Sonntag, 7. September 2014

In eigener Sache


(c) Manuela Wirtz - Bildlink zum E-Book bei Amazon

Der wunderbare Film "Das Beste kommt zum Schluss" mit Jack Nicholson und Morgan Freeman hat Herausgeberin Manuela Wirtz zu einer Kurzgeschichtensammlung inspiriert. 

Ende letzten Jahres stellte sie uns (potenziellen) Teilnehmern also die Aufgabe, unsere fiktiven oder persönlichen Lebensträume in Kurzgeschichten festzuhalten, einen Ausschnitt unserer Löffel-Listen zu präsentieren, mit Dingen, von denen wir träumen oder die wir vielleicht sogar bereits verwirklichen konnten. 
Was zunächst nicht ganz so schwierig klang - ich meine, wer hat denn keine Träume, von denen er berichten könnte-, entpuppte sich als echte Herausforderung, vor allem, weil Manuelas Ausschreibung explizit zu einem In-sich-Gehen und der Suche nach ganz eigenen Emotionen aufforderte. 
So verlor ich einige Fingernägel, bis ich mich traute, meine Geschichte "Ein neuer Tag" einzureichen, die mir Sekunden nach dem Absenden schon wieder viel zu profan, dann wieder zu persönlich, dann wieder unpassend vorkam. 
Nun ja ... sie ist mit dabei, und ich freue mich, dass ich nun an dieser Stelle verkünden kann, dass die Anthologie "Die Löffel-Liste" bereits im Sommer erschienen ist. 
(Ich bin zu spät dran, aber ich glaube, ich muss eine neue Löffel-Liste mit virtuellen und technischen Lebensträumen verfassen, denn in den vergangenen Monaten stand ich doch arg mit meinem Blog im Clinch.) 
Die Sammlung ist ein - und ja, ich bin parteiisch - echtes Gemeinschaftswerk, denn die Herausgeberin hat uns Autoren in alle Schritte mit einbezogen, von der Textarbeit bis hin zum Umschlag. Das hat auch zu einem besseren Kennenlernen beigetragen, und ich fühle mich rundum wohl zwischen all den fantasievollen Beiträgen, die auch zum Nachdenken anregen wollen. 

Inhaltsverzeichnis:
Delfine bringen Glück – Ursula Dittmer   
Ein neuer Tag – Sinje Blumenstein   
Fortmachen – Maryanne Becker   
Meerwert + Meerzeit – Gerrit Fischer   
Alte Sünden – Marlene Geselle   
Reisen, der ewige Wunsch zu schweben – Bernd Lange   
Sturmtänzer - Herr LÿÐmann   
Mars – Anke Höhl-Kayser   
Die Straße der Tränen
Manu Wirtz
I want to be a part of it – Pamela Menzel   
Löffel in gute Hände abzugeben – Carsten Koch   
Eine Reise an das Ende der Welt – Sylvia Hubele   
Die Tour – Harald Herrmann


"Die Löffel-Liste: 13 bunte Lebensträume" ist als illustrierte Printausgabe und natürlich auch als E-Book erhältlich. Gern kann die Anthologie bei uns Autoren erworben werden, dann signiert und mit Lesezeichen. 
Wie Spaß beim Löffeln!

Donnerstag, 4. September 2014

... über "Schuld" von Grit Poppe


Authentische, nachhallende Geschichtsaufbereitung für Jugendliche und Zeitreisende

(c) Dressler, Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
DDR 1988: Die fünfzehnjährige Jana erlebt einen Wechsel - Umzug, neue Schule … und mit der neuen Schule lernt sie auch Jakob kennen. Jakob, den Unangepassten, der so gar nicht in ihre linientreue Welt passt. Doch alle Umgangsverbote von Janas Eltern können nicht verhindern, dass sich die Jugendlichen verlieben. Und Jakob, dessen Eltern einen Ausreiseantrag gestellt haben, öffnet Jana die Augen. Durch ihn lernt sie, das Land, in dem sie lebt, zu hinterfragen, kritischer zu sein. Jakob scheut sich nicht, seine Meinung zu sagen, er schwimmt gegen den Strom, wiegelt auf, und schon bald verschwindet er im Gefängnis. Jana versteht die Welt nicht mehr, und eines Tages macht sie eine erschütternde Entdeckung. Trägt sie möglicherweise die Schuld an Jakobs Schicksal? Wird sie ihn je wiedersehen?

Meine Meinung:
Pünktlich zum bevorstehenden 25. Jahrestag des Mauerfalls ist nach „Weggesperrt“ und „Abgehauen“ nun Grit Poppes dritter Jugendroman zum Thema DDR erschienen, und grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass auch nach dieser Zeit Alltag und Gegebenheiten für eine Zielgruppe aufbereitet werden, die zwangsläufig nicht live dabei gewesen sein kann.
Da ich, aufgewachsen in der DDR, zum Zeitpunkt des Mauerfalls gerade dreizehn Jahre alt war, habe ich natürlich mein eigenes Bild, das gerade in Bezug auf die in diesen Romanen thematisierten Schattenseiten sehr lückenhaft ist. Daher denke ich, dass Grit Poppes „Schuld“ neben der eigentlichen jugendlichen Zielgruppe auch noch uns ehemalige Jugendliche als Zielgruppe hat, die sich mithilfe ihres Romans noch einmal auf Zeitreise begeben.
Beide Adressaten bedient die Autorin gut.
Zu Beginn führt sie den Leser in den DDR-Alltag ein, der - nach meiner Erfahrung - authentisch beschrieben ist. Gepflogenheiten in der Schule und Nennungen von Produktnamen rufen Erinnerungen wach.
Dennoch legt die Autorin auch Wert darauf, dass die Jugendliche zunächst auch mit zeitlosen Problemen konfrontiert wird, um die heutige Leserschaft nicht unterwegs zu verlieren. So hadert Jana mit dem Umzug vom Land in die Stadt, hat den Stempel des Dorftrampels weg und passt, so ohne „Action“-Make-up in ihrer Rüschenbluse erst einmal nicht so recht ins Bild.
Der rebellische Jakob bietet einen typischen Gegenpart zu dem gut erzogenen, auf den ersten Blick etwas biederen Mädchen, und auch wenn eine solche Paarung in der Literatur nicht gerade brandneu ist, so gelingt es der Autorin doch sehr gut, die entstehende Beziehung zwischen den Jugendlichen glaubhaft zu gestalten.
Erfreulicherweise verzichtet sie dabei auf rosarote Wölkchen und unpassendes Anschmachten. Die zum Teil nüchterne Darstellung des Verliebens erinnerte mich geringfügig an DDR-Jugendliteratur, die in dieser Beziehung mitunter etwas „unheimelig“ sein konnte. Das soll aber gar kein Makel sein, denn ich genoss dieses Hineingleiten in eine Beziehung über ernste, geradezu erwachsene Dialoge, verbunden mit Szenen, die sich buchstäblich ins Leserherz hineinspielen, ohne kitschig zu sein. Im Gegenteil, da Jakob ohne Umschweife als jemand eingeführt wird, der sich in der DDR eingesperrt fühlt und etwas bewegen möchte, schwebt von Beginn an eine Gefahr über den beiden Protagonisten, die den Leser vorsichtig werden lässt. Dennoch ist Jakobs Verhaftung ein Schock, und die darauf folgenden Darstellungen zeigen sich auf erschütternd ungeschönte Weise, dass man durchaus immer einmal einen Moment zum Durchatmen braucht.
Um ihre Geschichte aus möglichst vielen Perspektiven zu beleuchten, bedient sich Grit Poppe mehrerer Zeitebenen und Erzählinstanzen. Eingeleitet wird „Schuld“ mit einer Ich-Erzählung aus dem Jahr 1992, erzählt von einer jungen Frau, die gerade ihre Stasiakte gelesen hat und sich nun auf eine Suche begibt.
Die Vorgeschichte dazu - zurück im Jahr 1988 bis hin zum Mauerfall - folgt dann in personaler Erzählweise, die Janas Erlebnisse im Wechsel zu Jakobs schildert und somit hautnahe Eindrücke bietet, die nachhallen.
Auf diese Weise erzählt Grit Poppe eine eindrückliche Geschichte, in der die Protagonisten eine nachvollziehbare, starke Entwicklung durchleben, eine Geschichte über großes Unrecht und Verrat an Stellen, wo man ihn nicht erwartet. Obwohl mir hier und da ein paar Graustufen fehlten und mir die Schuldfrage etwas zu absolut erscheint, konnte mich die runde Geschichte von Grit Poppes „Schuld“ nicht zuletzt auch dank des Hoffnungsschimmers, den der Roman dennoch zu entfachen weiß, überzeugen, sodass ich die beiden früheren Romane, die ich bislang noch nicht kenne, gern auf meine Wunschliste setze.

Fazit:
Realistischer Jugendroman über eine Jugendliebe, die am Unrechtssystem der ehemaligen DDR zu zerbrechen droht, mit glaubhaften Charakteren und authentischen Hintergründen.
Erschütternd, mitreißend, wichtig.  

Gesamteindruck:
5 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten:

  • Broschiert: 336 Seiten
  • Verlag: Dressler (21. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3791516345
  • ISBN-13: 978-3791516349
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

Montag, 18. August 2014

... über "Der eiserne Sommer" von Angelika Felenda

Angelika Felenda 

Lebendiges Krimidebüt mit historischem Flair 

(c) Suhrkamp nova - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt: 

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wird am Isarufer die Leiche eines jungen Mannes geborgen. Was auf den ersten Blick nach einem unglücklichen Trunkenheitsunfall aussieht, mündet für Kommissär Sebastian Reitmeyer in komplizierten Ermittlungen. Bald führen ihn die Spuren in die homosexuellen Kreise Münchens und schließlich auch in die höhere Gesellschaft, in der er sich ein selbst bewegte. Bei einem Toten bleibt es nicht, und als es Reitmeyer endlich gelingt, die losen Fäden zu verknüpfen, sind ihm die Türen verschlossen ... 

Meine Meinung:

Der Kriminalroman „Der eiserne Sommer“ ist nicht nur der Auftakt einer Serie um Kommissär Reitmeyer, sondern auch der erste Roman der Autorin Angelika Felenda, die Geschichte und Germanistik studierte und als Literaturübersetzerin arbeitet.
Mit „Der eiserne Sommer“ ist der Autorin ein solides Krimidebüt gelungen, das in erster Linie mit lebendigen Figuren und lesenswertem historischem Flair überzeugen kann.
Ihren Kommissär legt sie weniger als brillanten mechanischen Ermittler denn als Menschen mit Vergangenheit und nachvollziehbarer Gegenwart an. So entsteht eine Figur, der man gerne über die Schulter sieht. Unaufdringlich verflechtet Felenda den Alltag des Ermittlers mit seinen beruflichen Wegen und zeichnet somit ein rundes Bild ihres Protagonisten, der beruflich und privat einigen Wirrungen ausgesetzt wird, die zeitgemäß allerdings leise und beinahe unter Wahrung der Etikette erzählt werden. Obwohl Reitmeyers Vorgeschichte bereits stark beleuchtet wird, bleibt er dennoch hinreichend verschlossen, um Lust auf mehr zu machen. Ermittler ohne Geschichte und Makel sind mir ohnehin ein Dorn im Auge.
Reitmeyers erster literarischer Fall verdeutlicht Moralvorstellungen und Lebensweisen seiner Zeit und nährt seinen Spannungsfaden aus der Grenzen, an die der junge Ermittler immer wieder stößt. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Krieges rückt die Geschichte in besonders prekäres Licht und bietet interessante Erkenntnisse, ohne jedoch besonders wendungsreich zu sein.
Dass es dennoch nicht langweilig wird, ist auch der Figur der Caroline zu verdanken. Als Aushilfsgerichtsmedizinerin eingeführt, stellt sich heraus, dass sie Reitmeyers Jugendschwarm war. Aber anstatt klischeehaft auf eine Welle der Wiederbelebung alter Schwärmerei zu reiten, wird die Medizinerin Caroline zu einer wichtigen, hilfreichen Figur, die nicht frei von Fehl und Tadel ist.
Geschickt führt die Autorin moralische, rechtliche und technische/wissenschaftliche Grenzen zueinander, um ein authentisches Bild der Polizeiarbeit vor hundert Jahren zu zeichnen, ohne sich in drögen Detaildarstellungen zu verlieren.
Ich empfand es sogar als höchst erfrischend, in diese etwas entschleunigte, ältliche Szenerie einzutauchen, in der sich Polizei und Verdächtige keine wilden Verfolgungsjagden liefern konnten und der Ermittler lediglich ein Fahrrad als fahrbaren Untersatz sein Eigen nennt. Unterstützt wird das historische Flair durch Dialoge, die glaubwürdig gestaltet sind, aber keineswegs verstaubt oder aufgesetzt daherkommen.   
Alles in allem erzählt Felenda eine runde Geschichte, die deutliches Interesse an ihrem Protagonisten Reitmeyer weckt und ihm, auch angesichts des historischen Settings, das ihn zwangsläufig nicht in München verharren lassen kann, Entwicklungsmöglichkeiten für weitere Geschichten bietet. Neugierig auf mehr bin ich nun allemal. 

Fazit:
Ruhig erzählter Kriminalroman, der vor interessanter, glaubwürdiger historischer  Kulisse zwar nicht mit klassischer Raffinesse besticht, aber Figuren mit Sympathiepotenzial bietet, die im Handlungsverlauf für Leben sorgen und kleinere Längen spielend überbrücken. Ein menschelnder, stilvoller Ermittlerkrimi, der auch ohne atemberaubende Wendungen und Action spannend und lesenswert ist. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen




Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 435 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (18. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518465422
  • ISBN-13: 978-3518465424
  • Neupreis: 14,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich.  

Freitag, 11. Juli 2014

... über "SEAL-Team 12: Gebrochene Versprechen" von Marliss Melton

Marliss Melton

Toughe Charaktere weichgespült

(c) Egmont Lyx - Bildlink zu Amazon
Wichtiger Hinweis: 
Spoilergefahr! Es handelt sich um den zweiten Band von Marliss Meltons SEAL-Team-12-Reihe, in dem die Handlung aus dem Reihenauftakt wieder aufgegriffen wird. Protagonisten treten erneut auf und der Fall des ersten Bandes wird hier zu einem Abschluss geführt. 
 
Zum Inhalt:
Das SEAL-Team 12 setzt alles daran, den Namen seinen Vorgesetzten Gabriel Renault wiederherzustellen. Noch immer ist der Verräter in den eigenen Reihen nicht gefasst und Renault steht unter falschem Verdacht. Eine wichtige Zeugin ist Hannah Geary von der DIA. Ihr Vorgesetzter war in der Lage, wertvolle Beweise zusammenzutragen. Doch bevor die Verteidigung eine Chance hat, diese in ihre Hände zu bekommen, ereilt ihn ein tödlicher Unfall, und kurze Zeit später ist auch Hannah verschwunden. Offenbar wurde sie entführt. Lt. Luther Lindström und Chief Westy McCaffrey erhalten vom FBI den Auftrag, Hannah zu finden und zu befreien. Genau im rechten Moment entkommt die DIA-Agentin jedoch aus eigener Kraft und fällt mit perfektem Timing in Lindströms kräftige Arme. Der ist beeindruckt von der klugen jungen Frau, und bald befinden sich Luther, Westy und Hannah auf nicht ungefährlicher Spurensuche. Immer mehr fühlen sich Luther und Hannah zueinander hingezogen, doch die Zeichen stehen nicht gut. Es hat sie nicht nur das gesuchte "Individuum" ins Visier genommen, sondern beide haben auch noch konträre Lebensvorstellung, die der wahren Liebe in die Quere kommen könnten. Denn Hannah will unbedingt zurück zur CIA und ihre Traumkarriere als Nachrichtenagentin antreten ... 

Meine Meinung: 
Marliss Meltons Reihenauftakt "Aus dem Dunkel" hatte mir Lust auf mehr vom SEAL-Team 12 gemacht. Immerhin blieb der Ausgang der Hintergrundgeschichte vage, und die harten Kerle mit dem weichen Kern kamen durch die Bank so sympathisch rüber, das ich weiterlesen musste. 
Im Fortsetzungsband kann Marliss Melton die Vorschusslorbeeren leider nicht komplett verdienen. 
Zum einen liegt das daran, dass es nach meinem Empfinden etwas zu früh für Luthers Story ist. Kaum hat er sich im Reihenauftakt von seiner Verlobten getrennt, wird ihm im zweiten Buch umgehend das ultimative Love Interest in die Arme gespült. Auch wenn Luther ein sehr ansprechender Charakter ist - besonnen, stark, mit Gespür für die Gefühle und Sorgen des anderen - habe ich ihm beim Lesen unbewusst den Stempel des Verzweifelten aufgedrückt, den er bis zum Schluss nicht mehr los wurde. Immer wieder hebt die Autorin hervor, er sei "auf der Suche" nach einer Frau und Hannah sei nicht die Frau, die er suche. Dabei wird der Grund einer solchen Suche nur bedingt deutlich, und das Einsamkeitsargument schreit förmlich nach Klischee. Nichtsdestotrotz verkörpert er den typischen Helden, an den man sich nur liebend gern anlehnen möchte. In dieser Geschichte kommt ganz klar der weiche Kern noch vor der harten militärischen Hintergrundstory. 
Erfreulicherweise wird Hannah als starke - mit sechsundzwanzig Jahren noch recht junge - Frau charakterisiert, die klug handelt und das eine oder andere Ass im Ärmel hat, das einem Mann, der von Vorurteilen gegenüber dem weiblichen Geschlecht erfüllt ist, schon mal die Kinnlade herunterklappen kann. Obwohl mit einigem Vitamin B gesegnet, weiß Sie sich zu helfen und erfolgt ein ehrgeiziges Karriereziel, wird aber ein ums andere Mal von ihrer Vergangenheit, dem schmerzlichen Verlust ihrer Eltern, ausgebremst.
Die zum Scheitern verurteilten Versuche der Hauptprotagonisten, sich voneinander fernzuhalten, sind amüsant zu lesen und sorgen für das nötige Knistern. Auch verliert die Autorin nicht aus den Augen, dass es in ihrer Geschichte um mehr als nur eine Romanze geht, denn schließlich muss ein heikler Fall gelöst werden, der nicht von zu viel Anhimmeln und Erotik ausgeknipst werden darf. Die Mischung ist dementsprechend ausgewogen, und die Autorin zeigt ein gutes Gefühl für Timing. 
Leider gestaltet sich der Fall um den Vorgänger-Helden etwas platt. Ich muss gestehen, dass mich allein schon die Bezeichnung "Individuum" für den gesuchten Verräter einigermaßen amüsiert hat. Außerdem ist dieser Handlungsstrang vorhersehbar und selbst ich, die ich doch sonst immer bis zum letzten Satz den Gärtner verdächtigte, hatte den wahren Übeltäter in Handumdrehen entlarvt. 
In einer weiteren Nebenhandlung setzte Marliss Melton außerdem meinen Hoffnungen auf eine eigene Story zwischen Sebastian und Leila ein jähes Ende. Wie bereits im ersten Band erhielt dieses Paar so viel Raum, dass die Haupthandlung mitunter gestört wurde. Allerdings habe ich den Eindruck, diese Romanze könnte nun auserzählt sein, denn Sebastian hatte sich im Reihenauftakt als lesenswerter Charakter in mein Herz geschlichen. 
Für umfassende Spannung und nie langweilige Lektüre sorgen schnelle Schauplatzwechsel, die nicht selten in der Nacht angesiedelt sind und einen Hauch von Gefahr mitbringen, aber auch kleine peinliche Szenen und tiefergehendere Dialoge. 
Im Endspurt hat es die Autorin meiner Meinung nach dann etwas mit Hollywood übertrieben und zudem Hannah so stark in Kompromisse gezwängt, dass sich mir ein zu weichgespültes Gesamtbild ergab. Warum der Roman im Deutschen "Gebrochene Versprechen" heißt, will sich mir im Übrigen nicht so ganz erschließen.
Trotzdem habe ich immer noch Lust auf mehr Geschichten vom SEAL-Team 12. Und das will was heißen, denn eigentlich hatte ich mir ja zum Grundsatz gemacht, Reihen künftig zu meiden!

Fazit: 
Zweiter Band einer Military-Romance-Reihe, der inhaltlich den Vorgängerband aufgreift, mit neuem, leidenschaftlicherem Paar und großen Gefühlen aufwartet, aber insgesamt weicher und vorhersehbarer ist und die im Reihenauftakt begonnene Geschichte zu einem etwas übereilten Abschluss bringt. Trotzdem empfehlenswert.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Egmont LYX; Auflage: 1 (12. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Ralf Schmitz
  • ISBN-10: 3802584635
  • ISBN-13: 978-3802584633
  • Ladenpreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

... über "If you leave - Niemals getrennt" von Courtney Cole

Courtney Cole

Viel Hollywood-Dramatik, viele Emotionen - oft ehrlich, oft zu viel

(c) Knaur - Bildlink zu amazon
Wichtiger Hinweis: 
"If you leave - Niemals getrennt" ist die Fortsetzung von "If you stay - Füreinander bestimmt". Die Geschichte der Protagonisten dieses ersten Bandes wird hier in einem nicht unwesentlichen Handlungsstrang fortgeführt. Die vorliegende Rezension enthält somit zwangsläufig Spoiler und sollte nur gelesen werden, wenn Band 1 bereits bekannt ist. 
 
Zum Inhalt:
Jacey hat schon recht: Madison braucht mal einen Tapetenwechsel. Die Verantwortung für das Familienrestaurant und ihre jüngere Schwester Mila hat sie voll im Griff. Für Spaß und Männer nimmt sich Madison keine Zeit mehr in ihrem Leben. Wenigstens lebt Mila inzwischen ihr eigenes Leben, hat einen Mann an ihrer Seite. Also lässt sich Madison von ihrer Freundin und Mitarbeiterin Jacey breitschlagen, mit ihr in Chicago auszugehen. Und prompt läuft sie einem gutaussehenden Typ über den Weg. Wagemutig wirft sie sich ihm an den Hals, doch die vielsprechende Taxifahrt mit ihm endet mit einem Unfall. Unversehrt davongekommen, aber Stimmung im Eimer. Und zu allem Übel klappt der heiße Typ auch noch zusammen und muss von Madison nach Hause gebracht werden. Als er kurze Zeit später in ihrem Restaurant auftaucht und sich als Jaceys Bruder Gabriel entpuppt, ist das Knistern trotzdem wieder da. Und es wird Madison bewusst, dass sie sich mehr wünscht als eine stürmische Nacht. Doch sie hat Angst, verletzt zu werden, und Gabriel scheint genau der Mann zu sein, der sie mit Sicherheit verletzen wird. Denn dem ehemaligen Ranger gelingt es nicht, die Dämonen seiner Vergangenheit, die ihn Nacht für Nacht heimsuchen, loszuwerden ... 

Meine Meinung: 
"If you stay - Füreinander bestimmt" hatte mich zwar nicht umwerfen, aber auf seine Weise mitreißen und berühren können. Dennoch war ich mir unschlüssig, ob mich Madisons Geschichte wirklich interessierte. Im Reihenauftakt war ihr zwar eine wichtige Nebenrolle zugekommen, doch mehr als einen überfürsorglichen Eindruck hatte ich nicht von ihr gewonnen. 
"If you leave - Niemals getrennt" beleuchtet ihren Charakter nun näher und nutzt dazu auch die Protagonisten des ersten Bandes. Nicht nur deshalb empfiehlt es sich, die beiden Romane in Folge zu lesen. Mila und Pax bilden mit eigenem Handlungsstrang einen wesentlichen Teil des Buches. Damit wird auch die enge Beziehung der Schwestern, die im ersten Roman als feststehender Fakt hinzunehmen war, noch einmal untermauert und nachvollziehbarer gestaltet. 
Strukturell und stilistisch richtet sich die Autorin nach ihrem Vorgängerroman: Wieder lässt sie die beiden Hauptcharaktere in die Ich-Perspektive schlüpfen und ihre Geschichte im Präsenz erzählen. Dabei knüpfen die Perspektivenwechsel manchmal nahtlos aneinander an,  um eine Szene aus beiden Blickwinkeln zu schildern, ein anderes Mal sind die Erzählungen räumlich und zeitlich getrennt. Auch wenn ich nicht explizit nachgezählt habe, gewann ich allerdings den Eindruck, dass Madison insgesamt mehr Aufmerksamkeit bekam. Daher wirkten die Wechsel zu Gabriel stellenweise abrupt, insbesondere, weil seine Empfindungen oft in krassem Gegensatz  zu Madisons Wahrnehmungen stehen und damit liebevolle Begegnungen nachträglich einen unangenehmen Schatten erhalten. Unter anderem auch, weil Madisons Part eine Nuance weicher mit einem Hauch von Hilfsbedürftigkeit erzählt wird, selbst wenn sie kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade heraus spricht.
In "If you leave - Niemals getrennt" lebt die Autorin zudem einen Hang zu besonderer Dramatik aus und spart nicht an Klischees. Bereits im Vorgänger hatte sie es den Protagonisten nicht leicht gemacht, aber nach meinem Dafürhalten Pax' Drogenproblem stark entschuldigt und heruntergespielt, ihn quasi auf den letzten Seiten erkennen lassen, wo die Ursache seines Verhaltens liegt und ihn im Schnelldurchlauf kuriert. In der Fortsetzung erleben wir ihn als geläuterten Ehemann und werdenden Vater, dessen rauher maskuliner Touch gerade mal noch in Fitnessstudiobegegnungen mit Gabriel aufflackert. Im Gegensatz zu Pax nimmt sich die Autorin Zeit, Gabriels posttraumatische Belastungsstörung von Anfang bis Ende aufzuarbeiten. Daneben lastet sie aber auch Madison und dem Paar des ersten Bandes so manches Päckchen auf, sodass die 423 Seiten schlussendlich mit Ereignissen und Dramatik vollgestopft sind. Als Handlungsvehikel erfüllen sie ihre Aufgabe zwar treffsicher, sind aber in der Summe sicher zu viel, als ein Protagonist in einer so kurzen Zeit ertragen kann. Auch meine ich, dass insbesondere Pax und Mila, nachdem sie im ersten Band auf eine harte seelische Probe gestellt worden waren, nun etwas weniger Sorgen hätten vertragen können. Immerhin hat Madison, deren Schicksal so stark mit ihrer Schwester verquickt wird, auch so schon genug um die Ohren. Was mit einem Autounfall, der noch glimpflich ausgeht, beginnt, schliddert oft knapp an den Abgrund und gipfelt schließlich auch noch in einem Todesfall. Und zwischendurch muss sich noch eine Überschwemmung ereignen. Das klingt stark nach dem Stoff für eine Woche Daily Soap, lässt beim Lesen aber keine Langeweile aufkommen. Im Original heißt die Reihe, die inzwischen schon bei Buch 4 angekommen ist, wahrscheinlich nicht umsonst "Beautifully Broken" ...
Während es der Autorin gut gelingt, das unverkennbare Knistern zwischen Madison und Gabriel nicht zu überreizen und ihre intimen Momente mit gutem Instinkt zu platzieren, übertreibt sie es im letzten Drittel deutlich mit Soap-Elementen und klischeehaftem amerikanischem Pathos. Damit gelangte ich beim Lesen an einen Punkt, an dem ich mich zwischen Augenrollen und Tränchenverdrücken nicht mehr entscheiden konnte. 
Bis auf den Grundtenor der Zähmung und Kurierung des männlichen Problemcharakters hat mir die Figurenzeichnung in "If you leave - Niemals getrennt" recht gut gefallen. Besser noch als in Band 1, da es der Autorin hier gelingt, die Charaktere und ihre Entwicklung abzurunden und ihnen einen ballastfreien Neuanfang zu ermöglichen, der versöhnlich stimmt und dem Romanzenfreund gefallen dürfte. Als undankbaren Ausrutscher betrachte ich den Nebencharakter des Ethan, der buchstäblich nach der Holzhammermethode als Alibi-Love-Interest eingeführt wird und dann sang- und klanglos aus der Story purzelt. 
Ein wahres Ärgernis aber stellt für mich die sprachliche Umsetzung des Romans im Deutschen dar. Nun mag man mich für einen Sprachverfechter halten, und vor sprachlichen Fehltritten bin auch ich nicht gefeit, dennoch geht es mir gegen den Strich, dass mir neuerdings immer mehr Bücher unter die Augen kommen, deren Übersetzung tatsächlich nach Übersetzung klingt. Sicherlich wandelt sich die Sprache und schnappt fremdsprachige Einflüsse auf, aber warum sollte zumindest in der Schriftsprache nicht unsere eigene Idiomatik beibehalten werden? Nichts dagegen habe ich, dass die Protagonisten wie die Kesselflicker fluchen und alle paar Zeilen bzw. mehrmals im Satz "verdammt" geschimpft wird - das passt, wie Leseproben zeigen, zum Original, in dem das F-Wort ebenfalls sehr strapaziert wird. Ausdrücke wie "Pass auf deinen Rücken auf!" oder "Hölle, ja" und anderes, das ich inzwischen wieder vergessen habe und auch nicht notieren wollte (schließlich wollte ich ja lesen!), stoßen mir jedoch beim Lesen genauso unangenehm auf wie Anschlussfehler in Relativsätzen, wenn "dessen" und "deren" verwechselt werden. 
In Übersetzung und Lektorat mit der heißen Nadel gestrickter Lesestoff bietet mir leider nur halbes Lesevergnügen. 
Ich betrachte nach diesen beiden Bänden die Geschichte um die Familie von Mila und Madison nunmehr für mich als abgeschlossen. Weitere Fortsetzungen sind sicherlich bisherigen Nebencharakteren gewidmet, die ebenfalls dem "Beautifully-Broken"-Schema gerecht werden, sich allerdings bislang so wenig hervortun konnten, dass ich mich nach ihrer eigenen Story verzehren würde. 

Fazit: 
Klischeegespickte Fortsetzung um problembeladene, aber nicht unsympathische Charaktere. Ein Übermaß an Dramatik und Pathos sorgen für Soap-Feeling und minderne den Tiefgang, dafür können aber treffsicher platzierte erotische Szenen, authentische Anziehung zwischen den Protagonisten und ehrliche Tränen angenehm emotionale Lesemomente bescheren.

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten: 

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Silvia Gleißner
  • ISBN-10: 3426515288
  • ISBN-13: 978-3426515280
  • Originaltitel: If You Leave
  • Ladenpreis: 8,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 
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