorglichen Eindruck hatte ich nicht von ihr gewonnen. 
"If you leave - Niemals getrennt" beleuchtet ihren Charakter nun näher und nutzt dazu auch die Protagonisten des ersten Bandes. Nicht nur deshalb empfiehlt es sich, die beiden Romane in Folge zu lesen. Mila und Pax bilden mit eigenem Handlungsstrang einen wesentlichen Teil des Buches. Damit wird auch die enge Beziehung der Schwestern, die im ersten Roman als feststehender Fakt hinzunehmen war, noch einmal untermauert und nachvollziehbarer gestaltet. 
Strukturell und stilistisch richtet sich die Autorin nach ihrem Vorgängerroman: Wieder lässt sie die beiden Hauptcharaktere in die Ich-Perspektive schlüpfen und ihre Geschichte im Präsenz erzählen. Dabei knüpfen die Perspektivenwechsel manchmal nahtlos aneinander an,  um eine Szene aus beiden Blickwinkeln zu schildern, ein anderes Mal sind die Erzählungen räumlich und zeitlich getrennt. Auch wenn ich nicht explizit nachgezählt habe, gewann ich allerdings den Eindruck, dass Madison insgesamt mehr Aufmerksamkeit bekam. Daher wirkten die Wechsel zu Gabriel stellenweise abrupt, insbesondere, weil seine Empfindungen oft in krassem Gegensatz  zu Madisons Wahrnehmungen stehen und damit liebevolle Begegnungen nachträglich einen unangenehmen Schatten erhalten. Unter anderem auch, weil Madisons Part eine Nuance weicher mit einem Hauch von Hilfsbedürftigkeit erzählt wird, selbst wenn sie kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade heraus spricht.
In "If you leave - Niemals getrennt" lebt die Autorin zudem einen Hang zu besonderer Dramatik aus und spart nicht an Klischees. Bereits im Vorgänger hatte sie es den Protagonisten nicht leicht gemacht, aber nach meinem Dafürhalten Pax' Drogenproblem stark entschuldigt und heruntergespielt, ihn quasi auf den letzten Seiten erkennen lassen, wo die Ursache seines Verhaltens liegt und ihn im Schnelldurchlauf kuriert. In der Fortsetzung erleben wir ihn als geläuterten Ehemann und werdenden Vater, dessen rauher maskuliner Touch gerade mal noch in Fitnessstudiobegegnungen mit Gabriel aufflackert. Im Gegensatz zu Pax nimmt sich die Autorin Zeit, Gabriels posttraumatische Belastungsstörung von Anfang bis Ende aufzuarbeiten. Daneben lastet sie aber auch Madison und dem Paar des ersten Bandes so manches Päckchen auf, sodass die 423 Seiten schlussendlich mit Ereignissen und Dramatik vollgestopft sind. Als Handlungsvehikel erfüllen sie ihre Aufgabe zwar treffsicher, sind aber in der Summe sicher zu viel, als ein Protagonist in einer so kurzen Zeit ertragen kann. Auch meine ich, dass insbesondere Pax und Mila, nachdem sie im ersten Band auf eine harte seelische Probe gestellt worden waren, nun etwas weniger Sorgen hätten vertragen können. Immerhin hat Madison, deren Schicksal so stark mit ihrer Schwester verquickt wird, auch so schon genug um die Ohren. Was mit einem Autounfall, der noch glimpflich ausgeht, beginnt, schliddert oft knapp an den Abgrund und gipfelt schließlich auch noch in einem Todesfall. Und zwischendurch muss sich noch eine Überschwemmung ereignen. Das klingt stark nach dem Stoff für eine Woche Daily Soap, lässt beim Lesen aber keine Langeweile aufkommen. Im Original heißt die Reihe, die inzwischen schon bei Buch 4 angekommen ist, wahrscheinlich nicht umsonst "Beautifully Broken" ...
Während es der Autorin gut gelingt, das unverkennbare Knistern zwischen Madison und Gabriel nicht zu überreizen und ihre intimen Momente mit gutem Instinkt zu platzieren, übertreibt sie es im letzten Drittel deutlich mit Soap-Elementen und klischeehaftem amerikanischem Pathos. Damit gelangte ich beim Lesen an einen Punkt, an dem ich mich zwischen Augenrollen und Tränchenverdrücken nicht mehr entscheiden konnte. 
Bis auf den Grundtenor der Zähmung und Kurierung des männlichen Problemcharakters hat mir die Figurenzeichnung in "If you leave - Niemals getrennt" recht gut gefallen. Besser noch als in Band 1, da es der Autorin hier gelingt, die Charaktere und ihre Entwicklung abzurunden und ihnen einen ballastfreien Neuanfang zu ermöglichen, der versöhnlich stimmt und dem Romanzenfreund gefallen dürfte. Als undankbaren Ausrutscher betrachte ich den Nebencharakter des Ethan, der buchstäblich nach der Holzhammermethode als Alibi-Love-Interest eingeführt wird und dann sang- und klanglos aus der Story purzelt. 
Ein wahres Ärgernis aber stellt für mich die sprachliche Umsetzung des Romans im Deutschen dar. Nun mag man mich für einen Sprachverfechter halten, und vor sprachlichen Fehltritten bin auch ich nicht gefeit, dennoch geht es mir gegen den Strich, dass mir neuerdings immer mehr Bücher unter die Augen kommen, deren Übersetzung tatsächlich nach Übersetzung klingt. Sicherlich wandelt sich die Sprache und schnappt fremdsprachige Einflüsse auf, aber warum sollte zumindest in der Schriftsprache nicht unsere eigene Idiomatik beibehalten werden? Nichts dagegen habe ich, dass die Protagonisten wie die Kesselflicker fluchen und alle paar Zeilen bzw. mehrmals im Satz "verdammt" geschimpft wird - das passt, wie Leseproben zeigen, zum Original, in dem das F-Wort ebenfalls sehr strapaziert wird. Ausdrücke wie "Pass auf deinen Rücken auf!" oder "Hölle, ja" und anderes, das ich inzwischen wieder vergessen habe und auch nicht notieren wollte (schließlich wollte ich ja lesen!), stoßen mir jedoch beim Lesen genauso unangenehm auf wie Anschlussfehler in Relativsätzen, wenn "dessen" und "deren" verwechselt werden. 
In Übersetzung und Lektorat mit der heißen Nadel gestrickter Lesestoff bietet mir leider nur halbes Lesevergnügen. 
Ich betrachte nach diesen beiden Bänden die Geschichte um die Familie von Mila und Madison nunmehr für mich als abgeschlossen. Weitere Fortsetzungen sind sicherlich bisherigen Nebencharakteren gewidmet, die ebenfalls dem "Beautifully-Broken"-Schema gerecht werden, sich allerdings bislang so wenig hervortun konnten, dass ich mich nach ihrer eigenen Story verzehren würde. 

Fazit: 
Klischeegespickte Fortsetzung um problembeladene, aber nicht unsympathische Charaktere. Ein Übermaß an Dramatik und Pathos sorgen für Soap-Feeling und minderne den Tiefgang, dafür können aber treffsicher platzierte erotische Szenen, authentische Anziehung zwischen den Protagonisten und ehrliche Tränen angenehm emotionale Lesemomente bescheren.

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten: 

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Silvia Gleißner
  • ISBN-10: 3426515288
  • ISBN-13: 978-3426515280
  • Originaltitel: If You Leave
  • Ladenpreis: 8,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 

Mittwoch, 25. Juni 2014

... über "Drei Wünsche hast du frei" von Jackson Pearce

Jackson Pearce

Vorhersehbarer Paranormal für Jugendliche

(c) Knaur - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Als Viola noch mit Lawrence ging, war die Welt in Ordnung. Sie gehörte dazu. Doch seit er sich geoutet hat und sich das Paar trennte, hat das Mädchen das Gefühl, unsichtbar zu sein. In ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit beschwört Viola versehentlich einen Dschinn. Für ihn ist sie ein Job, den er so schnell wie möglich hinter sich bringen will, denn jeder Tag, den er zu lange in der Menschenwelt verbringt, lässt ihn nicht nur langsam altern, sondern geht ihm auch gehörig auf den Geist. Doch Viola hat es so gar nicht eilig mit den drei Wünschen, die er ihr gewähren muss. Also hat Viola den gutaussehenden Dschinn fortan an der Backe. Und bald schon stellt dieser fest, dass es in Violas Gesellschaft in der Menschenwelt gar nicht mal so schlecht ist, und bricht eine Dschinn-Regel nach der anderen ... 

Meine Meinung: 
Wenn ich ehrlich bin, reizte mich Jackson Pearces Geschichte nicht sonderlich. Die mythologische Figur der Dschinn und ihre Fähigkeit bzw. Pflicht, demjenigen, der sie herbeiruft, drei Wünsche zu gewähren, sind kein brandneues Thema der Literatur und werden auch im Fernsehen nicht ausgespart. Damit sind sie von vornherein kein Thema, nachdem ich mir von vornherein die Finger lecken würde. Interessanter allerdings war die Frage, welche Wünsche wohl die Schülerin haben könnte. 
"Drei Wünsche hast du frei" ist ein recht kurzer Roman, der seine Geschichte schnell und locker erzählt, dabei auf unnötige Schnörkel verzichtet, allerdings auch nur zwischendurch unterhält und wohl eher für den schnellen Konsum gedacht ist. 
Hauptcharakter Viola ist auf den ersten und zweiten Blick kein besonders interessanter Charakter. Sie zeichnet sich zwar durch eine gesunde Portion Gerechtigkeitssinn aus und dürfte mit ihrer Leidenschaft für die Malerei eine gute Beobachterin sind, ansonsten aber tut sie sich nicht besonders hervor, sondern nervt mitunter mit ihrem Gejammer, dass sie ja ach so unsichtbar ist. Damit spricht die Autorin durchaus ein Problem an, dass der jugendlichen Zielgruppe nicht fremd sein dürfte. Dass Viola eine gewisse Ausweglosigkeit empfindet und sich nicht aus eigener Kraft sichtbar machen kann, ist sogar nachvollziehbar. Und genau da tritt der Dschinn als paranormales Element auf den Plan, denn ansonsten scheint es in Violas Leben keinen ordentlichen Halt zu geben. Ausgenommen Ex-Freund Lawrence, der, obwohl Nebenfigur, überraschend vielschichtiger als das Mädchen. Und das nicht nur aufgrund seiner Homosexualität, zu der er sich inzwischen offen bekennt. 
In Szenen, die er sich mit Viola oder, später, mit dem Dschinn teilt, zeigt er sich als besonnener, nachdenklicher Analysator und versteht so manche Situation und manches Gefühl viel besser als Viola, die in ihrem berechtigten, aber arg lang ausgewalzten Schmerz oft oberflächlich verharrt. 
Der namenlose Dschinn wird leider dem Klischee gerecht und bezirzt das Mädchen mit exotischem Aussehen, güldener Haut und einem Hauch von betörender Weltfremdheit. Erwartungsgemäß wandelt er sich vom grummeligen Fremdling zum einem Wesen, das nachdenkt und sich nicht mehr nur oberflächlich Gedanken um sein Alter macht. Für einen kurzen Moment nur kann man sogar dem Irrtum aufsitzen, dass der Dschinn, nachdem er eine weitere Regel bricht und sich Violas Ex, aber trotzdem bestem Freund Lawrence zeigt, gar nicht für das Mädchen bestimmt sein könnte. 
Nach und nach werden Violas Wünsche gar nicht mehr so wichtig, sondern Mensch und Dschinn genießen die Gegenwart des anderen, und während der Dschinn eigentlich zu viel von seiner Heimat Caliban preisgibt, versucht er sogar, Viola an weiteren Wünschen zu hindern. Was Viola allerdings für ihn so bunt und interessant macht, dass der wertfreie, emotionslose Dschinn, der nur nach Befehlen handelt, plötzlich zu Eifersucht in der Lage ist, erschloss sich mir nicht.
Solcherlei Entwicklung konnte die Autorin natürlich nicht ohne Konsequenzen belassen ... doch diese kommen spät, mischen die Geschichte aber noch einmal ordentlich auf, und das tat ihr auch richtig gut. Gut gefiel mir in diesem Zusammenhang auch, dass Viola so in die Bredouille geriet und sich nicht naiv irgendwelchen Blödsinn wünschen konnte, sondern gezwungen war, nachzudenken und schlussendlich nicht selbstsüchtig zu handeln.
Dass "Drei Wünsche hast du frei" einen schweren Stand bei mir hatte, lag sicherlich auch an der Sprache. Viola und der Dschinn werden als gleichberechtigte Protagonisten vorgestellt und dürfen ihre Parts aus der Ich-Perspektive erzählen, jeweils durch die Überschrift "Viola" und "Dschinn" kenntlich gemacht. Die Perspektiven wechseln dabei innerhalb einer Szene, unterscheiden sich sprachlich aber kaum, was wohl daran liegt, dass die Dschinn sich immer perfekt an ihre Aufträge anpassen können. Insgesamt allerdings wirkte die Sprache auf mich zu stark auf jugendlich getrimmt. Das Wort "Ja" gibt es offenbar in Violas Highschool-Welt offenbar nicht. Immer wieder "yeah"-en sich die Protagonisten an, sodass meine Toleranzgrenze recht schnell erreicht war. In Pearces Kontext kam mir das trotz Partyszenen und Highschool-Flair zu aufgesetzt und zu rockig vor. 
Alles in allem ist "Drei Wünsche hast du frei" ein netter Roman für Jugendliche und dürfte mit seinen Themen die Zielgruppe auch ansprechen. Mich hat er für ein paar Stunden recht gut unterhalten - nicht mehr und nicht weniger. 

Fazit: 
Märchenhaft inspirierte paranormale Romanze, die jugendliche Problemthemen wie Ausgrenzung, sexuelle Identitätssuche und erste Liebe anreißt, aber an der Oberfläche stecken bleibt und keine romantische Stimmung aus 1001 Nacht zu erzeugen weiß. Trotzdem eine nette, unterhaltsame Leseempfehlung für zwischendurch.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Christine Gaspard
  • ISBN-10: 3426507331
  • ISBN-13: 978-3426507339
  • Neupreis: 8,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

Dienstag, 24. Juni 2014

... über "SEAL-Team 12: Aus dem Dunkel" von Marliss Melton

Marliss Melton

Eine zweite Chance für einen spannenden Neuanfang

(c) Egmont Lyx - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Helen hat mit dem Verlust ihres Mannes abgeschlossen und ist bereit, ein neues Leben zu beginnen. Doch dann erhält sie einen unerwarteten Anruf: Nach einem Jahr ist Gabe, bereits für tot erklärt, wieder aufgetaucht. Der Alte ist er aber nicht. Nach Gefangenschaft und Folter in Nordkorea hat der toughe SEAL Gedächtnislücken und kann sich nicht an die vergangenen drei Jahre erinnern. Seine Frau und deren Tochter, die sie mit in die Ehe gebracht hat, kennt er nicht, die gefährliche Mission, von der er nicht zurückgekehrt war, liegt im Nebel. Auf Anraten des Psychologen holt Helen Gabe nach Hause und muss sich nun nicht nur ihren eigenen Gefühlen stellen und hinterfragen, ob sie ihre unglückliche Ehe wider ihren Absichten aufrechterhalten will. Mit dem veränderten Gabe hält aber auch Gefahr Einzug in ihr Heim, denn der Mann, der mehr mit seinem SEAL-Team als mit Helen verheiratet war, leidet unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und hat sich nicht immer unter Kontrolle. Und während da draußen jemand unbedingt verhindern will, dass Gabes Erinnerung an seinen letzten Auftrag zurückkehrt, setzt dieser alles daran, Helen für sich zu gewinnen ... 

Meine Meinung: 
Marliss Meltons Auftakt zu ihrer SEAL-Team-12-Reihe ist inzwischen beinahe schon betagt und verstaubte geraume Zeit in meinem Regal. Wahrscheinlich, weil ich nach einigen Enttäuschungen lange keine Lust auf Romantic-Thrill-Geschichten hatte. 
Aus dieser Lustlosigkeit hat mich die Autorin in Nullkommanichts herausgeholt. 
Die Konstellation "gequälter Held, der von einer starken Frau gerettet werden muss" gefiel mir gut, zumal hier auch noch alltägliche, aber für Liebesromane eher unkonventionelle Familienverhältnisse angesprochen werden. Zumindest habe ich noch nicht oft Geschichten gelesen, in denen die Protagonistin ein uneheliches Kind hat. 
Das ist nämlich bei Helen der Fall. Ihre pubertierende Tochter stammt nicht aus der Ehe mit Gabe und die Autorin nutzt diese Tatsache geschickt, um die Charakterwandlung ihres Protagonisten zu verdeutlichen. Auch sind die Beteiligten in einem für mich identifikationsfähigem Alter und gehen nicht mehr unrealistisch unentschlossen durchs Leben. In dem Jahr nach Gabes vermeintlichem Tod hat sich Helen, selbst in einer Militärfamilie aufgewachsen, ein unabhängiges Leben aufgebaut und macht einen erwachsenen, verantwortungsbewussten Eindruck. Verantwortungsbewusstsein ist es dann wohl auch, das sie über ihren Schatten springen und Gabe wieder in ihr Leben holen lässt. Nur so  lange, bis er aus dem Gröbsten heraus ist, so denkt sie sich. Aber erstens kommt es anders, und zweitens ... 
In ungekünstelten Szenen schildert Marliss Melton die Rückkehr des traumatisierten Mannes in den Alltag. Schritt für Schritt lernt er seine Familie neu kennen, versucht sich als Vater und verliebt sich in die eigene Ehefrau. Der Verlust von drei Jahren und damit auch ein Stück Verlust des Selbst wird glaubhaft vermittelt, soweit es Genre und Umfang zulassen. Melton liefert kein Psychogramm einer posttraumatischen Belastungsstörung, gestaltet Gabe aber keinesfalls als übermenschliches Wunderkind, das sich nach einem Jahr Gefangenschaft vom gefühlsarmen Elitesoldaten mir nichts dir nichts in einen familienorientierten Ehemann verwandelt. Immer wieder konfrontiert sie ihn mit Situationen, die den alten und neuen Gabe herausfordern, lässt ihn wachsen und zu einer Figur werden, die man nicht bemitleidet, der man es aber auch unkontrollierte Handlungen nachsehen kann.
Genrebedingt legt die Autorin die Romanze vorhersehbar an, stört sie aber spannungsreich durch Gabes Ausfälle, die Helen auf authentische Weise sogar in körperliche Gefahr bringen, und streut Konflikte, die sich eben nicht durch ausgewalzte Schäferstündchen lösen lassen. Auch wenn zwischen Helen und Gabe unverkennbar knistert, lässt sich Melton in Liebesdingen Zeit. Sie räumt beiden genügend Raum ein, sich (neu) kennenzulernen, womit auch der Leser Gelegenheit erhält, sich an die Charaktere und ihre Situation zu gewöhnen. So stoßen die im Prolog erwähnten Teammitglieder erst später wieder zur Story, wo sie dann zu einer Beschleunigung und Klärung der Nebenhandlung beitragen. Diese unterstützt die Liebesgeschichte, ohne sie auszuschalten, und liefert gleichzeitig unaufdringlich Hintergrundinformationen über die SEALs.
Damit bietet "Aus dem Dunkel" eine angenehm ausgewogene Lektüre, die Romanzenfreunde zufriedenstellt, aber die Leser, die an "technischeren" Aspekten interessiert sind, nicht im Regen stehen lässt. 
Einzig als störend empfand ich, dass Marliss Meltons Roman auf Biegen und Brechen als Auftaktroman konzipiert ist und das Paar  Sebastian und Leila bereits als Potentaten für einen eigenen Roman nicht nur vorgestellt werden, sondern bereits so ausufernde Szenen erhalten, dass die Haupthandlung unnötig hinausgezögert wird. 
Nach meinem Empfinden hat es dem Roman der Einsatz von zwei Übersetzern ebenfalls nicht gut getan, denn das eine ums andere Mal gab es Stolperstellen, die ich anfangs  noch notieren wollte, dann aber schlichtweg ad acta gelegt habe, weil mir der Roman und seine Charaktere insgesamt fesselnde Lesezeit beschert haben und ich am Ende sogar ein Tränchen verdrücken musste.
Band 2 - natürlich bereits  genauso betagt wie der Reihenauftakt - hat inzwischen auch Einzug in mein Regal gehalten und wird dort keinesfalls so lange ungelesen verstauben wie der erste.

Fazit:
Mitreißender Auftaktroman einer Romantic-Thrill-Reihe um das SEAL-Team 12, in dem sich emotionale Romanze und gefahrvolle, intrigante Spannungselemente erfreulich die Waage halten und die Charaktere größtenteils nachvollziehbar handeln. Trauma, Familiensorgen, Freundschaft, Verrat, heiße Liebe sorgen für eingängige Lektüre mit nur wenigen Längen.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen




Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: LYX; Auflage: 1 (9. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Isabell Bauer und Timothy Stahl
  • ISBN-10: 3802584627
  • ISBN-13: 978-3802584626
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.
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