Samstag, 25. April 2015

¡Hola! Me llamo "Qualmende Socke".

Mit einem ordentlichen Fluch auf den Lippen aufzuwachen ist bestimmt nicht die feine spanische Art. 
Aber: verflixtundzugewuffelt ... das ist doch schon wieder so kalt!
Mein Traum von Sonne und Wärme war also nur ein Traum.
Sag mal, du 15-Tage-Trend, welches Kraut hast du eigentlich geraucht?
Erst von milden 15 Grad erzählen, die sich dann als strandheiße 30 Grad entpuppen, dann von Sommer erzählen, während Petrus die Eisgießkanne auskippt! 
Und ja, ich habe mir das Europawetter angeschaut!
In weiser Voraussicht habe ich aber Unterhemdchen und Strumpfhosen dabei und mache meiner Mama eine lange Nase. Immer wieder erwähnt sie, wie leicht doch ihr Köfferchen sei. 
Ich habe natürlich die Koffergröße für eine Woche gepackt und kann jetzt den Lagenlook aus dem Koffer zaubern.
Heute bin ich schlauer.
Heute schwinge ich mich in Strumpfhose und Stiefelchen.
Eine weise Entscheidung.
Nach dem Frühstück wird vor dem Zug ein Gruppenfoto geschossen - im kühlen Trüben.
Über die Temperaturen sollte ich mich nicht wundern. Granada erstreckt sich quasi am Fuße der Sierra Nevada mit ihren schneebedeckten Gipfeln. 
Wir können sie deutlich sehen, während unser Bus uns zu unserem heutigen Ausflugsziel bringt. 
Noch immer ist es trüb. 
Im Radio jault eine spanische Sängerin irgendetwas von "mi corazón", sodass meine Mama die Augen verdreht. 
Dann jault sie mit. 
Alter Zug
Vor uns im Bus sitzt ein französisches Ehepaar. Ich höre, wie er seiner Frau: "Jusqu'ici, le ciel s'est éclairci!" zuraunt, und nutze die Gelegenheit zurückzuschlagen. 
"Qui sait?", sage ich, "Peut-être, le soleil se montre même plus rapidement?"
Madame erbleicht, Monsieur verstummt. 
Aber ich sollte recht behalten. Die Sonne zeigt sich schneller.
Als wir die berühmte Alhambra erreichen, strahlt sie ordentlich. 
Neuer Zug
Der Erwartungsdruck ist hoch, denn sowohl Kollegen als auch meine Mutter schwärmen von dieser Sehenswürdigkeit. 
Uns steht ein vierstündiger Spaziergang durch die Anlage bevor. 
In einen dicken Anorak mit Fellkragen vermummt, verteilt unsere deutschsprachige Führerin - heute gibt es eigene Guides für alle vier Sprachen - Verstärker. 
Das ist neu für mich. Man hängt sie um wie einen Walkmann, setzt sich den einzelnen Kopfhörer auf und schon kann man die Führerin gut hören. Stimmschonend für sie, bequem für uns, weil wir ihr nicht im Affenzahn hinterherrennen müssen und auch mal eine kurze Fotopause einlegen können, sofern wir in Senderreichweite bleiben. 
Judasbaum in voller Blüte
Nett, gut gelaunt und zweifelsohne in ihrem Metier bewandert, zeigt sich leider recht schnell, dass unsere Führerin ihr Wissen nur mit Mühe transportieren kann. 
Ich bewundere dennoch ihr Durchhaltevermögen. 
Um uns bei Laune zu halten, kommentiert sie jeden irrelevanten Stein: "Wir laufen nun auf der Hauptstraße weiter.", "Rechts und links sehen Sie Bäume." "Das sind Apfelgranaten." ... 
Leider weiß ich nach den vier Stunden noch immer nichts über die Alhambra und muss gehörig nacharbeiten. 
Die Anlage aber ist sehenswert, auch wenn insgesamt wenig Zeit bleibt. 
Hierher kommt man nicht morgens, um einfach mal einen Tag lang spazieren zu gehen. Nein, hier ist alles zeitlich begrenzt. 
Ein Blick aufs Parador
Unser Ticket ist daher auch nur von 10 bis 14 Uhr gültig und wird an jeder Ecke gescannt. 
Insbesondere in den Palästen wird streng darauf geachtet, dass die zulässige Personenzahl nicht überschritten wird, was hier und da zu Wartezeiten am Eingang führt. 
Dann muss die Besichtigung flott abgehandelt werden. 
So viel Zeitdruck ist nicht sonderlich angenehm, aber wohl notwendig, um die dichten Touristenströme unbeschadet durch die Anlage zu schleusen.
Befestigungsanlage
Dabei ist die Alhambra ein herausragendes Beispiel einer befestigten Oberstadt und zu Recht Welterbestätte. 
Ihr Komplex mit seinen vier Hauptbestandteilen: Generalife, Medina, Naṣridenpalästen und Alcazaba ist absolut sehenswert. Nicht zu sehen bekamen wir die Alcazaba als Bollwerk der Alhambra. 
Unser erstes Ziel nach einem ruhigen Spaziergang durch die üppig begrünten und blühenden Alleen (inmitten des Komplexes gibt es übrigens auch ein Parador-Hotel, wodurch ab und an Pkw-Verkehr die Besucherströme spaltet) ist der Palacio de Carlos V, der Palast Karls V. 
Überall gibt es malerische Aus- und Durchblicke.
Offenbar gab es zu allen Zeiten Investruinen, denn nachdem der gute Karl den Bau in Auftrag gegeben und dafür sogar einige Nasridenpaläste hatte abreißen lassen, wurde das Gebäude nicht fertig gestellt. 
Darin gewohnt hat er auch nie. 
Irgendwer muss ihn dann aber doch zu Ende gebaut haben, denn sonst würde es wohl im Museum der schönen Künste, das darin untergebracht ist, gehörig reinregnen. Aber auch hier bleibt keine Museumszeit.
Fassadendetails des Palacio de Carlos V
Schnurstracks werden wir weiter zum Myrtenhof Comares geschleust. 
Von außen verrät die Anlage noch nichts von ihr architektonischen Pracht. 
Sicher ist sie allgemein stattlich, aber innen, in Türmen, Botschaftersaal, Saal des Bootes und Galerien, wird man von Deckendekor, Reliefs und Co. nahezu überwältigt. 
So manches Mal glaubt man sich in einer Tropfsteinhöhle.
Immer noch Palacio de Carlos V
Trotz des Besucherlimits ist es überall voll. 
Am Eingang habe ich nicht mal das Hinweisschild gesehen, dass Rucksäcke vor dem Körper zu tragen sind. 
Eine Touristin schnauzt mich im Gemenge an, keine Ahnung, in welcher Sprache, aber ihr Fingerzeig ist deutlich. 
Brav schnalle ich mir den Ballast vor die Brust.
Blöd, denn den Rucksack hätte ich auch gut im Bus lassen können. So schleppe ich nun meinen Lagenlook mit mir herum. 
Eingangsdetails am Palacio
In der nächsten Anlage bin ich dann schlauer, und da sehe ich dann auch all die Verbots- und Hinweispiktogramme: Fotografieren ohne Blitz (mache ich sowieso), Rucksack vorn, nicht essen, nicht trinken und, und, und. Alles sinnvoll und notwendig. 
Vom Myrtenhof geht es weiter in den Löwenhof. 
In seinen Galerien sollte man nicht träumen, denn hier und da sind in den Boden flache Wasserbecken eingelassen, die schon zu Sultanszeiten für ein angenehmes Klima sorgten. 
Der Innenhof des Palacio de Carlos V ist rund
und ähnelt einer Arena. Ich habe ihn rundum
fotografiert, möchte die Bilder aber zum Schutz
der abgebildeten Personen nicht öffentlich
zeigen.
Der eine oder andere knipsende Tourist stolpert aber dort gerne mal hinein - ich nicht. 
Wir sind ja hier nicht bei Pleiten, Pech und Pannen. 
Knapp war es aber schon.
Die Säulenanlage ist geradezu verwirrend und bietet interessante Ansichten. 
Wer gerne Architektur fotografiert, ist hier im Paradies, nur Zeit und Geduld sind hier eher Mangelware.
Auch wird in diversen Sälen restauriert. 
Man hat sogar den Eindruck, die Arbeiten in der Alhambra kommen nie zum Stillstand. Hier wird restauriert, dort ein neues Beet angelegt, und, und, und. 
Der Erhaltungsaufwand ist enorm und rechtfertigt den Eintrittspreis.
Ein Blick ins Treppenhaus
Stuck besteht naturgemäß aus einem Gipsgemisch, an dem der Zahn der Zeit nagt. 
Anfassen verboten! 
Um einen haptischen Eindruck zu vermitteln, stehen am Eingang der Alhambra und auch an verschiedenen Stellen des Geländes Säulen bereit, die nicht nur blinden und sehbehinderten Besuchern ein Gefühl der Marmor- und Stuckverzierung der einzelnen Häuser bieten. 
Trotzdem überrascht man hier und da einen Grabscher! 
Den Abschluss unseres Rundgangs bildet schließlich der Generalife mit dem Patio de la Acequia. 
Durch Lorbeer- und Zypressenallee kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. 
Ich schwitze wie ein Ackergaul. 
Von der morgendlichen Kälte ist nichts geblieben. 
Ausblick auf das historische Viertel Albaicín
Während unsere Alhambra-Führerin noch immer im dicken Anorak vor uns her geht, laufe ich längst im T-Shirt im Zypressenschatten. 
Vor allem meine Schuhwahl verfluche ich. 
Von Eindrücken plattgewalzt lassen wir uns zum Mittagessen chauffieren. 
Um 14:00 Uhr ist es heute sogar einmal recht zeitig anberaumt.
Unweit der Altstadt von Granada - es sind nur 10 Minuten Fußweg - machen wir Pause. 
Im Restaurant "Las Tinajas", einem urigen Haus in einer Seitenstraße,
Stuck an einem der Gebäude des Myrtenhofs
erwartet man uns bereits. 

Seine Örtlichkeiten sind in Ordnung, aber etwas knapp bemessen für Reisegruppen unserer Größe. 
Während wir warten, wettern die französischen Mitreisenden schon wieder über uns Deutsche, einschließlich der Dame, die im Bus vor mir sitzt. Offenbar hat sie vergessen, dass ich sie verstehe. 
Zu allem Überfluss erschließt es sich mir auch nicht, was wir denn so generalisierend falsch machen. 
Im Bus sitzen wir nicht richtig, im Restaurantwagen auch nicht, und dann sitzen wir sowieso immer alle zusammen. 
Ich verstehe die Welt nicht mehr, halte aber meinen Mund. 
Bögen, überall Bögen
Jedenfalls serviert man uns ein hervorragendes Menü, das wohl bewusst ein wenig nahrhafter ausfällt, weil im Anschluss wieder "Zeit zur freien Verfügung" anberaumt ist.
Mama entscheidet sich für die Siesta und gibt mir frei.
Sie kennt Granada bereits und ist nach dem langen Spaziergang erschöpft. 
Allein spaziere ich schließlich durch die Stadt, ausgestattet mit einem Stadtplan, in dem mir Reiseführerin Carolina Kathedrale und Co. sowie auch den Rückweg zum Bahnhof eingezeichnet hat. Noch während des Desserts geht sie nämlich zu allen Tischen, fragt nach dem Befinden und verteilt in aller Ruhe Pläne und Informationen. 
Ein beliebtes Motiv im Myrtenhof
Trotzdem finde ich die Kathedrale erst einmal nicht. 
Was habe ich auch erwartet? 
Irgendwie habe ich ein freistehendes Gebäude vor meinem geistigen Auge kreiert. Meine geistige Projektion entspricht nun aber in keiner Weise den verschlungenen Gassen Granadas. 
Am Ufer eines Baches spaziere ich einfach mit Touristengruppen mit. Mir ist heiß, wahrscheinlich rauche ich in Kürze aus meinen Stiefeln. 
Irgendwann kommt mir der Spaziergang aber spanisch vor, sodass ich einen Blick auf den Stadtplan werfe. 
Wie schon in Cádiz sind auch hier die winzigen Gassen nicht eingetragen. Als ich dann endlich eine größere Straße finde, in der sich ein Museum befindet, das im Plan ausgewiesen ist, sehe ich, dass ich schon fast im Albaicín-Viertel angelangt bin. 
Spiegelung
An der Kathedrale, die ich unbedingt habe sehen wollen, bin ich schnurstracks vorbeigelatscht und habe eine gute halbe Stunde verbummelt. Ich kehre um. 
Tatsächlich liegt die Kathedrale eingebettet in malerische Gassen, in denen Souvenirshops und Straßenmusiker locken. Drei junge Männer sitzen im Schatten und spielen auf der Gitarre aktuelle poppige Hits. Ein gewisses Studentenflair kommt auf, ich verweile und wippe mit den Füßen. 
Zudem gibt es an jeder Ecke Gewürzläden, die zum Schnuppern und Schauen einladen. 
Während unserer gemeinsamen Mahlzeiten haben wir mit unserer weltgewandten Tischgesellschaft nämlich über Gewürze und Früchte gesprochen. Deshalb suche ich nun Johannisbrot, finde es aber nicht. 
Heute habe ich so viel fotografiert, dass sich auf dem Vorplatz der Kathedrale der Akku verabschiedet. Das hat man davon, wenn man ständig das Display bemüht. Ich bin so froh, dass ich vor der Reise noch einen Original-Ersatzakku bestellt habe! Als ich nämlich den No-Name-Akku einlege, tut sich nichts. Über Nacht habe ich ihn aufgeladen - im Zug gibt es normale Steckdosen, sodass man keinen Adapter braucht -, aber trotzdem spendet das Ding keinen Saft.
Filigraner Stuck
 

Vorsorglich liegt das teure Olympus-Originalteil ebenfalls aufgeladen in der Fototasche. Uff! Ich präpariere mein Schnappschusswerkzeug für die nächste Runde. 
Nur hängt am Eingang der Kathedrale, die glücklicherweise bis 18.45 Uhr geöffnet hat (bei Wikipedia steht 20.00 Uhr, aber ich bin noch des Lesens mächtig), ein No-photos-Schild. Ich packe die Kamera wieder weg, bezahle meinen Eintritt und kaufe mir gleich noch einen Führer, um später nachlesen zu können. 
Das ist der Löwenhof - erst einmal ohne Löwen
Granadas Kathedrale zeigt sich  mit ihren weiß getünchten Wänden überraschend hell und ist größer, als man von außen vermuten möchte. Unerwartet weiträumig ist sie, und nur wenige Besucher schlendern durch das Areal, was wohl an der fortgeschrittenen Stunde liegt, denn die Busgruppen dürften ihr Tagesprogramm bereits absolviert haben.
Da sind die Löwen.
Gut ausgeleuchtet sind die zahllosen Nischen mit ihren Altären und Gemälden. 
In ihrer Königskapelle befindet sich der Sarkophag von König Ferdinand und Isabella von Kastillien. 
Während ich herumgehe, nehme ich Blitzlichter wahr. 
Tatsächlich wird hier fotografiert, was das Zeug hält, meistens mit dem Smartphone. 
Hab ich was verpasst? 
Wenn die das dürfen, darf ich auch! 
Basta! 
Ich hole die Kamera heraus und fotografiere, was mir imponiert - für das private Fotoalbum. Hier zeige ich die Bilder nicht. 
Drei Stunden Freizeit sind zu wenig in einer Stadt wie Granada. 
Ich gebe zu, dass ich unvorbereitet war und eben nicht im Vorfeld geplant habe, was ich mir neben der Kathedrale noch anschauen könnte. Heute genieße ich es, einfach nur zu schlendern und das Flair in mich aufzunehmen. 
Kaum habe ich die Kathedrale verlassen, mache ich mich schon auf den Rückweg zum Bahnhof. 
20 Minuten Fußweg wurden mir angekündigt. 
Das sollte machbar sein. 
Dass ich in meinen Winterschuhen langsam verdampfe, darf mich nun nicht aufhalten. 
Bummeln sollte ich aber nicht. 
Ich gehe los und verfolge auf dem Stadtplan meinen Weg, bis sich die große Hauptstraße gabelt und ich nicht mehr weiß, ob ich richtig bin. Da ist irgendein Platz, der in der Realität viel näher an der Straße zu liegen scheint als auf dem Plan, und es gibt eine Nebenstraße, die ich auf der Karte nicht sehe. 
Weil Mama Lippenpomade braucht - Wind, Sonne und wechselndes Wetter haben ihre Lippen ausgetrocknet -, begebe ich mich in die erstbeste Parfümerie, die passenderweise genau an meiner zweifelhaften Kreuzung liegt. 
Die Spanier sind kommunikativ und mordsmäßig geduldig. Gut, ich habe noch Zeit, aber so lange habe ich noch nie in einem Geschäft warten müssen. 
Die Verkäuferin - es handelt sich um ein kleines Ladengeschäft mit Naturkosmetik - plaudert ohne Unterlass mit ihrer einzigen Kundin. 
Ich verstehe nur einzelne Wörter, während ich die Regale nach einer Pomade absuche. Danach stehe ich mit meinem Töpfchen wie bestellt und nicht abgeholt direkt vor der Kasse. 
Wahrscheinlich bin ich unsichtbar - vielleicht qualmen ja meine Socken schon aus den Schuhen?
Dann schaut die Verkäuferin kurz zu mir, ich halte mein Pomadentöpfchen hoch, deute an, dass ich zahlen möchten. Doch sie wendet sich wieder ihrer Kundin zu - ich habe den Eindruck, diese hat bereits den Laden leergekauft -, erzählt ihr etwas von "promoción" mit Fingerzeig auf das Regal links neben der Kasse. 
Zu meiner Freude erspäht nun diese Kundin den Stadtplan, der mir unter dem Arm klemmt. 
Weil ich weiß, dass "ayuda" Hilfe heißt, verstehe ich glücklicherweise, dass sie mich fragt, ob ich Hilfe benötige. 
Patio de la Acequia
Ich bringe ein "Donde estación de tren?" hervor und stifte, während ich nun doch endlich abkassiert werde, auch noch Verwirrung. 
Beide Damen drehen und wenden schließlich gemeinsam meinen Stadtplan, um meinen Standort zu ermitteln. 
Am Ende stehe ich mit Verkäuferin und Kundin im Schlepptau VOR dem Geschäft. 
Ich grinse, denn offenbar bin ich nicht die Einzige, die Probleme hat, ein Straßenschild zu finden. 
"Ah, aquí!", freut sich die Verkäuferin. 
Sie hat unsere Ecke gefunden, und tatsächlich ist der Bahnhof nicht weit. Ich muss einfach geradeaus weitergehen. 
Blick auf die andere Seite der Alhambra
Ich bedanke mich höflich auf Spanisch und ziehe von dannen. 
Weil ich aus meinen Stiefeln heraus muss und mich in meinem dampfenden Tagesoutfit nicht mehr ertrage, komme ich zum Unterhaltungsprogramm des Tages zu spät. 
Es gibt eine Getränkeprobe. 
Besonders populär ist hier nämlich der Gin Tonic, und das in den verschiedensten Variationen. 
Patio de la Acequia
Als ich den Barwagen erreiche, ist die erste Version bereits fertig gemixt, und der Barkeeper lässt uns alle am mit Wacholderbeeren aromatisierten Cocktail riechen. 
Probieren dürfen wir im Anschluss natürlich auch. 
Als man für die nächste Variation nach Freiwilligen Ausschau hält, starre ich demonstrativ in mein Glas. Ich habe keinen blassen Schimmer von Cocktails. Schon gar nicht von Gin Tonic. 
Nach der ersten Version hadere ich bereits mit mir, ob er auf die Anti-Spiritus-Liste soll oder nicht. 
Gin Tonic Nr. 2 gelingt den Freiwilligen wesentlich besser. 
Ein Hauch von Zitrone und Limette gibt ihm einen besonderen, vor allem aber angenehm frischen Touch. 
Für einen frischen Touch soll in Variante Nr. 3 eine Gurkenscheibe sorgen. Als dann aber auch ein Scheibchen Ingwer dazukommt, gerät das Ganze aus dem Gleichgewicht. 
Nicht jeder hat ein Händchen für Cocktails. 
Das vorletzte Alhambra-Detail
Obwohl nur drei Variationen des "Nationalgetränks" vorgestellt werden, gelingt eine informative, unterhaltsame Veranstaltung an Bord. 
Dass ich so etwas sage, will schon etwas heißen, denn normalerweise meide ich Animationsveranstaltungen wie das Gras nach der Maht. 
Um eine alkoholische Erfahrung reicher finden wir uns zu einem besonders späten Abendessen ein. 
Heute wird erst um 21.30 Uhr gespeist. 
Nach drei Spazierstunden in Granada und drei Cocktailpröbchen habe ich noch immer keinen Hunger. 
An diesem Tag würde mir ein Scheibchen Brot vollkommen genügen. 
Im Sinne einer lückenlosen Dokumentation probiere ich trotzdem alles. 
Zu Bett gehen wir heute in Granada, aufstehen werden wir aber bei voller Fahrt auf dem Wege nach Linares/Baéza. 
In der Nacht träume ich von Blumen und seufze leise, weil ich den Zeichenblock daheim gelassen habe. 

**Ende des 4. Tages**

Bevor wie immer die Essensinspirationen gezeigt werden, hier noch die letzten Granada-Bilder, die ich nicht mehr im Artikel untergebracht habe:
Der letzte Blick auf das Alhambra-Gelände
Nein, das ist nicht die Kathedrale, sondern eine andere der zahlreichen Kirchen Granadas
Türmchendetails der Kathedrale
Überall filigrane Verzierungen
Altes Graffiti, aber dazu komme ich noch

Kathedralendetails
Für die Fassadendetails hätte ich gerne eine Leiter gehabt.
Kathedrale eingebettet in Häuserzeilen
Frontansicht
Und nun die Speisen:
Mittag: 
Entrée: Avokadocreme mit Montefrío-Käse und einem Salat von gebratener Paprika
Ein sehr käselastiges Menü, schon der Entrée ist sehr reichhaltig und sättigend.
Pastel de puerros a la crema de hortalizas
Der deutsche Teil der Speisekarte will uns den ersten Gang als "Gebäckstück aus Lauch" verkaufen.
Tatsächlich ähnelt die Speise aber einen besonders fluffigem Eierstich mit Lauch.
Die Gemüsecreme darüber ist wieder sehr sättigend.
Trotz der Schlichtheit ist das Gericht als solches überaus wohlschmeckend.
Hauptgang: Die Speisekarte behauptet, es handele sich um "Stockfisch".
Nein, es ist gebratenes Kabeljaufilet (hier ist nichts getrocknet).
Überbacken mit Käse, serviert auf einem Spinatbett, dabei ein Tomatenjus.
Nachtisch: Pionono-Küchlein mit weißem Rum, von dem kaum etwas zu schmecken ist.
Dazu ein Schlag Sahne.

Bei all der Nahrhaftigkeit gibt es zu guter Letzt einen Anisschnaps.
(Der steht aber auf meiner Anti-Spiritus-Liste und wird am Nachbartisch gern angenommen.)
 Abendessen im Zug:
Entrée: Käsevariationen mit einem Würfelchen von Trockenobst-Mus,
beträufelt mit Trüffelöl, garniert mit Haselnüssen
Erster Gang: Zart angebratener, knackiger grüner Spargel in einem Mantel von Serrano-Schinken,
beträufelt mit einer süßen Fruchtsauce
Osso Bucco mit getrüffeltem Kartoffelpüree, obenauf gebratene Zwiebeln -
im Ernst, wer soll denn das alles essen?
Nach dem deftigen Mittagessen hätte die Hauptspeise ruhig etwas leichter ausfallen können.
Das Fleisch aber ist ausgesprochen zart und schmackhaft.
Nachtisch: Vanille-Joghurt-Mousse

 
 

 

 
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...