Sonntag, 18. März 2012

Kehraus

Nun schreiben wir den Messesonntag, und die Tore sind für die Besucher geschlossen, aber für mich war die Messe bereits am Samstag zuende. Auch wenn es sehr verführerisch ist, bis kurz vor Torschluss auf dem Gelände zu verweilen, um eselsmäßig bepackt nach Hause zu fahren, habe ich mich anstatt dessen zu einem kleinen Leipzig-Bummel entschlossen. Dass ich auf die Schnäppchenjägerchance verzichtet habe, weiß ich, aber ich war nicht nur platt, sondern auch wenig motiviert. Da der Sonntag immer Familiensonntag ist, fällt das Fachprogramm relativ spärlich aus. Es war nichts dabei, was mich zwingend auf das neue Messegelände gelockt hätte, und mich hatte die Lust verlassen, mich ins Gedränge zu stürzen, um Lesungen rechtzeitig zu erreichen. 
Meine Messebesuche gestalten sich in der Regal anders als die der meisten Blogger, denn einer Großteil meiner Stöbertouren ist für meinen Blog nicht relevant und ich suche auch nicht gezielt noch extra nach Themen, die meine Messeberichte ggf. interessanter gestalten. Deshalb sind meine Berichte auf den ersten Blick zwar eher spärlich, ich aber trotzdem megageschafft. Das Laufen auf dem harten Fußboden, das Geschiebe und Gedränge, die ständig wechselnde Geräuschkulisse mit ihrem konstanten Hintergrundrauschen, stickige Luft, unerträgliche Hitze vor allem in der zentralen Glashalle und, und, und sind Begleiterscheinungen, die eine Messe zum Stress machen.  
Jennifer Schreiner
Dennoch bin ich immer wieder froh, diesen Stress auf mich genommen zu haben. Auch wenn ich nicht mit einem Manuskript hausieren gehe oder nach Neuerscheinungen stöbere, weil die in der virtuellen Welt ohnehin immer zeitnah in aller Munde sind, genieße ich die Zeit vor allem aufgrund der persönlichen Gespräche, die auf einer Messe möglich werden. Es ist immer wieder schön, wenn man mit einem Namen oder auch einer Stimme am Telefon endlich ein Gesicht verbinden kann. 
Bei einem Teil dieser Gespräche beklagten vor allem diejenigen, die ganztags auf einem Messestand präsent sein müssen, dass sie von Leipzig noch gar nichts gesehen hätten. Und auch ich wollte nicht zurück in den heimischen Südharz fahren, ohne noch ein paar Eindrücke von Leipzig aufzusaugen. Diese werde ich dann peu à peu in den nächsten Tagen nachreichen.
Ursprünglich hatte ich vor, am Vormittag noch eine Ausstellung zu besuchen, aber es stellte sich heraus, dass diese nur wochentags geöffnet hat.Da hätte ich aber wirklich einmal früher nachschauen können! Also wirklich!
Tanja Kinkel im Gespräch
Bevor ich abreiste, zeigte sich das Wetter noch von der freundlichen Seite und wartete mit dem Regen, bis ich in Berga aus dem Zug kletterte. Weniger kundenfreundlich zeigte sich allerdings der Hauptbahnhof, wo man ganz offensichtlich keinen Wert mehr auf den Service von Angesicht zu Angesicht legt. Heutzutage muss man wie auf der Behörde eine Nummer ziehen, wenn man noch von Hand vom Servicepersonal eine Fahrkarte erwerben und Auskünfte einholen will. Nicht, dass ich nicht mit Automaten umgehen könnte, aber da ich den ganzen Tag an irgendwelchen Automaten sitze und schlichtweg genervt davon bin, den lieben langen Tag keinen Menschen außer meiner Familie zu sehen, hätte ich mich auch gerne mal an einem stinknormalen Fahrkartenschalter angestellt. Eine Nummer zu ziehen, ist mir aber echt zu blöd ... 
Als gäbe es auf der Messe nicht genügend Bücher, schlenderte ich noch durch die Bahnhofsbuchhandlung und brach dann doch noch mein Kaufverbot. Interessanterweise quillt diese Buchhandlung gar nicht über vor Dystopien und die ganz brandaktuellen Neuerscheinungen aus meinem Beuteschema sind dort ebenfalls noch nicht zu finden. Liest die reisende Buchhandlungsklientel anders? Vielleicht. 
Inzwischen bin ich wohlbehalten im Südharz angekommen und sichte die letzten Fotos. Noch ist mein Kopf voller Bilder und Eindrücke, sodass ich noch nicht ganz auf dem Land angekommen bin. Vier Tage Leipzig haben mir in vielerlei Hinsicht gut getan, und ich bin noch lange nicht messemüde, ganz gleich, welche Kritikpunkte ich trotzdem jedes Jahr finde. 
Nächstes Jahr bin ich bestimmt wieder mit dabei. 
Für die logistische und organisatorische Leistung muss man aber auch einmal den Veranstaltern und allen fleißigen Helfern danken. Vor allem die vielen Informationskräfte, Mitarbeiter an den Drehkreuzen und Sicherheitskräfte, die emsigen Bienchen von der Gastronomie, Reinigungskräfte, Garderobieren und, und, und, die so manches Mal den Unmut der Besucher abbekommen, haben sich Respekt und nun ein paar Tage Ruhe verdient. Ich hoffe, man spendiert euch einen ordentlichen Kehraus. Auch die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, die die vielen Besucher ans Ziel bringen und dafür sorgen, dass niemand unter die Räder kommt, sollten nicht vergessen werden. Außerdem ziehe ich den Hut vor all den Autoren, die vielleicht weniger bekannt, aber nicht minder ambitioniert sind und zum Teil an Messeständen lasen, obwohl kein Zuhörer stehen blieb. 
Es folgen noch ein paar Messeschnappschüsse, und dann heißt es: 

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Will jemand Fenster putzen?
Bereitwillige Models
Besuch aus der Vergangenheit am Lektorenstand von Sandra und Petra Schmidt
Mitmachen erwünscht
Als es noch keine E-Books gab ...
... brauchte man was Schweres ...
... und ein seitenverkehrtes Bildelement (Druckstock).
Leider habe ich beide Maschinchen nicht in Aktion erlebt. Verpasst! Zu dumm.
 
 
Bunte Besucher
 
 
 
 
 
 
Kunst auf der Messe
Ganz ungefährlich
Abschiedsidylle am Morgen, undenkbar am Abend - bye bye

Klingeling

Samstag, 17. März 2012

Messeplattfußtag 3

Jawohl, ich habe platte Füße. Das ist aber nicht gejammert, denn es war zu erwarten und zudem erwünscht. Eine Messe ohne eine neue Schuhgröße und Schmerzen in Muskelregionen, die sonst massiv unterfordert sind, gehören einfach dazu. An Tag 3 gesellte sich noch eine gewisse Heiserkeit hinzu. Die kam vom vielen Plaudern.
Erstaunlich fit nach nicht mal 5 Stunden Schlaf bin ich morgens um 9 Uhr zur Deutschen Bücherei spaziert, um dort in die allseits beliebte Straßenbahnlinie 16 zu klettern, die auf direktem Wege zur Messe führt. Mein Tag begann im Stehen, denn schon dort, also weit vor dem gefürchteten Hauptbahnhof, gab es keinen Sitzplatz mehr. Aber was sollen mich dreißig Minuten Stehen schrecken, wenn man spätestens ab Bahnhof ohnehin nicht mehr umfallen kann? Am Samstag war nämlich der große Tag der Cosplayer, die wie immer in großartigen Kostümen das Gelände unsicher und um eine Attraktion reicher machen. Auch wenn man am Wochenende in vielen Bereichen der Messe mehr steht als geht, bin ich immer von der Kreativität der Cosplayer beeindruckt. 

Als der Andrang noch erträglich war, hatte ich Gelegenheit, Jungautorin Marie-Luis Rönisch zu treffen. Auch Marie-Luis ist eine Facebook-Bekanntschaft, und es freut mich, dass ich nun auch mit ihr einen nicht länger nur virtuellen Menschen verbinden kann. Eigentlich hatte ich geplant, Marie-Luis zu interviewen, denn im Dezember 2011 erschien ihr Roman The Mavericks - Willkommen in der Hölle, aber es entwickelte sich ein lockeres Geplauder, sodass wir dieses Interview demnächst online nachholen werden. Marie-Luis Rönisch sprüht vor Ideen und ist nach eigenen Angaben eine eifrige Roman- und Reihenschreiberin, die ihre Figuren nicht loslassen möchte, sondern in weiteren Geschichten zu Wort kommen lässt. Ich bin sicher, dass wir von ihr noch mehr zu lesen bekommen. 

Um Marie-Luis nicht noch länger von ihrem Messebesuch abzuhalten, haben wir unser Gespräch recht kurz gehalten, sodass wir uns bald wieder getrennt ins Getümmel gestürzt haben. 
Mein Ziel waren die Kinderbuchverlage, denn ich muss ja nach Schmökerstoff für Sohnemann Ausschau halten. Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Eindruck allein bin, aber ich hatte in diesem Jahr das Gefühl, dass sich die großen Publikumsverlage, mit Ausnahme der Egmont Verlagsgesellschaften, besonders unnahbar gaben. Da ich mit allgemeinen Fragen zum Thema Kinderbuch schwanger ging, wollte ich natürlich gern einen kompetenten Ansprechpartner dazu ausquetschen. Gefunden habe ich einen solchen aber erst beim Tulipan-Verlag, in dem Bücher für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren entstehen. Ein populärer Protagonist aus diesem Verlag ist übrigens der Cowboy Klaus, der Kinderkanal-Zuschauern bekannt sein dürfte. Dieser Cowboy, der gar nicht so mutig ist, wie man vermuten möchte, tummelt sich im Tulipan-ABC der Lesestufe A (für Erstleser ab 6 Jahren). Bei der Zuordnung der Geschichten zu den Lesestufen A, B und C spielt zum einen der Inhalt der Geschichte eine Rolle, wobei man Wert auf flotte, witzige und ungewöhnliche Geschichten legt, die Interesse am Lesen wecken. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Länge der Geschichte. Bei der Gestaltung stehen großflächige, ansprechende Illustrationen im Mittelpunkt und es wird bewusst vermieden, ganze Seiten mit Text zu füllen. Das hält den kleinen Leser besser bei der Stange. Auch beim Format geht man im Erstlesealter weg vom großen Bilderbuchformat und bewegt sich in Richtung "echtes" Buch; die Bücher sind weniger sperrig und damit wesentlich handlicher. Wir werden den Cowboy Klaus auf jeden Fall einmal ausprobieren. Außerdem gibt es im Verlag noch Bücher für die ganze Familie, die ebenfalls liebevoll gestaltet sind. 
Später verschlug es mich noch per Zufall zur Edition bi:libri, wo zweisprachige Bücher entstehen. Neben Englisch sind auch Russisch, Französisch, Italienisch und Türkisch im Angebot. Diese Bücher sind speziell für die zweisprachige Erziehung ausgelegt und nur bedingt für den Zweitsprachenerwerb gedacht. Wer also seine Kinder zweisprachig erzieht, dem seien diese Bücher ans Herz gelegt. 
Bei den Egmont-Verlagsgesellschaften geriet ich wieder ins Romance-Fieber und muss mich zwingen, das Lyx- und Ink-Programm nicht genauer anzusehen. Zum 5-jährigen Bestehen veranstaltet Lyx seinen ersten Schreibwettbewerb. Genaueres gibt es bei Lyx nachzulesen. Also, Romance-Schreiber haut in die Tasten! 
Gegen Mittag traf ich mich mit einer Kollegin und schlenderte mit ihr durch Halle 5 und 3. Dorthin zu kommen erwies sich als wahre Meisterleistung, da ich zunächst von Halle 4 (wo ich wie immer Autorin Ulrike Renk einen Besuch abgestattet hatte) in die Glashalle musste, die Zirkulation in den Röhren zu Halle 2 aber nahezu zum Erliegen gekommen war. Irgendwann aber war ich durch, stieß zu meiner Kollegin und wir konnten gemeinsam eine gemütliche Dienstleistungsrunde drehen. Bislang hatte ich mich noch nicht mit dem Angebot von epubli befasst, sodass die Vorstellung dieser Plattform uns gerade recht kam. Da aber nur noch eine weitere Damen Interesse daran hatte, bekamen wir sozusagen zu dritt eine Privateinführung in epubli, konnten viele Fragen stellen und sind nun dort rundum informiert. Während am Freitag BOD noch sehr auskunftsfreudig gewesen war und ich mich dort gut beraten gefühlt hatte, glänzte der Noch-Marktführer am Samstag durch Dienstleistungsunlust. Im Vergleich zu den Gesprächen mit epubli fiel BOD am Samstag absolut durch, was Service und Kundenkontakt anbelangt. Schade. 
Da wanderten wir doch lieber zu einem Bereich ab, der mich jedes Jahr aufs Neue anlockt, weil es dort nach Druckerschwärze, Farben, Ölen und Papier duftet. Gerade wenn man aus dem digitalen Bereich herbeigeschlendert kommt und den Kopf voll hat von Dateiformaten und Lesegeräten, unternimmt man eine regelrechte Weltreise, die aber richtig gut tut. Im Bereich der Buchkunst kann man nämlich zuschauen, wie Bücher traditionell entstanden. Dort stehen alte Druckpressen, die auch vorgeführt werden. Manchmal kann man auch selbst Hand anlegen und Farbe auftragen oder mal den Hebel betätigen, um eine Illustration aufs Papier zu bringen. 
Mit ein paar Eindrücken aus diesem Messeteil verabschiede ich mich für heute und lade in den nächsten Tagen noch mehr Bildimpressionen hoch. Das Reduzieren der Bilder ist doch ein wenig mühselig und das Bearbeiten spare ich mir an dieser Stelle sowieso. Schnappschußgefahr ;-)
Ob ich allerdings den Messesonntag noch in Angriff nehme, entscheide ich spontan. Momentan sagen Füße und Zugfahrplan eher Nein, vor allem, weil ein Teil der Lesungen, die mich interessieren würden, sehr spät in der zweiten Tageshälfte liegt und ich nicht erst so spät nach Hause fahren kann. Aber man weiß ja nie ...

Einmal selber drucken, bitte.

Selber drucken und mitnehmen.
Da liegt ein Hase, der auf ein Blatt will
Nämlich auf dieses - zwischen zwei Textblöcke

Einmal eingelegt ...
... und durchgekurbelt
 

Na guck, ein Hase ...
... tatsächlich auf Papier

Dank gekonnter Maschineneinstellung vermeidet er galant Buchstaben und Satzzeichen.
12 pt in Metall

Messeplattfußtag 2

Plattfußtag Nr. 2 war zwar bereits am gestrigen Freitag, aber ich komme heute erst dazu, meinen Bericht zu posten. Gestern Abend war ich nämlich privat in Leipzig unterwegs und habe das sehr genossen. Und es wurde spät ... oder früh ... 
Auch am zweiten Messetag ließ ich es ruhig angehen und schipperte mit einer Straßenbahn, die schon an der Johannisallee passend zum Bildungstag bereits um 9 Uhr mit Schulklassen vollgestopft war, zum Messegelände. Leipzig zeigt sich inzwischen auch in wunderbarstem Frühlingssonnenschein. Es ist erstaunlich warm, und ich muss gestehen, dass das Herumlaufen in Hallen bei diesem schönen Wetter durchaus Überwindung kostet, auch wenn darin natürlich gigantische Buchmengen warten. Aber ich bin nun mal um der Bücher willen in Leipzig.
Auf dem Gelände angekommen, nutzte die Gelegenheit zunächst, um aus einer Facebook-Bekanntschaft eine Bekanntschaft von Angesicht zu Angesicht zu machen. Meine Facebook-Kontakte werden den Hinweis "lila Eiernetz" verstehen, alle anderen dürfen an dieser Stelle gerne verwundert die Brauen hochziehen.
Im Anschluss besuchte ich den Verlagsdienstleister meiner Wahl, BOD, um ein paar Fragen zu klären und einen Blick auf das E-Book-Angebot zu werfen. Im letzten Jahr steckte die E-Book-Option bei BOD nämlich noch in den Kinderschuhen und war damals auf Apple beschränkt. Inzwischen bietet BOD den E-Book-Service für alle gängigen Plattformen an. Entscheidet man sich also für eines der Veröffentlichungspakete bzw. für eine neue Auflage ist dieser Service bereits im Preis enthalten und man muss sich selber nicht um das Umwandeln des Buchblocks in die betreffenden E-Book-Formate kümmern. 
Auch wenn die Umwandlung natürlich von entsprechenden Programmen übernommen wird, werden die Dateien anschließend von mehreren Personen geprüft, damit auch alles Hand und Fuß hat, so beispielsweise keine Trennungen usw. mehr enthalten sind. Für multimediafähige Tablets können E-Books auch interaktiv gestaltet werden, wie an einem Kinderbuchbeispiel mit flatternden Schmetterlingen verdeutlicht wurde. Auf Absprache geht also mehr, als man auf den ersten Blick meinen mag. Pferdefuß dabei ist, dass E-Books bei BOD wie auch schon die Printausgaben nicht sonderlich preiswert sind, sondern wie auch bei "normalen" Verlagen unwesentlich billiger als der Print sind. Dennoch scheint das Angebot sowohl aufseiten der Autoren als auch beim Leser gut anzukommen.
Begrüßenswert fand ich, dass am BOD-Stand mehrere Lesegeräte präsentiert wurden, sodass man sich selbst davon überzeugen konnte, wie die E-Books an Android-Geräten, zwei verschiedenen Kindle-Geräten, iPad, Smartphone oder auch einem Sony-Reader aussehen und zu bedienen sind. 
Anschließend hüpfte ich flott in die Glashalle (am Freitag war flott auch noch möglich), um die Autorin Reni Dammrich zu treffen. Reni ist eine sympathische und sehr emsige wie auch engagierte Autorin aus Chemnitz. 
Wir kennen uns seit einer Weile über Facebook und haben kurz vor der Messe spontan entschieden, uns live und in Farbe kennenzulernen.
So ging's also auf Schnattertour über die Lust am Schreiben, Erfahrungen und Dies und Das. Und da hat Reni jede Menge zu erzählen, denn ihre Veröffentlichungsliste ist bereits recht umfangreich. 
Zuletzt erschien ihr Roman Claire im noch jungen Oldigor-Verlag zunächst als E-Book. Die klassische Buchausgabe folgt in Kürze.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, so entspannt mit Reni zu plaudern. Solche Momente machen für mich einen Messetag zu einem gelungenen Tag und ich würde das gerne wiederholen. 
Weniger gelungen ging es weiter, denn leider traf ich bei Papierfresserchens niemanden an, sodass ich immer noch nichts Neues zum Laubkönig zu berichten habe. Ich bleibe aber dran. 
Nach diesem weniger gelungenen Kurzausflug in Halle 2 zog es mich in Halle 5 in den Bereich von Leipzig.liest.digital, wo ein Vortrag zum Thema E-Book anberaumt war. Der Veranstaltungstitel war vielversprechend "E-Book im Aufwind - was Autoren und Nutzer davon haben", führte aber meines Erachtens etwas in die Irre, denn die beiden technisch versierten Referenten, E-Book-Profis der ersten Stunde, Ursula Welsch und Uwe Matrisch, beleuchteten das Thema E-Book und E-Reader eher allgemein. Uninteressant war es natürlich nicht, denn der Vortrag verschuf einen allgemeinen Überblick über Plattformen, Formate, Vor- und Nachteile von Lesegeräten usw., ging aber wenig ins Detail zum Thema "etwas davon haben". Ich persönlich kam im Anschluss an die Ausführungen zu dem Schluss, dass ich mich mit dem Kindle nicht verkauft habe, denn offenbar falle ich wirklich in die Zielgruppe der E-Reader-Nutzer. Denn ich habe den Anspruch, lesen zu wollen und eine breite Auswahl Lesestoff mit mir führen zu können. Auf multimediale Aspekte lege ich überhaupt keinen Wert, weil ich beim Lesen eines Papierbuches ebenfalls weder fernsehe noch radiohöre noch im Internet surfe. Ich bin per se kein Tablet-Kandidat. Als Autorin kam ich außerdem zu dem Schluss, dass ich E-Books nicht selber machen will. Mein Brötchenjob lässt mir einfach zu wenig Zeit, um mich intensiv mit den Tücken der jeweiligen Softwares auseinanderzusetzen. Mit der schnöden Umwandlung des als doc- oder pdf-Datein vorliegenden Buchblocks ist es nicht getan, denn es muss ja, wie bei BOD bereits gehört und gesehen, die entsprechend konvertierte Datei auch noch einmal geprüft werden. Nun ja ... dieses Thema wird wohl noch tiefer gehende Überlegungen nach sich ziehen. Mit dem E-Book bin ich noch nicht durch. 
Jedenfalls durfte ich gleich sitzen bleiben, denn die Akademie für Autoren zeichnete auch für die nächste Veranstaltung verantwortlich, bei der es sich darum drehen sollte, was Verlage von neuen Autoren erwarten. Neben Bruno C. Back und Hans-Gerd Koch stand auch Bestsellerautorin Tanja Kinkel Rede und Antwort. 
Für mich bot diese Veranstaltung nicht viele neue Informationen, interessant war sie aber trotzdem - entmutigend aber auch ein bisschen, wenn man sich von Zahlen einschüchtern lässt. Aber die Zahl 90000, das sind die Neuerscheinungen jedes Jahr, wirkt auch mächtig einschüchternd, oder? Obwohl der Veranstaltungstitel die Erwartung von Verlagen an neue Autoren in den Vordergrund rückte, ging es unter anderem auch um das Thema Verlagssuche. Herr Koch und Herr Back berichten beide aus ihrer langjährigen Lektorenerfahrung, dass von der Variante "unverlangte Manuskripteinsendung" abzuraten ist. Es fiel unter anderem die Zahl 98%. So viele unverlangt eingesandte Manuskripte werden nämlich abgelehnt. Das heißt, nur 2%, Tendenz Richtung 1% wird ernsthaft geprüft, was aber noch lange nicht heißt, dass dann auch etwas daraus wird. Oft liegt die Ursache bereits im Zustand des Manuskriptes. Gar nicht erst gelesen werden handschriftliche Einsendungen. Zur Verteidigung der Verlagslektoren wurde aber auch gesagt, das jedes Manuskript angesehen werde. Dabei heißt es, dass das Anschreiben dem geübten Lektorenblick bereits Aufschluss über das beiliegende Manuskript bzw. die beiliegende Leseprobe gibt. Liest er dann weiter, sollten ihn die ersten 10 Seiten neugierig machen und die nächsten 10 Seiten fesseln. Misslingt das, ist der Prozess des "Ansehens" beendet. Das Thema Literaturagentur wurde im Übrigen nur am Rande erwähnt. Zudem kam zur Sprache, dass Buchmessen in erster Linie dafür geeignet sind, sich über die Verlage zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Manuskripte bekommt man aber in den wenigsten Fällen auf einer Messe an den Verlag, weil die Lektoren, insbesondere auf der Frankfurter Messe, von einem Termin zum nächsten eilen und für den Autor und sein Manuskript schlichtweg keine Zeit haben. Außerdem brach Tanja Kinkel eine Lanze für Lektoren und sagte: "Wir brauchen alle Lektoren." Ganz gleich, wie lange man schon für einen Verlag schreibt, ein objektiver Beobachter ist notwendig.  Damit wurde dann auch zu den Erwartungen übergeleitet. Hat es der Autor geschafft, Lektor und Verlag zu überzeugen, muss er in erster Linie bereit sein, mit dem Lektorat zusammenzuarbeiten. Man erwartet eine kooperative Partnerschaft. 
Im Anschluss berichtete Tanja Kinkel von ihren Lesungserfahrungen und der Wichtigkeit der Kommunikation mit dem Leser eben bei Lesungen, aber auch über die eigene Homepage und Social Media. Überhaupt machte die Bestsellerautorin die Veranstaltung zu einem unterhaltsamen Ereignis. Deshalb empfinde ich den Besuch der Gesprächsrunde auch als Gewinn, selbst wenn ein Großteil der Informationen für mich nicht neu war. 
Im Schulaufsatz käme an dieser Stelle wahrscheinlich der Satz: "Und dann fuhr ich  nach Hause", aber es war noch nicht ganz so weit, denn ich begab mich noch einmal in Halle 2, um doch noch in ein paar Neuerscheinungen zu blättern. Ich habe mich aber an mein Vorhaben gehalten und kaum Bücher gekauft. Nicht nehmen ließ ich es mir, beim jungen Mondwolf-Verlag vorbeizuschauen, der sich erstmals auf der Messe präsentierte und seine bisherigen Bücher vorstellte. Dieser österreichische Fantasy-Verlag macht optisch sehr ansprechende Bücher zu interessanten Fantasythemen. Aus zwei Ausschreibungen sind zwei Anthologien entstanden, die ich mir einfach kaufen musste, weil ich ja so gerne Kurzgeschichten lese. Diese Bücher sehen schon so märchenhaft aus, dass ich nicht widerstehen konnte. Mehr darüber, wenn ich zum Schmökern gekommen bin. 
Dann machte ich mich aber wirklich auf den Heimweg ins Hotel und zog es vor, mit meinen Mädels zu schwofen, anstatt zu bloggen. Man möge mir verzeihen. 
Der Bericht zum dritten Messetag folgt ... was für ein Glück, dass ich nicht mit den Füßen tippen muss!